Safecast-Karte der Radioaktivität um Fukushima

Bis heute, sieben Monate nach der Havarie des Atomkraftwerks Fukushima Daiishi im März in Japan, herrscht Unklarheit darüber, wo in der Region wie viel Radioaktivität vorhanden ist. Die Regierung gibt die Messdaten dazu nur spärlich heraus. Gleichzeitig ist nicht klar, ob das Netz der staatlichen Messsonden ausreichend dicht ist, um die Lage korrekt wiederzugeben.

Für mehr Transparenz will daher das Open-Data-Projekt Safecast sorgen . Safecast ist ein sogenanntes Crowdsourcing-Messnetzwerk, das sich kürzlich auf dem "Learning from Fukushima"-Symposium in Berlin präsentierte. Insgesamt 150 Freiwillige wurden von ihm mit Geigerzählern ausgerüstet und messen in der nordwestlichen Provinz Fukushima die radioaktive Strahlung in der Luft.

Die Daten werden von Safecast gesammelt, auf einer Website dargestellt und gleichzeitig als Open Data zum freien Download zur Verfügung gestellt.

Die Idee stammt von drei Leuten: Sean Bonner, Gründer eines Hackerspaces in Los Angeles, Joi Ito, Direktor am MIT Media Lab, und Pieter Franken, Gastdozent an der Tokioter Keio-Universität. Eine Woche nach dem Erdbeben riefen sie die Initiative ins Leben und sammelten auf dem Crowdfunding-Portal Kickstarter Geld, sollte sich das Projekt doch durch Spenden von Freiwilligen finanzieren. Seit Kurzem erhält Safecast aber auch Unterstützung durch die amerikanische Knight Foundation.

Doch nicht nur Geld mussten die Initiatoren dafür besorgen, auch die Beschaffung der Geigerzähler war ein Problem. Sean Bonner sagt: "Vor März gab es eigentlich keinen Markt. Dann wurden überall veraltete, nicht mehr funktionsfähige Geigerzähler aus Russland und der Ukraine angeboten." Zunächst bastelten sie daher in Hacker-Manier eigene Geigerzähler, mittlerweile arbeitet Safecast mit dem Gerätehersteller International Medcom zusammen.

Die nun verwendeten Messgeräte betsehen aus einer robusten Plastikbox mit GPS-Modul, sodass jederzeit der Ort der Messung automatisch aufgezeichnet wird. Die Daten werden auf einer SD-Karte gespeichert und von einem Arduino-Board , einer quelloffenen Plattform aus Soft- und Hardware, verarbeitet.

Diese Box wird außen an einem Auto befestigt und zeichnet während der Autofahrt alle fünf Sekunden die Messdaten auf. Bei der nächsten geplanten Generation der Safecast-Geigerzähler werden die Daten gleich automatisch an einen Server gesendet. Mit dieser Vorrichtung am Auto fuhr Sean Bonner anfangs durch die 30-Kilometer-Sperrzone um Fukushima und schließlich auch durch die 20-Kilometer-Evakuierungszone.

Zusätzlich zu den mobilen Geräten gibt es um die 300 fest installierte Geigerzähler in Japan, die kontinuierlich Daten erfassen. Mit mehr als einer Million Datenpunkten besitzt Safecast damit die größte Sammlung an Messdaten in Japan. Diese werden frei als Open Data veröffentlicht, besitzen kein Copyright und sind für jede Art von Visualisierung verfügbar.