Nur wenige Tage sind es noch bis zur Klimakonferenz von Durban . Und wie schon im Vorfeld des Kopenhagen-Gipfels 2009 tauchen plötzlich auf Blogs von Klimawandelskeptikern E-Mails von Forschern der Climate Research Unit (CRU) der University of East Anglia auf.

Ein User namens "FOIA2011" (was die englische Abkürzung für "Informationsfreiheitsgesetz 2011" sein soll), postete am frühen Dienstagmorgen auf mehreren Seiten einen Link zu einem russischen Webserver. Dort war eine Datei deponiert, die etwa 5.000 Mails und andere Unterlagen enthielt. Die Daten stammen offensichtlich aus demselben Hackerangriff, bei dem bereits die vor zwei Jahren veröffentlichten Privatnachrichten von Klimaforschern erbeutet worden waren.

Rasant verbreitete sich die Nachricht in der Szene derjenigen, die Berichte vom menschengemachten Klimawandel für eine Lüge halten. Von "Climategate II" ist bereits die Rede. Doch anders als vor zwei Jahren reagierte die betroffene Universität diesmal schnell. "Wie bereits 2009 wurden Teile der E-Mails komplett aus dem Zusammenhang gerissen", erklärt die University of East Anglia in einer ersten Stellungnahme .

Ob alle Mails echt sind, habe wegen der "schieren Menge der Daten noch nicht überprüft werden können", heißt es in der Stellungnahme. Sollten sie echt sein, heißt es weiter, wurden sie wohl offensichtlich damals schon gestohlen und bislang zurückgehalten, um hervorgeholt zu werden, wenn sie maximale Wirkung erzielen können. Zitat: "Dies scheint ein genau geplanter Versuch zu sein, die Kontroverse um die Wissenschaft hinter dem Klimawandel neu anzufeuern."

In der Tat schreibt James Delingpole, ein klimawandelskeptischer Blogger des britischen Daily Telegraph , bereits triumphierend , "die Wissenschaftler im Herzen der Klimawandel-Industrie" würden durch die Mails "in einem höchst unvorteilhaften Bild" gezeigt.

Unter den Absendern und Empfängern der privaten Nachrichten sind prominente Forscher wie Michael Mann, Phil Jones, Ben Santer und Kevin Trenberth. Als "wirklich erbärmlich" bezeichnete Mann , der als Professor an der Pennsylvenia State University lehrt, die neuerliche Veröffentlichung.

Und tatsächlich werden auch diesmal von den Bloggern nur kurze Zitate als Beleg für ihre These genutzt, die Klimaforscher seien Betrüger. Sie lauten beispielsweise: "Es ist entscheidend, Leute [in den Weltklimarat IPCC] zu bekommen, die wir kennen und denen wir vertrauen."

Der ultrakonservative US-Sender Fox News griff die neue "Story" sofort auf . Dort wird beispielsweise eine Mail präsentiert, die Peter Thorne, ein Mitarbeiter des britischen Wetterdienstes an CRU-Chef Phil Jones geschrieben habe: "Beobachtungen zeigen keinen Temperaturanstieg in der tropischen Troposphäre, es sei denn, man stützt sich auf eine einzige Studie und ignoriert eine Vielzahl anderer. Das ist einfach gefährlich. Wir müssen Unsicherheiten kommunizieren und ehrlich sein." Ein zweites Zitat aus einer späteren Mail lautet: "Ich denke auch, dass die Wissenschaft manipuliert ist, um ihr einen politischen Dreh zu verpassen – was langfristig gesehen für unsere Sache nicht besonders klug ist." Kommentar von Fox dazu: "Wirklich augenöffnend".