Start-upsBerlin euphorisiert die Gründerszene

Tweek, Amen, Gidsy und andere zeigen, wie sich Berlin für Kreative, Programmierer und Investoren zum Knotenpunkt für neue Start-ups entwickelt. von Fabian Soethof

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Tweek.tv bündelt das Angebot von Video-on-Demand-Anbietern und verrät, welche Filme den Facebook-Freunden gefallen.  |  © Tweek.tv

Sie heißen 6Wunderkinder , Readmill oder Mag10.my und sie wollen die neuen Aushängeschilder von Berlin werden. Wer eine Internetfirma gründen will, den zieht es seit einiger Zeit fast automatisch in die Hauptstadt. Mathias Fiedler kam aus Leipzig. "Es war cool und familiär dort", sagt er. "Aber man lernte irgendwann keine neuen Leute mehr kennen. In Berlin herrscht einfach viel mehr Dynamik und Austausch." Fiedler ist Chief Technology Officer (CTO) bei Artflakes.com und einer der vier Organisatoren des "Webmontags" .

In der mobilesuite , einem Co-Working-Space neben dem Suhrkamp-Gebäude in Berlin-Prenzlauer Berg, trifft sich die Start-up-Szene seit über einem Jahr an jedem zweiten Montag im Monat. Das Treffen geht zurück auf die re:publica-Mitbegründer Markus Beckedahl und Andreas Gebhard. Nun, am 60. Berliner Webmontag, erzählen sie von den Anfängen. Netzwerken, Ideen präsentieren, Feedback einholen, darum ging es damals wie heute.

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SoundCloud und barcoo zum Beispiel waren da, bevor sie groß wurden, erinnert sich Gebhard. Und Anwesende der ersten Stunde erinnern sich daran, dass vor sechs Jahren zwei Typen eine Seite namens Studiverzeichnis.de vorstellten – und ausgelacht wurden. "Wie Facebook in rot, vergesst es!", so lautete das damalige Feedback des Publikums.

Heute sprechen alle vom Feuer, von Synergieeffekten und davon, dass Berlin zu einer Standortmarke geworden ist. "Woanders bist Du fast schon verloren", glaubt Fiedler, "wirklich, es brennt hier". Diese Euphorie erweckt den Eindruck, das neue Silicon Valley liege am Alexanderplatz. Mit der Plattform Siliconallee.com hat der Hype auch schon einen angemessen albernen Namen.

Investoren beobachten die Berliner Szene

Noch geht es aber vornehmlich um Ideen, weniger um das große Geld. Die Investoren sind zwar aufmerksam, sie heißen Earlybird, IBB, Atomico oder auch Ashton Kutcher . Der Hollywood-Star investierte bereits in SoundCloud und Amen , eine dritte Investition, munkelt man, würde bald bekannt gegeben. Die Gefahr einer neuen Dotcom-Blase bestehe aber nicht, sagte Investor, Unternehmer und Branchenkenner Christophé Maire vor Kurzem dem Berliner Stadtmagazin zitty . Die Investitionen bewegten sich noch in sehr bescheidenen Größenordnungen, in China fließe in die gleichen Bereiche das Hundertfache an Mitteln.

Eines der vielversprechendsten Berliner Start-ups ist Gidsy.com . Die Geschäftsidee erinnert an Handwerk- und Kunstcommunitys wie Etsy und DaWanda : Orts- und Fachkundige bieten Führungen oder Workshops an, in denen sie ihre Kenntnisse und ihr Können vermitteln und Teilnehmerzahl und Preis selbst festsetzen. Für fünf Euro zum Beispiel bietet Robert L. einen einstündigen Snooker-Kurs an, für acht Euro gibt Bettina S. eine Mittagspausen-Yogastunde in Kreuzberg. Hinterher können Teilnehmer bewerten, wie es ihnen gefallen hat und ihre Entdeckung in sozialen Netzwerken weiterempfehlen. Gidsy kassiert jeweils zehn Prozent Vermittlungsgebühr.

