Linux-Erfinder Linus Torvalds © Anika Kehrer

ZEIT ONLINE: Herr Torvalds, Sie sagten kürzlich während einer Podiumsdiskussion, Sie machten sich Sorgen um die Komplexität von Linux. Wie meinen Sie das?

Linus Torvalds: Es gibt einige Teile im Programmcode von Linux, die nur wenige Leute wirklich gut kennen. Vergangene Woche diskutierten die drei Leute, die sich am allerbesten mit einem bestimmten Subsystem von Linux auskennen, einen Fehler. Wir brauchten Tage, um uns zu einigen, wie dieser Fehler überhaupt auftreten konnte. Er ist unwahrscheinlich, dass er je wirkliche Probleme macht, weil man schon exotische Dinge tun muss, damit er überhaupt auftritt. Und das Lustige daran war, dass er bereits seit fünf Jahren existiert. Aber es ist ein Beispiel für ein Subsystem, für das es nur eine Handvoll Leute gibt.

ZEIT ONLINE: Würden Sie sagen, Linux ist inzwischen zu komplex geworden?

Torvalds: Es geht nicht um ein "inzwischen". Die Komplexität hat mir schon immer Sorge bereitet. Die erste Linux-Version hatte 10.000 Codezeilen. Heute haben wir rund 15 Millionen Zeilen. Längst gibt es sogar Subsysteme, die sehr kompliziert geworden sind. Ich sehe mit Bangen dem Tag entgegen, an dem wir einen Fehler haben, den niemand mehr nachvollziehen kann. Wir müssen es einfacher machen.

ZEIT ONLINE: Ist es ein Problem, dass so viele Leute Linux programmieren?

Torvalds: Linux ist für ein Open-Source-Projekt eher ungewöhnlich, weil es kein festes Kernteam gibt, das die Leitung hat. Ok, es gibt mich, aber ich bin kein sehr kontrollierender Mensch. Alle, die mitarbeiten, tun das sehr unabhängig. Es gibt keine Notwendigkeit, ein zentrales Kontrollteam zu schaffen. Jeder kann das Werkzeug nutzen und mitmachen, es gibt keine festen Regeln dafür.

Ein Problem ist das nicht. Denn ich arbeite nicht mit Hunderten von Entwicklern zusammen, sondern vielleicht mit fünfzig. Und ich habe nur ein paar wenige, denen ich wirklich vertraue. Sie haben dann wiederum alle ihre eigenen Leute, mit denen sie eng zusammenarbeiten. So ist unser Modell. Das entstand zufällig, aber ich glaube, es gibt dafür einen guten Grund: Menschen organisieren sich nun einmal so, es ist ein Netzwerk des Vertrauens.

ZEIT ONLINE: Welche Linux-Distribution nutzen Sie selbst?

Torvalds: Das kann sich ändern, aber im Moment nutze ich Fedora 14, Fedora 15 ist eine solche Katastrophe... Möglicherweise wird Opensuse meine nächste Wahl. Suse habe ich schon vor zehn Jahren benutzt und bin dann irgendwann zu Fedora gewechselt. Jetzt könnte ich zu Suse zurückkehren, allerdings könnte ich auch zu Debian übergehen. Debian ist die einzige Distribution, die ich nie wirklich verwendet habe. Wir werden sehen.