RechtsradikaleNeonazis indoktrinieren Facebook-Mitglieder

Rechtsextreme unterwandern Facebook und auch Plattformen der Occupy-Bewegung. Mit subtilen und auch haarsträubenden Behauptungen versuchen sie, Anhänger zu gewinnen. von Markus Ehrenberg und Kurt Sagatz

Rechtsextreme gründen auf Facebook Propagandaseiten wie "Deutschland gegen Kindesmissbrauch".

Rechtsextreme gründen auf Facebook Propagandaseiten wie "Deutschland gegen Kindesmissbrauch".  |  © Screenshot ZEIT ONLINE

"Keine Gnade für Kinderschänder", diese Haltung teilen viele Menschen, so auch im sozialen Netzwerk Facebook. Die Betreiber der Seite waren äußerst aktiv, 70.000 Mitglieder der Community erklärten per "Gefällt mir"-Button ihre Zustimmung zu der Forderung. Die von den Seitenbetreibern organisierten Veranstaltungen erreichten bis zu 200.000 Unterstützer. Bis die Seite vor drei Wochen geschlossen wurde, weil das Thema Kindesmissbrauch nur eine Tarnung war. Tatsächlich nutzte die Naziszene die Seite zur Verbreitung ihrer rechten Ideologie bis hin zur Forderung nach der Einführung der Todesstrafe. "Das wurde wirklich sehr professionell und akribisch gemacht", sagt Simone Rafael von der Initiative No-Nazi.net .

No-Nazi.net gehört wie auch Netz gegen Nazis zur Amadeu Antonio Stiftung, die sich dem Kampf gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus verschrieben hat. Bereits vor geraumer Zeit beobachtete die Stiftung, wie der Rechtsextremismus in den sozialen Netzen zum gravierenden Problem wurde. Anders als bei den bisherigen Aktivitäten wendet sich No-Nazi.net nun in Facebook, SchülerVZ und wer-kennt-wen mit eigenen Gruppen direkt an die Jugendlichen, um dort Aufklärungsarbeit zu leisten und Diskussionen anzuregen. Auch in der aus einer Flirtbörse hervorgegangenen Community Jappy ist die Initiative aktiv. Jappy ist in den neuen Bundesländern stark vertreten, was die Plattform für die Rechten interessant macht.

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Vor anderthalb Jahren rief die rechte Publikation Deutsche Stimme dazu auf, sich in den Netzwerken als "nette Rechte von nebenan" zu präsentieren. Statt durch Tattoos und Springerstiefel aufzufallen, sollten lokale Kontakte geknüpft, Unterstützer für eigene Kampagnen gefunden und die NPD als wählbare Partei dargestellt werden.

An Aktivitäten mangelt es nicht, zumal sich viele Themen für die Indoktrination anbieten. Die Sorge um die Zukunft des Euros wird zur Forderung "Raus aus der EU" umgeformt, um so die "Volksgemeinschaft" nicht zu beschädigen. Auch die Occupy-Bewegung wird okkupiert, indem auf die Gefahren des Finanzkapitals hingewiesen wird. Von da über das "Weltjudentum" bis zum offenen Antisemitismus ist der Weg nicht weit. Bewegungen wie Occupy sind besonders gefährdet, weil sie für Offenheit stehen. "Solange nur zum Thema gepostet wird, sind uns alle willkommen", wird argumentiert.

 

Neonazi-Terror in Deutschland
Morde, ungeklärte Anschläge und Reaktionen
1996 und 1997

© Frank Doebert/Ostthueringer Zeitung/dpa

Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe fallen 1996 zum ersten Mal auf. Sie sollen eine Puppe mit gelbem Davidstern an einer Autobahnbrücke aufgehängt haben. 1997 deponieren sie einen mit Hakenkreuz bemalten Sprengstoffkoffer in der Jenaer Innenstadt.

Januar 1998

© Heinz Hirndorf/dpa

In Jena hebt die Polizei die Bombenwerkstatt der drei mutmaßlichen Rechtsterroristen aus. Das Labor war in einer Garage versteckt. Die Fahnder stellen Rohrbomben sicher, die mit dem Sprengstoff TNT gefüllt sind. Das Trio flieht. Noch offen ist, wer ihnen bei der Flucht half.

