Datenleck Wikileaks veröffentlicht alle US-Depeschen
Bei einer Pannenserie bei Wikileaks wurden zahlreiche unredigierte Dokumente samt Passwort verbreitet. Nun hat das Portal alle 250.000 Dokumente selbst veröffentlicht.
Was Wikileaks immer vermeiden wollte, treibt die Enthüllungsplattform nun selbst offensiv voran: Nach der schweren Datenpanne um die 250.000 US-Depeschen hat Wikileaks den kompletten Satz der unredigierten Dokumente jetzt selbst online veröffentlicht.
Damit sind nun auch die Namen von Informanten öffentlich, die teilweise sensible Informationen an die Botschaften der USA weitergereicht haben. Die große Frage ist nun, ob die erzwungene Transparenz dazu führt, dass diese Informanten in Gefahr geraten, oder ob sie nun besser geschützt sind, weil ihr Verschwinden bemerkt werden würde.
Geplant hatte Wikileaks nach Erhalt der Depeschen im Frühjahr 2010, die einzelnen Dokumente immer erst dann zu veröffentlichen, wenn die Medienpartner, darunter der Spiegel und der britische Guardian, alle Informanten anonymisiert hatten.
- Was ist Wikileaks?
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"We open governments", ist das Motto von Wikileaks: "Wir machen Regierungen transparent". Die Organisation bietet eine eine Internetseite, über die sogenannte Whistleblower, Informanten also, geheime Akten und Daten an die Öffentlichkeit bringen können. Wikileaks verspricht ihnen dabei dank verschlüsselter Kommunikation und nicht abhörbarer Server Anonymität. Gleichzeitig veröffentlicht Wikileaks das Material auf seiner Seite und macht es damit für jeden zugänglich. Derzeit sind allerdings keine neuen Eingaben möglich.
Die Organisation hat dabei zum Grundsatz, Dokumente nur zu veröffentlichen, wenn sie zuvor auf Plausibilität und Wahrheitsgehalt geprüft wurden.
- Cablegate
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Eine besonders spektakuläre Veröffentlichung auf Wikileaks ist unter dem Namen Cablegate bekannt geworden: Im November 2010 hat Wikileaks mit der Veröffentlichung von etwa 250.000 Berichten US-amerikanischer Diplomaten begonnen.
Neben Depeschen, die US-Botschafter über internationale Politiker angefertigt hatten, kamen dabei auch weitere Informationen zu den von Amerika geführten Kriegen ans Licht, aber auch Einschätzungen zur Situation Nordkoreas, den Staaten Südamerikas und dem iranischen Atomprogramm
Am 7. Dezember 2010 wurde der Gründer der Seite, Julian Assange, in England verhaftet, weil gegen ihn ein Haftbefehl aus Schweden vorliegt. Dort wird ihm Vergewaltigung vorgeworfen. Assange bestreitet den Vorwurf. Die schwedische Justiz sagt, dass der Haftbefehl in keinem Zusammenhang mit den Veröffentlichungen durch Assanges Projekt steht. Er selbst behauptet, es handele sich nur um einen Vorwand, um Wikileaks von der Veröffentlichung weiterer Dokumente abzuhalten.
- Die Debatte um Wikileaks
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Fest steht, dass die Cablegate-Veröffentlichungen weltweit Interesse erregten. Vor allem in den USA riefen sie heftige Proteste der Regierung hervor und konservative Politiker forderten, Assange dafür einzusperren. In vielen Ländern führten sie zu einer Diskussion über den Nutzen von Wikileaks und über die Zukunft der Diplomatie: Was geschieht mit den internationalen Beziehungen, wenn im Zweifel jedes geheime Dokument an die Öffentlichkeit gelangen könnte?
Dabei werden von einigen Kritikern auch die Absichten von Julian Assange und seiner Organisation in Zweifel gezogen. Sie sind der Meinung, dass Transparenz kein Selbstzweck sein dürfe, Wikileaks also nicht ausnahmslos alle ihm zugespielten Dokumente ohne Rücksicht auf die Folgen veröffentlichen dürfe.
Wobei Wikileaks selbst immer wieder betont hatte, dass genau das nicht geschieht und dass aus den Dokumenten beispielsweise Namen herausgefiltert würden, um Menschen nicht zu gefährden. Assange bezeichnet sich deshalb inzwischen auch als Chefredakteur, als jemand mit journalistischem Selbstverständnis, wozu gehört, nicht jede Information auch zu veröffentlichen. Mit der nun erfolgten Veröffentlichung aller unbearbeiteten US-Botschaftsdepeschen ist Wikileaks aber zum ersten Mal von den eigenen Grundsätzen abgewichen.
