Occupy Wall Street"Wir sind 53 Prozent"

Während die Occupy-Demonstrationen auf den Straßen langsam abebben, geht die Schlacht im Netz erst richtig los – in diversen Blogs, die sich gegenseitig persiflieren.

Auf "Wir sind die 99 Prozent" erzählen Amerikaner ihre Geschichten von Schulden und Problemen

Auf "Wir sind die 99 Prozent" erzählen Amerikaner ihre Geschichten von Schulden und Problemen

Eine junge Frau mit ernstem Gesichtsausdruck hält einen Zettel vor ihr Gesicht: "Mein Freund findet keine Arbeit und es kostet mich große Mühe uns beide finanziell durchzubringen", steht darauf. Auf dem nächsten Foto ist ein junger Mann zu sehen, auch er hält ein Blatt Papier hoch: "Ich musste die Uni verlassen, um meine blinde Mutter zu versorgen. Wegen medizinischer Kosten habe ich 35.000 Dollar Schulden."

Es sind zwei von über 2.000 persönlichen Bekenntnissen, die in den letzten Wochen im Internet veröffentlicht wurden; das Blog, auf dem sie stehen , ist ein Ableger der globalen Protestbewegung, die ansonsten unter dem Label Occupy Wall Street und Occupytogether auftritt.

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Doch während die Straßendemonstrationen abebben, haben die Zettel im Netz eine mediale Eigendynamik entwickelt. Was natürlich auch an ihrem privat-anekdotischem Ansatz liegt: Da geben Menschen der Wirtschaftskrise ein Gesicht, da werden gesellschaftliche Missstände an traurigen Einzelfällen sichtbar: In vielen Geschichten ist von absurd teuren Krankenversicherungen die Rede, von Schulden für Studiengebühren, die nie zurückgezahlt werden können, von bedrückender Langzeitarbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit. Und immer enden die Briefe mit dem mahnenden Ausruf: "Wir sind die 99 Prozent!"

Als geistiger Vater dieses Schlachtrufs wird der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph E. Stiglitz gehandelt. Er hatte im Mai 2011 in seinem Artikel " Of the 1%, by the 1%, for the 1% " in der Vanity Fair die wachsende Kluft zwischen Ober- und Mittelschicht heftig kritisiert. Ein Prozent der amerikanischen Bevölkerung, so seine Kernaussage, verfügen über 40 Prozent des gesamten nationalen Reichtums. Außerdem seien die Spitzeneinkommen in den vergangenen Jahren um durchschnittlich 18 Prozent gestiegen.

Grund genug, höhere Steuersätze zu fordern, findet deshalb eine andere Bloggerfraktion. "Wir sind die ein Prozent, aber wir stehen zusammen mit den 99 Prozent" heißt die Seite , die junge Wohlhabende im Rahmen der Initiativen "Resource Generation" und "Wealth for the Common Good" initiiert haben. Seit Monaten bemühen sich die beiden Organisationen, eine öffentliche Kampagne für höhere Vermögenssteuern loszutreten. Der Erfolg des 99-Prozent-Blogs bot nun eine willkommene Gelegenheit, sympathisierend auf den Zug aufzuspringen.

Ein Mann namens James Schaffer war Mitte Oktober der erste, der hier seinen Zettel hob: "Ich habe Geld geerbt. Ich habe viel mehr, als ich brauche. Besteuert mich!" Mittlerweile sind über hundert Gleichgesinnte seinem Beispiel gefolgt.

Leserkommentare
  1. ""Wir haben mehr Geld als man in vier Leben ausgeben kann." Die Einträge enden stets mit einem launigen Reim: "We are the one percent. We Occupy your Government." Auch diese Seite ist natürlich ein kompletter Fake."

    Fake hin oder her, den enthaltenen Kern Wahrheit kann man schwerlich leugnen.

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    Solche Äußerungen hat man schon vorher von amerikanischen Milliardären gehört. Die wissen, dass ein paar Prozent Steuern mehr ihnen nicht weh tun und die Lobbyarbeit für noch weniger Steuern irrsinnig ist.

    Ist nur schwer vorstellbar in Deutschland, wo Steuerhinterziehung für die Reichen eine Art Sport ist. Auch wenn es sonst für sie keinen Unterschied macht.

