Am Montag tauchte bei iTunes eine neue App namens iTether auf. Mit ihr ist es möglich, das iPhone als Modem für einen PC oder Mac zu benutzen und dabei dessen Datenflatrate zu verwenden. Tethering heißt das. Am Dienstag hat Apple die Software wieder aus iTunes entfernt. Zur Begründung hieß es , die App verursache zu viel Datenverkehr und belaste damit die Netze der Mobilfunkbetreiber. Übersetzt: Sie schmälert die Umsätze dieser Firmen. Es war nicht das erste Mal , dass Apple so mit einer Tethering-App verfahren ist. 

Auch bei Scherzen, die auf seine Kosten gehen, versteht Apple keinen Spaß. Im September war ein ungewöhnliches Spiel in den App Store gelangt: Phone Story spielte zynisch die Herstellung eines Smartphones durch, von den Koltan-Minen im Kongo, über ausgebeutete Arbeiter in China, bis zum Konsumfetischismus in der westlichen Welt. Nach nur wenigen Stunden wurde es aus dem App Store verbannt. Seitdem ist es als Spiel für Android Smartphones erhältlich.

"Kein Wunder", kommentiert Bill Thompson , Technik-Kolumnist beim britischen Sender BBC: "Das iPad, das iPhone und der App Store sind geschlossene Systeme, in denen jedes Programm, das der User laden will, von Apple bewilligt werden muss." Eine App, ein Game und jede andere Anwendung muss den internen Richtlinien von Apple entsprechen und kann vom Konzern sofort abgelehnt oder nachträglich wieder aus dem Angebot entfernt oder mit einem Update des Betriebssystems funktionsuntüchtig gemacht werden.

Diese Zensur, so Thompson, nimmt dem User die Freiheit, selbst über die Software auf seinem iPhone zu entscheiden. Denn wer andere, nicht von Apple erlaubte Programme laden will, muss technisch versiert sein und das Gerät mit einem sogenannten Jailbreak entsperren , um dadurch die vom Hersteller auferlegten Nutzungseinschränkungen zu umgehen. Wie genau das funktioniert, weiß die Mehrheit der Apple-Nutzer wohl nicht. "Das ist nur Teil eines größeren Problems", findet Thompson. Seit Jahren tritt der Radiomoderator und Online-Kolumnist dafür ein, dass sich jeder Nutzer eines Computers oder Smartphones viel mehr mit seinen Geräten auseinandersetzt und ihre Technologie versteht. Der 51-Jährige fordert "digitale Bildung" für jeden.

Das fordern andere auch. Der Netzkritiker Howard Rheingold etwa, Gastdozent in Berkeley und Stanford, plädiert dafür, den kritischen Umgang mit der eigenen Privatsphäre in sozialen Netzwerken wie Facebook in die Stundenpläne an Schulen aufzunehmen. Aber auch der Gebrauch von Blogs, Wikis und Suchmaschinen sowie das anschließende Verifizieren von Suchergebnissen gehören für ihn zur Allgemeinbildung , die auch bei den sogenannten Digital Natives erstaunlich schwach ausgeprägt sei. Thompson aber verlangt sogar, dass ein Nutzer auch selbst programmieren kann.