Wikileaks, das ist inzwischen offensichtlich, war eine Schimäre: Es war die Hoffnung auf absolute Sicherheit bei der Übertragung von Informationen, auf unknackbare Systeme und auf Transparenz ohne Reue.

Absolute Sicherheit ist ein unerfüllbares Versprechen. Trotzdem sind wir immer wieder gern bereit, demjenigen zu glauben, der uns dieses Versprechen macht. Es wäre doch so schön. Viele haben Wikileaks geglaubt. Nur um nun festzustellen, was sie ebenfalls längst wussten: Das schwächste System auf unserer Welt ist immer noch die Kohlenstoffeinheit vor dem Computer, der Mensch.

Es ist letztlich egal, wer nun wem und warum ein Passwort verraten hat und warum es anschließend in einem Buch veröffentlicht wurde. Es ist egal, warum die unredigierten Depeschen der amerikanischen Botschaften überhaupt im Netz gespeichert wurden. Denn, wie Linus Neumann im Blog Netzpolitik so treffend schreibt: "Passworte zu verraten ist nie eine gute Idee."

Was also bleibt?

Hacker seien eine "kreative Quelle" für die Gesellschaft , fand der Informatiker und kritische Beobachter der Technikentwicklung, Joseph Weizenbaum. Julian Assange und Daniel Domscheit-Berg haben das bewiesen.

Sie haben es gewagt, sich mit der mächtigsten politischen und militärischen Macht der Erde anzulegen. Die beiden jungen Informatiker haben die USA gehackt und bloßgestellt und damit eine weltweite Debatte um den politischen und gesellschaftlichen Umgang mit Geheimnissen ausgelöst.

Wer so etwas wagt, wer eine so verrückte Idee in die Tat umsetzt, kann grandios scheitern. Assange und Domscheit-Berg sind daran gescheitert. Das ist tragisch, weil es nun viele Menschen in Gefahr bringt. All jene, die mit amerikanischen Diplomaten zusammenarbeiteten, vielleicht in dem Glauben, damit etwas gegen autoritäre Regime zu tun, müssen nun fürchten, von eben jenen Regimen verfolgt zu werden.

Der Idee einer transparenteren und damit demokratischeren Welt aber hat es nicht geschadet, sie bleibt. Wikileaks und OpenLeaks mögen sich im Kampf gegenseitiger Beschuldigungen zerlegt haben und weiter zerlegen. Die Überzeugung, dass Transparenz wichtig ist – und dass das Internet das mächtigste Instrument ist, um mehr Transparenz zu schaffen –, diese Idee geht nicht mehr weg.