- Frühere Leaks
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Gegründet wurde die Plattform von Assange im Jahr 2006. Im Jahr darauf erlangte sie weltweite Bekanntheit, als sie die Richtlinien des US-Militärs veröffentlichte, aufgrund derer im Gefangenenlager Guantánamo Bay die Insassen behandelt und gefoltert wurden.
Im Juli 2010 veröffentlichte die Organisation zuerst geheime Militärdokumente aus dem Afghanistan-Krieg (die Afghan War Diaries) und im Oktober Dokumente aus dem Irakkrieg (Iraq War Logs).
Berichte über Wikileaks und die Debatte um die Veröffentlichungen haben wir nach Themen sortiert auf einer Übersichtsseite für unser Projekt ZEIT für die Schule zusammengestellt. Die gesamten veröffentlichten Artikel zu Wikileaks finden Sie auch auf der Schlagwortseite.
Dann allerdings geriet eine verschlüsselte Datei mit den unredigierten Namen in Umlauf. Nachdem der Guardian-Journalist David Leigh in einem Buch Wikileaks – Inside Julian Assange's War on Secrecy das Passwort zur Entschlüsselung dieser Datei veröffentlicht hatte, wuchs die Zahl derer, die Zugriff auf die unredigierten Dokumente hatten – und damit die Gefahr für die Informanten. Mittlerweile sei "eine kritische Masse erreicht", teilte Wikileaks am Donnerstag mit.
Das Leck in der Leaking-Plattform liege nicht bei Wikileaks
Die Veröffentlichung aller Depeschen soll nun verdeutlichen, bei wem aus Sicht von Wikileaks der eigentliche Fehler liegt – bei David Leigh. Das Leck in der Leaking-Plattform resultiert aus Sicht von Wikileaks-Gründer Julian Assange und seinen Mitstreitern aus einem eklatanten Vertrauensbruch, nicht aus einem Fehlverhalten von Wikileaks.
Leigh hatte die sensiblen Daten von Assange erhalten, als die Enthüllungsplattform und der Guardian noch in einer Medienpartnerschaft verbunden waren. Nach mehreren kritischen Artikeln über die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Assange im Guardian beendete dieser die Kooperation jedoch. Im Statement von Donnerstag nennt Wikileaks jedoch eine Verschwörung des Guardian gegen die Whistleblower-Plattform als Grund.
Inzwischen überziehen sich Leigh und Assange gegenseitig mit Vorwürfen. Leigh rechtfertigte die Veröffentlichung des Passworts in seinem Buch mit dem Hinweis, er sei davon ausgegangen, dass es damals nur für wenige Stunden gültig gewesen sei.
Wikileaks wiederum kündigte rechtliche Schritte gegen den Guardian sowie gegen eine nicht genannte deutsche Person an. Dabei könnte es sich um einen Journalisten der Wochenzeitung der Freitag oder deren Verleger Jakob Augstein handeln, weil der Freitag die Geschichte vom Leck bei Wikileaks publik gemacht hatte. Aber auch Daniel Domscheit-Berg könnte gemeint sein, der Wikileaks im Streit verließ.
- Datum 02.09.2011 - 15:06 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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....die Amerikaner in einem fast Online-Tempo ueber die Bundes-Koalitionsverhandlungen informierte, musste wegen dieser eventuell beabsichtigten Panne als erster Informant daran glauben. Gschieht ihm Recht, denn er hat keine Missstaende aufdecken wollen, sondern war Geld- und Karrieregeil und glaubte, mit Hilfe der Amerikaner dieser niederen Motive realisieren zu koennen.
Zitat: "Das Leck in der Leaking-Plattform liege nicht bei Wikileaks"
Man gibt niemals und unter keinen Umständen Passwörter an wen auch immer, Mr. Assange. Wenn jemand Teile der verschlüsselten Informationen haben will, überprüft man den betreffenden Teil, schwärzt sensible Stellen und sendet der betreffenden Person die Daten in einem neuen, verschlüsselten Container zu.
Aber anscheinend wollten sie (mal wieder) nur prahlen, da ein Buch über die "Lichtgestalt Julian Assange" den Retter der informationellen Freiheit geschrieben werden sollte.