    Solche Äußerungen hat man schon vorher von amerikanischen Milliardären gehört. Die wissen, dass ein paar Prozent Steuern mehr ihnen nicht weh tun und die Lobbyarbeit für noch weniger Steuern irrsinnig ist.

    Ist nur schwer vorstellbar in Deutschland, wo Steuerhinterziehung für die Reichen eine Art Sport ist. Auch wenn es sonst für sie keinen Unterschied macht.

  2. Da wird mal wieder die Schlicht der Systemverlierer gezweiteilt, damit die, die wenig haben, auf denen rumhacken, die gar nichts haben. Teile und Herrsche.

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    ...leider finden sich immer Menschen, die sich für sowas hergeben.

    Deshalb hat der Kapitalismus auch so ein enormes Beharrungsvermögen. Ihn zu kritisieren erfordert Systemverständnis und man ist defakto immer sofort in der Defensive und unter Schmarotzerverdacht. Auch wenn in der heutigen Zeit manche Lebensverhältnisse absurd und unmenschlich erscheinen. Gerade der Mythos vom "american dream" verstärkt die Leidensfähigkeit noch. Dabei ist er nichts als eine große Lüge, die soziale Mobilität in den USA ist geringer als in den meisten europäischen Ländern:
    http://www.heise.de/tp/ar...

    Dieser Trick funktioniert in Politik wie Wirtschaft. Solange die Mittelschicht nicht realisiert, dass sie eben nur eine etwas bessere Unterschicht sind und eben keine Oberschicht, gibt es keine Lösung.
    Der gleiche Trick funktioniert hervorragend mit Leiharbeitern und Stammbelegschaft in meinem Betrieben. Bei der letzten Versammlung in meinem Betrieb, bei der wir Strategien gegen die Lohnkürzung der Stammbelegschaft diskutiert haben, drehte sich die Debatte in einen Neidstreit um zwischen Leiharbeitern (die sowieso noch viel weniger bekommen) und Stammbelegschaft. Es wurde (von den Leiharbeitern) vorgeschalgen ein kleineres (mittleres) aber gleiches Gehalt für alle zu verlangen. Jackpot für die Unternehmensleitung! So genial kann man z.B. die Unterschicht gegeneinander ausspielen.

    ...leider finden sich immer Menschen, die sich für sowas hergeben.

    Deshalb hat der Kapitalismus auch so ein enormes Beharrungsvermögen. Ihn zu kritisieren erfordert Systemverständnis und man ist defakto immer sofort in der Defensive und unter Schmarotzerverdacht. Auch wenn in der heutigen Zeit manche Lebensverhältnisse absurd und unmenschlich erscheinen. Gerade der Mythos vom "american dream" verstärkt die Leidensfähigkeit noch. Dabei ist er nichts als eine große Lüge, die soziale Mobilität in den USA ist geringer als in den meisten europäischen Ländern:
    http://www.heise.de/tp/ar...

    Dieser Trick funktioniert in Politik wie Wirtschaft. Solange die Mittelschicht nicht realisiert, dass sie eben nur eine etwas bessere Unterschicht sind und eben keine Oberschicht, gibt es keine Lösung.
    Der gleiche Trick funktioniert hervorragend mit Leiharbeitern und Stammbelegschaft in meinem Betrieben. Bei der letzten Versammlung in meinem Betrieb, bei der wir Strategien gegen die Lohnkürzung der Stammbelegschaft diskutiert haben, drehte sich die Debatte in einen Neidstreit um zwischen Leiharbeitern (die sowieso noch viel weniger bekommen) und Stammbelegschaft. Es wurde (von den Leiharbeitern) vorgeschalgen ein kleineres (mittleres) aber gleiches Gehalt für alle zu verlangen. Jackpot für die Unternehmensleitung! So genial kann man z.B. die Unterschicht gegeneinander ausspielen.

  3. Und wir werden darauf wohl auch nicht mehr sehr lange zu warten brauchen "liquidate the finance speculation organiser"

    Statt des fetten Pfaffen und des drallen Feudaladligen auf den Schultern des Bauern 1798, sitzen heute, 2011, auf den Schultern der Erwerbstätigen die Finanzspekulationskaderfunktionäre und die Vermögenselitarier. Beide Situationen zeichnen sich durch die fundamentalen, existentiellen Bedrohungen der Mehrheitsbevölkerung aus. Wir können es drehen und wenden, wie immer wir mögen: Die Konfrontation ist elementar und sie ist tödlich: Leben unter Leben, dass leben will - um jeden Preis.

