Google MapsGoogle lässt sich seine Weltkarte künftig bezahlen

Ende der Gratis-Kultur: Kommerzielle Nutzer sollen zahlen, wenn eingebettete Google-Karten 25.000 Klicks überschreiten. Angebote wie Open Street Map wird das freuen.

Google-Gründer Sergey Brin (links) und Larry Page präsentieren eine neue Funktion von Google Maps (Archivbild aus dem Jahr 2008).

Google-Gründer Sergey Brin (links) und Larry Page präsentieren eine neue Funktion von Google Maps (Archivbild aus dem Jahr 2008).  |  © Michael Nagle/Getty Images

Wer den bislang kostenlosen Dienst Google Maps künftig kommerziell nutzen will, muss dafür an das Unternehmen Gebühren zahlen. Sobald eine eingebaute Karte mehr als 25.000 Seitenaufrufe pro Tag generiert, kostet sie nun Geld, heißt es auf einem der offiziellen Entwickler-Blogs. Schon im April hatte das Unternehmen angekündigt, die Maps-API nicht mehr allen Nutzern kostenlos zu Verfügung zu stellen. Geplant war diese Neuerung schon für den 1. Oktober. Google räumte nun eine Übergangsfrist ein, wodurch die Regelung erst zum neuen Jahr wirksam wird.

Die Maps sind ein beliebtes Werkzeug und in viele Anwendungen eingebaut, die damit Informationen aufbereiten. Ist es doch möglich, die Karten mit anderen Inhalten zu verknüpfen und so in neue Zusammenhänge zu stellen. Eine ganze Kultur im Netz, aufgrund eben dieser Verknüpfung Mash-up genannt, basiert auf solchen Werkzeugen.

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Unternehmen, die Google-Karten in ihre Webseite integrieren, sollen nun vier bis zehn Dollar je 1.000 Aufrufe zahlen, wenn sie den Grenzwert überschreiten. Dem Google Watch Blog zufolge gilt jede Anfrage an den Google-Kartenserver als Aufruf, also jede Suche auf der Karte, jede Routenplanung, jede Nutzung der Satellitenfoto-Ansicht. In dem unabhängigen Watchblog heißt es, in bestimmten Fällen können die Gebühren bereits ab 2.500 täglichen Aufrufen anfallen, nicht erst ab 25.000.

Als Alternative verweist Google auf sein Angebot namens Premier, das die Möglichkeit bietet, sich einen Zugang zu der gewünschten Kartenschnittstelle (API) für einen Festbetrag zu mieten. Es scheint, als sei das eigentliche Ziel, dieses Abo-Modell, das es schon länger gibt, stärker zu vermarkten.

In den Maps-Nutzungsbedingungen schreibt der Konzern, nichtkommerzielle Angebote seien von diesen Gebührengrenzen ausgenommen. Allerdings entscheidet im Zweifel Google, ob ein Angebot kommerzieller oder nichtkommerzieller Natur ist.

Demnächst werde Google eine Zusatzfunktion zur Verfügung stellen, mit der Unternehmen überprüfen könnten, ob sie von der neuen Regelung betroffen sind, schrieb Maps-Produktmanager Thor Mitchell. Unternehmen könnten dann die Gebühren bezahlen, eine Maps-Premier-Lizenz für mindestens 10.000 Dollar jährlich erwerben oder schlicht die Kartennutzung reduzieren.

Es ist das erste Mal, dass Google die Nutzung eines seiner Dienste an eine bestimmte Kostenschwelle knüpft. Bislang war ein kostenloses Produkt vollständig umsonst, auch wenn Firmen es einsetzten. Gleichzeitig gibt es aber schon länger kostenpflichtige Varianten, die erweiterte Funktionen bieten. Financial Times Deutschland zufolge will sich die Firma mit dem Gebührenmodell unabhängiger vom Anzeigenverkauf machen. Im dritten Quartal habe das Unternehmen nur vier Prozent des Umsatzes in Höhe von 9,7 Milliarden Dollar aus anderen Quellen als Werbung eingenommen, berichtet die Zeitung.

