100 Tage Google+ Die künftige Schaltstelle aller Google-Dienste

Das soziale Netzwerk Google+ soll bereits 50 Millionen Nutzer haben. Der bemerkenswerte Start kann jedoch nicht verbergen, dass es sich um ein unfertiges Produkt handelt.

Die Circles, in denen Kontakte sortiert werden, sind ein zentraler Bestandteil von Google+.

Die Circles, in denen Kontakte sortiert werden, sind ein zentraler Bestandteil von Google+.

Vor 100 Tagen hat Google+ seine Pforten geöffnet und nach Branchenschätzungen seitdem bereits mehr als 50 Millionen Nutzer gewonnen. Das sind zwar noch beträchtlich weniger als die 800 Millionen Facebook-User, trotzdem war der Start ein Riesenerfolg.

Ob Google tatsächlich der "Facebook-Killer" ist, den viele Schlagzeilenschreiber herbeisehnen, ist aber noch völlig offen. Denn erstens hat Google schon mit zwei seiner Gehversuche in sozialen Netzwerken spektakuläre Bruchlandungen hingelegt: Orkut ist nur in Indien und Brasilien nennenswert erfolgreich, Google Buzz hat von Anfang an nicht überzeugen können. Und zweitens ist Google+ noch nicht fertig.

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Für den Anfang hat Google jedoch vieles richtig gemacht. Gerade in der deutschen Netzszene hat sich die neue Plattform als Ort der Debatte etabliert, weil sie gegenüber der Konkurrenz gewisse Vorteile bietet. Die erzwungene Kürze auf Twitter lässt keine tiefergehenden Diskussionen zu und Facebook wird wegen seiner Konsumorientierung mittlerweile zunehmend abgelehnt. Dass die Klarnamen-Politik von Google große Empörung auslöst, deutet darauf hin, wie wichtig die neue Plattform genommen wird.

Langsame Öffnung für Entwickler

Der deutsche Google-Manager Jens Redmer erklärte Google+ sogar zum kompletten Gegenteil von Facebook. Doch davon kann eigentlich keine Rede sein. Denn Facebook hat sich bemüht, alle Features nachzubauen, die der neue Konkurrent seinen Nutzern exklusiv anbot. Kaum wurde Googles innovativer Video-Chat Hangout gelobt, rüstete Facebook seinen Chat ebenfalls auf und spendierte ihm eine Video-Funktion. Auch das Asynchrone an Google+, also die Tatsache, dass man nicht nur beidseitige "Freundschaften" pflegen kann, stieß auf Zustimmung – und so bietet Facebook nun auch an, die Beiträge anderer Nutzer einfach nur zu abonnieren. Außerdem wurde die zuvor gut versteckte Gruppen-Funktion verbessert: Damit bekommt der Chef nicht mehr die Partyfotos zu sehen und der Freundeskreis wird nicht mit Nachrichten aus dem Berufsleben überschwemmt.

Schon diese überfälligen Entwicklungen machen Google+ für viele Nutzer zum Erfolg. Aber auch Google ließ sich seinerseits deutlich von Facebook inspirieren, so zum Beispiel bei der Integration von Webspielen wie Angry Birds. Bisher aber ohne großen Erfolg. Die großen Social Games erscheinen nach wie vor bei Facebook.

An anderen Stellen zögert Google noch. So öffnet sich das Netzwerk nur langsam für externe Entwickler. Die Programmier-Schnittstelle erlaubt bisher nur wenig: So können externe Anwendungen inzwischen auf die Suchfunktion der Plattform zugreifen. Eigene Postings erstellen können sie jedoch nicht. So ist es über Software wie Seesmic möglich, Inhalte gleichzeitig auf Facebook, Twitter und weiteren Netzwerken zu posten. Wer hingegen auf Google+ posten will, muss die Website von Google benutzen.