Dagegen ist Anonymous harmlos, die bringen wenigstens keine Unschuldigen in Lebensgefahr.
welche deutschen Zeitungen ehrlich bemüht sind ihre Leser mit evenl. wahlentscheidenden Informationen zu versorgen. Welche Zeitung bereit ist, auch skandalöse Geisteshaltungen von Spätrömern zu veröffentlichen. Welche bereit ist, die Cables zu Guantanamo mal näher unter die Lupe zu nehmen usw. Die Presse hat jetzt die Chance zu zeigen auf welcher Seite sie steht.
Es sieht eher nach einer gut ausgetüftelten Diffamierungskampagne aus.
Die wirkliche Transparenz in die Berichterstattung bringen die Leser-Kommentare.
http://www.freitag.de/pol...
Hier finden Sie weitere Beiträge zum Thema.
http://www.freitag.de/pol...
Und wieder sind es Leser-Kommentare, die Licht in diesen Sumpf bringen.
im wahrsten Sinn des Wortes, begangen von David Leigh, einzig den Verkauf seines Buchs zu promoten.
Journalisten haben eine besondere Verantwortung bezüglich ihrer Quellen/Informanten. Auch dann, wenn das Verhältnis zerrüttet ist, was anscheinend mit Assange auch nicht schwer ist.
Whistleblower werden es sich künftig dreimal überlegen, mit Journalisten zusammenzuarbeiten. Ich bin deshalb gespannt, ob die Zunft zu einer Stellungnahme fähig sein wird.
"Der Blogger Markus Beckedahl hat sich hinsichtlich der Zukunft der Enthüllungsplattform WikiLeaks gezeigt. “Ich glaube, vor allen Dingen durch die Strahlkraft der Marke WikiLeaks wird es immer noch attraktiv für viele Informanten sein, dort später Dokumente hochzuladen, weil wo sollte man sonst Dokumente hochladen”, erklärte Beckedahl im Deutschlandfunk. Es gebe zwar eine ganze Menge Konkurrenzplattformen, die sich auch aufs Leaking
konzentriert haben, aber diese seien weder bekannt, noch weiß man teilweise, wer dahinter sitze. WikiLeaks habe sehr gute Reputationen, “gute Hacker zu sein, die sehr auf IT-Sicherheit wert legen”, erklärte der Blogger. Nach Ansicht von Beckedahl sei man sowieso erst am Anfang von Enthüllungsplattformen. “OpenLeaks ist eine mögliche Konkurrenz, aber OpenLeaks muss auch erst mal zeigen, dass sie tatsächlich angenommen werden”, sagte Beckedahl."
Quelle:
http://www.markenpost.de/...
"nun besser geschützt sind, weil ihr Verschwinden bemerkt werden würde."
Das schuetzt ganz bestimmt niemanden besser. Wenn man jemanden, der gepetzt hat, verschwinden laesst, will man, dass die potentiellen Petzen der Zukunft das auch wissen.
WL:der sorgfältige Plan,eine tiefgreifende Veränderung anzuregen,wurde durch eine Einzelperson zur persönlichen Bereicherung benutzt
eine sorgfältig ausgelegte Arbeit wurde aus Rücksichtslosigkeit kompromittiert
Meine Meinung dazu:
Gemeinsam haben sich einige drittklassige Medienvertreter durch Verrat,einhergehend mit der Gefährdung von Informanten,über jegliche Moral gesetzt
Beweggründe einer solchen perfieden Tat könnten persönliche Vorteilsnehmung, Bereicherung und Rache sein.Alles in allem ein abstoßendes Verhalten
Ein weiterer Grund bestünde in der Möglichkeit der Unterwanderung Wikileaks durch Maulwürfe,die einfach nur einen Auftrag durchführen,einen Auftrag zur Zerstörung von Wikileaks
Die Folge wäre,dass mit Wikileaks die einzigste namhafte und vertrauenswürdige Whistleblower- Plattform eliminiert würde und Regierungen,Banker,Unternehmer und weitere Eliten wieder ruhig schlafen könnten
Wir alle können durch Offenlegung geheimer Unterlagen nur gewinnen
Menschenrechtsverletzungen,Korruption,Betrug,Krieg und Ausbeutung sind unwürdiger Teil von Demokratie und Freiheit und sind doch Teil des Alltagsgeschäftes
Mit Wikileaks hatten und haben wir dazu die Chance,weltweit
endlich Licht in unsaubere Geschäfte zu bringen
Wikileaks war und ist mehr als eine Aufklärerplattform für Tratsch
Wikileaks legt durch Veröffentlichung den Finger in die Wunde von weltweiten unsauberen Machenschaften und Verbrechen,nicht nur in totalitären Staaten sondern auch in Demokratien
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