28. September und 19. Dezember 1998

© Wolfgang Kumm/dpa

Auf das Grab des früheren Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, werden zwei Anschläge verübt. Der Fall wurde nie aufgeklärt, die Ermittler untersuchen mögliche Verbindungen zu den drei Neonazis.

1999 bis 2011

© Polizeidirektion Gotha/dpa

14 Banküberfälle werden Böhnhardt und Mundlos zugeordnet: Chemnitz: 6. und 27.10.1999, 30.11.2000, 23.9.2003, 14. und 18.5.2004, 22.11.2005; Zwickau: 5.7.2001, 25.9.2002 und 5.10.2006; Stralsund: 7.11.2006 und 8.1.2007; Arnstadt: 7.9.2011; Eisenach: 4.11.2011. Sie fliehen mit dem Fahrrad. 

27. Juli 2000

© Christian Ohlig/dpa

Ungeklärt ist auch der Splitterbombenanschlag an einer Düsseldorfer S-Bahn-Station. Zehn Einwanderer aus Osteuropa werden schwer verletzt, eine Frau verliert ihr ungeborenes Kind. Der Anschlag läuft ähnlich ab wie der in Köln 2004. War auch hier das Jenaer Trio beteiligt?

9. September 2000

© dpa

In Nürnberg wird der 38-jährige türkische Blumenhändler Enver S. erschossen. Eine der verwendeten Waffen ist die bei allen folgenden Taten genutzte Pistole, eine Ceska, die später in der Zwickauer Brandruine gefunden wird. Enver S. ist das erste Opfer der Mordserie.

19. Januar 2001

© Jan Woitas/dpa

Eine Deutsch-Iranerin wird in einem Kölner Lebensmittelgeschäft durch einen in einer Keksdose versteckten Sprengsatz schwer verletzt. Hinweise darauf, dass das Trio hinter dem Anschlag steckte, finden sich auf der in der Zwickauer Brandruine (Bild) gefundenen DVD.

13. Juni 2001

© dpa

In Nürnberg stirbt der 49 Jahre alte, türkische Änderungsschneider Abdurrahim Ö. Er wurde mit zwei Kopfschüssen niedergestreckt. Ein Komplize des Täters soll draußen in einem Auto gewartet haben.

27. Juni 2001

© dpa

In Hamburg wird der 31-jährige Gemüsehändler Süleyman T. in seinem Laden ermordet. Drei Schüsse haben ihn in den Kopf getroffen. Die Polizei geht von zwei Tatwaffen aus.

29. August 2001

© dpa

In München wird der 38 Jahre alte, türkische Gemüsehändler Habil K. erschossen. Auch er wird in den Kopf getroffen, mit zwei Schüssen.

25. Februar 2004

© dpa

In Rostock wird der 25 Jahre alte Dönerladen-Aushilfsverkäufer Yunus T. ermordet. Der Türke war erst zehn Tage in Deutschland.

9. Juni 2004

© Federico Gambarini/dpa

Durch einen Nagelbombenanschlag in Köln werden 22 Menschen verletzt. Im November 2011 wird der bislang ungeklärte Fall neu aufgerollt, weil die Neonazis sich auf ihrer DVD zu dem Anschlag bekannt haben.

9. Juni 2005

© dpa

In Nürnberg stirbt an seinem Dönerstand der 50 Jahre alte Besitzer Ismail Y. Ein Kunde findet ihn hinter der Theke. Fünf Schüsse haben ihn getroffen. Zeugen sagen, zwei Männer hätten auf ihn geschossen.

15. Juni 2005

© dpa

Der 41-jährige Theodorus B. wird in seinem Laden, einem Schlüsseldienst in München, erschossen. Er stammt als einziges Opfer aus Griechenland.

4. April 2006

© dpa

In Dortmund wird in den Mittagsstunden an einer vielbefahrenen Straße der türkischstämmige Kioskbesitzer Mehmet K. mit mehreren Kopfschüssen getötet. Der 39-Jährige hinterlässt eine Frau und drei Kinder.

6. April 2006

© Uwe Zucchi/dpa

Halit Y., der 21 Jahre alte türkische Betreiber eines Internetcafés in Kassel, wird ebenfalls mit Kopfschüssen getötet. Am Tatort befand sich ein Mitarbeiter des hessischen Verfassungsschutzes. Er soll auf dem Dachboden seines Hauses Bücher zur Nazizeit gehortet haben.

