Amazon und AppleDer "Walled Garden" ist kein Garten

Mit seinem Tablet Kindle Fire kopiert Amazon das geschlossene Geschäftsmodell von Apple. Bei Technik und Inhalten geht das Versandunternehmen noch einige Schritte weiter. von 

Der Kindle Fire von Amazon – eine Einkaufsmaschine

Der Kindle Fire von Amazon – eine Einkaufsmaschine  |  © Spencer Platt/Getty Images

Apple und Amazon sind offensichtlich erfolgreich, und sie sind es, weil sie ihre Nutzer einsperren. Die grundlegende Strategie der beiden Konzerne ist dieselbe: Sie heißt walled garden , der ummauerte Garten. Apple und Amazon sind eigene, geschlossene Welten im Internet. Die Apps zu ihren Tablets gibt es nur in den firmeneigenen Netz-Läden. Bücher , Zeitschriften, Spiele, Musik und Videos werden allein über die eigenen Plattformen verkauft. Daten werden in eigenen Clouds gespeichert. Hauseigene Browser sind vorinstalliert. Hardware und Inhalte bilden eine Einheit.

Apple hat es vorgemacht, Amazon baut es nach und bietet neben seinen Inhalten inzwischen mehr und mehr eigene Hardware an. Der Kindle namens Fire ist nur der bislang letzte Baustein.

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Dabei geht Amazon anders, aber mindestens ebenso aggressiv vor wie Apple, um sein Geschäftsmodell auszudehnen. Ein iPad kostet in der Herstellung nur etwa halb so viel, wie Apple anschließend dafür vom Käufer verlangt. Das zumindest hat die Firma iSuppli im vergangenen Jahr für die erste Version des Tablets ausgerechnet . Amazon dagegen verliert nach der Analyse von IHS , einem Beratungsunternehmen, zu dem iSuppli heute gehört, sogar zehn Dollar bei jedem verkauften Kindle Fire.

Amazon protokolliert alle besuchten Websites

Selbst wenn die Zahlen nicht präzise sind, weil sie auf Schätzungen beruhen: Das Tablet allein bringt Amazon offensichtlich kein Geld. Warum das Versandunternehmen das Gerät trotzdem für nur 199 US-Dollar verkauft, hat der PR-Profi Steve Rubel treffend zusammengefasst: "Amazon uses devices to sell more content. Apple uses content to sell more devices." ("Amazon benutzt Geräte, um mehr Inhalte zu verkaufen. Apple benutzt Inhalte, um mehr Geräte zu verkaufen.")

Das Prinzip des ummauerten Gartens wird gern kritisiert, eben weil es restriktiv ist und Kunden sich ihm mehr oder weniger ausliefern müssen. Die rigide und alles andere als liberale Geschmackspolizei in Apples App Store etwa ist berüchtigt .

Bei Amazon ist es der Silk genannte Browser im Kindle Fire, der deutlich macht, dass nicht der Käufer das Gerät kontrolliert, sondern umgekehrt. Der Browser bekommt beim Laden von Websites Unterstützung aus Amazons Cloud EC2. Dort werden die Seiten aber nicht nur in hoher Geschwindigkeit geladen, bevor sie an den Browser geschickt werden. In der Cloud wird auch gespeichert, welche Seiten besonders häufig aufgerufen werden. Amazon nutzt das Wissen einerseits, um beliebte Seiten schon zu laden, bevor der Nutzer sie überhaupt aufruft. Das Surfen im Netz wird beschleunigt. Andererseits bedeutet das: Amazon speichert absolut jede Bewegung seiner Nutzer im Netz – nach eigenen Angaben anonymisiert und für maximal 30 Tage . Mithilfe dieser Nutzungsmuster wird das Unternehmen seine Angebote immer besser auf die Interessen seiner Kunden zuschneiden können.

Verlockend unkompliziert

Die Gartenmauern sind auch der Grund, warum die Tablets von Amazon und Apple ein Laptop oder einen Desktop-Rechner nicht ersetzen können. Die Nutzer bekommen in erster Linie Angebote der Hersteller vorgesetzt. So bietet das iPad nicht einmal einen USB-Anschluss, um Inhalte aus anderen Quellen auf das Gerät zu bekommen. Amazons Kindle Fire ist gar nicht erst als Arbeitsgerät gedacht, sondern zur Unterhaltung. Und er soll genutzt werden, um bei Amazon einzukaufen.

