EnthüllungsplattformWikileaks veröffentlicht Dokumente der Überwachungsindustrie

Es sind wieder Hunderte Broschüren und Unterlagen: Diesmal stellen Julian Assange und seine Mitstreiter Dokumente von Firmen ins Netz, die Überwachungstechnik herstellen. von 

Aus einer Präsentation von DigiTask, dem Hersteller des "Staatstrojaners", veröffentlicht bei Wikileaks

Aus einer Präsentation von DigiTask, dem Hersteller des "Staatstrojaners", veröffentlicht bei Wikileaks  |  © Screenshot ZEIT ONLINE

Ein Jahr nach "Cablegate" kommen nun die "Spy Files": Am Donnerstag haben Wikileaks-Gründer Julian Assange und einige Mitstreiter Hunderte Dokumente veröffentlicht , die das Ausmaß des globalen Handels mit Überwachungstechnologien belegen sollen. Die Dokumente stammen von 160 Unternehmen aus 25 Ländern, die mit dem Ausspionieren von Menschen Geld verdienen.

Wikileaks hat dazu Präsentationen, Broschüren und andere Dokumente gesammelt, die in der Regel nur in den Kreisen von Politik und Wirtschaft ausgehändigt werden. So ist etwa in einer Präsentation der Firma DigiTask , dem Hersteller des Staatstrojaners , nachzulesen, was dieser alles kann: Skype abhören, Screenshots anfertigen, Tastatureingaben speichern – und auch die Online-Nachladefunktion, mit der ein Trojaner nachträglich weitere Fähigkeiten verpasst bekommen kann, wird erwähnt. Die Präsentation wurde offenbar im Juni 2009 erstellt.

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Auch einen Vertrag des französischen Unternehmens Amesys mit einer libyschen Behörde hat Wikileaks veröffentlicht. Berichte darüber, dass Amesys dem früheren libyschen Regime Überwachungstechnik geliefert hat, gab es bereits im September .

Inwieweit diese Dokumente Vorgänge belegen, die bisher nicht bekannt oder bewiesen waren, ist noch unklar. Geheim sind die meisten nicht. Dennoch zeigen sie gut, welche Überwachungstechnik auf dem Markt ist: Die Verbreitung, die Fähigkeiten und die Herkunft von Instrumenten, mit denen alles vom einzelnen Telefongespräch bis zum Internetverkehr eines gesamten Landes abgehört werden kann, ist wohl noch nie so umfassend dokumentiert worden.

Einen schnellen Überblick in einer interaktiven Grafik verschafft die eigens aufgesetzte Seite spyfiles.org . Hier ist zu sehen, aus welchem Land und von welchen Firmen welche Technologien verkauft werden.

Bei Bugged Planet , einem von mehreren Kooperationspartnern von Wikileaks bei diesem Projekt, werden alle Firmen in einem Wiki aufgelistet. Die dort hinterlegten Dokumente deutscher Unternehmen sind allerdings wenig spektakulär. Im Fall der Firma ATIS aus Bad Homburg etwa sind es Geschäftsberichte , die auch im elektronischen Bundesanzeiger zu finden sind. Im Eintrag zu Siemens finden sich Texte, die offenbar von der Website des Unternehmens kopiert wurden, darunter stehen Links zu Medienartikeln, in denen etwa über Lieferungen von Nokia-Siemens-Überwachungstechnik in den Iran berichtet wird. Ähnliches gilt für DigiTask, DATAKOM, Elaman und die anderen deutschen Firmen. Aufgelistet oder genannt werden teilweise auch Besitzverhältnisse, Ergebnisse von Stellenausschreibungen und die Produkte, die diese Firmen anbieten.

Wikileaks hat nicht nur mit Bugged Planet und der Menschenrechtsorganisation Privacy International zusammengearbeitet, sondern auch mit der ARD, dem Bureau of Investigative Journalism in Großbritannien, The Hindu in Indien, L’Espresso in Italien, OWNI in Frankreich und der Washington Post. In den nächsten Wochen sollen weitere Dokumente veröffentlicht werden.

