Nazi-LeaksAnonymous sammelt Nazi-Daten

Auf nazi-leaks.net sammeln Anonymous-Aktivisten persönliche Daten von NPD-Sympathisanten und anderen Rechten. Gleichzeitig legen sie Websites der Szene lahm. von 

Screenshot von nazi-leaks.net: Anonymous-Aktivisten attackieren Nazis im Netz.

Screenshot von nazi-leaks.net: Anonymous-Aktivisten attackieren Nazis im Netz.  |  Screenshot ZEIT ONLINE

Teile der Hackergruppierung Anonymous attackieren gezielt die rechtsextreme Szene. Seit einigen Tagen sammelt und veröffentlicht eine Untergruppe, die sich "Operation Blitzkrieg" nennt, auf nazi-leaks.net Daten – unter anderem von angeblichen NPD-Unterstützern, Korrespondenzen aus rechtsextremen Foren sowie Kundenlisten der Modemarke Thor Steinar und von Versandhäusern der Szene. Am Montag legten die Hacker zudem mehrere Websites vorübergehend lahm, darunter die Neonazi-Plattform Altermedia , den DS-Versand sowie die Seite der NPD-Zeitung Deutsche Stimme .

Mit dem Tweet "#OpBlitzkrieg wünscht allen Nazis und vor allem Altermedia einen guten Start ins neue Jahr!" begannen die Angriffe am Montag. Die rechten Websites waren daraufhin für einige Stunden nicht mehr erreichbar.

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Die Angriffe von Anonymous auf die rechte Szene sind allerdings nicht neu. Die "Operation Blitzkrieg" läuft seit fast genau einem Jahr. Am 5. Januar kündigten einige der Aktivisten erstmals Maßnahmen gegen Nazis an . Als Begründung nannten sie deren Weigerung, die Freiheit und Gleichheit aller Menschen anzuerkennen, sowie ihre Angriffe auf Flüchtlinge und Einwanderer, auf Presse und politische Gegner.

Das neue Portal nazi-leaks.net soll zum einen eine Plattform sein, bei der Sympathisanten per E-Mail Daten aus der rechten Szene einreichen können – eine Art Wikileaks für Antifaschisten.

Ohne Gesicht

Der Name ist Programm – die Gruppe Anonymous agiert als Bewegung ohne sichtbare Hierarchie und Gesichter. Anhänger ihrer Aktionen (Anons) verkleiden sich gern mit einer Maske von Guy Fawkes. Der hatte 1605 ein Attentat auf den englischen König versucht. Das wiederum inspirierte die Autoren der Comicserie V – wie Vendetta in den achtziger Jahren, ihren Protagonisten hinter einer Fawkes-Maske versteckt zu zeigen. Er protestierte mit seinen Aktionen gegen einen unterdrückenden und überwachenden Staat, was wiederum einige Anons als Symbol für den eigenen Kampf aufgriffen.

Ursprung der Bewegung und des Namens ist das Imageboard 4chan. Auf der Seite kann jeder unzensiert und unmoderiert Bilder und Botschaften hinterlassen und dabei auch seinen Namen angeben. Allerdings tut das kaum jemand, weswegen die meisten Texte mit dem Namen "Anonymous" gekennzeichnet sind.

Ohne Hierarchie

Anonymous existiert nicht als Organisation. Es ist viel mehr eine Idee, eine Bewegung, der sich jeder anschließen und derer sich jeder bedienen kann. Auch Koordination gibt es nicht direkt. Wichtigste Instrumente dieser Nicht-Koordination sind der Internet Relay Chat (IRC) für Diskussionen und Pastebin.com zum Veröffentlichen von Meiningen und Manifesten.

Doch muss niemand in solchen Foren und Kanälen auftauchen, um ein Anon zu sein. Es genügt, Anonymous öffentlich zu unterstützen, wie es der amerikanische Bürgerrechtler John Perry Barlow tut, oder sich an den Attacken auf Server zu beteiligen. Die Software dazu, Low Orbit Ion Cannon genannt, gibt es kostenlos im Netz.

Ohne Führer

Es gibt keinen Chef, Leiter, Anführer oder ähnliches. Im Gegenteil: Jeder, der sich als solcher in Medien oder Internet präsentiert, kann davon ausgehen, in kürzester Zeit von den Anhängern von Anonymous beschimpft zu werden oder selbst Ziel von Angriffen zu sein. Anonymous ist vielmehr eine Umsetzung der Idee des Hive Minds, der Schwarmintelligenz. In der Masse, so die Idee, lässt sich enorme Wirkung entfalten, also sollte auch nur die Masse das Ergebnis für sich beanspruchen.