Leserkommentare
  1. Aber hoffentlich zahlen wir nicht eines Tages für die Nutzung der Suchmaschine, speziell in Deutschland sind es ja über 90% Marktanteil.

    Andererseits, sollen sie doch. Dann werden viele Nutzer auch mal andere Dinge ausprobieren wollen und ihre Komfortzone verlassen.

    3 Leserempfehlungen
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    25.000 ist nicht viel, wenn "jede Anfrage" zählt.
    Wenn du (1 Person) 1x sucht, 1x dreht und vergrößert, etc. Kommen vielleicht pro Person 20 Anfragen. Dann sind das vielleicht nur mehr 1000 Leute, die das nutzen, sollten pro Tag.
    Das ergibt sich aber sehr rasch bei einer Website mittlerer Größe.

    Wenn google aber por 1000 "Anfragen" 4 Euro will, ist das auch gar nicht so wenig. Im Vergleich mehr, als man mit Google-Adsense verdienen würde, wenn man Adsense auf der Seite mit der Karte einbaut.

    "hoffentlich zahlen wir nicht eines Tages für die Nutzung der Suchmaschine"

    Das tun wir schon laengst bei jedem Kauf von irgedeinem Produkt am Mark. Selbst jene die keinen Computer und Internetanschluss haben, zahlen mit. Wir user, stellen ueber unsere "Klicks" nur den Werbepreis fest, den am Ende eine Firma (wie z.B. Danone, Nestle, P&G oder wer auch immer) bezahlen muss. Dieser Werbungspreis wird dann ueber alle Produkte verschmiert an alle Kaeufer weitergegeben, auch an digitale Analphabeten und Google "Verweigerer".

    • lufkin
    • 31. Oktober 2011 14:34 Uhr

    Die beherrschende Position von Google kann sich ganz schnell ändern... ich denk nur daran, was ich früher benutzt hab.
    Da hießen die großen Suchmaschinen Altavista und Fireball... und heute sind die im Grunde tot.

    in den Markt, denn es gibt mehr als Google im Netz und gerade die Angst, dass Suchmaschinennutzung ohne Google nicht möglich sei, ist unbegründet.

  2. Ich denke Google wird immer kostenlos bleiben für Privatuser, die Unternehmen werden quasi dadurch abhängig, dass jeder das Zeug von Google benutzt und somit das selbe gerne bei der Arbeit hat.
    Das selbe macht z.B. Softwarehersteller mit den Hochschulen, "günstige" Lizenzen anbieten, dass die Leute später damit weiterarbeiten wollen.

    5 Leserempfehlungen
  3. 25.000 ist nicht viel, wenn "jede Anfrage" zählt.
    Wenn du (1 Person) 1x sucht, 1x dreht und vergrößert, etc. Kommen vielleicht pro Person 20 Anfragen. Dann sind das vielleicht nur mehr 1000 Leute, die das nutzen, sollten pro Tag.
    Das ergibt sich aber sehr rasch bei einer Website mittlerer Größe.

    Wenn google aber por 1000 "Anfragen" 4 Euro will, ist das auch gar nicht so wenig. Im Vergleich mehr, als man mit Google-Adsense verdienen würde, wenn man Adsense auf der Seite mit der Karte einbaut.

    Eine Leserempfehlung
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    Es geht noch weiter, wer jemandem ans Bein pinkeln will, kann einfach dafür sorgen, dass dessen google-map-application einfach ständig mit Anfragen bombardiert wird. Rein theoretisch könnte das google sogar selbst machen. Von daher ist dieser Abrechungsmodus Mist.

  4. Es geht noch weiter, wer jemandem ans Bein pinkeln will, kann einfach dafür sorgen, dass dessen google-map-application einfach ständig mit Anfragen bombardiert wird. Rein theoretisch könnte das google sogar selbst machen. Von daher ist dieser Abrechungsmodus Mist.

