Chaos Communication Congress Hacker bauen ein unabhängiges Satelliteninternet

Bastler haben erste Ergebnisse eines Großprojekts vorgestellt, aus dem einst ein unabhängiges Netzwerk aus Bodenstationen mit Satellitenkommunikation entstehen soll.

Die Rakete Fairydust gehört seit Jahren zu jeder größeren Veranstaltung des Chaos Computer Clubs.

Die Rakete Fairydust gehört seit Jahren zu jeder größeren Veranstaltung des Chaos Computer Clubs.

Hacker wollen ein eigenes satellitengestütztes und unabhängiges Netzwerk bauen. Auf dem Chaos Communication Congress 28C3 sind erste Ergebnisse der Arbeit vorgestellt worden, die auf dem vergangenen Chaos Communication Camp auf dem Flughafen Finowfurt angestoßen wurde.

Ein kleines Team präsentierte seine Arbeiten an einem satellitengestützten und verteilten Bodenstation-Netzwerk namens Hackerspace Global Grid. Es ist Teil des größeren Constellation-Projekts, bei dem es darum geht, möglichst einfach kleine Lösungen zu konstruieren, die später ohne Probleme zusammengesetzt werden können. Zudem sollen die Erkenntnisse als frei verfügbare Quelle offengelegt werden, von der Software bis hin zu den Bauplänen für die Hardware.

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Kleine Bestandteile des Netzwerks aus Bodenstationen mit Satellitenkommunikation für alle sollen möglichst einfach aufgebaut werden, so dass sie jeder nachbauen und verstehen kann. Weitere Zielsetzungen sind Schnelligkeit, Sicherheit und Zuverlässigkeit. Außerdem soll der dezentralisierte Netzzugang günstig in der Anschaffung werden.

Bis es so weit ist, dürfte aber noch einige Zeit vergehen, denn zunächst müssen die Voraussetzungen geschaffen werden, und die Hacker arbeiten noch an Basisproblemen. Zu den Grundanforderungen gehört die Fähigkeit der Bodenstation, präzise mit Zeit umzugehen und sich mit anderen zu synchronisieren. Die Hacker haben sich entschieden, GPS als Basis zu benutzen. Die Vorteile liegen bei der Verfügbarkeit des Signals und der Hardware. Nachteilig ist der Umstand, dass politische Interessen bei GPS eine Rolle spielen. Außerdem wird Hochfrequenztechnik verwendet, was laut den Hackern ziemliche Probleme bereitet. Dabei stießen die Hacker auf Probleme wie die kaum verständliche Dokumentation der Funk-Community.

Für die Bodenstationen braucht es einige Kenntnisse beim Antennendesign. Dokumentationen von Funkern gibt es durchaus im Netz zu finden, doch sind einige dieser Dokumente für die Hacker nicht auf Anhieb verständlich gewesen. Sie fordern die Funker daher auf, an ihrer Dokumentation zu arbeiten.

Chaos Computer Club

Der CCC bezeichnet sich selbst als größte Hackervereinigung Europas. Als Verein gegründet und ins Vereinsregister Hamburg eingetragen wurde der Chaos Computer Club erst am 14. April 1986. Jedoch gilt ein Treffen am 12. September 1981 in den Räumen der taz als eigentlicher Ursprung. Tom Twiddlebit und Wau Holland hatten zuvor in einer Kleinanzeige in der taz alle "Komputerfrieks" des Landes aufgerufen, sich zu treffen, "damit wir nicht länger unkoordiniert vor uns hinwuseln".

Daraus entstand eine Art Stammtisch rund um Wau Holland. Erstes Zentrum des Clubs war Hamburg, da Holland dort lebte. Die Clubräume im Souterrain der Schwenckestraße 85 lagen direkt neben seiner Wohnung.

1984 erschien die erste Ausgabe der Zeitschrift Datenschleuder, die es bis heute gibt. Außerdem wurde im gleichen Jahr der erste Chaos Communication Congress veranstaltet, der seitdem jährlich zwischen Weihnachten und Neujahr stattfindet.

