Im Alter von elf Jahren erlebte Adeline Suwana am eigenen Leib, was Klimawandel ist. 2007 rettete sie sich mit ihren Eltern vor Überschwemmungen aus Indonesiens Hauptstadt Jakarta. Die Straßen in der Nachbarschaft und ihr Wohnhaus verschwanden für Tage in der braunen Suppe. Obwohl sich Adeline freute, dass sie nicht zur Schule gehen musste, machten sie die Fluten stutzig. Sie wollte wissen, warum dieses Mal nur mehr ihr Kopf aus dem Wasser ragte. Bei der Überschwemmung fünf Jahre zuvor war ihr das Wasser nur bis zu den Knöcheln gegangen.

Sie fand heraus, dass Waldrodungen in Jakartas Umgebung und der Treibhauseffekt schuld waren an der Verwüstung. Ohne Vegetation strömt der Regen ungebremst über den Inselstaat. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) schätzt, dass bis 2022 rund 98 Prozent des indonesischen Regenwaldes zerstört sein werden.

Adeline beschloss, etwas dagegen zu unternehmen. Die heute 14-Jährige gründete die Online-Plattform Sahabat Alam , was übersetzt "Naturfreunde" heißt. Über das Web trommelte sie andere Jugendliche zusammen, um das UN-Millenniumentwicklungsziel "Ökologische Nachhaltigkeit" in ihrem Land zu unterstützen. Nutzer können sich auf der Plattform über geplante Projekte informieren und sich online für Seminare und Umweltschutzaktionen anmelden.

Seitdem pflanzen 27.000 Kinder und Jugendliche freiwillig Mangroven, um das Land vor Überschwemmungen zu schützen. Sie organisieren Umweltkonferenzen und Schulungen. Ab 2012 bringen die "Naturfreunde" eine TV-Umweltsendung in 27 indonesische Städte. Das Geld für die Projekte erhält Adeline Suwana über unzählige Stipendien und von der Regierung.

"Mit der Regierung zusammenarbeiten?" Für die Ägypterin Heba Habib ist das so realistisch wie auf einem Teppich durch Kairo zu fliegen. "In Ägypten gibt es keine Regierung", sagt die 21-Jährige. Der letzte Minister, mit dem sie gesprochen hat, ist längst wieder aus dem Kabinett rotiert.

Die Diplomatentochter ist eine der Gründerinnen der Webseite Harassmap.org . Per SMS, Twitter, Telefon oder Mail melden Frauen dem Internetportal sexuelle Übergriffe. Auf einer interaktiven Karte wird angezeigt, was Frauen in Ägypten erleben: Obszöne Bemerkungen vom Taxifahrer, "Jungfrauentests" der Polizei und Vergewaltigungen. Mit der Seite will das Harassmap-Team die Rolle der Frauen stärken. Das wird im dritten der sieben Millenniumziele gefordert.

Heba Habib und ihre jungen Mitstreiterinnen vermitteln Frauen, die Opfer sexueller Gewalt wurden, an Psychologen. Sie beraten sie rechtlich und erklären ihnen, wie sie Anzeige erstatten können. Zur Polizei selbst gehen sie nicht. "Darauf zu setzen, dass die Polizei sexuelle Übergriffe verfolgt, ist wie Roulette spielen", sagt Habib. Sie erzählt von einer Frau, die aus dem Revier gejagt wurde, weil sie es gewagt hat, die Zeit der Polizisten zu beanspruchen. Das soll sich ändern. Bis Anfang 2012 wählen die Ägypter eine neue Regierung. Dann werden die Harassmap-Gründerinnen erneut das Gespräch suchen. Sie hoffen, dass die Polizei künftig mithilfe der digitalen Karte gegen sexuelle Belästigung ermittelt.

Im November haben "Naturfreunde" und "Harassmap.org" den internationalen Jugendpreis World Summit Youth Award in Graz erhalten. Er geht an unter Dreißigjährige, die mit Internet und Neuen Medien die UN-Millenniumentwicklungsziele (MDG) unterstützen. Das digitale Engagement der Jugend sei wichtig, um die Politik auf ihre Entwicklungshilfeversprechen aufmerksam zu machen, sagt UN-Diplomat Thomas Stelzer . Denn nur wenige der acht Ziele und ihrer Teilaspekte dürften im vorgegebenen Zeitraum erreicht werden. Ziel eins, die Halbierung extremer Armut, und Teilziel sieben, mehr Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen, haben laut Stelzer zwar gute Chancen, erreicht zu werden. Die Erfüllung aller anderen Ziele hängt allerdings davon ab, ob die Staaten ihre Zusagen einhalten und 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts an die UN überweisen. Bislang hätten das nur fünf Länder getan. Fünf von 189.