Soziales NetzwerkFacebook wegen Werbung mit Nutzern vor Gericht

Facebook-Nutzer verklagen das Netzwerk, weil es ihre Fotos und Namen für "gesponserte Meldungen" verwendet. Sie offenbaren dabei ein bemerkenswertes Selbstverständnis. von 

Alles Prominente? Manche Facebook-Nutzer betrachten sich als "lokale Berühmtheiten" und wollen von Facebook wie Promis behandelt werden.

Alles Prominente? Manche Facebook-Nutzer betrachten sich als "lokale Berühmtheiten" und wollen von Facebook wie Promis behandelt werden.  |  © Kimihiro Hoshino/AFP/Getty Images

Ein Firmenlogo verlinkt auf die Webseite eines Unternehmens, daneben ein Foto und der Name eines Facebook-Nutzers, der irgendeine Aktion auf der Firmenseite durchgeführt hat – ist das Werbung oder nicht? Facebook sagt: Nein, das ist keine Werbung, sondern eine Nachricht – genauer – eine "gesponserte Meldung". Facebook-Nutzer in den USA halten dagegen: Es geht immer noch um eine Anzeige. Nur wird der "Werbe-Star", also der Facebook-Nutzer, weder über seine Rolle informiert, noch dafür entschädigt.

Nun gehen einige Nutzer des Netzwerks juristisch gegen die "gesponserten Meldungen" vor. Ein Bezirksgericht in Nordkalifornien hat die Klage zugelassen.

Anzeige

Seit Januar generiert Facebook die sogenannten "gesponserten Meldungen" (sponsored stories) aus den Aktionen von Facebook-Nutzern. Wenn die den "Gefällt-mir"-Button auf der Webseite eines Unternehmens klicken oder über den Ortungsservice des Netzwerks zum Beispiel in einem Starbucks-Café "einchecken", entsteht automatisch eine Anzeige aus Logo und Link des Unternehmens mitsamt Profilfoto, Name und Aktion des Facebook-Nutzers. Sie taucht bei den Freunden des Nutzers in der rechten Spalte auf und – in kleinerer Form ohne Markenlogo – im neuen Echtzeit-Ticker . Im kommenden Jahr sollen sie zudem auch im Newsfeed laufen.

Facebook-Nutzer werden dadurch zu unbezahlten Werbeträgern. Sie können sich nicht dagegen wehren . Die Firmen, die davon profitieren, bezahlen Facebook dafür, aber nicht die Nutzer.

Privatsphäre

Die 2004 gestartete Seite Facebook will nach Aussage ihre Gründers Mark Zuckerberg die Welt offener und vernetzter machen. Das gelingt ihr offensichtlich viel zu gut, gab es doch bereits häufig Proteste, Facebook nötige seine Nutzer zu mehr Offenheit, als diese sich wünschten. So sammelt die Seite E-Mail-Adressen und Telefonnummern auch von Nichtmitgliedern, wenn Mitglieder ihr Adressbuch bei Facebook speichern. Sie nutzt diese Informationen, um Nichtmitglieder zu kontaktieren. Facebook betont, dass dabei keine "Schattenprofile" von Nichtmitgliedern erstellt werden. Der Konzern hat auf den Widerstand seiner Nutzer reagiert und zumindest die möglichen Einstellungen, welche Profilinformationen für wen sichtbar sein sollen, überarbeitet. Auch "Gruppen" wurden eingeführt. Nutzer können ihre Kontakte in solchen organisieren, damit nicht jede Information an alle geht.

Vernetzung

Aufgrund der Struktur der Seite ist es jedoch möglich, Schlüsse über jemanden zu ziehen, die er so nicht beabsichtigt hatte. Allein die als Freunde bezeichneten Mitglieder können durch ihre Interessen beispielsweise nahe legen, dass jemand homosexuell ist, auch wenn er selbst das nicht in seinem Profil angibt. Der hohe Vernetzungsgrad und die vielen verfügbaren Informationen machen es möglich, statistische Wahrscheinlichkeiten zu berechnen und so neue Schlüsse zu ziehen. Kritiker sagen, das Netzwerk könne beispielsweise für Dissidenten lebensgefährlich sein, da es Gruppenstrukturen durchschaubar mache.

