Die US-Heimatschutzbehörde DHS versteht keinen Spaß: Ein junger Ire und eine englische Freundin durften nicht in die USA einreisen, weil einer von beiden bei Twitter über den anstehenden Urlaub in Los Angeles gewitzelt hatte, er wolle " Amerika zerstören" und " Marilyn Monroe ausgraben".

Die britische Zeitung Daily Mail hat die Geschichte von Leigh Van Bryan, 26, und Emily Bunting, 24, aufgeschrieben und dabei den Eindruck erweckt, das DHS würde solche Tweets selbstständig entdecken. Doch die US-Behörden können keineswegs alle 300 Millionen täglich abgesetzten Tweets nach verdächtigen Begriffen und Formulierungen durchsuchen.

Es war ein anonymer Hinweisgeber, der die Behörden in Los Angeles per Telefon auf die Tweets aufmerksam machte. Auf Anfrage schreibt die Grenzkontrollbehörde US Customs and Border Protection (CBP), die zum DHS gehört: "Auf der Grundlage von Informationen, die von der Informationshotline der Flughafenbehörde von Los Angeles zur Verfügung gestellt wurden – einer Hotline für Hinweisgeber bei verdächtigen Aktivitäten – hat CBP eine zweite Befragung von zwei Personen vorgenommen, die in die USA einreisen wollten. Informationen aus dieser Befragung ergaben, dass beide Individuen inakzeptabel für die USA sind. Sie wurden in ihr Heimatland zurückgebracht."

Unstrittig ist, dass der Inhalt zweier Tweets diese "verdächtigen Aktivitäten" und damit der Grund für die Einreiseverweigerung darstellte. Der erste Tweet lautete wörtlich: "@MelissaxWalton free this week for a quick gossip / prep before I go and destroy America?" Van Bryan übersetzt "destroy" mit "heftig feiern", das sei britische Umgangssprache, erklärte er nach Angaben der Daily Mail den Behörden am Flughafen.

Der zweite Tweet lautete: "3 weeks today, we're totally in LA pissing people off on Hollywood Blvd and diggin' Marilyn Monroe up!" Das sei ein Zitat aus der US-Trickserie Family Guy, versicherte Van Bryan in der Befragung.

Das DHS glaubte ihm nicht. Der Daily Mail zufolge wurden er und Bunting in Handschellen in ein Gefängnis gebracht und zwölf Stunden lang in getrennte Zellen gesteckt. Van Bryan berichtete, er habe sich die Zelle mit mexikanischen Drogendealern teilen müssen, die ihm sein Essen weggenommen hätten.

FBI sucht eine App, die soziale Netzwerke nach Schlüsselbegriffen durchsucht

Ihr Gepäck sei sogar nach Spaten und Schaufeln durchsucht worden, behauptete Bunting. Eine Anfrage an die Daily Mail , um den Autor des Artikels nach Details zu befragen, blieb bislang unbeantwortet. Die Zeitung zeigte aber ein Foto von den Papieren, die Van Bryan anschließend ausgehändigt wurden. Aus dem gezeigten Dokument geht hervor, dass die Behörde mit ihm über das gesprochen hat, was er "über seinen Tweeter-Account" (so steht es in dem Schreiben) veröffentlicht hatte.

Unklar ist nur, wer Van Bryan und Bunting den Urlaub vermiest hat: Ein ernsthaft besorgter Mensch, der ebenso wenig Spaß versteht wie die DHS-Beamten, oder ein Bekannter des twitternden Van Bryan, der sich einen grausamen Scherz erlaubt hat. Der junge Ire hat seinen Account mittlerweile geschützt, seine Tweets kann nur noch sehen, wer von ihm bestätigt wird.

Die US-Behörden arbeiten unterdessen daran, solche Tweets künftig auch selbst finden zu können. Das FBI hat – nach Angaben von ZDNet.de versehentlich – eine Ausschreibung veröffentlicht , mit der es um die Programmierung einer Web-App bittet, die soziale Netzwerke nach Schlüsselwörtern durchsucht und warnt, wenn sie diese Begriffe findet.