Gleichzeitig legt Anonymous Wert darauf, Verantwortung für die Aktionen zu übernehmen, die durch das Netzwerk koordiniert wurden. Daher werden üblicherweise Bekennerschreiben verfasst. Jedoch hat die Bewegung keinen Einfluss auf "Einzeltäter", die ihren Namen benutzen und will den auch nicht haben.

In gewisser Hinsicht bildete die zeitweise mit Anonymous verbündete Hackergruppe LulzSec eine Ausnahme von der Führerlosigkeit. Sie hatte mit Hector Xavier Monsegur alias "Sabu" einen Gründer, Kopf und Sprecher. LulzSec hat eine Reihe von Regierungs- und Unternehmensserver angegriffen und sich dabei Zugriff auf E-Mails und Nutzerdaten verschafft. 2012 kam heraus, dass Sabu ein FBI-Informant war, der mehrere LulzSec-Mitglieder verraten hat.

Ohne Ziel

Anonymous versteht sich als Bewegung, die für Netzfreiheit und gegen Zensur kämpft. Darüber hinaus aber gibt es keine klar formulierten Ziele. Aktionen können sich gegen Sekten ebenso richten (die älteste bekannte ist eine gegen Scientology) wie gegen rechtsradikale Foren, Kreditkartenkonzerne oder Manager von Unterhaltungskonzernen.

Auch ist es im Kern eigentlich keine politische Bewegung. Ursprünglich ging es um Streiche – im Namen unliebsamer Personen beispielsweise Unmengen Pizza zu bestellen. Der Spaß stand im Vordergrund, oder im Jargon des Netzes: the lulz. Gemeint sind Lacher, vor allem im Sinne von Schadenfreude.

Für die Teilnehmer allerdings können die Aktionen im Zweifel durchaus riskant sein, da einige Länder wie die USA, Großbritannien und die Niederlande begonnen haben, Attacken von Anonymous strafrechtlich zu verfolgen.

Zum anderen hoffen die Aktivisten darauf, dass Freiwillige die veröffentlichten Daten überprüfen und auswerten, also etwa Namen suchen, die in mehreren der geleakten Listen auftauchen. Die Seite funktioniert damit wie ein Pranger. Die Attacke auf die verschiedenen rechtsextremen Seiten dürfte nicht zuletzt als begleitende PR-Maßnahme gedacht sein.

In rechten Kreisen sorgt das offenbar für ein wenig Unruhe. Bei Altermedia heißt es: "Außerdem sollten wir noch erwähnen, daß Hinweise auf die Identität der Pseudo-Anonymus-Zecken dankend entgegen genommen werden und gerne mit Prämien wie z.B. abgeschnittenen Fingern belohnt werden..." Wie ernst das gemeint war, ist aber unklar.

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Leserkommentare
  1. Welche Ideologie meinen Sie denn jetzt? Die braune Ideologie, die Millionen Menschenleben zu verantworten hat, oder die rotbraune Ideologie, die Millionen Menschenleben zu verantworten hat? Seltsam, hier wird von den Gutmenschen feinst dialektiert, dabei gibt es nicht den geringsten Grund dazu.
    Nur, wer menschenverachtende Ideologien ungeachtet ihrer politischen Grundausrichtung verachtet, darf sich intellektuell nennen(intellegere=bemerken, einsehen -und: verstehen).
    Der Rest hat aus der Geschichte einfach nichts gelernt.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Rhetorischer Unsinn"
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    Also Sie meinen, jemand, der sagt: "Alle Menschen sollten die gleichen Rechte haben, menschenwürdig leben können und nicht von einzelnen Raffgierigen ausgebeutet werden." ist genauso zu bekämpfen, wie jemand dessen "Meinung" ist: "Der Deutsche ist anderen Rassen überlegen, Ausländer verunreinigen das deutsche Volk, insbesondere der Moslem ist artfremd und muss, ebenso wie der Neger, ausgemerzt werden."?
    So also rechts und links fair behandeln und immer schön in der Mitte bleiben, die ja ganz gewiss dort ist, wo Sie stehen?

    • BerndL
    • 02. Januar 2012 17:27 Uhr

    Gruppen entscheiden wollen, wer Rassist oder Nazis ist, dann sträuben sich bei mir die Nackenhaare. Das schreibe ich als jemand, der ein NPD-Verbot seit langem befürwortet.
    Wie und wo wollen sie z.B. die vorhandene Probleme in der Zuwanderungs- und Integrationspolitik offen diskutieren?

