Vor zwei Jahren überschrieb der Club sein Treffen mit dem aus Science-Fiction-Erzählungen übernommenen Versprechen " We come in peace ", wir kommen in Frieden. Keine Angst hieß das, wir sind nicht böse, und wir wollen nichts Schlechtes. Dieses Jahr sind die Hacker ein ganzes Stück selbstbewusster.

" Behind enemy lines ", hinter den feindlichen Linien, heißt die Überschrift. Das Motto sei eine Anspielung auf die vielen militärischen Begriffe wie etwa Cyberwar, die inzwischen im Zusammenhang mit den Netz verwendet werden, sagt Constanze Kurz, eine Sprecherin des Clubs.

Doch lässt sich das Motto auch anders lesen. Denn der CCC hat in diesem Jahr mal wieder gezeigt, wie wichtig Hacker für unsere Gesellschaft sind. Der sogenannte Staatstrojaner , ein Programm von Polizei und Geheimdiensten zum Ausspähen der Computer von Verdächtigen, war ein Mythos. Jeder Polizist und jeder Politiker versicherte, die Technik sei hochprofessionell, perfekt verschlüsselt und überhaupt völlig sicher. Gesehen hatte das Programm keiner von ihnen. Sie alle mussten den Versprechen der Programmierer glauben, die es geschrieben hatten.

Bis Mitglieder des CCC einen solchen Staatstrojaner nicht nur gesehen, sondern auch auseinander genommen hatten . In zwei Gutachten wies der Club nach, dass die Software schlecht programmiert ist, dass ihr Einsatz nicht kontrolliert wird und gar nicht kontrolliert werden kann, und dass das Programm aus Sicht der Grundrechte eine Gefahr darstellt.

Darüber kann man fluchen und wettern, wie es viele Politiker und Polizisten anschließend taten. Man kann aber auch dankbar dafür sein, da solche Hacks letztlich dazu führen, dass Dinge besser und sicherer werden. Denn hacken heißt, etwas erst zu glauben, wenn man es bis in jeden Winkel verstanden hat. Für den Einzelnen ist es kein Spaß, gehackt zu werden, im Interesse aller aber ist es ein Vorteil.

Hunderte neue Mitglieder durch Hack des Staatstrojaners

Dieser Gedanke setzt sich langsam durch und er verändert gleichzeitig auch den Club selbst. Die jährlichen Veranstaltungen sind längst keine Klassentreffen mehr. Sie sind eine Mischung aus wissenschaftlichem Kongress und politischer Kampagne. Und der Club ist nicht mehr nur ein Treffpunkt für Technikinteressierte, sondern auch eine Lobbygruppe für politische Kampagnen beispielsweise gegen Netzsperren. Und er wächst. Allein der Hack des Staatstrojaners hat dem CCC Hunderte neue Mitglieder gebracht.

Bei den "Althackern", wie sie sich scherzhaft nennen, sorgt diese Veränderung durchaus auch für Wehmut. Sie vermisse schon die relative Ruhe und Unbekümmertheit vergangener Jahre, sagt Kurz. Das ist problemlos nachvollziehbar, ständig klingeln die Telefone der offiziellen Clubsprecher, stundenlang sind sie mit Interviews beschäftigt, nächtelang mit Planungssitzungen. Außerdem hört die deutsche und internationale Presse immer besser zu, was bei den Vorträgen gesagt wird – was bedeutet, dass der Ton vieler Redner längst nicht mehr so flapsig ist wie noch vor ein paar Jahren.

Was jedoch auch bedeutet, dass die Infrastruktur des CCC an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angekommen ist. Genau wie das Kongresszentrum am Berliner Alexanderplatz, das gerade mal die Hälfte derjenigen fassen kann, die gerne kommen würden. Vielleicht ist es daher auch das letzte Mal, dass es ein solches zentrales Treffen zum Jahresende gibt. Vielleicht aber auch nicht. Bislang zumindest blieben sich der CCC und seine Mitglieder noch immer treu und erfüllten mit ironischer Freude auch all die Hacker- und Nerd-Klischees, die in den schlechten Filmen gezeigt werden. Oder, wie CCC-Sprecher Andreas Bogk grinsend sagt: "Ich freue mich darüber, dass bei den Unter-Zwölfjährigen der Frauenanteil bei fünfzig Prozent liegt."