25. April 2007

© Norbert Försterling/dpa

In Heilbronn wird Michèle Kiesewetter, eine aus Thüringen stammende, 22 Jahre alte Bereitschaftspolizistin, erschossen. Ihr Kollege überlebt schwer verletzt.

4. November 2011

© Carolin Lemuth/dpa

Nach einem Banküberfall werden Bönhardt und Mundlos tot in ihrem ausgebrannten Wohnmobil bei Eisenach gefunden. In Zwickau geht ihre Wohnung in Flammen auf. In den Trümmern werden Waffen und eine DVD entdeckt, mit Bekenntnis zu den Morden und einigen Anschlägen.

8. November 2011

© Jan Woitas/dpa

Beate Zschäpe stellt sich der Polizei in Jena und wird wegen dringenden Verdachts der Gründung der Neonazi-Gruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) festgenommen. Seither sitzt die 36-Jährige in Untersuchungshaft.

13. November 2011

© Franziska Kraufmann/dpa

Holger G. wird in Niedersachsen festgenommen. Er soll Mitglied des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) sein und dem Trio Ausweise überlassen haben. Holger G. wurde schon 1999 observiert, doch der niedersächsische Verfassungsschutz stufte ihn nur als Mitläufer ein.

15. November 2011

Die CDU fasst auf ihrem Parteitag in Leipzig einstimmig den Beschluss, ein neues Verbotsverfahren gegen die NPD zu prüfen. Auch die SPD fordert wieder, die Partei zu verbieten. In dem Zusammenhang wird auch diskutiert, ob der Einsatz der V-Leute vom Verfassungsschutz überprüft werden muss. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich will ein Zentralregister einrichten, in dem alle Informationen über Neonazis gespeichert werden sollen.

Am gleichen Tag wird bekannt, dass das Neonazi-Trio eine Liste angefertigt hatte, auf der auch Politiker verzeichnet waren.

16. November 2011

© Polizei Sachsen/dpa

Beate Zschäpe trägt nichts zur Aufklärung der Mordserie bei. Sie schweigt. Derweil wird die Liste der Fahndungspannen immer länger. Polizei und Verfassungsschutz hatten offenbar Dutzende Chancen verpasst, die Neonazi-Gruppe zu finden.

18. November 2011

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger will als Reaktion auf die Ermittlungspannen die Zahl der Verfassungsschutzämter in Deutschland reduzieren. Die Länder sind dagegen. Vereinbart wird auf einem Krisengipfel aber, ein Abwehrzentrum Rechts und eine zentrale Neonazi-Datei einzurichten.

21. November

© Christof Stache/AFP/Getty Images

Es wird bekannt, dass Uwe Mundlos durch eine Behördenpanne an gefälschte Ausweispapiere kam. BKA-Chef Ziercke verwirrt mit der These, die Polizistin Michèle Kiesewetter sei doch gezielt getötet worden. "Unsinn", heißt es dazu aus Thüringen.

22. November
Kristina Schröder

© Sean Gallup/Getty Images

Die Mittel für Initiativen gegen Rechtsextremismus sollen, anders als von Familienministerin Kristina Schröder ursprünglich geplant, nun doch nicht gekürzt werden. Zudem will die Bundesregierung die Angehörigen der Opfer entschädigen.

24. November

© Franziska Kraufmann/dpa

In Brandenburg wird der 32-jährige André E. festgenommen. Er soll die Bekenner-DVD der NSU produziert haben. Im Mai 2009 soll er dem Trio Bahncards überlassen haben, die auf ihn und seine Frau ausgestellt waren.
 

29. November

© Uli Deck/dpa

Der ehemalige NPD-Funktionär Ralf W. wird in Jena verhaftet. Dem 36-Jährigen wird unter anderem vorgeworfen, der Neonazi-Gruppe eine Schusswaffe und Munition besorgt zu haben. W. war bis Mai 2008 Vize-Chef der thüringischen NPD.

11. bis 13. Dezember

Der mutmaßliche Unterstützer Matthias D. wird gefasst. Der 36-Jährige, der wie André E. aus dem sächsischen Johanngeorgenstadt stammt, soll in Zwickau zwei Wohnungen für die Gruppe angemietet haben.

