Soziales NetzwerkFacebooks Chronik soll müde Nutzer munter machen

Facebooks Timeline gibt es nun auch in Deutschland. Hier heißt sie Chronik. Das Netzwerk braucht solche Neuerungen, denn sein Wachstum wird langsamer. von 

Kreative Facebook-Mitglieder wie Sune Adler Miltersen loten die Möglichkeiten der Chronik aus.

Kreative Facebook-Mitglieder wie Sune Adler Miltersen loten die Möglichkeiten der Chronik aus.  |  © Sune Adler Miltersen

Mit der Chronik sollen die Facebook-Mitglieder zu Kuratoren ihres gesamten Lebens werden: "Keine Aktivität ist zu groß oder zu klein, um sie zu teilen", hatte Mark Zuckerberg bei der Vorstellung der Chronik gesagt. Das Prinzip des Lifestreams wird ab heute weltweit zum Normalfall. Facebook hofft, dass seine jetzigen Nutzer aktiver werden. Denn das Netzwerk wächst nicht mehr so schnell wie früher und muss neue Wege finden, um interessant zu bleiben – auch für Werbetreibende.

Über den Link facebook.com/about/timeline können sich nun auch deutsche Mitglieder die Chronik einrichten – wenn sie denn wollen. Noch haben sie die Wahl. Irgendwann aber wird sie alle alten Profile ersetzen.

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Sieben Tage haben Nutzer anschließend Zeit, ihre zunächst automatisch erstellte Timeline anzupassen: Was in welcher Größe drin steht und wer es sehen darf. Nach diesen sieben Tagen wird die Chronik automatisch für andere sichtbar. Bei der Einführung in Neuseeland vor einer Woche hatte Facebook dafür nur fünf Tage eingeräumt, was sogar den US-Kongress stutzig machte .

Wie es funktioniert

Die Chronik wird unterhalb eines frei wählbaren Titelbildes sichtbar. Dort erscheint die sogenannte Chronik-Anzeige. Das sind mehrere kleine Boxen, in denen der Nutzer Fotos, Freunde oder Interessen anzeigen kann. Darunter stehen dann Statusmeldungen, Fotos und andere Inhalte, die jeweils hervorgehoben werden können, wenn sie dem Nutzer wichtig sind. Bei der automatischen Erstellung reicht diese Chronik bis zum Geburtsdatum zurück.

Die Privatsphäre-Einstellungen können für jedes Element einzeln angepasst werden, damit nicht jeder Besucher alles zu sehen bekommt. Eine Übersicht über aktuelle und alte Aktivitäten bei Facebook erhält jeder Nutzer im Aktivitätenprotokoll, das bei der Feineinstellung helfen soll.

Für ältere Aktivitäten lassen sich die Privatsphäre-Einstellungen auch gesammelt anpassen. "Beschränke das Publikum für ältere Beiträge" heißt diese Funktion. Dennoch klingt es, als bedeute die Pflege der Chronik für rege Facebook-Nutzer viel Arbeit.

Vision und wirtschaftliche Überlegungen

Der Umbau von Facebook zum "Lebensblog" dürfte einerseits der Versuch von Chef Mark Zuckerberg sein, mit seinem Netzwerk erneut einen techno-kulturellen Wandel vorwegzunehmen, an den er selbst fest glaubt. Zuckerbergs Vorstellung von Privatsphäre muss man nicht teilen, aber bisher hat er damit offensichtlich einen Nerv von Millionen Menschen getroffen. Andererseits stecken hinter der Chronik aber auch handfeste wirtschaftliche Überlegungen.

Leserkommentare
  1. klar wird das wachstum langsamer, gibt ja nicht unendlich nutzer.

    und nicht jeder möchte da mitmachen, olle datenkrake :o

    5 Leserempfehlungen
    • blurred
    • 15. Dezember 2011 18:31 Uhr

    Wenn alle einen Facebookaccount haben: Oma, Opa, Tanten, Onkels, Lehrer, der Penner von der Ecke, der Heinzelmannstammtisch, der Kegelclub "Alle Neune"....

