Inhaltliche Analyse der geteilten Links fehlt
Im Schnitt soll ein Facebook-Mitglied heute etwa rund 190 Kontakte pflegen. Darunter befindet sich aber nur eine Handvoll Kontakte, zu dem das Mitglied auch eine starke Bindung pflegt. Eine starke Bindung zeigt sich etwa dadurch, dass man gemeinsam auf Fotos auftaucht, dass man sich gegenseitig private Nachrichten schickt oder auf der Wall des jeweils anderen kommentiert. Die höhere Wahrscheinlichkeit, Links weiter zu verteilen, die von starken Bindungen kommt, wird also wettgemacht von der schieren Anzahl der schwachen Bindungen. Auch wenn es weniger wahrscheinlich ist, dass man deren Link weiter verteilt, bleiben es in der Summe mehr Links.
Die Annahme eines Hallraums Facebook widerlegt die Studie deshalb keineswegs, befindet der Hamburger Sozialwissenschaftler Nils Zurawski, der für das sozialwissenschaftliche Journal kommunikation@gesellschaft zusammen mit zwei Kollegen kürzlich eine Sonderausgabe zum Phänomen Facebook zusammengestellt hat: "Ob viele neue Links wirklich für eine größere Diversität an Information stehen, wurde nicht untersucht." Auch blende die Studie Verbindungen aus, die Facebook-Mitglieder außerhalb des Netzwerks unterhalten.
Für den Hallraum wiederum sprechen die Untersuchungsergebnisse von Lotte Nordhus. Sie nahm die Facebook-Diskussionen im Rahmen der Schweizer Minarett-Initiative unter die Lupe. Dabei stellte sie fest, dass "durch die Diskussionen in den Gruppen auf Facebook zwar ein Austausch zwischen Gegnern und Befürwortern der Minarett-Initiative stattfindet, dieser jedoch nicht zu einer Annäherung, sondern zu einer Verhärtung der Fronten führt."
Weitere Studien sollen folgen
In der analogen Wirklichkeit hingegen zeige der Meinungsaustausch andere Folgen: So wurde an Orten, wo bereits Minarette stehen und viele Muslime leben, mehrheitlich gegen das Verbot zum Bau neuer Minarette gestimmt. "Diese Tatsache legt nahe, dass bei einer besseren Kenntnis des Fremden die damit verbundenen Ängste und Bedrohungsgefühle zurückgehen", sagt Nordhus. Die Online-Diskussionen hingegen hatten vornehmlich der Bildung von Vorurteilen gedient.
Zurawski sagt: "Der Fall des Minarett-Streits zeigt, dass sich bei Facebook Gleichgesinnte treffen, die über ein Thema diskutieren wollen und die sich wieder mit Gleichen mobilisieren."
Tatsächlich behalten es sich die Facebook-Forscher um Eytan Bakshy für künftige Studien vor, auch die Inhalte der geteilten Informationen zu berücksichtigen. So können die untersuchten Links nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ ausgewertet werden, da sie bestimmten Themenkomplexen zugeordnet werden können. Bakshy arbeitet an einer weiteren Studie, in der es um politische Inhalte gehen soll. Erst dann lässt sich mehr darüber sagen, wie groß die Meinungsvielfalt im eigenen Bekanntenkreis tatsächlich ist, besonders innerhalb der schwachen Kontakte.
- Datum 24.01.2012 - 12:34 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Normalerweise nehmen Probanden von wissenschaftlichen Studien an diesen freiwillig teil und wissen, dass ihr Körper oder ihr Verhalten untersucht werden. Bei Facebook scheint eine solche Vereinbarung stillschweigend vorausgesetzt zu werden. Nun ja, umsonst ist eben nichts. Meine Daten sind jedenfalls kein Allgemeingut.
...es ist auch gute Wissenschaft, wenn Sie eine Literaturrecherche machen oder eben auch existierende Daten in einem neuen Kontext auswerten.
Aber eigentlich ist es ja auch logisch, dass sich die Weitsicht verengt, wenn man sich immer nur mit den selben Leuten (mit einer ähnlichen Meinung) über ein Thema unterhält.
...es ist auch gute Wissenschaft, wenn Sie eine Literaturrecherche machen oder eben auch existierende Daten in einem neuen Kontext auswerten.
Aber eigentlich ist es ja auch logisch, dass sich die Weitsicht verengt, wenn man sich immer nur mit den selben Leuten (mit einer ähnlichen Meinung) über ein Thema unterhält.
...es ist auch gute Wissenschaft, wenn Sie eine Literaturrecherche machen oder eben auch existierende Daten in einem neuen Kontext auswerten.
Aber eigentlich ist es ja auch logisch, dass sich die Weitsicht verengt, wenn man sich immer nur mit den selben Leuten (mit einer ähnlichen Meinung) über ein Thema unterhält.
Edge Rank ist einer der Gründe, weshalb ich facebook verlassen habe. Meinen Stream lasse ich mir nicht von einem Algorythmus vorschreiben.
Unsere langjährige Erfahrung zeigt, dass man mit seinen Informationen kaum aus seinem eigenen Kreis heraus kommt. Das ist bei Google+ komplett anders.
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