Mit der Chronik sollen die Facebook-Mitglieder zu Kuratoren ihres gesamten Lebens werden: "Keine Aktivität ist zu groß oder zu klein, um sie zu teilen", hatte Mark Zuckerberg bei der Vorstellung der Chronik gesagt. Das Prinzip des Lifestreams wird ab heute weltweit zum Normalfall. Facebook hofft, dass seine jetzigen Nutzer aktiver werden. Denn das Netzwerk wächst nicht mehr so schnell wie früher und muss neue Wege finden, um interessant zu bleiben – auch für Werbetreibende.

Über den Link facebook.com/about/timeline können sich nun auch deutsche Mitglieder die Chronik einrichten – wenn sie denn wollen. Noch haben sie die Wahl. Irgendwann aber wird sie alle alten Profile ersetzen.

Sieben Tage haben Nutzer anschließend Zeit, ihre zunächst automatisch erstellte Timeline anzupassen: Was in welcher Größe drin steht und wer es sehen darf. Nach diesen sieben Tagen wird die Chronik automatisch für andere sichtbar. Bei der Einführung in Neuseeland vor einer Woche hatte Facebook dafür nur fünf Tage eingeräumt, was sogar den US-Kongress stutzig machte .

Wie es funktioniert

Die Chronik wird unterhalb eines frei wählbaren Titelbildes sichtbar. Dort erscheint die sogenannte Chronik-Anzeige. Das sind mehrere kleine Boxen, in denen der Nutzer Fotos, Freunde oder Interessen anzeigen kann. Darunter stehen dann Statusmeldungen, Fotos und andere Inhalte, die jeweils hervorgehoben werden können, wenn sie dem Nutzer wichtig sind. Bei der automatischen Erstellung reicht diese Chronik bis zum Geburtsdatum zurück.

Die Privatsphäre-Einstellungen können für jedes Element einzeln angepasst werden, damit nicht jeder Besucher alles zu sehen bekommt. Eine Übersicht über aktuelle und alte Aktivitäten bei Facebook erhält jeder Nutzer im Aktivitätenprotokoll, das bei der Feineinstellung helfen soll.

Für ältere Aktivitäten lassen sich die Privatsphäre-Einstellungen auch gesammelt anpassen. "Beschränke das Publikum für ältere Beiträge" heißt diese Funktion. Dennoch klingt es, als bedeute die Pflege der Chronik für rege Facebook-Nutzer viel Arbeit.

Vision und wirtschaftliche Überlegungen

Der Umbau von Facebook zum "Lebensblog" dürfte einerseits der Versuch von Chef Mark Zuckerberg sein, mit seinem Netzwerk erneut einen techno-kulturellen Wandel vorwegzunehmen, an den er selbst fest glaubt. Zuckerbergs Vorstellung von Privatsphäre muss man nicht teilen, aber bisher hat er damit offensichtlich einen Nerv von Millionen Menschen getroffen. Andererseits stecken hinter der Chronik aber auch handfeste wirtschaftliche Überlegungen.