    ...dann ist nicht peinlich, WAS jemand in Facebook gepostet hat - sondern DAS jemand dort jemals einen Account hatte.

    9 Leserempfehlungen
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    • 2sheba
    • 16. Dezember 2011 7:24 Uhr

    dann auch bitte die das/dass Regel beherrschen...

  2. Der unendlich rasche Anstieg der Userzahlen ist auf Dauer natürlich nicht zu halten. Doch meiner Meinung nach muessen die vorhandenen User jetzt bei der Stange gehalten werden, anstatt nach noch mehr Usern zu suchen. Denn bleibt Facebook was es zur Zeit ist (80% nervige und nicht durchdachte Meldungen) dann werden die neuen User lediglich die Abgesprungenen ersetzen. Die Chronik könnte interessant sein und bietet ein erweitertes Konzept zur Selbstdarstellung.
    Leider wird auch dieses Schiff sinken, wenn die eigene Datensicherheit und -öffentlichkeit weiter undurchschaubar bleibt. User vertrauen nicht mehr und meiden es zu melden bzw zu kommentieren aus Angst auf mögliche Konsequenzen.

    Also muss ich Zuckerberg ob er der Ansicht ist oder nicht zunächst auf die Anliegen der User einstellen und Privatsphäre endlich als das sehen was sie ist "PRIVAT".

    • Fluhu
    • 15. Dezember 2011 18:49 Uhr

    Facebook führt zum schnellen Tod durch Ertrinken in der Profilierungssucht anderer.

    7 Leserempfehlungen
    • nouraa
    • 15. Dezember 2011 20:15 Uhr

    Das einzig Sinnvolle an Facebook ist die Nachrichtenfunktion, die es erlaubt schnell und umsonst mit Leuten zu Kommunizieren (so kann ich anderen unbegrenzt auf ihr Handy schreiben, ohne Geld für SMS auszugeben, obwohl ich kein internetfähiges Handy habe)und die Veranstaltungsfunktion, weil man sich so das mühselige Einzelformulieren und Einladen spart und einfach Freunden mitteilen kann: Am XX in XX Party/Treffen/XYZ.... kommt vorbei. ;) Funktioniert für Partys, Lerngruppen, Tutorien etc... ;)

    Ansonsten ist Facebook Schrott.

    3 Leserempfehlungen
  3. Ich esse gerade ein Eis.

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    Ich nicht.

    42 Leute mögen das.

    • Tonkoli
    • 15. Dezember 2011 20:36 Uhr

    Das Problem ist nicht Facebook selber. Man muss nur richtig damit Umgehen. Ich sehe in der Chronik ein großes Problem: Die permanente Fotografie und Bilddokumentation. Ich habe mir gerade das Einführungsvideo angesehen und glaube, dass das was sich Herr Zuckerberg da gedacht hat nicht realisierbar ist.
    Es ist nicht möglich alles und zu jeder Zeit mit der Kamera aufzuzeichen. Denn so oft hat ein Otto-Normal-Verbraucher sein Handy oder seine Digicam auch nicht in der Hand.
    Wer es als Chronik, für sein Leben nutzen möchte, kann das gerne tun.
    Ich werde mir die Chronik auch mal einrichten und schauen was draus wird. Und ich kann jetzt schon versprechen, dass ich sie nicht als Lifeblog nutzen werde. Dafür habe ich mein Tagebuch.
    Aber kommen wird sie so oder so (Ein Testbericht wird folgen).

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    • Azenion
    • 15. Dezember 2011 21:35 Uhr

    Das würde ich schon allein deshalb nicht empfehlen, weil alles weg wäre, wenn man aufgrund irgendwelcher einseitiger Nutzungsbedingungsänderungen von facebook, an die man sich nicht halten mag, rausfliegt oder gehen muß.

  4. Ich trinke gerade ein wunderbares Bockbier - passend zur "staden Zeit".

    Ob das jemanden interessiert? ;-)

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    Dass Sie gerade eins trinken interessiert nicht sonderlich, Aber das Bockbier an sich interessiert schon. Ich werd mir jetzt auch mal eins aufmachen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Blog | Chronik | Facebook | Pflege | Privatsphäre | US-Kongress
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