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    Antwort auf "ist nicht viel"
  5. "hoffentlich zahlen wir nicht eines Tages für die Nutzung der Suchmaschine"

    Das tun wir schon laengst bei jedem Kauf von irgedeinem Produkt am Mark. Selbst jene die keinen Computer und Internetanschluss haben, zahlen mit. Wir user, stellen ueber unsere "Klicks" nur den Werbepreis fest, den am Ende eine Firma (wie z.B. Danone, Nestle, P&G oder wer auch immer) bezahlen muss. Dieser Werbungspreis wird dann ueber alle Produkte verschmiert an alle Kaeufer weitergegeben, auch an digitale Analphabeten und Google "Verweigerer".

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    Das liegt nun mal in der Natur von Werbung: Natürlich erreicht den einzelnen Nutzer nicht jeder Werbeversuch und doch "zahlt" er ihn am Ende über den Produkpreis. Da können Sie ruhig die Nutzung von Google verweigern...
    Ahnen Sie, wie viele Radio- oder TV-Werbespots für Produkte, die sie kaufen, Sie heute schon verpasst haben?
    Die Unternehmen, die Werbung schalten, machen dies ja bei Google, da sie sich Vorteile davon erhoffen - also auch Vorteile gegenüber anderen Werbekanälen. Vielleicht ist Google in der Summe ja billiger und/oder effektiver als die Plakatwerbung vor Ihrer Haustür und am Ende sparen Sie sogar noch beim Produktkauf ;)
    Die Gleichung "digital=böse" und "Google=böse" geht wahrlich nicht immer auf. Das sollte auch einem digital immigrant einleuchten...

    @audin
    Artikel müssen auch für nicht Nerds verständlich sein. Zumal der Artikel gar nicht wie von Ihnen unterstellt falsche Tatsachen behauptet und die Artikel-Überschrift gar nicht so reißerisch ist. Aber wahrscheinlich bin ich jetzt zwischen die Stühle zwischen Google-Hassern und Google-Fans geraten...

  6. Erst umsonst anbieten - einbinden lassen und drauf verlinken - danach abkassieren.

    You've just been googled!

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    • audin
    • 31. Oktober 2011 14:32 Uhr

    Entgegen der oft verbreiteten Mär, daß das Einbinden von google-maps kostenpflichtig wird, sei darauf verwiesen, daß dies NUR für die Einbindung per API gilt. Dass ist z.B. dann der Fall,wenn das Kartenmaterial von Google-Maps mit eigenen Daten angereichert wird und z.B. der Routenplaner genutzt wird.
    Mit eigenen Daten anreichern? z.B. wenn Aral das Material nutzt und all seine Tankstellen hinzufügt.

    Wer die Karten (wie die meißten Privat/SOHO-Nutzer) per iframe einbindet ist davon nicht betroffen.

    Zitat:"
    These restrictions come in the form of usage limits, with those using the Google Maps API being limited to 25,000 map loads per day, or 2,500 map loads per day for Styled Maps.
    ...
    It should be noted at this point that simply embedding Google Maps into a site is still free, so if this is something you’re currently doing, you needn’t worry.
    Google will also give you 30 days notice before billing you for excess fees. This ‘heads up’ will be posted on Google’s Geo Developers Blog, so keep your eyes peeled."

    Aus euren selbst verlinkten Artikeln.

    Also wie üblich, wenig Ahnung von der Materie, einen Artikel mit reißerischer Headline generieren und gut ist.

    Das ist in etwa so wie'ne Headline, "der Euro wird abgeschafft", nur weil einige Länder keine ein oder zwei Cent-Münzen mehr in Umlauf bringen wollen.
    [...]
    Gruß Markus

    Rekürzt. Bitte achten Sie auf eine respektvolle Wortwahl. Danke. Die Redaktion/vn

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    Das Einbinden der Karte, wie im Artikel beschrieben und meist genutzt, ist gar nicht betroffen.

    Schade, dass Sie nicht die richtige Form finden.

    • lufkin
    • 31. Oktober 2011 14:34 Uhr

    Die beherrschende Position von Google kann sich ganz schnell ändern... ich denk nur daran, was ich früher benutzt hab.
    Da hießen die großen Suchmaschinen Altavista und Fireball... und heute sind die im Grunde tot.

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