Profil

Wer Facebook nutzen, aber so wenig wie möglich über sich verraten will, sollte beispielsweise keinen Gruppen beitreten und keine persönlichen Interessen wie Musik angeben. Was genau das eigene Profil nach außen sichtbar macht, lässt sich unter anderem bei dieser Seite abfragen. Sie nutzt die offizielle API von Facebook, die Schnittstelle also, durch die externe Firmen Informationen über Mitglieder beziehen dürfen. Wer sich darüber hinaus davor schützen will, dass ihm mit einem gestohlenen Passwort sein halbes Leben abhanden kommt, kann inzwischen beim Login in seinen Account temporäre Passwörter nutzen.

Allein die Tatsache, dass Facebook mit diesen Meldungen Geld verdient, deutet eigentlich schon darauf hin, dass es sich um Werbung handelt und nicht um freiwillige Empfehlungen der Nutzer an ihre Facebook-Kontakte. Die Kläger sehen sich deshalb in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt. Paragraf 3344 des kalifornischen Zivilrechts besagt, dass jemand haftbar gemacht werden kann, wenn er Fotos oder Namen von Menschen in Anzeigen ohne deren Einwilligung benutzt und diesen Menschen daraus ein Schaden entsteht. Der Schaden, meinen die Kläger, sei in diesem Fall die fehlende Kompensation für die Gewinne, die Facebook mit seinen sponsored stories erzielt. Zudem sei ihnen nicht bewusst gewesen, dass das Anklicken eines Buttons die Meldungen erzeugen würde.

Facebook sieht gesponserte Meldungen als journalistische Nachrichten

Es gibt aber eine Ausnahme im Gesetz: Im Zusammenhang mit Nachrichten im journalistischen Sinn ist eine Zustimmung zur Verwendung von Namen und Fotos und damit auch eine Bezahlung nicht nötig. Gäbe es diese Ausnahme nicht, müssten Journalisten jedes Mal, wenn sie über einen Menschen berichten, dessen Einverständnis einholen.

Auf diese Ausnahme beruft sich Facebook – und verdeutlicht so wieder einmal, dass es jede Aktion innerhalb seines Netzwerks als wertvolle, teilenswerte Information betrachtet: Die Kombination aus Firmenlogo sowie Name, Foto und Aktionen eines Facebook-Mitglieds seien keine Werbung, sondern Neuigkeiten für dessen Freunde, also Informationen mit nachrichtlichem Charakter, argumentierten die Anwälte des Netzwerks vor Gericht. Es sei also nicht nötig, jedes Mal die ausdrückliche Einwilligung des Mitglieds einzuholen.

Denn erstens seien Facebook-Mitglieder "Personen von öffentlichem Interesse" für ihre Facebook-Freunde, so wie Prominente eben Personen von öffentlichem Interesse für die Allgemeinheit sind. Zweitens habe die "Äußerung einer Konsumentenmeinung" generell einen Nachrichtenwert. Das Klicken des "Gefällt-mir"-Buttons ist nach Ansicht von Facebook ein Beispiel für eine solche Konsumentenäußerung. Die Klage gegen Facebook und seine Vorgehensweise bei den "gesponserten Meldungen" sei deshalb unzulässig.

Leserkommentare
    • ismus
    • 21. Dezember 2011 8:56 Uhr

    da sein, dass nutzer weiß, das facebook kein freund ist. es ist ein unternehmen, dass mit den daten der nutzer geld verdient und sich dabei nur zu oft in rechtlichen grauzonen bewegt. und welches verständnis dieses unternehmen von moral und anstand hat, weiß man spätestens, seit zuckerberg streng opportunistisch das "ende der privatsphäre" ausgerufen hat. dabei ist der schutz der privatsphäre angesichts eines solchen globalen netzwerks / datenkrake wichtiger denn je.
    also: je weniger verwertbare daten man einstellt, desto besser.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...ich kanns nicht mehr hören. Die "Datenkrake" und "Moral und Anstand". Was erwarten Sie denn?
    Verschenkt VW seine Autos? Können sie bei Aldi ohne Geld einfach Waren mitnehmen?

    Facebook ist ein Unternehmen!, der Herr Z. will Geld verdienen und muss Mitarbeiter, Serverzentren, etc. bezahlen. Da die User nix zahlen muss die Kohle irgendwo anders herkommen.

