Positiv formulierte Tweets werden vor allem morgens und am späten Abend veröffentlicht. © Getty Images

Mehr als 100 Millionen Menschen weltweit "twittern" – sie stellen kurze Meldungen von höchstens 140 Zeichen ins Internet. Jeden Tag wird etwa 230 Millionen Mal "getwittert" , und zunehmend werden Sozialwissenschaftler auf diese frei zugängliche Informationsquelle über globale Befindlichkeiten aufmerksam. Jüngstes Beispiel ist eine im Fachblatt Science veröffentlichte Studie von Soziologen der New Yorker Cornell-Universität.

Sie untersuchten die Stimmungsschwankungen bei 2,4 Millionen englischsprachigen Personen, die zwischen Februar 2008 und Januar 2010 mehr als eine halbe Milliarde Mal twitterten. Das Ergebnis ist ein Stimmungsbarometer, das weltweit weitgehend übereinstimmende Phasen von Hochs und Tiefs umfasst.

Danach geht es den Menschen in den frühen Morgen- und den späten Abendstunden am besten, wobei sich das Morgenhoch am Wochenende zwei Stunden später ereignet – nämlich dann, wenn man ausgeschlafen hat. An Werktagen ist die Stimmung während der Arbeitszeit eher mittelmäßig, umso positiver wird am Wochenende getwittert.

Auch die Jahreszeiten wirken sich auf die Laune aus. Positive Emotionen nahmen von Ende Dezember bis Ende Juni zu. Entscheidend war also nicht die absolute Länge der Tage, sondern die Tatsache, dass sie länger wurden.

Die Soziologen Scott Golder und Michael Macy nutzten ein Textanalyse-Programm, dass die Millionen von Kurzbotschaften auf positive (etwa "fantastisch", "super") und negative ("Angst haben", "Panik") Wendungen durchforstete. Ihre Ergebnisse werten sie als Indiz dafür, welche Macht Schlaf und Biorhythmus über die menschliche Psyche haben.

Zu ähnlichen Ergebnissen kam eine Forschergruppe um Peter Dodds von der Universität von Vermont in Burlington. Sie wertete fast fünf Milliarden Twitter-Meldungen über drei Jahre aus . Es gab einen morgendlichen Glücksgipfel, ein Nachmittagstief und fröhliche Laune am Wochenende. Feiertage stachen positiv hervor, negative Ereignisse wie der Tsunami in Japan dämpften die Stimmung.

Bedenklich war noch etwas. Die guten Gefühle sind seit April 2009 weltweit auf dem Rückzug. Zumindest in der ersten Jahreshälfte 2011 war noch keine Trendumkehr festzustellen.

Erschienen im Tagesspiegel