Leser-Kommentare
  1. Ich arbeite seit fast drei Monaten mit GOOGLE+ und bin begeistert. Ich kann meine Bilder und Reiseberichte weltweit meinem größeren Freundeskreis (Friends) präsentieren und bekomme sehr positive Rückmeldungen.

    https://plus.google.com/1...

    Dies ist umso erstaunlicher, da ich auch von Reisen berichte, die ich vor mehr als 40 Jahren durchgeführt habe.

    http://community.zeit.de/...

    Herzliche Grüsse

    Klaus Metzger
    HILDESHEIM

    • Ranjit
    • 06.10.2011 um 11:28 Uhr

    Wie der Artikel so schön betont sind ja erst 100 Tage vergangen. Gewünscht hätte ich mir dann noch eine differenziertere Analyse.

    So macht Facebook zwar einiges nach, aber zum einen nur halbherzig und zum anderen gehen die Änderungen im historisch gewachsenen Wust unter.

    Was mir auch fehlt ist der Hinweis, dass man bei Google+ Videokonferenzen mit 10 Teilnehmern ausführen kann. Bei Facebook, dass sich Skypes Netzwerk bedient, sind nur direkte Videochats (zwei Personen) möglich. Die Gruppenfunktion möchte Skype sich ja bezahlen lassen.

    Und wenn schon mit Facebook verglichen wird, so sollte Facebooks Timeline nicht unerwähnt bleiben. Die große und wahrscheinlich völlig berechtigte Skepsis gegenüber dieser Neuerung ist sicherlich ein relevanter Faktor für das Wachstum von Google +.

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  2. "Aber zum Beispiel eine Veranstaltung direkt in den Google-Terminkalender zu übernehmen oder gar Musikstücke der neuen Musikplattform Google Music zu teilen, ist noch nicht möglich. Solche Details verdeutlichen, dass Google+ noch eine Baustelle ist."

    Was erwarten wir von solchen Netzwerken, wofür werden sie genutzt?

    Die wahre Herausforderung für Plattformen wie google+ und Facebook wird es sein, den konventionellen Internetnutzer von der Notwendigkeit und zugleich Eleganz dieser Funktionen zu überzeugen, die mit direkter Kommunikation (wofür solche Netzwerke de facto genutzt und geschätzt werden) nichts mehr gemein haben.

    Eine Leser-Empfehlung
  3. Ich habe Facebook noch nie besonders intensiv genutzt, aber Google+ verwende ich seit Anfang Juli und bin begeistert. Ich poste regelmäßig zu einer großen Anzahl von Themen, was sich nun auszahlt - seit Google letzte Woche eine "Share Your Circle"-Funktion herausgebracht hat, ist die Anzahl meiner "Followers" auf inzwischen über 2400 gestiegen...

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    ...posten Sie dann auf ZEIT-Online?

    Sie haben doch schon 4000 Jünger (=Followers), keiner dabei, der was vernünftiges zu sagen hat, außer "Google+ ist das Tollste"?

    ...posten Sie dann auf ZEIT-Online?

    Sie haben doch schon 4000 Jünger (=Followers), keiner dabei, der was vernünftiges zu sagen hat, außer "Google+ ist das Tollste"?

  4. Es ist nicht nur Spielzeugcharakter. Das wäre Facebook.
    Facebook ist überfrachtet, verwirrend und ... hat andere Zielgruppen.
    Ausserdem, was waren jetzt neue Begründungen in Ihrem Artikel? Schade. Habe mehr erwartet.

  5. "so liest man nicht nur, wer angerufen hat, sondern sieht auch dessen Gesicht".

    Brave New World...

  6. ...posten Sie dann auf ZEIT-Online?

    Sie haben doch schon 4000 Jünger (=Followers), keiner dabei, der was vernünftiges zu sagen hat, außer "Google+ ist das Tollste"?

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Auf ein Neues"
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    es waren ja nur 2400, Entschuldigung.

    es waren ja nur 2400, Entschuldigung.

  7. es waren ja nur 2400, Entschuldigung.

    Antwort auf "Und warum..."

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