"Wir wollen der Lonely Planet 2.0 werden", sagt Edial Dekker über Gidsy. Gemeinsam mit seinem Bruder Floris und Mitgründer Philipp Wassibauer kam dem gebürtigen Niederländer die Idee zu dem dezentralen "Marktplatz für Aktivitäten" im Sommer des vergangenen Jahres. Im November ging die Seite online. Nach Berlin folgten Lokalisierungen für New York und Amsterdam . London, San Francisco und eine deutschsprachige Version sind in konkreter Planung.

Ihre letzten zwei Jahre als Webdesigner, in denen die Dekkers in Berlin für Kunden wie Etsy oder Telefonanbieter arbeiteten, kam ihnen bei der Firmengründung und Investorensuche zugute: "Die Jungs von SoundCloud, Amen, Readmill und von all den anderen Start-ups sind gute Freunde von uns", sagt der 27-jährige Dekker. "Nach San Francisco und New York ist Berlin die drittwichtigste Stadt der Welt in der Branche. Es ist so zentralisiert hier, jeder kennt sich und tauscht Wissen aus. Ein toller Ort, um eine Internetfirma zu gründen."

Leserkommentare
    • sirf72
    • 13. Januar 2012 15:47 Uhr

    Hier tut der Autor so als seien diese ganzen Internetklitschen was tolles. Einem Verdacht folgend habe ich mir stichprobenartig mal den Spaß gemacht, zu gucken, was wirklich dahinter steckt. Artflakes.com mit dem tollen "Chief Technology Officer" (CTO) Fiedler gehört beispielsweise zur MyGall GmbH Berlin. Das ist ein Unternehmen mit einer Bilanzsumme von gerade 160.000 € und einem Bilanzverlust von 111.000 €. Der Laden ist völlig überschuldet. Kann jeder im Bundesanzeiger nachlesen. Das zeigt mal wieder, dass diese ganzen Wichtigtuer gar nichts können ausser sich mit tollen Berufsbezeichnungen zu überhöhen. Von wegen Gründerszene. Auf Partys abhängen und im Internet surfen ist wohl alles, was ein Chief Technology Officer so leistet, was.

    • nik--
    • 13. Januar 2012 18:21 Uhr

    Ach jeh, die aktuell so gehypte Berliner Startup-Szene kreist doch auch nur wie ein Satellit umd das eigene überhöhte Ego. Aus Sicht des Erfolgs und der Medienaufmerksamkeit mag man ja positives bescheinen, aus Sicht der Innovation, Kreativität und Nachhaltgkeit beileibe nicht. Heiße Kandidaten wurden ja genannt: Es wird abgekupfert was das Zeug hält, die Projekte sind auf schnellen Erfolg angelegt oder es wird einfach monströses Marketing bemüht, wie zuletzt bei Amen. Cool und Hip reicht aber nicht als Aushängeschild, die deutsche Startupszene besteht zu großen Teilen einfach aus Blendern, die auf Kosten derer, die danach kommen oder realistische Geschäftsverläufe anstreben, den schnellen Reibach machen. Gründer wie Investoren kalkulieren doch nur noch bis zum frühstmöglichen Exit. Von nachhaltiger Geschäftsentwicklung kann doch hier keine Rede sein. Und wenn der Autor sich so dafür begeistern kann, liegt nahe, dass sein Verständnis von Erfolg eine sehr ähnliche ist.

    PS: Wo studivz heute nach einem kometenhaften Aufstieg steht,sollte man sich vielleicht ansehen, bevor man hier in den Himmel lobt. In allen anderen Branchen ist der Aufschrei groß, wenn Unternehmen gesundgeschrumpft werden. Die Arbeitsplätze! Wenn ein sanglos Internetunternehmen untergeht, bleibt dieser Aufschrei aus. Ist die allzeit zum Platzen neigende Blase heute schon in den Betrachtungsweise für I-Unternehmen mit eingerechnet?

