Enthüllungsplattform WikiLeaks stoppt Veröffentlichungen

Eine Allianz aus US-Zahlungsdienstleistern gräbt WikiLeaks die Spenden ab, kritisiert Gründer Assange. Deswegen soll es bis auf Weiteres keine Enthüllungen mehr geben.

Wikileaks-Gründer Julian Assange bei der Pressekonferenz in London

Wikileaks-Gründer Julian Assange bei der Pressekonferenz in London

Die Enthüllungswebsite Wikileaks will zunächst kein neues Material mehr veröffentlichen und sich stattdessen auf das Aufbessern ihrer Finanzen konzentrieren. Das kündigte Gründer Julian Assange an. Wikileaks werde Ende November eine neue Spendenkampagne starten. Für den momentanen Einnahmeengpass machte Assange die amerikanische Zahlungsdienstleister Visa, Mastercard, Paypal, Western Union und die Bank of America verantwortlich. Sie hätten Wikileaks seit Dezember 2010 mit einer "gesetzeswidrigen finanziellen Blockade" belegt.

Die Blockade betreffe etwa 95 Prozent der Einnahmen der Website, sagte Assange in einer Videoübertragung der Pressekonferenz, die Wikileaks über den Kurznachrichtendienst Twitter zur Verfügung stellt. Die Blockade der Geldinstitute stehe außerhalb jeder öffentlichen Kontrolle und sei weder demokratisch noch transparent, sagte Assange und wies auf die ausdrückliche Missbilligung der Blockade durch Vertreter der UN hin.

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Assange sprach außerdem seine Befürchtung aus, Ähnliches könne anderen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) wie Greenpeace oder Amnesty International widerfahren, deren Arbeit möglicherweise den Interessen der genannten Zahlungsdienstleister oder deren "Verbündeten" zuwiderlaufe. Wikileaks-Sprecher Kristinn Hrafnsson kündigte an, die Plattform werde in Großbritannien, den USA, Island und Australien gegen die Blockade vorgehen.

Faktisch läuft die Arbeit von Wikileaks schon seit Langem auf Sparflamme. Die Aktivisten veröffentlichten in den vergangenen Monaten ausschließlich geheime Depeschen von US-Diplomaten aus dem Fundus, der ihnen in die Hände gefallen war. Spätestens nachdem die gesamte unverschlüsselte Datei mit der Korrespondenz in Umlauf gekommen war, erübrigten sich weitere Publikationen dieser Art.

Assange hängt seit Monaten unter Aufsicht in Großbritannien fest, während über seine Auslieferung nach Schweden entschieden wird. Dort wird ihm sexueller Missbrauch vorgeworfen.

 
Leser-Kommentare
  1. Assange hat zwar sicher in den letzten Monaten viel Sympathie verloren. Man fragt sich aber doch, was diese Finanzdienstleister selbst alles verstecken, dass sie diesen Kunden ausschließen.

    Wenn man bedenkt, dass sie Schwarzgelder, Mafiagelder, Drogengelder, Waffenhändlergelder, Blutgeld der Diktatoren problemlos annehmen. Dass sie problemlos Anlegergelder verzocken, Steuergelder kassieren und Druck auf Staaten ausüben.

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    • F Holm
    • 24.10.2011 um 23:39 Uhr

    ist ihre Beobachtung. Gelder werden ohne jegliche Bedenken angenommen, egal woher. Da Wikileaks aber, zumindest indirekt, unbequem fuer Paypal u Mastercard sein kann, von der BoA ganz zu schweigen, setzt sich sehr gezielt eine Interessengemeinschaft durch.
    Sehr bedenklich, gerade in Hinsicht auf die Beduerfnisse von NGOs. Kann mir diesbezueglich jemand einen Artikel link empfehlen? Ist auch ein wichtiges Thema, dem sich die ZEIT widmen sollte (schon getan hat?)

