Millenniumziele Weltverbesserung im Web
Junge Menschen versuchen mithilfe des Internets etwas, woran die Vereinten Nationen zu scheitern drohen: Sie helfen, die Millenniumentwicklungsziele zu erreichen.
© Adek Berry/AFP/Getty Images

Ungewöhnlich schwere Überschwemmungen haben Jakarta im Jahr 2007 heimgesucht.
Im Alter von elf Jahren erlebte Adeline Suwana am eigenen Leib, was Klimawandel ist. 2007 rettete sie sich mit ihren Eltern vor Überschwemmungen aus Indonesiens Hauptstadt Jakarta. Die Straßen in der Nachbarschaft und ihr Wohnhaus verschwanden für Tage in der braunen Suppe. Obwohl sich Adeline freute, dass sie nicht zur Schule gehen musste, machten sie die Fluten stutzig. Sie wollte wissen, warum dieses Mal nur mehr ihr Kopf aus dem Wasser ragte. Bei der Überschwemmung fünf Jahre zuvor war ihr das Wasser nur bis zu den Knöcheln gegangen.
Sie fand heraus, dass Waldrodungen in Jakartas Umgebung und der Treibhauseffekt schuld waren an der Verwüstung. Ohne Vegetation strömt der Regen ungebremst über den Inselstaat. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) schätzt, dass bis 2022 rund 98 Prozent des indonesischen Regenwaldes zerstört sein werden.
Adeline beschloss, etwas dagegen zu unternehmen. Die heute 14-Jährige gründete die Online-Plattform Sahabat Alam, was übersetzt "Naturfreunde" heißt. Über das Web trommelte sie andere Jugendliche zusammen, um das UN-Millenniumentwicklungsziel "Ökologische Nachhaltigkeit" in ihrem Land zu unterstützen. Nutzer können sich auf der Plattform über geplante Projekte informieren und sich online für Seminare und Umweltschutzaktionen anmelden.
- Die acht UN-Millenniumsziele: 1.
Armut und Hunger bekämpfen: Die Zahl der extrem armen Menschen, die von weniger als 1,25 Dollar (knapp ein Euro) am Tag leben, soll bis 2015 halbiert werden, ebenso die Zahl der Hungernden. Die Umsetzung dieser Ziele ist zweifelhaft. Etwa 1,4 Milliarden Menschen weltweit sind immer noch extrem arm, 2010 wird ihre Zahl wegen der globalen Wirtschaftskrise vermutlich sogar um 64 Millionen steigen. 830 Millionen Menschen leiden immer noch Hunger.
- 2.
Grundschulausbildung für alle Kinder gewährleisten: Alle Jungen und Mädchen sollen bis 2015 mindestens eine Grundschulausbildung erhalten. Inzwischen gehen 89 Prozent aller Kinder zur Grundschule, im Jahr 2000 waren es 83 Prozent. Angesichts des langsamen Fortschritts halten die Vereinten Nationen ein Erreichen des Ziels für unwahrscheinlich. Derzeit gehen immer noch 69 Millionen Kinder im schulpflichtigen Alter nicht in einen geregelten Unterricht.
- 3.
Gleichstellung und größeren Einfluss der Frauen fördern: Die Benachteiligung von Mädchen in der Schule soll bis 2015 beseitigt werden. Weltweit kommen jedoch auf 100 Grundschüler immer noch nur 96 Grundschülerinnen. Als Erfolg verbucht es die UN, dass der Anteil der weiblichen Parlamentsabgeordneten von 1990 bis 2010 von elf auf 19 Prozent gestiegen ist.
- 4.
Die Kindersterblichkeit senken: Die Sterberate von Kindern unter fünf Jahren soll bis 2015 um zwei Drittel sinken. Hier sieht die UN Teilerfolge: Starben 1990 noch 100 von 1000 Lebendgeborenen vor dem fünften Lebensjahr, sind es inzwischen nur noch 72 von 1000. Das bedeutet täglich 10.000 weniger Todesfälle von Kleinkindern. Nach derzeitigem Stand könnten aber nur zehn von 67 Ländern mit hoher Kindersterblichkeit bis 2015 das UN-Ziel erreichen.
- 5.
Die Gesundheit der Mütter verbessern: Die Zahl der Mütter, die während Schwangerschaft oder Geburt sterben, soll bis 2015 um drei Viertel sinken. Doch noch immer sterben jährlich Hunderttausende Frauen an Komplikationen, die Zahl hat sich seit 2000 kaum verringert.
- 6.
HIV/Aids, Malaria und andere Krankheiten bekämpfen: Hier gibt es Nachholbedarf: Immer noch stecken sich jeden Tag weltweit etwa 7000 Menschen mit dem HI-Virus an. Die Zahl der HIV-Neuinfektionen sank aber von 3,5 Millionen im Jahr 1996 auf 2,2 Millionen im Jahr 2008. Die Zahl der Infizierten mit Zugang zu HIV-Medikamenten in armen Ländern hat sich binnen fünf Jahren verzehnfacht.
- 7.
Eine nachhaltige Umwelt gewährleisten: Hierzu gehört unter anderem der Erhalt der Artenvielfalt und der Kampf gegen die Abholzung gefährdeter Wälder. Und vor allem die Trinkwasserversorgung: Die Zahl der Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser soll bis 2015 halbiert werden. Seit 1990 haben 2,7 Milliarden Menschen zusätzlich Zugang zu sauberem Trinkwasser bekommen. 884 Millionen haben ihn derzeit nicht. Weniger gut läuft die Entwicklung bei hygienischen Sanitäranlagen: Derzeit haben 2,6 Milliarden Menschen keinen Zugang dazu, bis 2015 wird diese Zahl nach UN-Schätzungen sogar leicht ansteigen.
