TelekommunikationsgesetzGleichberechtigung im Netz fällt aus

Die Politik muss Netzneutralität und Breitband für alle einfordern. Doch die neuesten Gesetze zeigen: Die Regierung vertraut nur auf den Markt. K. Biermann kommentiert.

Es hätte ein großer Tag für die Netzpolitik werden können. Europäische Richtlinien hatten sich geändert, weshalb der deutsche Gesetzgeber aufgefordert war, das Telekommunikationsgesetz (TKG) zu ändern. Das hat er am heutigen Donnerstag getan. Es enthält nun einige Verbesserungen. So dürfen Telefon-Warteschleifen (nach einer Übergangsfrist von einem Jahr) nichts mehr kosten, bei Call-by-Call-Angeboten muss der Preis angesagt werden, Werbeanrufer dürfen ihre Nummer nicht mehr unterdrücken.

All das ist gut und schön. Doch die wahren Probleme hat die Bundesregierung so nicht bekämpft. Sie hat die Novelle nicht eingesetzt, um Netzneutralität zu verankern und sie hat auch den Breitbandausbau nicht zur Pflicht gemacht. So hat die Regierung verpasst, die beiden dringendsten Fragen in der Regulierung der Telekommunikation endlich zu klären.

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Mit verschiedenen Anträgen hatten die Fraktionen der Linken, der Grünen und der SPD versucht, das Gebot der Netzneutralität in dem Gesetzentwurf zu verankern. Sie wollten erreichen, dass alle Teilnehmer das Netz hierzulande gleichberechtigt und diskriminierungsfrei nutzen können und Dienstanbieter nicht durch technische Überwachung der Inhalte entscheiden dürfen, welches Angebot schneller durchgeleitet wird und welches langsamer. Alle Anträge wurden jedoch von der Regierungsmehrheit abgelehnt.

Zum zweiten Mal – nach der vergeblichen Debatte in der Internet-Enquete-Kommission – ist der politische Versuch gescheitert, das Internet als lebenswichtige Infrastruktur und Basis unseres Zusammenlebens so vielen Einflüssen wie möglich zu öffnen. Das spielt all jenen in die Hände, denen es allein darum geht, mit dem Netz und durch das Netz Geld zu verdienen und Macht auszuüben.

Das ist schade. Denn es ist durchaus vorstellbar, dass wir uns in ein paar Jahren wünschen, wir hätten dieses Konstrukt des freien Internets irgendwo verankert, als das noch problemlos möglich war.

Wie ein Mantra wiederholen die Gegner des Konzeptes, es brauche keine Gesetze und keine Regulierung, der Markt werde alles zur Zufriedenheit aller regeln. Das ist eine schöne Hoffnung, doch sie trügt. Noch nie hat ein unregulierter Markt von sich aus dafür gesorgt, dass alle sich beteiligen können. Immer ergibt sich ein Ungleichgewicht. Wenige besitzen alles, viele nichts.

Na und, lautet die Antwort, dann regulieren wir eben später. Das kann man tun. Aber warum warten, bis erst Millionen ausgebeutet, abgehängt und benachteiligt sind? Wenn es doch jetzt schon verhindert werden könnte? Wäre es angesichts einer so wichtigen Infrastruktur nicht geraten, sie von vornherein für alle zugänglich zu halten?

Leserkommentare
  1. Muss Orange erst 20% bekommen, damit die CDU merkt, dass bei ihr netzpolitisch ein Totalausfall den nächsten jagt? Wenn dem so ist, weiß ich ja, wo ich bei der nächsten Wahl meinen Haken setze.

    9 Leserempfehlungen
  2. Du ein schnelles Internet hast, und man dir noch keine Seite zensiert hat.
    Es mag ja stimmen das "freie Marktkräfte" das Internet aufgebaut haben. Aber wenn man sich beispielhaft den open-source Anteil des Netzes oder das Leben Nikolai Teslas ansieht, dann zeigt das, dass "Profitgier" nicht der ulitmative Motor für Fortschritt(für alle)und Innovation ist.
    (und hier redet übrigens Niemand von Plan-Wirtschaft - ich zumindest nicht)

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Der Markt ist super"
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    Der Markt ist nicht Profitgier. Es steht jedem Menschen völlig frei, aus welchen Motiven er am Markt agiert. Das ist es was, dem Markt stehts entgegemgeworfen wird. Dass Marktteilnehmer von Profitgier getrieben sein. Mag sein, manche. Und andere nicht. Manch einer mag seine Angebote aus Profitgier machen, manch einer aus Idealismus, manch einer aus beiden, manch einer wiederum aus Rassismus, islamischem oder christlichem Fundamentalismus, manch einer zum Spaß. Und das ist es, was Freiheit ausmacht. Freiheit der Beweggründe. Soziale Gerechtigkeit fragt dagegen, was Menschen verdienen. Ob sie denn auch an das Recht glauben, wenn sie ihre Angebote unterbreiten. Und was das rechte Motiv sei, soll der Staat diktieren. Vollständige soziale Gerechtigkeit wäre das Ende der Gaubensfreiheit. Gott sei Dank, es funktioniert nicht, dass der Staat die rechten Motive diktiert.

