Occupy Wall Street: "Die Wall Street gehört uns"
Seit Samstag kampieren Hunderte in der Wall Street, aus Protest gegen die Finanzkrise. Von amerikanischen Medien sehen sie sich ignoriert. Sie organisieren sich im Netz.
© Michael Nagle/Getty Images

Ein Demonstrant schläft im Zucotti Park nahe der Wall Street in New York
Es sollte der "Tahrir-Moment" der USA werden – wie auf diesem Platz in Kairo und auf zentralen Plätzen in anderen arabischen Staaten wollten Aktivisten in den USA die Wall Street besetzen, dort kampieren und so auf Missstände aufmerksam machen.
Am Samstag begannen sie damit. Aufgerufen hatte zu der friedlichen Besetzung die konsumkritische Bewegung Adbusters. Aktivisten von Anonymous schlossen sich an, mehrere andere Gruppen folgten.
Die erhofften 20.000 Demonstranten sind es nicht geworden. Zwischenzeitlich waren es immerhin 1.000 bis 5.000 Protestierer, je nach Schätzung. Was aber als langer Massenprotest unter dem Motto Occupy Wall Street (Besetzt die Wall Street) geplant war, scheint am vierten Tag nur noch in den sozialen Netzwerken ein größeres Thema zu sein.
Nur noch ein harter Kern von vielleicht 200 Menschen protestiert vor Ort weiter gegen die soziale Ungerechtigkeit in den USA, gegen eine Politik, die notleidenden Banken Milliarden gibt und notleidenden Menschen nichts, gegen den Einfluss der Finanzmarkt-Lobbyisten in Washington.
Bislang wurden mindestens 16 Demonstranten festgenommen , teilweise aus fragwürdigen Gründen. Eine Frau etwa wurde abgeführt, weil sie eine Maske trug – auf ihrem Hinterkopf. Eine andere Frau wurde festgenommen, weil sie abseits des Geschehens etwas mit Kreide auf den Gehweg malte. Die Polizei warf einem der Festgenommenen zunächst vor, eine Barrikade übersprungen zu haben. Nachdem zwei Journalisten der New York Times bezeugten, dass er das nicht einmal versucht hatte, änderte die Polizei kurzerhand die Vorwürfe .
Videos von weiteren Festnahmen zeigen, wie wenig zimperlich die New Yorker Polizei mit den Demonstranten umgeht. Auch gab es unbestätigte Berichte über Internetblockaden und ein Kamerateam der Aktivisten wurde festgenommen, Kameras und Computer wurden angeblich beschlagnahmt.
Kein Wunder also, dass Anonymous und die Anhänger der Bewegung sich fühlen wie die Protestierer in Ägypten oder Libyen. Doch berichtet wird in den USA kaum über sie.







Trotz sich ständig wiederholender anderslautender Medienberichte waren die Anwesenden nicht in einer einzigen Gruppe wie Anonymus organisiert, sondern haben den Aufruf diverser Aktivistennetzwerke zum Anlass genommen gegen das empfundene Unrecht auf die Straße zu gehen. Dass bei dieser Protestbewegung nicht von vornherein eine einzige Forderung im Mittelpunkt stand, sondern stattdessen eine ganze Reihe von basis-demokratischen ausgehandelten Themen entwickelt werden, sehe ich nicht als Schwäche der Bewegung sondern als ihre größte Stärke. So nämlich wird sicher gestellt, dass Krawallmacher aussortiert und die extrem friedliche Einstellung der Gruppe bewahrt bleibt, denn niemand kann sich ernsthaft an Aktionen beteiligen oder das Gesicht der Proteste mitgestalten, wenn er nicht bereit ist Tage und Nächte am Protestort zu verbringen um an der General Assembly teilzunehmen.
Unter der anhaltenden fehlerhaften Berichterstattung hat es einige Tage gedauert bis sich diese Erkenntnis auch bei objektiven Beobachtern durchgesetzt hat, doch Journalisten und Prominente die sich vor Ort mit Teilnehmern auseinandergesetzt haben unterstützen den Protest mittlerweile öffentlich. Das eindrucksvollste Beispiel dafür ist Amy Goodman von "Democracy Now!" die heute einen weitbeachteten Aufruf zur Teilnahme auf der Webseite des Guardian veröffentlicht hat (http://www.guardian.co.uk...).
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