Anders ausgedrückt: Die Geräte werden nicht gebaut, um ihren Besitzern einen mobilen Zugang zum Internet zu ermöglichen. Vielmehr sollen die Nutzer in der Welt der beiden Unternehmen verbleiben und dort konsumieren.

Der Grund, warum das Modell trotzdem bei Apple längst funktioniert und nun auch bei Amazon klappen könnte, ist ein sehr menschlicher: die Faulheit der Nutzer. "Faulheit ist der stärkste, am meisten unterschätzte Antrieb, wirkungsvoller als Sex", schreibt Peter Glaser im Blog von Technology Review . "Psychologen und Wirtschaftswissenschaftler sprechen etwas vornehmer von Convenience." Es ist verlockend unkompliziert, bei Apple und Amazon einzukaufen. 

Leserkommentare
    • mx-5
    • 13. Oktober 2011 17:10 Uhr

    Dass man mit einem Apple-Gerät "eingesperrt" ist und nur Inhalte von Apple nutzen kann ist einfach falsch. Das Gerät hat einen USB-Anschluss. Dieser ist geräteseitig zwar proprietär, bietet aber trotzdem genau die gleiche Funktion wie ein Standard-Anschluss. Nämlich das Gerät mit dem Rechner zu verbinden. Kabel ist ja dabei. Das Programm zum Übertragen von Daten ist dann eben iTunes oder eine der vielen Alternativen. Ob man dann Filme, Musik oder Dokumente aller möglichen Formate überträgt - es funktioniert alles. Man braucht nur die passende Software auf dem Gerät, wie bei einem PC oder einem Android Gerät. Und da gibt es alles, ganz offiziell, ohne "Jailbreak".
    Ich streame Filme von einem Nicht-Apple-Medienserver, nutze Dokumente vom PC aus MS Office usw.

    Es wird oft geschrieben, dass man voll auf Apple angewiesen ist. Dadurch wird es aber nicht zur Wahrheit. Hier sollte sich der Autor mehr Fachwissen aneignen.

    4 Leserempfehlungen
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    Die "normalen" Lowlevel Funktionen werden immer mehr schwinden "besitzt" man eine PDF/MP3 "Datei" noch oder liegt sie nur noch als Stream in der Cloud?

    Ich möchte die Kontrolle über meine Daten haben. Punkt.

    Apple und Amazon unterstützen dies immer weniger. Es ist auch nicht ihr Ziel. Das "wirtschaftswissenschaftliche" Ziel ist: Gerät und Dateien gehören der Firma, der Kunde leiht beides nur -- the money will roll right in.

    Das ist nicht die Idee der Wissensgesellschaft. Da hilft auch etwas Wolfram Alpha gespiele mit AI nicht, so gerne ich sowas auch hätte.

  1. "Der Grund, warum das Modell trotzdem bei Apple längst funktioniert und nun auch bei Amazon klappen könnte, ist ein sehr menschlicher: die Faulheit der Nutzer."

    Genau! Warum soll ich mich mit der Suche, dem Umkopieren, dem Download von irgendwelchen merkwürdigen Servern, dem Transfer mit USB Sticks, usw. rumärgern und Lebenszeit vergeuden, wenn es Dienstleister gibt, durch die ich innerhalb von kürzester Zeit genau den Film, die Musik oder das Buch bekomme, fix und fertig,im passenden Format für meine Abspielplattform. Genau das möchten z.B. auch meine Kunden. Ein Care-Free Packet, eine umfassende Dienstleistung. Genau das bietet Apple und Amazon. Wer es nicht mag hat die Freiheit und die Möglichkeit sich anderweitig zu bedienen. Ich jedenfalls bin im Gefängnis happy und will nicht tauschen. Ich denke auch, dass sich dieses Geschäftsmodell durchsetzt, weil es den Kunden einfach mehr bietet.