Vereins-Struktur

Neben dem CCC in Hamburg gab es schon früh kleinere Ableger in Lübeck und Bremen. Ende der achtziger Jahre dann gründete sich auf Initiative von Andy Müller-Maguhn, der aus Hamburg weggezogen war, um der Wehrpflicht zu entgehen, in Berlin der CCCB.

Daneben entstanden in vielen Städten weitere Regionalclubs und Stammtische. Die gibt es sowohl als lose "Chaostreffs", also als Zusammenschlüsse von Leuten, die sich dem Club und seinen Zielen verbunden fühlen, ohne selbst Verein zu sein. Als auch als sogenannte Erfahrungsaustausch-Kreise oder kurz Erfa-Kreise. Sie sind ebenfalls eingetragene Vereine und fester Teil der CCC-Struktur. Sie beteiligen sich an der Organisation von überregionalen Veranstaltungen oder richten selbst welche aus. Derzeit gibt es 23 davon. Ein Mitglied im Vorstand des CCC ist ihr Vertreter und soll den Kontakt zwischen ihnen und Club sicherstellen.

Obwohl es immer erklärtes Ziel war, dass der Club dezentral arbeitet, liegt der Schwerpunkt vor allem der politischen Arbeit klar in Berlin. Dort trifft sich der Vorstand, dort werden die jährlichen Congresse veranstaltet und dort sitzen die derzeit fünf Sprecher, die den Club nach außen vertreten.

Wahrnehmung

Bekannt wurden der CCC und seine Aktivisten sehr schnell. Wau Holland und Steffen Wernéry gingen am 19. November 1984 mit dem sogenannten BTX-Hack an die Öffentlichkeit. Sie demonstrierten damit, dass das als sicher angepriesene Datenübertragungssystem gefährliche Lücken hatte. Die Art der Demonstration war beeindruckend, beide hatten von der Hamburger Sparkasse 135.000 D-Mark auf das Clubkonto überwiesen. Das Geld gaben sie sofort zurück, die Aufmerksamkeit der Medien aber war ihnen damit sicher.

Bis heute bedient sich der Club dieser Strategie und versucht so, an jedem verständlichen Beispielen die Risiken von Technik zu zeigen. Immer wieder auch auf spektakuläre Art. Beispielsweise, indem der Fingerabdruck des damaligen Innenministers Wolfgang Schäuble kopiert wurde – um vor biometrischen Merkmalen in Ausweisen zu warnen.

Heute gelten die Aktivisten des Vereins als anerkannte Experten, geht es um Computersicherheit und Datenschutz. Viele von ihnen beraten in dieser Funktion auch die Politik. So wurde der CCC schon mehrfach gebeten, bei Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht technische Gutachten abzugeben.

Mit den Stationen soll Kommunikation betrieben werden. Während das Senden von Daten noch in der Zukunft liegt, wird bereits an den Grundlagen für den Empfang gearbeitet. Zwar werden nicht Satellitendaten empfangen, das ist für die ersten Schritte zu kompliziert, aber mit der Nutzung des breit verfügbaren ADS-B-Signals (Automatic Dependent Surveilance Broadcast) haben die Hacker für ihre Grundlagenarbeit ein Ziel gefunden, das sich in einigen Kilometern Höhe befindet. Darüber werden die Positionen von Flugzeugen abgewickelt. Die Signale sind allerdings sehr hochfrequent. Die Abkürzung SHF steht für die Hacker für "Scheiß hohe Frequenz" und verursacht bei den Bastlern einige Kopfschmerzen, denn die müssen erst einmal herausfinden, wie die entsprechende Antenne gebaut werden muss, und das dokumentieren.

Die Bodenstationen schaffen nebenbei eine weitere Basis für die Nutzung von Assisted GPS. Zudem gibt es ein verteiltes Netzwerk für die Bestimmung der Zeit.