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Leserkommentare
  1. Des Menschen Leben scheint ein herrlich Los:
    Der Tag wie lieblich, so die Nacht wie groß!
    Und wir, gepflanzt in Paradieses Wonne,
    Genießen kaum der hocherlauchten Sonne.

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    • ismus
    • 01. Dezember 2011 20:10 Uhr

    und ihre bizarren ratschläge hat er nicht verdient.

    • Harald4
    • 02. Dezember 2011 1:56 Uhr

    Alle Subordinanten kriechen jetzt gerade aus ihren Löchern und glauben,
    zu welchem Themen auch immer, etwas veröffentlichen zu müssen

    Der Mensch leidet an Größenwahn. Schonmal die Präsentation auf seiner Seite gesehen, Weltkugel und der Herr mit jenseitigem Blick...

    Leider offenbahrt sich hier die Rigidität auch der zeitgenössischen Generation und Forennörgler. Nur weils mit Internet zu tun hat, muss es nicht automatisch toll sein. Aber schimpft lieber weiter auf Guttenberg und dessen Größenwahn.

  2. Vielleicht werden jetzt endlich die Verstrickungen zwischen Politik und Überwachungsindustrie für jeden sichtbar gemacht.

  3. spyfiles.org ist gerade offline; zumindest die Karte mit groben Infos findet sich auf http://wikileaks.org/The-Spyfiles-The-Map.html

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    • Khef
    • 02. Dezember 2011 6:53 Uhr

    ist nicht tot, er wurde nur falsch von der ZEIT-Redaktion verlinkt. Sie sollten noch ein "www." davor setzen, dann sollte es funktionieren. Hat es jedenfalls bei mir!

    Grüße Khef

    Die website spyfiles.org geht sehr wohl.
    Das Ziel ist nur falsch verlinkt. Da hat die Readktion wohl ein Leerzeichen zuviel eingebaut.

    falsch:
    "http://spyfiles.org/%20"

    korrekt:
    "http://spyfiles.org/"

    Link Aufrufen => In Adresszeile das letzte Zeichen löschen
    Dann erscheint auch die Karte.

    Natürlich könnte die Redaktion auch den Link korrigieren.

  4. Antwort auf "toter Link"
  5. ... wenn die Menschen ihre Probleme lösen ! Was würden dann alle diese profitorientierten Unternehmen machen ? Bei finanzieller Klemme gibt es nur zwei Möglichkeiten : 1. Pleite gehen ! oder 2. Probleme schaffen !

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    ... vermutlich zum Schlüssel des evolutionären Quantensprunges führen !

  6. Vielleicht können die Moderatoren diesen Post mit den Vorhergehenden zusammenlegen.

    Hier der Link auf eine der Dokumente von Digitask, dem Hersteller der Staatstrojaner: http://wikileaks.org/spyfiles/docs/digitask/46_remote-forensic-software....

    Daraus ersichtlich:
    - der Quellcode ist archiviert und kann jederzeit eingesehen werden (entgegen der direkten Behauptung des Innenministers).
    - Keylogs, Screenshots usw. sind kein Problem
    - Überwachung und Manipulation von Online-Banking ist angestrebt
    - das Feature zum Nachladen weiterer Programme ist ebenfalls enthalten (womit der Innenminister mal wieder als Lügner enttarnt wäre)

    All dies ist natürlich schon durch die Arbeit des CCC bekannt, aber hier haben wir nochmal die offizielle Bestätigung durch den Anbieter.

  7. ... vermutlich zum Schlüssel des evolutionären Quantensprunges führen !

  8. Wo sind jetzt eigentlich die Leute, die bei den Climategate Mails von Diebstahl reden?

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte ARD | Siemens AG | Grafik | Planet | Skype | Technologie
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