- 8.
-
Eine globale Partnerschaft im Dienst der Entwicklung schaffen: Die Exporte aus armen Ländern in Industrieländer nehmen laut den Vereinten Nationen stark zu, der Verschuldungsgrad armer Länder sinkt. Allerdings sind die reichen Länder noch weit vom UN-Ziel entfernt, 0,7 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für die Entwicklungshilfe zu geben; derzeit liegt die Quote bei 0,31 Prozent.
Quelle: United Nations Regional Information Centre for Western Europe (UNRIC Brussels), AFP
Seitdem pflanzen 27.000 Kinder und Jugendliche freiwillig Mangroven, um das Land vor Überschwemmungen zu schützen. Sie organisieren Umweltkonferenzen und Schulungen. Ab 2012 bringen die "Naturfreunde" eine TV-Umweltsendung in 27 indonesische Städte. Das Geld für die Projekte erhält Adeline Suwana über unzählige Stipendien und von der Regierung.
"Mit der Regierung zusammenarbeiten?" Für die Ägypterin Heba Habib ist das so realistisch wie auf einem Teppich durch Kairo zu fliegen. "In Ägypten gibt es keine Regierung", sagt die 21-Jährige. Der letzte Minister, mit dem sie gesprochen hat, ist längst wieder aus dem Kabinett rotiert.
Die Diplomatentochter ist eine der Gründerinnen der Webseite Harassmap.org. Per SMS, Twitter, Telefon oder Mail melden Frauen dem Internetportal sexuelle Übergriffe. Auf einer interaktiven Karte wird angezeigt, was Frauen in Ägypten erleben: Obszöne Bemerkungen vom Taxifahrer, "Jungfrauentests" der Polizei und Vergewaltigungen. Mit der Seite will das Harassmap-Team die Rolle der Frauen stärken. Das wird im dritten der sieben Millenniumziele gefordert.
Heba Habib und ihre jungen Mitstreiterinnen vermitteln Frauen, die Opfer sexueller Gewalt wurden, an Psychologen. Sie beraten sie rechtlich und erklären ihnen, wie sie Anzeige erstatten können. Zur Polizei selbst gehen sie nicht. "Darauf zu setzen, dass die Polizei sexuelle Übergriffe verfolgt, ist wie Roulette spielen", sagt Habib. Sie erzählt von einer Frau, die aus dem Revier gejagt wurde, weil sie es gewagt hat, die Zeit der Polizisten zu beanspruchen. Das soll sich ändern. Bis Anfang 2012 wählen die Ägypter eine neue Regierung. Dann werden die Harassmap-Gründerinnen erneut das Gespräch suchen. Sie hoffen, dass die Polizei künftig mithilfe der digitalen Karte gegen sexuelle Belästigung ermittelt.
Im November haben "Naturfreunde" und "Harassmap.org" den internationalen Jugendpreis World Summit Youth Award in Graz erhalten. Er geht an unter Dreißigjährige, die mit Internet und Neuen Medien die UN-Millenniumentwicklungsziele (MDG) unterstützen. Das digitale Engagement der Jugend sei wichtig, um die Politik auf ihre Entwicklungshilfeversprechen aufmerksam zu machen, sagt UN-Diplomat Thomas Stelzer. Denn nur wenige der acht Ziele und ihrer Teilaspekte dürften im vorgegebenen Zeitraum erreicht werden. Ziel eins, die Halbierung extremer Armut, und Teilziel sieben, mehr Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen, haben laut Stelzer zwar gute Chancen, erreicht zu werden. Die Erfüllung aller anderen Ziele hängt allerdings davon ab, ob die Staaten ihre Zusagen einhalten und 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts an die UN überweisen. Bislang hätten das nur fünf Länder getan. Fünf von 189.
- Datum 16.11.2011 - 17:47 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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den Enthusiasmus der jungen Generation, muss aber leider z. B. zur Kenntnis nehmen:
"Als Konsequenz aus den jüngsten Überschwemmungen in Bangkok wollen thailändische Abgeordnete ihre Hauptstadt verlegen. In einem Antrag an das Parlament forderten 20 Vertreter der Regierungspartei Puea Thai die "Bildung einer Kommission, um über eine andere Hauptstadt nachzudenken"."
http://nachrichten.t-onli...
Leider!
...geschieht natürlich, wir beschleunigen den Prozess lediglich ein wenig. Langfristig gesehen ist es leider sogar besser, wenn wir alle, die in Küstenregionen wohnen jetzt schon an einen sicheren Ort bewegen und nicht erst dann, wenn unmengen an Geld und Rohstoffen in die Küstenbereiche gesteckt wurden. Es ist schade um all diese kleinen Inseln, aber der Meeresspiegel wird um einige Meter steigen, ob heute oder in hundert Jahren. Deshalb jetz schon Staumauern oder sonst was um die Inseln bauen oder anfangen Siedlungen für die Inselbewohner auf höherem Gelände zu bauen. Uns muss klar werden, dass die Natur weder freund noch feind ist, sondern einfach etwas, was sich laufend verändert und recht unberechenbar ist.
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