Derweil wächst bei Schwarz-Gelb die Skepsis gegenüber einem erneuten NPD-Verbotsverfahren. Man fürchtet angesichts der vielen V-Leute in der NPD (offenbar mehr als 130) einen erneuten Misserfolg.

In den folgenden Tagen wird bekannt, dass die Ermittler auch Spuren der Terrorzelle nach Berlin und in die Schweiz untersuchen. Möglicherweise war sie an einem Mord in Zürich beteiligt.

Januar 2012
01 Sebastian Edathy im Untersuchungsausschuss

© Sean Gallup/GettyImages

Ein Untersuchungsausschuss des Bundestages geht den Ermittlungsfehlern nach. Dabei kommt heraus, dass die bayerische Polizei bei der Fahndung gar einen Dönerimbiss betrieb. Auch in Thüringen und Sachsen untersuchen die Parlamente die Vorgänge.

Februar 2012
Staatsakt

© Sean Gallup/Getty Images

In einem Staatsakt wird der NSU-Opfer gedacht. Eine Straße in Kassel soll nach einem der Opfer benannt werden. Jetzt untersucht auch eine Bund-Länder-Kommission die fehlgeschlagene Suche nach dem Trio.
 

März 2012
02 Beate Zschäpe

© BKA/dpa

Die Bundesanwaltschaft arbeitet daran, Beate Zschäpe eine direkte Beteiligung an den Morden nachweisen zu können. Zschäpe soll der Motor der Gruppe gewesen sein, Haushalt und Finanzen verwaltet haben.

2. Mai 2012
03-Untersuchung nach Mord

© Marcus Föhrer/dpa

Acht Männer türkischer Abstammung ermordeten die Rechtsextremen. Doch auch die türkischen Behörden glaubten nur an ein kriminelles Killerkommando aus dem eigenen Land, wie die ZEIT herausfindet.

15. Mai 2012

In Thüringen wurde bei der Suche nach den untergetauchten Terroristen von 1998 bis 2001 geschlampt, urteilt ein Gremium der Landesregierung unter Vorsitz von Ex-Bundesrichter Gerhard Schäfer. Bereits zu Jahresbeginn haben die Landesverfassungsschützer eingeräumt, dass über einen Mittelsmann Geld an die Neonazis fließen sollte, um an deren Tarnidentitäten zu kommen. Der Plan scheiterte. Für die Observation des Trios stellt auch die Parlamentarische Kontrollkommission des Sächsischen Landtages dem eigenen Verfassungsschutz ein verheerendes Zeugnis aus.

Ende Mai 2012

Der mutmaßliche NSU-Helfer Holger G. ist auf freiem Fuß. Er soll den drei Rechtsextremisten Waffen besorgt haben. Der Bundesgerichtshof entschied: G. wusste eventuell nicht, wofür sie eingesetzt werden. Zwei Wochen später werden auch Carsten S. und Matthias D. aus der Untersuchungshaft entlassen. Im Juni wird der Haftbefehl gegen den mutmaßlichen NSU-Helfer André E. aufgehoben. Er soll an dem Bekennervideo der NSU mitgearbeitet haben, der BGH hält ihn aber nicht für dringend tatverdächtig

2. Juli 2012
Die Terrorzelle

© BKA/dpa

Ein Referatsleiter des Bundesverfassungsschutzes hat im November 2011 Akten zu V-Leuten aus dem Umfeld der NSU vernichtet. Bis Ende Juni war das dem Geheimdienstchef angeblich nicht  bekannt.

Juli 2012

Als Konsequenz aus der "Reißwolf-Affäre" bittet Verfassungsschutzchef Fromm um seine frühzeitige Pensionierung. Wenige Tage später verliert der Präsident des Thüringischen Geheimdienstes, Thomas Sippel, seinen Posten. Auch der Leiter der sächsischen Behörde, Reinhard Boos, tritt zurück.  Protokolle einer Telefonüberwachung des Bundesamtes von Ende 1998 waren nicht an die Untersuchungsausschüsse weitergegeben worden.