    Niemand braucht die Vermögenselite. Niemand braucht die Finanzspekulationselite. Niemand braucht die Prätorianer und Herolde der Neuen Sozialen Marktwirtschaft. Nicht in Europa, nicht in den USA.

    Das dürfte der Kern der real-existierenden politischen Sachlage korrekter beschreiben, als all die vielen Umschreibungen und Sachverhaltsfehlinterpretationen.

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  4. Vielleicht sollten Sie beim naechsten Mal darauf achten, dass eben diese Erwerbstaetigen von denen Sie sprechen, ihren Kommentar auch lesen bzw. verstehen koennen.

    Wozu der pseudo-literarische Klamauk? Manchmal habe ich auf "Zeit.de" das Gefuehl, dass versucht wird soviel intellektuellen "Bla" in einen Kommentar zu pressen, dass der gemeine Buerger nurnoch die Haelfte ohne Duden versteht.

    Sie prangern die Vermoegenselite an, aber kapseln sich schon allein' mit ihrem Sprachgebrauch von 99% der deutschen Bevoelkerung ab. Vielleicht ist ihnen das Elitendasein ja doch garnicht so fern? Denken Sie mal drueber nach.

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    wenn auch ungern. Mit kommentaren halte ich mich seit wochen
    sehr zurueck, weder bin ich polemisch noch populistisch und
    lasse mir das auch von keine -noch so adaequaten- Journal
    unterstellen !

    ...halt nicht aus seiner Haut. Ein simples: die Banker und Reichen sind schuld, würde vermutlich sowieso umgehend der ZEIT-"Moderation" anheimfallen mit sinniger Begründung "vermeiden sie Populismus". Ernst nehmen würde es vermutlich auch niemand.

    Machen wir uns nichts vor, die Massen werden sich bestenfalls erheben, wenn es ihnen richtig schlecht geht. Und selbst dann nur, wenn die Mächtigen einmal nachlässig werden, in ihren verdrehten Sachzwangargumenten und ihrer ausgefeilten Salamitaktik. So war es immer.

    wenn auch ungern. Mit kommentaren halte ich mich seit wochen
    sehr zurueck, weder bin ich polemisch noch populistisch und
    lasse mir das auch von keine -noch so adaequaten- Journal
    unterstellen !

    ...halt nicht aus seiner Haut. Ein simples: die Banker und Reichen sind schuld, würde vermutlich sowieso umgehend der ZEIT-"Moderation" anheimfallen mit sinniger Begründung "vermeiden sie Populismus". Ernst nehmen würde es vermutlich auch niemand.

    Machen wir uns nichts vor, die Massen werden sich bestenfalls erheben, wenn es ihnen richtig schlecht geht. Und selbst dann nur, wenn die Mächtigen einmal nachlässig werden, in ihren verdrehten Sachzwangargumenten und ihrer ausgefeilten Salamitaktik. So war es immer.

  5. wenn auch ungern. Mit kommentaren halte ich mich seit wochen
    sehr zurueck, weder bin ich polemisch noch populistisch und
    lasse mir das auch von keine -noch so adaequaten- Journal
    unterstellen !

    Antwort auf "@Rabula_Raser"
  6. Solche Äußerungen hat man schon vorher von amerikanischen Milliardären gehört. Die wissen, dass ein paar Prozent Steuern mehr ihnen nicht weh tun und die Lobbyarbeit für noch weniger Steuern irrsinnig ist.

    Ist nur schwer vorstellbar in Deutschland, wo Steuerhinterziehung für die Reichen eine Art Sport ist. Auch wenn es sonst für sie keinen Unterschied macht.

    Eine Leserempfehlung
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    http://www.appell-vermoeg...

    ist natürlich nicht genug, aber immerhin...

    http://www.appell-vermoeg...

    ist natürlich nicht genug, aber immerhin...

  7. http://www.appell-vermoeg...

    ist natürlich nicht genug, aber immerhin...

    2 Leserempfehlungen
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    ... in Fernsehdiskussionen. Ich habe so was mal auf Phoenix gesehen.

