Jürgen Neumann will ein freies, offenes Funknetzwerk für alle Berliner. Der Mitgründer der Initiative Freifunk glaubt an den volkswirtschaftlichen Nutzen, daran, dass es die Lebensqualität von Bürgern und Besuchern verbessern könnte. Und er glaubt an eine fortschrittliche Informationsgesellschaft.

Der Berliner Senat will ein solches freies WLAN auch. Seit drei Jahren wird im Stadtparlament darüber geredet, auch mit den Freifunkern. Volkswirtschaftlicher Nutzen, Lebensqualität und eine fortschrittliche Gesellschaft mögen hehre Ziele sein, sie reichen der Verwaltung aber nicht aus. Denn sie will kein Geld dafür ausgeben und daher den Beweis sehen, dass ein solches Netz von Investoren wirtschaftlich betrieben werden kann.

Im März hatte Wirtschaftssenator Harald Wolf (Die Linke) noch betont, dass die Stadt an dem Netz für alle interessiert sei . Voraussetzung sei aber, dass ein Authentifizierungsverfahren für die Nutzer eingerichtet werden könnte. Wolf befürchtete, dass ein offenes Netz, in dem jeder anonym surfen kann, vor allem als illegale Tauschbörse genutzt werden würde. In einem solchen Netzwerk können nämlich nur die Betreiber der Router identifiziert werden, nicht aber die einzelnen Nutzer. Die Routerbetreiber aber können Ärger bekommen, wenn andere dort Illegales tun. Störerhaftung heißt das.

Jürgen Neumann und sein Mitstreiter von freifunk.net sollten deshalb ein Konzept entwickeln, das eine Lösung für dieses vermeintliche Problem bietet. Das Ergebnis ist ein 37-seitiges Papier mit dem Titel "Wireless Open Public Local Access Network Berlin (wOPLAN-B)".

Alle 50 bis 100 Meter ein Router

Die Grundidee: Ein Provider oder ein Konsortium errichtet auf Hausdächern oder an Mobilfunk-Sendemasten sogenannte Access Points – Basisstationen mit Anschluss ans Internet. Einige Hundert dieser Knotenpunkte würden benötigt. Was deren Einrichtung und Wartung kosten würde, kann Neumann nicht genau sagen.

Das eigentliche stadtweite Netz sollen dann Privatpersonen, Cafébesitzer und andere Freiwillige aufbauen. Sie sollen ihre privaten WLAN-Router für ein freies, offenes Netzwerk zur Verfügung stellen, das sich im besten Fall über die ganze Stadt erstreckt. Möglich wäre das, indem sie ihre Router mit einer sogenannten Mesh-Software ausrüsten. Die sorgt dafür, dass sich die Geräte automatisch untereinander wie auch mit den Basisstationen auf den Dächern verbinden. Je mehr Router das tun, je engmaschiger also das Netz wird, desto besser wird der Empfang im Stadtgebiet und desto leichter können ausfallende Router kompensiert werden.

Um eine Region gut abzudecken, wird etwa alle 50 bis 100 Meter ein Router benötigt. Jemand, der surfen will, tut das dann über den ihm am nächsten liegenden privaten Router. Der verbindet sich dann nicht mit dem privaten Anschluss des Besitzers, sondern mit der nächstgelegenen Basisstation des Netzwerks.

Das von der Politik geforderte Authentifizierungsverfahren kann dabei problemlos implementiert werden. Das Konzept beschreibt auf zweieinhalb Seiten, wie das funktionieren würde. Dabei bräuchte jeder, der im Berliner WLAN surfen will, ein Benutzerkonto, mit dem er sich vor der Sitzung anmeldet. Die Anmeldung würde nicht am Access Point erfolgen, sondern eine Ebene höher, am zentralen Gateway des Providers.