Online-Werbung : Adblock Plus lässt künftig unaufdringliche Werbung zu

Der beliebteste Werbeblocker für den Firefox lässt künftig statische Anzeigen ohne Animationen und Töne durch. Erste Nutzer regen deshalb ein strikteres Nebenprojekt an.

Bei Adblock Plus, der mit Abstand beliebtesten Erweiterung für Firefox, bahnt sich eine entscheidende Veränderung an: Der Adblocker soll künftig "unaufdringliche Werbung" durchlassen. Die Änderung sei notwendig, da Adblock Plus andernfalls das Aus für kleine Websites bedeute, so die Adblock-Plus-Macher.

Die Version Adblock Plus 2.0b.3277 enthält erstmals die entsprechende Option. Sie ist standardmäßig aktiviert, kann aber abgeschaltet werden. Welche Werbung zugelassen wird, regelt eine Whitelist, die bislang noch recht übersichtlich ist und nur ausgewählte Werbung für die Websites Netzwelt.de, T3N und Focus Online sowie alle beim Domainvermittler Sedo geparkten Websites umfasst.

Dass die neue Option standardmäßig aktiviert ist, hat einen triftigen Grund: "Würden wir die Nutzer bitten, die Option zu aktivieren, die meisten würden es nicht tun - einfach weil sie nie eine Einstellung ändern, es sei denn, dies ist unabdingbar", so Wladimir Palant, Hauptentwickler von Adblock Plus. Palant hat im vergangenen Jahr zusammen mit Till Faida die Firma Eyeo gegründet, um "das Internet zu verbessern". Im ersten Schritt wollen die beiden dazu "schlechte Werbung loswerden".

Die neue Option, unaufdringliche Werbung zuzulassen, ist dazu offenbar der erste Schritt: Wenn ausreichend Adblock-Nutzer diese Funktion aktivieren, so die Idee, wird es für Websites und Werbende attraktiv, unaufdringliche Werbung zu schalten. Dazu sei es aber notwendig, dass die Mehrheit der Adblock-Nutzer die Anzeige solcher Werbung zulässt.

Palants Definition von "unaufdringlicher Werbung" ist dabei sehr eng: Es wird nur statische Werbung zugelassen, keine Animationen, Sounds oder Ähnliches. Bestenfalls geht es nur um Textanzeigen, nach Aufmerksamkeit schreiende Bilder sind nicht zugelassen. Zudem darf nur ein einziges Script genutzt werden, durch das sich das Laden der Website verzögert.

Aber nicht jede Werbung, die diesen Kriterien entspricht, darf den Filter automatisch passieren: Es müssen passende Filter in einer Whitelist hinterlegt werden, die dafür sorgen, dass bestimmte Werbeformen auf bestimmten Websites durchgelassen werden. In der aktuellen Whitelist werden beispielsweise einzelne statische Bilder und Google-Textanzeigen auf Netzwelt.de, T3N und Focus Online zugelassen.

Zudem besteht die Möglichkeit, über einen Sitekey komplette Websites werbefrei zu machen. Um einen solchen Sitekey zu erstellen, ist ein Vertrag mit Eyeo notwendig. Bislang enthält die Whitelist nur einen solchen Eintrag, und zwar für Websites, die beim Domainvermittler Sedo geparkt sind.
Websites und Werbenetzwerke, die sich nicht an diese Einschränkungen halten, sollen von der Whitelist wieder entfernt werden.

Es sei keineswegs so, dass alle Nutzer von Adblock Plus Werbung grundsätzlich ablehnen, so Palant unter Verweis auf eine Nutzerumfrage. Nur 25 Prozent seien strikt gegen jede Form von Werbung. Die überwiegende Mehrheit würde einige Werbeformen akzeptieren, um Websites zu unterstützen.

Im Adblock-Plus-Forum regt sich indessen Unmut über Palants Vorgehen und es gibt erste Forderungen, die Open-Source-Software zu "forken", also den Quelltext in einem abgezweigten Projekt ohne die neue Option weiterzuentwickeln.

Erschienen bei golem.de

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Kommentare

13 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Ein Geschäftsmodell

Hier liegt die eigentliche Ursache:

Um einen solchen Sitekey zu erstellen, ist ein Vertrag mit Eyeo notwendig.

Es glaubt doch niemand wirklich, dass den AdBlock-Machern an den Umsätzen der Werbeindustrie gelegen ist. Man versucht jetzt einfach, mit der gesammelten Nutzerschar ein wenig Geld zu machen.

Möglicherweise gelingt das sogar, denn bis Grossmutti gemerkt hat, dass jetzt nicht mehr AdBlock, sondern - sagen wir mal - RealBlock das richtige Hilfsmittel ist, vergehen oft Jahre. Insbesondere bei der derzeit zu beobachtenden allgemeinen Müdigkeit, zu Open-Source-Projekten beizutragen.

Ob man es glaubt, oder nicht

ich verwende aktuell Opera und dort kann man auch Werbung blockieren - aber nicht jede landet auf meiner Blacklist, sondern nur die nervigen Werbungen. Denn ich möchte kostenlose Angebote beziehen, das geht aber nur, wenn die Betreiber auf andere Weise die Kosten decken können.

ich nutze adblock

und bin sehr zufrieden damit.
warum gab es soetwas bloss nicht früher, als ich nur analog surfen musste oder DSL mit Loadlimit hatte. Da war das Laden der Seiten entweder eine quällende Tortur oder ein einziges Ärgernis wegen der mit der Werbung verschwendeter Downloadlimits.

Seit ich adblock nutze, schlisse ich nahezu alles aus, was auch nur im entferntesten nach Werbung aussieht.

wobei ich mir natürlich bewust bin, dass Internet sich durch die Werbung finanziert.
Da es Heute keine Ladelimits mehr gibt und Ladeverzögerung nicht mehr von Bedeutung sind, wäre eine Whitelist mit moderater Werbung für adblock akzeptabel, aber nur, wenn dem Nutzer die Möglichket eingeräumt wird, dies auch abzustellen..

früher gab es" webwasher"

http://de.wikipedia.org/w...
das war vor 10 Jahren m. E. der beste Werbe- und popup-Blocker.
Ich dachte, das Programm gibts nicht mehr, aber wie man bei wikipedia lesen kann, war das ein Irrtum. Wenn adblock tatsächlich nicht mehr zuverlässig funktioniert sollte man sie vielleicht mal ausprobieren.

PS: auch ich habe nichts gegen unaufdringliche Werbung. Leider ist es aber so, daß die heute übliche Reklame so aussieht, daß Seiten langsamer oder gar nicht mehr geladen werden oder nicht mehr funktionieren, daß sich z. B. ein Fenster in den Vordergrund schiebt, daß ich auf meinem netbook nicht wegklicken kann, weil der "Schließen"-Knopf außerhalb des Bildschirms ist, oder daß unvermittelt eine gräßliche Musik in voller Lautstärke zu scheppern anfängt. Adblock ist einfach notwehr.