    • F Holm
    • 24.10.2011 um 23:39 Uhr

    ist ihre Beobachtung. Gelder werden ohne jegliche Bedenken angenommen, egal woher. Da Wikileaks aber, zumindest indirekt, unbequem fuer Paypal u Mastercard sein kann, von der BoA ganz zu schweigen, setzt sich sehr gezielt eine Interessengemeinschaft durch.
    Sehr bedenklich, gerade in Hinsicht auf die Beduerfnisse von NGOs. Kann mir diesbezueglich jemand einen Artikel link empfehlen? Ist auch ein wichtiges Thema, dem sich die ZEIT widmen sollte (schon getan hat?)

  2. Gratulation an Domscheit-Berg.

    Eine Leser-Empfehlung
  3. Die Damen aus Schweden haben ganze Arbeit geleistet.

    Domscheit-Berg kann sich als Sieger fühlen.

    Und die USA haben mal wieder einen Gegner ausgeschaltet.

    Was lernen wir daraus?
    Na, suche Deine Freunde ~besser~ aus.

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    Paypal sollte man nicht unbedingt zu seinen Feunden zählen müssen. Denn die arbeiten nicht unbedingt für die Interessen des Kontoinhabers, wie man immer wieder auch unter Normalos hört.

    Vieles deren Funktionsweisen bleiben im Dunkeln und wird gar nicht erst kommuniziert. Wenn einem was auffällt, bekommt man auch nicht die Wahrheit darüber erzählt.

    Vor einiger Zeit hatte ein Bekannter das Problem, daß Paypal sich weigerte per Lastschrift von seinem Konto abzubuchen, wenn auf dem Paypal-Account nicht genug Kohle ist. Lastschrift funktioniert sonst einwandfrei bei dessen Freunden, nur bei ihm nicht. Auf Nachfrage wurde ihm ein Märchen erzählt, das leicht zu widerlegen war. Die wahre Begründung, warum ausgerechnet ihm die Lastschrift verweigert wird (anderen aber nicht), hat er nicht erfahren.

    Jetzt denkt er, es könne daran liegen, daß seine Adresse in einer Arme-Leute-Gegend liegt. Seine Freunde haben ein besseres Wohnumfeld. Und offiziell kennt Paypal außer Konten ja nur die Adresse als Unterscheidungsmerkmal.

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    Also auch Banken besser aussuche ;-)

    • bugme
    • 24.10.2011 um 21:05 Uhr

    Macht Assange z.zT. mehr als eine (persönliche) Gewinnmaximierung? Wenn er nicht mehr möchte, können auch andere seinen Job ehrenamtlich machen.

    • F Holm
    • 24.10.2011 um 23:39 Uhr

    ist ihre Beobachtung. Gelder werden ohne jegliche Bedenken angenommen, egal woher. Da Wikileaks aber, zumindest indirekt, unbequem fuer Paypal u Mastercard sein kann, von der BoA ganz zu schweigen, setzt sich sehr gezielt eine Interessengemeinschaft durch.
    Sehr bedenklich, gerade in Hinsicht auf die Beduerfnisse von NGOs. Kann mir diesbezueglich jemand einen Artikel link empfehlen? Ist auch ein wichtiges Thema, dem sich die ZEIT widmen sollte (schon getan hat?)

  4. Die Wikileaks sind Wegbereiter für einen weltweiten Ruf nach Transparenz. Kaum noch länger ist geheimhaltbar, was für die Unterdrückung, die Armut und den Hunger in der Welt verantwortlich zu machen ist. Es gilt nun im Kleinen, den Mächtigen genauso auf die Finger zu schauen und es nicht in globalem Stil von Plattformen in konsumistischer Haltung zu erwarten. Die Zeiten der brachialen Entledigung unliebsamer Politiker wie Olof Palme scheinen vorbei zu sein. Die sublimen Formen jemanden mundtot zu machen sind effizienter, weil es meistens nur bei einem kurzen Aufschrei der Empörung bleibt. Die Leaks dagegen sind in unseren Köpfen angekommen und werden weiterhin nach Geheimnissen suchen, um sie abzuschaffen und auszusprechen, was bisher nur gedacht, künftig allen zugute kommen wird.

  5. 7. Videos

    habe hier einen Ausschnitt aus der Pressekonferenz mit Assange gestern gefunden, außerdem der neue Spendenaufruf von WikiLeaks - über Direktüberweisung kann man ja noch spenden.
    http://ngrap.es/pBEk

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