    Der Markt ist nicht Profitgier. Es steht jedem Menschen völlig frei, aus welchen Motiven er am Markt agiert. Das ist es was, dem Markt stehts entgegemgeworfen wird. Dass Marktteilnehmer von Profitgier getrieben sein. Mag sein, manche. Und andere nicht. Manch einer mag seine Angebote aus Profitgier machen, manch einer aus Idealismus, manch einer aus beiden, manch einer wiederum aus Rassismus, islamischem oder christlichem Fundamentalismus, manch einer zum Spaß. Und das ist es, was Freiheit ausmacht. Freiheit der Beweggründe. Soziale Gerechtigkeit fragt dagegen, was Menschen verdienen. Ob sie denn auch an das Recht glauben, wenn sie ihre Angebote unterbreiten. Und was das rechte Motiv sei, soll der Staat diktieren. Vollständige soziale Gerechtigkeit wäre das Ende der Gaubensfreiheit. Gott sei Dank, es funktioniert nicht, dass der Staat die rechten Motive diktiert.

  3. "2018 könne man flächendeckend Zugänge mit 50 Megabit pro Sekunde anbieten"... Ich wohne in der T-Cityj(Projekt von Telekom)! Ich habe nichteinmal 16MBit! Die Stadt hat ca. 50000 Einwohner und ich wohne 1km vom Zentrum entfernt!
    100MBit wären theoretisch über Kabel möglich, wäre das Haus nach neuem Standard verkabelt!

    Bei meinem Kumpel, auf dem Land hat sich das Inet immerhin verbessert 2009--> DSL light (768kBit) bis jetzt DSL 1Mbit! WoW da kommen bis 2018 sicherlich 50MBit :D

    my two cents

    Chris

  4. Breitbandnetze auf dem Land - was das kostet, interessiert wohl kaum jemanden.

    Ich bleibe mal bei dem Beispiel "Mobilfunkfrequenzen für Breitbanddienste". Erlöse der Versteigerung der Frequenzen:
    Ohne Einschränkung: 11,2 Mrd. EUR
    Erwartungen nach der Verpflichtung der Flächendeckung: 8,8 Mrd. EUR
    Reale Zahlen: 4,4 Mrd. EUR.

    Die Erwartungen nach der Verpflichtung waren m.E. politische Schönrechnereien.

    Und wem fehlen jetzt die fast 7 Mrd. EUR? Richtig, dem Steuerzahler.

    • TDU
    • 27.10.2011 um 20:06 Uhr
    • TDU
    • 27.10.2011 um 20:22 Uhr

    Dünn besiedelt gibt es eh nicht. Zersiedelt heisst das und deswegen sollen alle in die Stadt oder zumindest in Ballungsgebiete.

    Dann ist Platz für Windräder und man kann beim besten Willen keine Zuwanderer mehr aufnehmen. Dann miefen wir alle schön vor uns hin und hören jeden Morgen die Ansprache des örtlichen Beauftragten zu den diversen Themen wie Klimaschutz, Political Correctness und richtiges Essen und Trinken.

    Und wenn es zu eng wird, gibts Tips: wie bleibe ich ruhig in einer Situation ohne Individualdistanz (Trotz weniger Menschen als in Japan pro qm). Die Hühner kann man nicht fragen. Die haben zwar noch welche, können aber nicht sprechen. Da reichen schnelle Internetverbindungen in der Stadt oder ländlichen Ballungsgebieten völlig aus. Dann braucht man auch kein Auto.

  5. Der Rest Deutschlands freut sich jetzt schon auf 15% Piratenanteil ab 2013. Endlich normale Menschen im Bundestag, die nicht völlig den Überblick über des Bürgers Bedürfnisse verloren haben. Es soll sich nur bitte später niemand fragen, wie es dazu kommen konnte.

    4 Leserempfehlungen
  6. Telefon-Warteschleifen umsonst, Call-by-Call-Angebotenmit Preisinfo, Werbeanrufer mit Nummernzwang.

    Alle 3 Punkte hätten sich wohl die Menschen vor 20 Jahren schon gewünscht (als es noch kein Internet gab!). Man kann gut erkennen, in welchem Jahrzehnt sich die Politiker befinden, die sich nach langen Verhandlungen zu so etwas durchringen.

    Dass das Internet wohl gleichauf mit Erfindung von Buchdruck und Schrift zu setzen ist, sich nur viel schneller entwickelt, kommt in Berlin scheinbar nicht an :(

    Aber die Piraten kommen mir bisher auch noch nicht politikfähig vor :(

    Eine Leserempfehlung

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