Soziale Netzwerke Twitter will das simple Facebook werden

Die umfassende Neugestaltung von Twitter ist eine Kampfansage an Facebook und Google+. Die drei Netzwerke überbieten sich derzeit gegenseitig mit immer neuen Funktionen.

Mit "Geschichten" will es Twitter insbesondere neuen Mitgliedern einfacher machen, interessante Tweets zu finden.

Mit "Geschichten" will es Twitter insbesondere neuen Mitgliedern einfacher machen, interessante Tweets zu finden.

Der vermeintliche Zweikampf zwischen Facebook und Google+ ist nun ein Dreikampf. Twitter ändert sein Layout, wird sozialer und für Neueinsteiger übersichtlicher. Und das ausgerechnet in der Woche, in der Facebook damit beginnt, die Timeline weltweit einzuführen und so eine neue Ära in seinem Netzwerk einzuläuten.

Am Dienstag hatte Facebook bekannt gegeben, die Timeline – in Deutschland heißt sie Chronik – nun Schritt für Schritt bei allen Nutzern zu implementieren. Den Anfang machte das Unternehmen in Neuseeland. Facebook erhebt das Lifeblog, die Darstellung des gesamten Lebens, damit zum Standard.

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Ein zweiter Ansatz zielt auf Twitter: Nach einem Klick auf den neuen Abonnieren-Button, einem weiteren Social Plugin nach Art des Gefällt-mir-Buttons, können Facebook-Mitglieder die öffentlichen Beiträge anderer, auch nicht-befreundeter Nutzer, abonnieren. Das entspricht dem asynchronen Twitter-Prinzip: Man liest die Nachrichten eines anderen, ohne dass der auch die eigenen Nachrichten lesen muss. Facebook macht dabei auch noch den Akt des Abonnierens zu einer Statusmeldung, die alle Freunde eines Nutzers sehen. Im besten Fall löst ein Abonnement damit mehrere weitere aus.

Twitter seinerseits schlägt umgehend mit einem großen Umbau seiner Seite und seiner Apps zurück. Ziel ist eine weitere bedeutende Steigerung der Nutzerzahlen – und deren Aktivität bei Twitter, damit die Plattform für Werbekunden interessanter wird.

Der Kurzmitteilungsdienst hat nach eigenen Angaben bereits 100 Millionen aktive Nutzer und mindestens 200 Millionen weitere inaktive. Doch einige Eigenheiten von Twitter waren immer eine Wachstumsbremse: Neueinsteiger sind irritiert vom @, das einen Nutzernamen, aber nicht den Klarnamen kennzeichnet. Oder sie scheitern am Hashtag-Symbol #, mit dem sie nach Themen suchen können – wenn sie es denn schaffen, die richtigen Hashtags zu identifizieren. Nun versucht Twitter, das alles einfacher zu machen und gleichzeitig die gewohnten Funktionen beizubehalten.

Manche Nutzer sehen schon heute ein neues Layout, wenn sie sich anmelden. Drei Reiter ganz oben auf der Seite bilden die zentrale Navigation: "Startseite", "@Verbinde" und "#Entdecke". Das mag ein wenig nach Kinderspielplatz klingen, aber dahinter stecken einige wichtige Neuerungen.

Leser-Kommentare
  1. alles zu weit. Ich will so viel Vernetzung nicht, nein, so stelle ich mir mein Privatleben nicht vor.

    Leider merke ich es jetzt langsam, dass man -zumindest in meinem Alterskreis- sozial ausgegrenzt wird. Bei vielen läuft die Kommunikation nur noch über Social Networks ab. Wenn man dort nicht angemeldet ist, geht man langfristig unter. Man ist nicht mehr auf dem Stand der Dinge, eine andere Art des Austauschs wird zwar noch gemacht("Mei, hast du immernoch kein FB!"), aber ungern. Und zunehmend weniger oft.

    Tja, wenn das bedeuten sollte, dass ich in Zukunft virtuell tot sein werde, wie es schon mal in einer South Park Folge dargestellt wurde, dann muss es eben so kommen.

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    Ja war das denn so viel anders mit dem Telefon damals, oder dem Handy, oder der Email? Was immer der jeweilige Kommunikationsstandard war, wenn man sich dessen verweigerte, war man aussen vor. Zu sagen "Social Networks mag ich nicht und mach ich nicht mit, ich treff Leute lieber persoenlich" is ungefaehr so sinnvoll wie vor 50 Jahre zu sagen "Telefon mag ich nicht und mach ich nicht mit, ich treff Leute lieber persoenlich".