    Die wurde mit Argumenten hantert wie: "Ja, und was ist, wenn z. B. ein Grundbesitzer nicht genügend Barmittel hat, um seine (neuen) Steuern zu bezahlen?"

    Fast bekam man den Eindruck, Deutschland könnte in solchen Fällen Gebiete verlieren. Auf der anderen Seite, wenn einer keine Kröten hat, darf man ihm den Gerichtsvollzieher nach Hause schicken. Keine Frage.

    Sehr feudal, sehr viel Hochachtung vor dem Geldadel. Scheint's wäre es auch ein Unding, wenn ein "knapper" Millionär durch Steuern unter die magische Grenze gestoßen würde. Denn letztlich schadete es dem Ansehen des ganzen Landes, wenn wir Millionäre verlieren würden, nur weil sie Steuern zahlen müssen.

    ... in Fernsehdiskussionen. Ich habe so was mal auf Phoenix gesehen.

    Die wurde mit Argumenten hantert wie: "Ja, und was ist, wenn z. B. ein Grundbesitzer nicht genügend Barmittel hat, um seine (neuen) Steuern zu bezahlen?"

    Fast bekam man den Eindruck, Deutschland könnte in solchen Fällen Gebiete verlieren. Auf der anderen Seite, wenn einer keine Kröten hat, darf man ihm den Gerichtsvollzieher nach Hause schicken. Keine Frage.

    Sehr feudal, sehr viel Hochachtung vor dem Geldadel. Scheint's wäre es auch ein Unding, wenn ein "knapper" Millionär durch Steuern unter die magische Grenze gestoßen würde. Denn letztlich schadete es dem Ansehen des ganzen Landes, wenn wir Millionäre verlieren würden, nur weil sie Steuern zahlen müssen.

    • Zack34
    • 28.10.2011 um 15:12 Uhr


    ... kann den erforderlichen Druck aufbauen, das virtuelle Treiben im Netz alleine kann da (!) nichts bewirken.

    Es geht nicht darum (wie häufig fälschlich unterstellt), einfach das Vermögen Reicher zu verteilen; die Reichen soll es auch nachwievor geben, warum auch nicht. Viel mehr sollen die Zugänge und Chancen für die Mehrheit wieder hergestellt werden, die Abschottung der Oberschicht thematisiert und eingedämmt. Für die Öffnung der Teilhabe an der Gesellschaft für alle werden Steuer benötigt, die dafür zwangsweise benötigte Infrastruktur (Gesundheitsvorsorge, Bildung) mit ihren sozialen Auswirkungen kann nur von einem Gemeinwesen mit Steuergeldern aufgebaut und unterhalten werden.

    Dem m.E. mehr als sinnvollen Protest auf der Straße kommt freilich nicht zugute, dass sich darunter auch nebulöse Forderungen alberner Möchtegern-Revoluzzer ausfindig machen lassen, die von der Presse gerne ausgeschlachtet werden. Der Mehrheit der Protestierenden jedoch dürften die gesellschaftlichen Zusammenhänge sehr wohl bekannt sein.

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    "die Reichen soll es auch nachwievor geben, warum auch nicht"

    ...prinzipiell zu. Unter mehreren Nebenbedingungen:

    1) die Leistungsgerechtigkeit ist ansatzweise gewahrt, dh. JEDER muss erstmal arbeiten um reich zu werden, was das generationenübergreifende Anhäufen von Kapital ausschliesst

    2) Reichtum wird nicht derart exzessiv, dass er die Demokratie gefährdet oder komplett aushebelt (wie derzeit)

    "die von der Presse gerne ausgeschlachtet werden"

    Die Presse ist weitgehend in Feindeshand, das muss also nicht wundern.

    "die Reichen soll es auch nachwievor geben, warum auch nicht"

    ...prinzipiell zu. Unter mehreren Nebenbedingungen:

    1) die Leistungsgerechtigkeit ist ansatzweise gewahrt, dh. JEDER muss erstmal arbeiten um reich zu werden, was das generationenübergreifende Anhäufen von Kapital ausschliesst

    2) Reichtum wird nicht derart exzessiv, dass er die Demokratie gefährdet oder komplett aushebelt (wie derzeit)

    "die von der Presse gerne ausgeschlachtet werden"

    Die Presse ist weitgehend in Feindeshand, das muss also nicht wundern.

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