Es ist ein Meilenstein für die Entwicklung des Internets: Wie das Marktforschungsinstitut StatCounter vergangene Woche bekannt gab, hat Googles Browser Chrome weltweit einen Marktanteil von 25,7 Prozent erreicht – und damit den Konkurrenten Firefox überrundet. Der kam in der Statistik nur auf 25,2 Prozent. Eine bemerkenswerte Aufholjagd: Google hat in nur drei Jahren geschafft, wofür Firefox immerhin neun Jahre benötigte.

Fast gleichzeitig machten beunruhigende Gerüchte die Runde: der Vertrag zwischen Google und der gemeinnützigen Mozilla Foundation, die den Firefox herausgibt, war im November ausgelaufen. Der Suchmaschinenkonzern ist der größte Geldgeber der Firefox-Entwicklung: Die Stiftung hat laut Geschäftsbericht im Jahr 2010 rund 121 Millionen Dollar aus der Zusammenarbeit mit Suchmaschinenanbietern eingenommen. 84 Prozent davon, also mehr als 100 Millionen Dollar, kamen aus Mountain View, auch wenn der Name Google im Bericht nicht genannt wird.

"Ist Firefox dem Untergang geweiht?", fragte readwriteweb.com sofort . Doch die Gerüchte um das Ende des Arrangements und damit der Zukunft der Mozilla Foundation waren verfrüht: Beide Seiten betonen inzwischen, man sei in "aktiven Verhandlungen". Eine Fortsetzung ist im Interesse beider. Google zahlt die Millionenbeträge nicht aus Wohltätigkeit, es sind vielmehr Provisionen für geleistete Dienste.

Die Partnerschaft zwischen Firefox und Google ist sehr eng. Die Suchmaschine hat nicht nur den ersten Platz im Suchfeld des Browsers oben rechts – noch vor Yahoo und Microsofts Suchmaschine Bing. Auch die Standard-Startseite des Browsers zeigt die Google-Eingabemaske. Und wer in die Adressleiste nicht "www.zeit.de", sondern einfach nur "zeit" eingibt, landet bei Google. Laut einer Untersuchung des Onlinewerbe-Spezialisten Chitika kommen immerhin neun Prozent der Suchanfragen bei Google von Firefox-Nutzern. Diesen ständigen Zustrom von Internet-Nutzern verwandelt Google dank seines Werbegeschäfts in satte Gewinne.

Das Open-Source-Projekt Firefox hat dem Chrome zudem in vieler Hinsicht den Weg gebahnt. Ohne die Mozilla Foundation hätte Microsoft möglicherweise mehr Erfolg gehabt, seine Vorherrschaft bei Desktop-Computern auch auf das Internet zu übertragen: Mehr noch als die späten Maßnahmen der Wettbewerbshüter hat die Mozilla Foundation das Monopol des Platzhirschen Microsoft durchbrochen.

Die Stiftung war 1998 aus den Trümmern des Microsoft-Konkurrenten Netscape hervorgegangen. Nach jahrelanger Arbeit gelang es ihr schließlich, den Browser Firefox zu entwickeln: eine innovative und vor allem schnelle Alternative zu dem in die Jahre gekommenen Internet Explorer. Statt Websites nur auf den Internet Explorer anzupassen, mussten Webdesigner und Webkonzerne mit dem steigenden Marktanteil der Browser-Alternative darauf achten, dass ihre Angebote unabhängig von der verwendeten Software funktionierten.