    Eine Leserempfehlung
    • Mejan
    • 13. Oktober 2011 17:21 Uhr

    [...]
    Faulheit. Um sich ein gerät Marke Apple zu leisten muss man ordentlich malochen. Ich kenne keinen der Wirklich faul ist, aber ein Mac Pro Zuhause stehen hat. Aber der Reihe nach. Worin soll eigentlich diese Faulheit bestehen, möchte ich gerne wissen? Und wie verhält sich jemand der nicht Faul ist. Ich bin Froh, dass Apple ein geschlossenes System ist. Nicht auszudenken wie es wäre, wenn jeder sich den ganzen Müll aus dem Netz laden würde, wie auf dem Desktop, und damit das System vollstopfen, und sich hinterher beschweren das nix geht. Also, wie sieht es mit der Faulheit aus? Und warum erlaubt es DIE ZEIT, Apple Nutzer dauernd derart zu beleidigen. Die Menschen die den größten Teil unserer Gemeinschaftskasse stemmen, und den Konsum antreiben, werden als Faul bezeichnet. Und dennoch geht so ein Artikel durch. Menschliche Gründe. Ja, welche denn noch Her Gott, tierische? Was haben Sie daran auszusetzen, wenn ich nach einem hartem, produktivem Arbeitstag, mir die Freiheit nehme, wie Sie sagten Faul zu sein, und bequem bei Apple einkaufe. Es ist meine freie Entscheidung. Kaufen Sie ausschließlich Fair-Trade, oder nur regional? Nein? Dann gehören Sie nach ihrer Logik auch zu den Faulen in Unserer Gesellschaft. Fortsetzung folgt...

    Teil entfernt. Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen und formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Danke, die Redaktion/lv

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    Apple-Gerätebesitzer sind die neuen Arbeitsschweine der Leistungsgesellschaft. Für Konsum und die trendige iWare legen sie sich krumm. Der Grauschleier, der sich früher um die dröge PC-Arbeiterschaft legte, umweht heute die Apple-Jünger, die - da kommt die (Denk-)Faulheit dann doch ins Spiel - vor keiner Aufopferung als Rädchen im System zurückschrecken, wenn sie nur die Aussicht haben, sich das nächste iGadget auch kaufen zu dürfen und iN zu sein.

    Die neue iKonformität. So in die Richtung war der Artikel eher gedacht. Ich denke, keiner wollte unterstellen, dass ein echter iJünger nicht ehrlich burn-out-bereit wäre und alles gibt.

    • c-r-u-x
    • 13. Oktober 2011 18:41 Uhr

    U mad, bro?

    Ihr Tobsuchtsanfall ist aus so dermaßen vielen Gründen absurd, dass er eigentlich nur als Satire durchgehen kann.
    Ich wusste gar nicht, dass Apple-Nutzer "den größten Teil unserer Gemeinschaftskasse stemmen". Die direkte Proportionalität, die Sie zwischen dem Einkommen eines Menschen und seiner Tüchtigkeit zu ziehen scheinen, ist ebenfalls sehr fragwürdig. Nichtsdestotrotz ist weder der Artikel noch die generelle Kritik an geschlossenen Plattformen als Angriff auf Besserverdienende per se zu verstehen.
    Beruhigen Sie sich doch, keiner nimmt Ihnen die Möglichkeit weg, Ihr Geld loszuwerden!

    • Floaty
    • 22. Oktober 2011 20:50 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Anfeindungen anderer User und diskutieren Sie ausschließlich zum Artikelthema. Danke. Die Redaktion/vn

    • Mejan
    • 13. Oktober 2011 17:22 Uhr

    Ihr Artikel bekräftigt das ja. Denn Sie haben sich scheinbar nicht die geringste Mühe gemacht danach zu forschen, wer sich Apple Produkte kauft, wie viel Steuern diese Menschen zahlen, und nichts, schwadronieren aber hier über Faulheit. Langsam wird es bezeichnet für DIE ZEIT solchen Artikeln eine Plattform zu bieten.

