Umstrittenes Gesetz Italienische Wikipedia aus Protest offline

Ein Gesetzentwurf des italienischen Parlaments sieht vor, dass sehr leicht Netzinhalte gelöscht werden können. Wikipedia reagierte darauf mit einem radikalen Schritt.

Auf der italienischen Wikipedia-Seite erscheinen keine Lexikon-Artikel, sondern es findet sich dort ein Protestbrief.

Auf der italienischen Wikipedia-Seite erscheinen keine Lexikon-Artikel, sondern es findet sich dort ein Protestbrief.

Die italienische Ausgabe des Online-Lexikons Wikipedia ist aus Protest gegen Pläne für ein neues Gesetz zu Korrekturen im Internet vom Netz gegangen. Statt der Artikel bekommen Nutzer einen offenen Brief (hier die deutsche Übersetzung) zu lesen.

Die Aktion wendet sich gegen einen Gesetzentwurf, der gerade im italienischen Parlament debattiert wird. Der Entwurf verpflichtet Web-Anbieter, jegliche Inhalte ohne weitere Prüfung innerhalb von 48 Stunden zu korrigieren, wenn jemand das unter Hinweis auf sein Ansehen fordert.

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"Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass jeder, der sich durch irgendeinen Inhalt in einem Blog, einer Online-Zeitschrift oder eben auch Wikipedia angegriffen fühlt, direkt die Entfernung des Inhalts und eine dauerhafte Veröffentlichung einer durch ihn korrigierten Fassung verfügen kann", warnen die Wikipedia-Aktivisten. Es gebe die Gefahr, dass die italienische Wikipedia damit vor dem Aus stehe.

Indirekte Kritik von der Wikimedia Foundation

Das weltweit verfügbare Online-Lexikon hat keine feste Redaktion, die Artikel werden von Internet-Nutzern geschrieben und redigiert. Es gab immer wieder Fälle, in denen sich Personen verleumdet fühlten. In Deutschland zum Beispiel hatte ein Bundestagsabgeordneter 2008 die deutsche Domain wikipedia.de zeitweise sperren lassen.

Der Betreiber aller Wikipedia-Ausgaben, die Wikimedia Foundation, kritisierte indirekt die Blockade der italienischen Ausgabe. "Vernünftige Menschen könnten widersprechen", dass die Aktion der beste Weg sei, um Aufmerksamkeit für das Problem zu erhalten. Inhaltlich unterstütze die Foundation aber den Protest der italienischen Ausgabe.

Die deutsche Ausgabe von Wikipedia zeigte Verständnis. Eine Solidaritätserklärung für die italienischen Kollegen unterschrieben bereits mehr als 250 Wikipedia-Autoren.

 
Leser-Kommentare
  1. Eine Änderung/Entfernung ohne jegliche Prüfung, lediglich auf Wunsch einer Person? Das scheint so, wie es in diesem Artikel dargestellt wird, ja ein ziemlich zweifelhaftes Gesetz zu sein. Sollte dieses Gesetz tatsächlich in dieser Form in Kraft treten, so würde ich Wikipedia empfehlen auf unangemessene Löschanträge gar nicht zu reagieren und den Streit um die Neutralität des Artikels ggf. vor Gericht auszutragen.

    Eine Leser-Empfehlung
  2. Wenn der Bürger den bestehenden Systemen hilflos und ohmächtig ausgeliefert ist, muss der Bürger die Wege wählen, mit welchen er sich gegen Diktaturen wehren kann.

  3. Da hat doch wohl nicht jemand spezielles BAngst vor der schnellen Verbreitung von entlaufenen Nachrichten? Der Protest ist richtig und unterstützenswert.

    • omix
    • 06.10.2011 um 6:26 Uhr

    Wo in dem Gesetz lesen Sie etwas von "löschen"? Der Entwurf stellt m. E. (mein Italienisch ist sicherlich nicht das Beste) nur klar, dass der Gegendarstellungsanspruch (darum handelt es sich wohl) auch für elektronisch verbreitete Medien gilt. Es werden lediglich 2 Passagen in die *bestehende* Regelung eingefügt: "dei servizi di media audiovisivi e radiofonici" (audiovisuelle Mediendienste und Rundfunk) und "[...]ivi compresi i giornali quotidiani e periodici diffusi per via telematic" ([Computer-Websites], einschließlich der auf elektronischem Wege verbreiteten Zeitungen und Zeitschriften). Ich kann mir nicht vorstellen, dass das (bestehende) Gesetz in der Form angewandt worden ist, dass der Betroffene veröffentlichte Texte an sich korrigieren lassen kann. Anmerkungen und Korrekturen sind zu veröffentlichen. Vergleichbares gilt in der BRD auch, vgl. die Pressegesetze der Länder.

    Den Entwurf der kann man sich hier (s. Seite 24) ansehen http://www.camera.it/Came....

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Kommentare 4
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