    Die Leute stellen FREIWILLIG ihre Badestrand-photos da rein und geben fleißig ein welche Bücher sie lesen und das sie gerade ein Käsebrot gegessen haben.

    Wenn man da keinen Bock drauf hat, dann lässt man es halt

  1. facebook nervt voll. leider sind meine ganzen freunde drin also musste ich mich ebenfalls anmelden. ich halte es für das größte spionage netzwerk überhaupt. die behalten ALLES was du jemals da reingestellt hast. jeden spruch, jedes foto, adressen, kommentare, namensänderungen, einfach alles bleibt für immer drin. mittlerweile ist fast JEDE seite mit facebook verlinkt. wo ich hingucke sehe ich facebook. und wo facebook ist, ist werbung nicht weit.
    boah, wie diese geschäftemacherei nervt...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • 2sheba
    • 21. Dezember 2011 9:39 Uhr

    Auch auf die Gefahr in, dass ich jetzt unsachlich "argumentiere":

    Der 38383. Facebook-ist-sooo-böse-und-regiert-die-armen-Menschen-und-verdient-dabei-auch-noch-Geld Spruch

    Meld' dich doch ab!
    Stell einfach KEINE Daten, kein Foto, keine Statusmeldung online.

    Meine Güte, ich geb einem Einbrecher doch auch nicht meinen Haustürschlüssel und jammere danach rum, wie böse, dass der sich was genommen hat und das auch noch behält.

    [...]

    Herrgottnochmal!

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf persönliche Anfeindungen. Die Redaktion/ls

    leider sind meine ganzen freunde drin also musste ich mich ebenfalls anmelden.

    Wieso? Es gibt doch noch etliche andere Möglichkeiten, mit seinen Freunden in Kontakt zu treten, zum Beispiel E-Mail und Telefon.

    • Sikasuu
    • 21. Dezember 2011 12:03 Uhr

    sunshine_räggee Zitat:....leider sind meine ganzen freunde drin also musste ich mich ebenfalls anmelden.....
    #####
    ... oder solltest mal den Begriff "Freund" für dich neu definieren.
    .
    Wenn du deine "Freunde" durchzählst und dazu mehr als zwei Hände brauchst, machst du etwas falsch!

    Bitte bemühen Sie sich um Sachlichkeit. Danke. Die Redaktion/ls

    • mick08
    • 21. Dezember 2011 14:04 Uhr

    Am besten Facebook zu begegnen ist, kein Mitglied zu sein oder zu werden. Ich bin keines und werde keines, alle von mir betreuten Webseiten und Blogs linken weder Facebook noch werden sie erwähnt, vielleicht anachronistisch, aber der beste Weg, Facebook keine Macht zu geben. Facebook ist nur so stark wie die Nutzer Facebook machen.

    • 2sheba
    • 21. Dezember 2011 9:39 Uhr

    Auch auf die Gefahr in, dass ich jetzt unsachlich "argumentiere":

    Der 38383. Facebook-ist-sooo-böse-und-regiert-die-armen-Menschen-und-verdient-dabei-auch-noch-Geld Spruch

    Meld' dich doch ab!
    Stell einfach KEINE Daten, kein Foto, keine Statusmeldung online.

    Meine Güte, ich geb einem Einbrecher doch auch nicht meinen Haustürschlüssel und jammere danach rum, wie böse, dass der sich was genommen hat und das auch noch behält.

    [...]

    Herrgottnochmal!

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf persönliche Anfeindungen. Die Redaktion/ls

    Antwort auf "facebook"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • lovely
    • 21. Dezember 2011 13:28 Uhr

    erst lesen, dann denken, dann schreiben. nochmal, meine freunde (ich bin sunshine_räggee, account funzt net) sind ALLE bei facebook, deswegen bin ICH bei facebook. sie wohnen weiter weg und ich möchte mit ihnen in kontakt bleiben.

    was ich reinsetze und was nicht, bleibt immer noch mir überlassen. es sollte aber auch mir überlassen bleiben ob und wann ich es wieder lösche. so aber, muss ich auf einen intensiveren austausch mit freunden verzichten und nur das nötigste reinsetzen da ich eben nie weiß wer das alles in die finger kriegt und das finde ich sehr schade. man fühlt sich beoabachtet und ausspioniert.
    [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf persönliche Streitgespräche. Danke, die Redaktion/mk

  2. ...ich kanns nicht mehr hören. Die "Datenkrake" und "Moral und Anstand". Was erwarten Sie denn?
    Verschenkt VW seine Autos? Können sie bei Aldi ohne Geld einfach Waren mitnehmen?