    Ja war das denn so viel anders mit dem Telefon damals, oder dem Handy, oder der Email? Was immer der jeweilige Kommunikationsstandard war, wenn man sich dessen verweigerte, war man aussen vor. Zu sagen "Social Networks mag ich nicht und mach ich nicht mit, ich treff Leute lieber persoenlich" is ungefaehr so sinnvoll wie vor 50 Jahre zu sagen "Telefon mag ich nicht und mach ich nicht mit, ich treff Leute lieber persoenlich".

  2. Ich habe weder FB noch G+ - und lebe immer noch! ;-)

    Soziale Kontakte werden in meiner Altersklasse von Mails, SMS, Anrufen, und IM aufrecht erhalten.

    Twitter verwende ich - natürlich mit Fake-Angaben - nur um "gezielt" Nachrichten zu lesen.

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    was soll daran "natürlich" sein, wenn man anderen etwas vorlügt?

    was soll daran "natürlich" sein, wenn man anderen etwas vorlügt?

    • nik--
    • 09.12.2011 um 18:13 Uhr

    - Zum ersten wüßte ich nicht, was @username jetzt großartig vom erlernten Konzept der E-Mail-Adresse unterscheidet, Hashtags sind sogar verlinkt und die Suche findet alles auch ohne Raute und Klammeraffe. Wer nicht weiß, wonach er suchen soll, hat das Konzept nicht verstanden
    - Zweitens: Es gibt Werbung in Twitter - Promoted Tweets und auch Accounts
    - Dann wird hier gesagt, Twitter wolle sozialer werden. Das ist aber keine Frage von technischen Gegebenheiten, sondern von der Art der Nutzung. Und hier sehe ich Twitter als die erfolgreichste der genannten Plattformen an, gerade weil die Art der Nutzung die natürlichste Form wiederspiegelt. Keine künstlichen Freundeswelten o.ä. - das Followerprinzip zeigt eben nur, was man selbst lesen mag und doctroiert niemandem auf, jetzt auch „zurückfolgen“ zu müssen. Das hat sich in Twitter nie so durchgesetzt wie bspw. bei FB.

  3. Entgegen der Wünsche viele digitalen Naiven können Google, facebook und twitter leicht Unterdrückungsinstrumente werden, sie sind nicht unbedingt Techniken der Freiheit. Sie lassen sich leicht überwachen -- und schlimmer -- noch leichter umdrehen, so das sie gegen Ihre Benutzer gewendet werden können.

    Der beste Weg ist es, dieses Spiel nicht zu spielen. Es gibt genug ähnliche Dienste von anderen Anbietern.

    Twitter ist nett, so lange keine Daten herausgegeben werden, es lässt sich aber sehr leicht zuspammen.

  4. Ja war das denn so viel anders mit dem Telefon damals, oder dem Handy, oder der Email? Was immer der jeweilige Kommunikationsstandard war, wenn man sich dessen verweigerte, war man aussen vor. Zu sagen "Social Networks mag ich nicht und mach ich nicht mit, ich treff Leute lieber persoenlich" is ungefaehr so sinnvoll wie vor 50 Jahre zu sagen "Telefon mag ich nicht und mach ich nicht mit, ich treff Leute lieber persoenlich".

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Das geht mir"
  5. ...wirklich gerne persönlich! ;-)

    Ich denke man kommt in unserer immer schneller werdenden und oberflächlichen Welt auch zurecht, wenn man nicht jeden "Mist" mitmacht.

    • Elite7
    • 10.12.2011 um 0:44 Uhr

    Dafür habe ich bis jetzt eigentlich immer Twitter benutzt. Alle aktuellen News übersichtlich zusammengestellt. Facebook dagegen mit seiner Pinnwand ist doch ein riesiges Durcheinander! Für News ist das einfach nicht gemacht, als soziales Netzwerk hingegen genial. Aber dieser permanente Versuch beides zu verbinden, das will einfach nicht gelingen und das wird es in der bisherigen Struktur auch nicht. Twitter ist gut wie es ist und macht seinen Job bis jetzt sehr gut.

  6. was soll daran "natürlich" sein, wenn man anderen etwas vorlügt?

    Eine Leser-Empfehlung

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