  1. Bei aller Liebe zur Kritik an Internet-Start-up-Unternehmen sollte man doch bedenken, dass eine hohe Verschuldung in der Branche (zumindest am Anfang) nichts außergewöhnliches ist.

    Oft wenig Eigenkapital, hohe Entwicklungskosten, anfangs keine Einnahmen, der reelle Wert des Unternehmens kaum zu bestimmen -> woher soll das Geld denn kommen?

    Das heißt aber nicht, dass diese Unternehmen niemals schwarze Zahlen schreiben werden. Ein paar gute Ideen sind schon dabei. Allerdings werden die meisten Start-ups in ein paar Jahren wieder vom Markt verschwunden sein. Und dies hat sicher nichts mit dem Standort Berlin zu tun.

  2. Gruenderszene
    ist das nur Internet, was anderes liest man nie

  3. Na das ist ja ein ding. Da komme ich frisch aus dem Silicon Valley nach Berlin weil es hier nun deutlich boomt und das spuert man wo man hingeht und dann gibt es in der kommentar rubrik nichts als unqualifiziertes genoergel.

    @sirf72 [...] wenn du dier die balance sheets vom Microsoft, Oracle, Dell, Intel etc aus deren startup zeiten ansiehst sehen die meist noch schlechter aus. Aber ich verstehe dass ein nicht entrepreneu das nicht so gany einordnen kann.

    [...]

    @nik ich ware sehr an deinem erfolgskonzept interessiert und was dich zum erfolgreichen unternehmer gemacht hat. Was mich betrifft finde ich es nicht dumm zu versuchen eher schnell als langsam zu erfolg zu kommen. Auch ist von anderen lernen (abkupfern) im richtugen moment eher smart als das rad von neuem zu erfinden - oder? Aber leider ist auch Dein profil hier ein "empty suite" also schwer zu sagen woher deine erfahrung kommt.

    @Bill dank fuer wenigstens eine positive meinung aber dem namen zu urteilen fehlt dir auch das altdeutsche noerglergen - ha ha ha

    @Sarah, wahrscheinlich weil du hier in der Digital/Internet sektion bist.

    Ich finde Berlin bemerkenswert und lebe seit 12 Jahren in Palo Alto CA!!! Keep rocking.

    Teile entfernt. Bitte diskutieren Sie das Thema anhand sachlicher Argumente und verzichten Sie auf persönliche Anfeindungen. Danke, die Redaktion/lv

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    • nik--
    • 14. Januar 2012 20:02 Uhr

    „Auch ist von anderen lernen (abkupfern) im richtugen moment eher smart als das rad von neuem zu erfinden - oder?“

    Mit Verlaub - Spatz mit Sperling verglichen. Meine Kritik ist ja gerade die Neuerfindung (-Implementierung) des Rades. Statt neuer, innovativer Ideen. Das Hochjubeln dieser Ideen mit Förder- und Gebergeldern. Das schnelle Abkanzeln von Unternehmen, wenn die Marktentwicklung nicht schnell genug ist. Ich plädiere für nachhaltige Geschäftsentwicklung, statt raketemhaften Scheinerfolg, auf den immer der tiefe Fall folgt.

    • nik--
    • 14. Januar 2012 20:02 Uhr

    „Auch ist von anderen lernen (abkupfern) im richtugen moment eher smart als das rad von neuem zu erfinden - oder?“

    Mit Verlaub - Spatz mit Sperling verglichen. Meine Kritik ist ja gerade die Neuerfindung (-Implementierung) des Rades. Statt neuer, innovativer Ideen. Das Hochjubeln dieser Ideen mit Förder- und Gebergeldern. Das schnelle Abkanzeln von Unternehmen, wenn die Marktentwicklung nicht schnell genug ist. Ich plädiere für nachhaltige Geschäftsentwicklung, statt raketemhaften Scheinerfolg, auf den immer der tiefe Fall folgt.

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