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    Ich glaube der Artikel benutzt das Wort faul etwas zweideutig. Das Wort "leicht" oder "einfach" passt evtl. auch. Der Autor will auch keine bestimmte "Schicht" diskriminieren. Es geht ihm mehr um die Mechanismen die hinter den Arbeitsmodellen der Geräte liegen: Den guten (Apple Hardware, GUI Design), wie den schlechten (One Click Kreditkarten Apps, Amazon 1-Click, itunes). Tatsächlich nutzen eine Menge Leute Apple und Amazon Hardware, aber halt in, sagen wir, verschiedenen "Reflektionstadien". Es gibt den Computer Geek mit Emacs und GNU Tools auf dem Apple Notbook und das kleine Kind das mal eben die Kreditkarte der Eltern leer gemacht hat, weil es ein paar Äpfel in einem Spiel für ein verhungerndes Pixel real gekauft hat -- Kingelton- und Contentmafia, etc. pp.

    Die Hardware der beiden Hersteller unterstützt noch ebenso beides, aber die Richtung in die Cloud und Hardware DRM ist schon sehr stark vorgezeichnet.

    • jhosse
    • 13. Oktober 2011 17:43 Uhr

    Ganz kann ich nicht verstehen, warum Sie sich so angegriffen fühlen, wenn der Autor von der "Faulheit der Nutzer" spricht. Damit will er doch nicht ausdrücken, dass alle Apple-Nutzer faule Menschen sind. Wie Sie selber sagen, Leute die genug Geld verdienen um sich ein iPad zu leisten, sind sicher nicht faul. Aber es stimmt doch das jeder Mensch es möglichst bequem und einfach haben will. Wenn ich durstig bin und die Wahl habe entweder die Wasserflasche neben mir zu greifen oder aufzustehen um eine aus der Küche zu holen, dann steh ich sicher nicht auf. Und das ist die natürliche Faulheit des Menschen, die der Autor meinte. Und da muss man sich doch nicht so furchtbar aufregen - das ist schließlich keine Beleidigung, sondern eine Tatsache.

  2. Apple-Gerätebesitzer sind die neuen Arbeitsschweine der Leistungsgesellschaft. Für Konsum und die trendige iWare legen sie sich krumm. Der Grauschleier, der sich früher um die dröge PC-Arbeiterschaft legte, umweht heute die Apple-Jünger, die - da kommt die (Denk-)Faulheit dann doch ins Spiel - vor keiner Aufopferung als Rädchen im System zurückschrecken, wenn sie nur die Aussicht haben, sich das nächste iGadget auch kaufen zu dürfen und iN zu sein.

    Die neue iKonformität. So in die Richtung war der Artikel eher gedacht. Ich denke, keiner wollte unterstellen, dass ein echter iJünger nicht ehrlich burn-out-bereit wäre und alles gibt.

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    Antwort auf "Jetzt reichts aber! #1"
  3. Gleich wir hier das Zetern und Zähneknirschend anfangen. Es ist unschön so durchschaut zu werden, dabei ist es doch nur menschlich und verständlich.

    Verkauf und Manipulation sind sich sehr ähnlich -- es geht um das senken von Schwellen, Hemmnissen und Misstrauen. Besonders erfolgreich für eine langen Geschäftsbeziehung Parasitismus (Ausnutzen und recyceln der gewonnen Kudendaten -- Kunde die A kaufen, kauften auch B ...), Abhängigkeit (Lock-In) und vermeintliche Freiwilligkeit als Alleinstellungsmerkmal ("alles andere ist doch kaputt und funktioniert nicht").

    Very well done.

    • c-r-u-x
    • 13. Oktober 2011 18:41 Uhr

    U mad, bro?

    Ihr Tobsuchtsanfall ist aus so dermaßen vielen Gründen absurd, dass er eigentlich nur als Satire durchgehen kann.
    Ich wusste gar nicht, dass Apple-Nutzer "den größten Teil unserer Gemeinschaftskasse stemmen". Die direkte Proportionalität, die Sie zwischen dem Einkommen eines Menschen und seiner Tüchtigkeit zu ziehen scheinen, ist ebenfalls sehr fragwürdig. Nichtsdestotrotz ist weder der Artikel noch die generelle Kritik an geschlossenen Plattformen als Angriff auf Besserverdienende per se zu verstehen.
    Beruhigen Sie sich doch, keiner nimmt Ihnen die Möglichkeit weg, Ihr Geld loszuwerden!

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    Antwort auf "Jetzt reichts aber! #1"

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