    Facebook ist ein Unternehmen!, der Herr Z. will Geld verdienen und muss Mitarbeiter, Serverzentren, etc. bezahlen. Da die User nix zahlen muss die Kohle irgendwo anders herkommen.

    Die Leute stellen FREIWILLIG ihre Badestrand-photos da rein und geben fleißig ein welche Bücher sie lesen und das sie gerade ein Käsebrot gegessen haben.

    Wenn man da keinen Bock drauf hat, dann lässt man es halt

  3. Die Firmen, die davon profitieren, bezahlen Facebook dafür, aber nicht die Nutzer.

    Die Nutzer erhalten geldwerte Vorteile, nämlich den Betrieb und die Weiterentwicklung einer Kommunikationsplattform. Wer glaubt, Facebook sei kostenlos, der irrt. Die vielen Server, die in Rechenzentren ihre Arbeit verrichten, die Mitarbeiter, die Anfragen von Nutzern bearbeiten, und das immense Datenaufkommen müssen bezahlt werden. Da der Nutzer bekanntlich nichts zahlt, müssen die Einnahmen anderswo herkommen werden. Facebook lebt nicht wie Wikipedia von Spenden sondern von Werbung. Selbstverständlich ist das kein Freibrief die Privatsphäre des Nutzers zu verletzen und ungefragt ihn als Werbeträger zu missbrauchen. Man sollte sich aber als Nutzer zumindest der Tatsache bewusst sein, dass man hier eine Dienstleistung kostenlos erhält, die sehr viel Geld kostet.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • snilax
    • 21. Dezember 2011 11:46 Uhr

    dass es nichts umsonst gibt. Irgendwer muss immer für die Leistung die man in Anspruch nimmt bezahlen.

  4. 6. [...]

    [...]
    Diese "Funktion" kann man entgegen der Info in diesem "journalistischen Meisterwerk" ganz einfach in den account-Settings abschalten.
    Das sich DAUs darüber dann beschweren, wenn sie wieder mal nicht wissen was sie tun (obwohl ich eingestehen möchte, daß es mehr als fragwürdig ist, daß FB diese Dinge per default aktiviert und es nicht umgekehrt ist, sprich daß der User sich dafür aktiv bereit erklären muss) ist wieder mal ein klassischer Fall dafür, daß das Problem zwischen Lehne und Tatstatur sitzt. [...]

    Gekürzt. Kritik ist sebstverständlich willkommen, bitte formulieren Sie diese sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/ls

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Können Sie uns beschreiben, wie die entsprechende Einstellung heißt?

    Im Hilfebereich steht: "Es ist nicht möglich, die Anzeige von oder Darstellung in gesponserten Meldungen zu deaktivieren."

    http://www.facebook.com/h...

  5. leider sind meine ganzen freunde drin also musste ich mich ebenfalls anmelden.

    Wieso? Es gibt doch noch etliche andere Möglichkeiten, mit seinen Freunden in Kontakt zu treten, zum Beispiel E-Mail und Telefon.

    Antwort auf "facebook"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Marone
    • 21. Dezember 2011 11:01 Uhr

    kann sunshine_räggee lange vor dem Telefon warten. Niemand wird ihn mehrmals anrufen, um ihn über den aktuellen Stand der "was machen wir am Samstag" Diskussion zu informieren und seine Beiträge für ihn in Facebook eintippen. Wenn sich ein Freundeskreis über ein bestimmtes Medium organisiert, wird es kaum Verständnis geben für einen einzelnen, der sagt, ihr müsst alle mehr Aufwand betreiben, weil ich Facebook nervig finde.
    Die Freunde könnten vielleicht auch per Email kommunizieren, aber sie bevorzugen eben Facebook. Ein einzelner kann das nicht ändern.