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Artikel der "JF""
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    "Ich habe JF noch nicht gelesen, aber wenn irgendwelche Gruppen entscheiden wollen, wer Rassist oder Nazis ist, dann sträuben sich bei mir die Nackenhaare."

    Das melden sich die demokratischen Instinkte, auch wenn Sie nicht so genau informiert sind. Genau da liegt des Pudels Kern, daß hier bestimmte Gruppen glauben entscheiden zu können, wem die demokratischen und bürgerlichen Rechte zugestanden werden können und wem. Die Nazis haben am Anfang den als arisch eingestuften Volksgenossen durchaus auch bürgerliche Freiheiten zugestanden, die den Juden mehr und mehr verweigert wurden.

    "Das schreibe ich als jemand, der ein NPD-Verbot seit langem befürwortet."

    Ich persönlich nicht. Die NPD mag eine nationalistische Partei sei, wo sich auch zwielichte Existenzen herumtreiben. Aber der Gottseibeiuns und das absolut Böse, als was sie uns verkauft werden soll, bzw. die Reinkarnation der NSDAP ist sie mit Sicherheit nicht. Seit ihrer Gründung 1964 wird sie vom Verfassungsschutz beobachtet und unterwandert; es deutet vieles darauf hin, daß die staatlichen Stellen oftmals die extremistischen Strukturen selbst aufbauen, um sie kontrollieren und bei Bedarf instrumentalisieren zu können.

    "Wie und wo wollen sie z.B. die vorhandene Probleme in der Zuwanderungs- und Integrationspolitik offen diskutieren?"

    Gar nicht. Genau das ist doch das Ziel solcher Kampagnen. Man schlägt auf den Nazipopanz und meint damit Kritik an der Zuwanderungs- und Integrationspolitik.

  2. Die Persönlichkeits- und Freiheitsrechte gelten auch für diejenigen, die genau diese Rechte (nebst dem dazu gehörigen diese sichernden Staat) abschaffen möchten. Das mag man generell oder im Einzelfall bedauern, es ist aber im Grundsatz ganz gut so wie es ist; gerade, weil jedes andere Verhalten eines demokratisch-liberalen Rechtsstaates "politische Märtyrer" schaffen würde.
    Die Antwort auf braunes Gedenken(un)gut kann nicht "leaken", Sabotage (von Websites) oder anderer Rechtsbruch aus vermeintlicher "Notwehr" sein, sondern muss die geordnete politische Auseinandersetzung sein.
    Wenn ich "Dialog statt Faustrecht" von meinen politischen Gegnern abverlange, dann muss ich mich selbst an diesen Kriterien messen lassen.
    Auch - oder vielleicht gerade -, weil es anstrengend ist. Praktizierte Demokratie ist nun einmal kein Ponyhof.

    • Guofu
    • 02. Januar 2012 17:37 Uhr

    Selten so einen Schwachsinn gelesen. Es gab in der Geschichte zig rechtsnationale-bzw extremistische Staaten und Gruppierungen, auch das deutsche Kaiserreich zählte zu den rechtsnationalen Staaten.Sind die deswegen alle mit den Nationalsozialisten des Dritten Reiches gleichzusetzen, nur weil sie rechtes Gedankengut hatten?Ihnen fehlen offenbar jegliche geschichtliche Kenntnisse.Gehen Sie doch noch mal zur Schule!Ein Geschichtsunterrricht würde Ihnen sicher weiterhelfen.
    Mir ist jedenfalls nicht bekannt, dass das Deutsche kaiserreich damals viel rasssitischer gewesen wäre als die anderen Kolonialmächte seiner Zeit, das Britische Empire, Frankreich, sogar die USA, in denen die Schwarzafrikaner noch bis die 60 Jahre nicht wählen konnten.Der Rassismus war damals vorherrschendes gesellschaftliches Gedankengut.Rassisten und Nationalisten waren damals fast alle, trotzdem ist nicht überall zu vergleichsweisen Völkermorden gekommen wie im Dritten Reich unter den Nationalsozialisten, auch im Deutschen Kaiserreich nicht.Verstehen Sie, was ich meine? Nicht alle Nationalisten bzw Rechten sind "Nationalsozialisten", so wie nicht alle Linken automatisch stalinistische Anhänger sind.kapiert?

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Rhetorischer Unsinn"
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    Solche Plädoyers sind ermuedend, weiter nichts. Auch hier verkommt der Vergleich zur Geschichte zu nicht mehr als plumper Polemik.