5. Juli 2012

Fromm spricht vor dem Bundestagsausschuss. Er offenbart Chaos in seiner Behörde, weiß nicht, warum sensible Akten vernichtet wurden. Die Vermutung der FDP, Zschäpe sei als Informantin angeworben worden, wird dementiert.

Juli 2012

© Michael Gottschalk/dapd

Noch nachdem die Straftaten des NSU bekannt wurden, sind zahlreiche weitere Akten zu den drei Rechtsextremisten vernichtet worden. Die Behörden erklären das mit dem Datenschutz, die Opposition vermutet Vertuschung.

Juli 2012

© Jim Lo Scalzo/EPA/dpa

Zwei Kollegen der Polizistin Michele Kiesewetter sind zeitweise Mitglieder im rassistischen Ku-Klux-Klan (KKK) gewesen. Einer von ihnen war ihr Gruppenführer, wusste also, wo sie sich aufhielt. Einen Zusammenhang mit dem Mord schließt der Innenminister Friedrich aus.

September 2012

© BKA/dapd

Der Militärgeheimdienst MAD hat 1995 eine Akte über die rechtsextreme Gesinnung des Wehrdienstleistenden Uwe Mundlos erstellt. Der Verteidigungsminister wusste dies seit März. Der Bundestagsuntersuchungsausschuss wurde nicht informiert.

14. September 2012

© Steffi Loos/dapd

Ein früherer Vertrauter des NSU hat jahrelang für das LKA Berlin gespitzelt. Thomas S. lieferte 2002 Hinweise auf den Aufenthaltsort der Truppe in Thüringen. Innensenator Frank Henkel wusste seit März von S., gab die Information aber nicht an den Ausschuss weiter.

Selbst die Foren, in denen über die Zwickauer Zelle diskutiert wird, werden zur Sympathisantenwerbung genutzt. In Diskussionen wird nach den Todesopfern migrantischer Gewalt gefragt und auf das Schicksal von deren Familien hingewiesen. Vorwürfe werden erhoben, der Staat sei in der Extremistenverfolgung offenbar auf dem linken Auge erblindet. Oder aber es wird argumentiert, eigentlich sei der Kampf gegen den Rechtsextremismus erst die Ursache dafür, dass es zu solchen Taten wie den Morden an acht türkischen und einem griechischen Kleinunternehmer gekommen sei. Allerdings nehmen inzwischen auch wieder die Postings und Kommentare in Blogs zu, die die Mitglieder der Zwickauer Zelle als Helden feiert. Ein rechter Online-Shop preist gar ein Shirt mit der Aufschrift "Killer-Döner nach Thüringer Art" an, erzählt Rafael.

Auffällig an diesen Propagandaseiten ist, dass fast ausschließlich rechte Nachrichtenquellen genutzt werden. Ein Beispiel dafür ist das Blog Deutschland-Echo . Das führt zu Aussagen, dass 80 Prozent aller Kinderschänder einen Migrationshintergrund hätten. Völlig an den Haaren herbeigezogene Behauptungen werden so als unumstößliche Wahrheiten hingestellt. Die Initiative No-Nazi.net rät davon ab, rechtsextreme, rassistische oder antisemitische Postings unkommentiert stehen zu lassen. Auch wenn eine echte Diskussion mit den Rechten nicht möglich sei, sollte man sich klar positionieren, auch mit Blick auf die Mitleser. Verstöße gegen Recht und Gesetz könnten entweder bei den Betreibern der Netzwerke oder bei Initiativen wie no-nazi.net gemeldet werden.

Leserkommentare
  1. Worauf will der Autor hinaus? Ist es angesichts der Verbreitung von rechten Inhalten legitim, das Internet mehr zu überwachen oder regulieren?
    Wahrscheinlich ja, aber Vorsicht vor den Folgen auf andere Bereiche.
    Die Redaktionsbetreuung des der Diskussionsbeiträge bei ZEIT-ONLINE geht da vorbildlich voran. Man muss nicht jeden ausländerfeindlichen Quatsch in den Kommentaren akzeptieren, andere sollten sich dieser Praxis anschliessen.
    Wieso sind die Diskussionsforen eigentlich immer voll von dieser tendentiös rassistischen pseudo-wissenschafts-Polemik?