    • lovely
    • 21. Dezember 2011 13:44 Uhr

    "Wieso? Es gibt doch noch etliche andere Möglichkeiten, mit seinen Freunden in Kontakt zu treten, zum Beispiel E-Mail und Telefon."

    auf eine dumme frage folgt dumme antwort. leider fällt mir (sinshine_räggee, account funzt net) keine antwort ein die so dumm wäre.

    also probier ich es mit einer klugen. über email oder telefon kann ich immer nur mit EINER person kommunizieren. über eine plattform kann sich aber eine ganze gruppe unterhalten. reicht das als antwort oder muss ich es näher erläutern?

    hoffentlich hat jetzt jeder verstanden was ich wie gemeint hab...

  6. Redaktion

    ... diesem Selbstverständnis der Facebook-Nutzer, die sich als "Promis" innerhalb ihres persönlichen Netzwerks sehen und auch so behandelt werden wollen?

    Ist das etwas, dass erst durch Facebook ausgelöst wurde? Waren die Menschen vor Facebook anders?

    Oder hat Facebook seinerseits einfach früh erkannt, dass Menschen diesen Hang haben, sich und ihre Handlungen so wichtig zu nehmen und nutzt es nun einfach geschickt aus?

    Ich würde mich über Ihre Meinung freuen!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Was halten Sie, verehrte User, denn von diesem Selbstverständnis der Facebook-Nutzer, die sich als "Promis" innerhalb ihres persönlichen Netzwerks sehen und auch so behandelt werden wollen?

    Ist das etwas, dass erst durch Facebook ausgelöst wurde? Waren die Menschen vor Facebook anders?

    Ich glaube, dass die Menschen nicht anders waren, sondern nun bessere Gelegenheit haben, ihr Wesen auszuleben. Soziale Netzwerke geben einem die Möglichkeit sich so darzustellen, wie man es gerne hätte, aber auch unter dem Deckmantel der Distanziertheit die Gelegenheit Dinge zu sagen, wie man sie von Angesicht zu Angesicht nicht hervorgebracht hätte. Soziale Netzwerke machen Menschen also ehrlicher und authentischer, nicht im Sinne von echter Ehrlichkeit und Authentizität, sondern es fördert das eigentliche Wesen der Personen zu Tage.

    In 2 Jahren Facebook habe ich beispielsweise einen Onkel von mir besser kennengelernt als in den vielen Jahrzehnten davor, obwohl ich ihn regelmäßig sah.

    boah.. Diskussionen zum Artikelthema, was sind das denn für neue Sitten ;-) ?

    Meiner Ansicht nach ist die menschliche Gruppe sowieso der Fetisch um den sich bei uns fast alles dreht. Alle Religionen und Ideologien grenzen stets scharf ab zwischen der eigenen Gruppe und "den Anderen". Und wir Menschen sind dafür anfällig - bis hin zum Totschlag - Menschen aus einer anderen ("feindlichen") Gruppe zu übervorteilen oder zu schädigen.

    Die Position in der Gruppe ist m.E. für Menschen nach der Lebenserhaltung der größte Wert: Geld ist ebenso (wenn die Grundbedürfnisse befriedigt sind) ein Vehikel um Ansehen zu bekommen. Macht - die im übrigen vollkommen immateriell ist und nur exisitert weil wir sie kollektiv jemanden zusprechen - ist ein Ausdruck von erfolgreicher Dominanz innerhalb der Gruppe, sei es eine kleine Gang oder ein ganzer Staat.

    Ein Prominenter ist somit jemand der reich ist an der immateriellen Währung "Gruppenansehen". Diese lässt sich manchmal vermarkten (Werbung).

    Wenn Facebook uns also bei diesem Urtrieb, beliebt zu sein in der Gruppe, packt - dann setzt es geschickt auf das richtige Pferd. Ich würde aber nicht unbedingt von ausnutzen sprechen, denn wie bereits erwähnt sehe ich Facebooks Interessen als legitim an.

    Der Facebook-Mini-Promi bezahlt mit seiner Wirkung meines Erachtens seine Facebook-Nutzung - und so wie ein Reicher mehr Steuern zahlt, trägt der Fb-Minipromi eben mehr dazu bei als andere User :-)

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Google | Anzeige | Börsengang | Facebook | Online-Werbung | Werbung
Service