    Kein Wort, kein Vergleich verharmlost die Tatsache dass Nazis Hass und Gewalt propagieren, und den Rechtsstaat - nach dem sie jederzeit rufen wenn ihre braune Kacke mal wieder am Damfen ist - von Herzen verhoehnen.

    Dito uebrigens. Aus der Geschichte eben nichts gelernt.

  3. Wir haben erlebt, dass wir sehr demokratisch ins Dritte Reich marschiert sind. Wir erleben, dass Reiche mehr Rechte haben, als Arme. Wir erleben, dass Staat und Polizei nicht gewillt sind, gegen die rechte Gewalt einzuschreiten. Zu oft erleben wir, dass Rechtsstaatlichkeit besonders diejenigen benachteiligt, die sich daran halten.
    Vielleicht sollten wir uns daran erinnern, dass das damals unrechtsstaatliche Verhalten von Arbeitern erst die Gewerkschaften ermöglichten. Arbeiter wurden rechtsstaatlich mit Polizeigewalt daran gehindert, ihre staatlich nicht gewollten Rechte einzuklagen.
    Ist es verboten, sich zu fragen, ob nicht ein gezielt undemokratisches Verhalten gelegentlich erforderlich ist, damit Rechtsstaatlichkeit wieder hergestellt wird?
    Und darf ich noch erwähnen, dass sich die APO seinerzeit mit ihren Protesten vollkommen rechtsstaatlich und demokratisch verhalten hat, bis Teile von ihnen durch den BND bewaffnet wurden und zur antidemokratischen RAF mutierten? Und darf ich auch erwähnen, dass genau das gewollt war um Notstandsgesetze einführen zu können, die dem Staat ein so undemokratisches Vorgehen ermöglichte, dass die Demokratie selbst beinahe vor die Hunde ging?

  4. 70. @ Guofu

    Solche Plädoyers sind ermuedend, weiter nichts. Auch hier verkommt der Vergleich zur Geschichte zu nicht mehr als plumper Polemik.

    Kein Wort, kein Vergleich verharmlost die Tatsache dass Nazis Hass und Gewalt propagieren, und den Rechtsstaat - nach dem sie jederzeit rufen wenn ihre braune Kacke mal wieder am Damfen ist - von Herzen verhoehnen.

    Dito uebrigens. Aus der Geschichte eben nichts gelernt.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Schwachsinn"
    • aram62
    • 02. Januar 2012 17:54 Uhr

    Ein Klick auf den im Beitrag genannten Link zeigt reihenweise Namen mit Angabe von Adresse und/oder eMail-Adresse.
    Ich finde jegliche Art von Web-Pranger für absolut unverantwortlich, weil die davon Betroffenen dadurch unter Umständen Angriffen ausgesetzt werden, die von den Urhebern dieser Blosstellung nicht kontrolliert werden können.
    Es geht mir gar nicht so sehr um die mögliche Rechtswidrigkeit einer solchen Aktion. Ich bin aber gegen jede Massnahme - auch gegen Rechte - , deren Konsequenzen sich dem Einfluss der Verursacher entziehen. Ein solches Handeln ist unethisch.

    3 Leserempfehlungen
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    Jedes Verhalten - ob rechtsstaatlich oder nicht -, ist daran zu messen, ob es ethisch ist. Soweit ein nichtrechtsstaatliches Verhalten unter ethischen Gesichtspunkten vertretbar ist, so ist es nicht nur erlaubt, sondern verdient als couragiertes Verhalten Respekt. Bleibt die Frage, wer darüber entscheidet, ob ein Verhalten ethisch ist oder nicht.
    Das Rechtsstaatlichkeit kein Garant für Ethik ist, das sehen wir auch heute noch in vielen Gesetzen, unter denen Minderheiten leiden. Hartz IV ist rechtsstaatlich, aber in weiten Bereichen zutiefst unethisch. Hartz IV-Empfänger stehlen zunehmend ihr Essen aus Müllcontainern von Supermärkten und verhalten sich damit unrechtsstaatlich. Unethische Gesetze können zu unrechtsstaatlichem Verhalten führen.

  5. Ich verstehe ihren Standpunkt, nur ist die Meinung allein nicht Strafbar, nur hängt ein solches Gedankengut häufig in Kombination mit einem gewissen Tatendrag zusammen, erst dann MUSS etwas gegen radikal Denkende getan werden.

    Ich selbst bin nicht ganz begeistert vom Onlinepranger, gegen Naziquatsch hilft nur eine gesunde Gesellschaft die betroffene fangen kann...

    Antwort auf "Was soll das?"

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Flüchtling | Forum | Hacker | WikiLeaks | Anonymous | Presse
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