  2. Mir ist es nicht schwer gefallen zu erkennen, wer die Seite betreibt, da stehe Sätze wie diese:

    "Lebenslang heißt ein Leben lang und auch die Diskussion über die Todesstrafe darf kein gesellschaftliches Tabu sein.
    Eine Resozialisierung von Kinderschändern und gefährlichen Sexualstraftätern darf es nicht geben."

    Alibisätze werden unkonsequent mit Diffamierungen abgeschlossen:

    "Wir differenzieren bei den Opfer nicht bzgl. ihrer ethnischen Herkunft. Uns liegt der Schutz aller Kinder am Herzen und zwar unabhängig von ihrer Herkunft.
    Wir unterscheiden nicht zwischen deutschen und ausländischen Tätern.
    Alle Täter sind für uns Bestien und biologischer Sondermüll. "

  3. Bei Zeitonline verfestigt sich mein Eindruck, daß die Unterwanderung des Forums in der Redaktion entweder nicht begriffen oder aber geduldet wird. Es werden z.B. in Regelmäßigkeit Kommentare gelöscht, die höchst zweifelhaften Meinungsäußerungen widersprechen, unter diskreditierenden Anmerkungen wie 'Unsachlichkeit', 'Themenverfehlung', 'Privatfehden' etc.etc.. Damit bezieht die Redaktion inhaltlich Stellung. Ich möchte dabei keine Absicht unterstellen, das nicht-kontextuelle Lesen der Diskussionen scheint mir eher die Erklärung - leider ist aber das Ergebnis das Gleiche. Es gibt reichlich Themen, zu denen überhaupt keine erkenntnisstiftende sachliche Diskussion mehr stattfindet. Auch die Hilflosigkeit der Redaktion gegenüber den zahllosen Reinkarnationen gesperrter Nutzer trägt dazu bei. Schade, es war bis zum Relaunch im September 2009 das beste Forum im deutschsprachigen Raum.
    [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/se

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wir haben den Ausgangskommentar bereits wieder hergestellt. Danke, die Redaktion/fk.

    Ich fand Ihren Beitrag sehr aufschlussreich,
    und die Reaktion der Redaktion, die Löschung Ihres Beitrages, hat mich verblüfft.

  4. Wir haben den Ausgangskommentar bereits wieder hergestellt. Danke, die Redaktion/fk.

    Antwort auf "Bedenklich"
  5. Ich fand Ihren Beitrag sehr aufschlussreich,
    und die Reaktion der Redaktion, die Löschung Ihres Beitrages, hat mich verblüfft.

    Antwort auf "Bedenklich"
  6. "Ich fühle mich oftmals nicht ausreichend oder unabhängig genug informiert und auch ich ertappe mich dabei eigene Ansichten seltener zu hinterfragen"

    Gleicht man verschiedene Artikel zu einem Thema ab, gewinnt man oft den Eindruck, dass auf beiden Seiten eine stark befangene Berichterstattung stattfindet. Man resigniert dann irgendwann und hinterfragt gar nicht mehr, was denn nun verzerrt ist. Die Taktik dieser mutmaßlich Rechtsextremen ist denke ich auch, wie ich beobachte, ebenso Artikel aus verschiedenen Quellen gezielt zusammenzusuchen die an sich nichts mit der rechtsradikalen Szene zu tun haben. Zum Beispiel: http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Tuerkische-Flaggen-ueber-Au...
    Das macht es natürlich schwierig, wie zum Beispiel im berichteten Fall, grundsätzlich von absurden Inhalten zu sprechen.

    Ohne die Brisanz des Zwickauer Falls in Frage zu stellen, aber ich denke diese mediale Hysterie und dieser viele Konjunktiv in den Berichten dazu, spielt rechtsextremen geradewegs in die Arme. Insbesondere der Aktionismus der Politiker wie ihn ahlibaba2 so schön mit dem Satz "Da müssen wir jetzt genau hinschauen" beschrieben hat, oder die plötzlichen irrsinnigen Forderungen von Uhl, nur um seinen Bundestrojaner durchzubringen, lässt die Mehrheit das Ganze wohlmöglich als großes Theater erscheinen, was zu einer gefährlichen Desensibilität führt.

  7. darüber zu berichten.
    BTW, was war denn der Ausgangskommentar (#5) und wo wurde er wieder hergestellt??

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