Transparency ReportGoogle möchte soziale Netzwerke einbinden

Die Ergebnisse des Google Transparency Reports zu staatlichen Löschanfragen sind dann spannend, wenn die Beweggründe der Behörden deutlich werden. Und die von Google. von 

Google-Zentrale in Mountain View: Der Konzern schreibt sich Transparenz auf die Fahnen.

Google-Zentrale in Mountain View: Der Konzern schreibt sich Transparenz auf die Fahnen.  |  © Robert Galbraith/AFP/Getty Images

Der Transparency Report von Google verrät, wie oft staatliche Institutionen versuchen, Inhalte aus Googles Diensten entfernen zu lassen und wie häufig sie Daten über die Nutzer dieser Dienste anfordern. Diesen Bericht hat Google gerade zum vierten Mal vorgelegt und anschließend ein wenig Transparenz in eigener Sache geübt. Dorothy Chou, die den Transparency Report mitentwickelt hat, tourt gerade durch Europa, um den Bericht bekannter zu machen.

Chou will unter anderem in Deutschland andere Unternehmen dazu bewegen, Daten für den Report zur Verfügung zu stellen . Er soll dadurch aussagekräftiger werden. Bislang analysiert er nur Anfragen an Google-Dienste und zeigt, in welchem Land welche Angebote des Konzerns zugänglich sind oder nicht. Die Daten von weiteren Anbietern sollen dabei helfen, staatliche Überwachungs- und Zensurversuche genauer zu dokumentieren.

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Google sagt, man wolle dazu auch soziale Netzwerke und Provider ins Boot holen. Doch könnte der Konzern wohl auch gut damit leben, wenn gerade die sozialen Netzwerke, insbesondere Facebook, nicht mitmachten. Denn Transparenz als – selbst vergebenes – Gütesiegel ist ein möglicher Wettbewerbsvorteil.

Ein Blick auf die Ergebnisse des Berichts lohnt auch schon jetzt. Doch aussagekräftig sind sie nur, wenn die Beweggründe der staatlichen Stellen deutlich werden. Und die von Google.

Beispiel Brasilien: Dort war die Zahl der Löschanfragen im zweiten Halbjahr 2010 deutlich höher als im ersten Halbjahr 2011. Doch das bedeutet nicht, dass die brasilianische Regierung nun weniger zensieren will. Vielmehr gab Google selbst den vorsichtigen Hinweis , die hohen Fallzahlen hingen mit der Wahlperiode im Herbst 2010 zusammen. Denn in Brasilien ist es staatlich lizensierten Sendern in den drei Monaten vor einer Wahl verboten, politische Satiren und Karikaturen zu veröffentlichen . Die Anfragen an Google bezogen sich offenbar auf humoristische Darstellungen von wahlkämpfenden Politikern, die diese Sender ins Internet gestellt hatten.

Beispiel USA: Zu den Daten für die USA merkte Google an , eine lokale Polizeibehörde habe beantragt, YouTube-Videos zu entfernen, die Fälle von Polizeigewalt dokumentierten. Um welche Fälle es sich handelte, verriet Google nicht. Der Aufforderung sei das Unternehmen aber ebenso wenig nachgekommen wie anderen Anträgen zur Löschung von Videos, in denen angeblich Polizisten verleumdet würden. Devin Coldewey vom US-Blog Techcrunch deutet das so : "Ich denke, in unruhigen Zeiten wie diesen sagt Google sehr leise, was es besser nicht laut sagen sollte, nämlich 'Stellt eure kontroversen Videos bei uns ein'. YouTube möchte damit seine Legitimität zur Dokumentation von Ungerechtigkeit unterstreichen."

  

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