Mit dem Hackerspace Global Grid haben die Hacker nun die Grundlage geschaffen, um weitere Hacker in das Projekt einzuladen. Es gibt noch zu tun, bis die ersten Satelliten ins All geschossen werden, mit denen dann ein verteiltes Netzwerk aufgebaut werden soll. Dabei denken die Hacker an sogenannte Femto-Satelliten (weniger als 100 kg) oder die etwas größeren Minisatelliten (maximal 500 kg).

Leser-Kommentare
  1. Dann achtet bitte auf die Bioverträglichkeit der Funkstrahlung. Bis zu dem Riesengeschäft mit dem Mobilfunk war es auch in der Wissenschaft längst klar, dass Tiere und Menschen unter Hochfrequenzstrahlung leiden. Man kann einiges dafür Tun, damit die Schadwirkung geringer ist: Richtfunk und Verzicht auf Pulsung. Auf diese Weise wird nicht der ganze Raum belastet, und es werden hohe Gradienten in der Feldstärke vermieden - letztere werden von Lebewesen, die nunmal bio-elektrische Wesen sind, eher als "Signal" missverstanden. Am Boden gehören sich Kabel, Richtfunk oder Infrarot.

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  2. sollte man heutzutage auch als solche kenntlich machen,
    dann gibt es wenigstens auch für flache Witze ein Lächeln.

    In diesen hysterischen Tagen kommt es ohnehin viel zu schnell
    zu bitteren Missverständnissen.

  3. Was bringt das ganze denn, wenn man nicht von der Zeit des GPS Signals unabhängig ist? Dann kann das ganze System ja doch nicht ohne GPS arbeiten, und man ist keinen Schritt weiter, oder?

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    absolut sinnlose aktion, gps ist ein amerikanisches system, das bei bedarf verschlüsselt wird - damit setzen die "hacker" genau auf das system, das sie angeblich bekämpfen ...

    absolut sinnlose aktion, gps ist ein amerikanisches system, das bei bedarf verschlüsselt wird - damit setzen die "hacker" genau auf das system, das sie angeblich bekämpfen ...

  4. Im Grunde ist es laengst ueberfaellig. Die HAM-Community (Funkamateure) haben ihre eigenen Satelliten schon seit Ewigkeiten. Es ist erstaunlich, dass die Hacker noch nicht soweit sind.

    • JaneO.
    • 02.01.2012 um 19:07 Uhr

    und auch ansonsten eher ein Anwender als ein Programmierer, aber ich weiß, dass GPS eine amerikanische Einrichtung ist, welche nur "leihweise" in Friedenszeiten zur Verfügung steht.

    Aber vielleicht weiß ja hier jemand schon mehr?

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    Ja, daran habe ich auch gedacht.

    Ich bin auch kein Experte, aber so wie ich das Projekt verstehe, liegt der Sinn doch darin, ein Netzwerk zu schaffen, was nicht unter der Kontrolle von Staaten steht und daher im Ernstfall nicht einfach abgeschaltet werden kann, sodass eine Kommunikation auch gegen den Willen dieser Staaten möglich bleibt.
    Wenn aber das System auf GPS angewiesen ist, dann gibt es mit den USA immer noch einen Staat der, wenn er den will, einfach den Saft abdrehen könnte - und das zur Not auch sicher tun würde.

    Ja, daran habe ich auch gedacht.

    Ich bin auch kein Experte, aber so wie ich das Projekt verstehe, liegt der Sinn doch darin, ein Netzwerk zu schaffen, was nicht unter der Kontrolle von Staaten steht und daher im Ernstfall nicht einfach abgeschaltet werden kann, sodass eine Kommunikation auch gegen den Willen dieser Staaten möglich bleibt.
    Wenn aber das System auf GPS angewiesen ist, dann gibt es mit den USA immer noch einen Staat der, wenn er den will, einfach den Saft abdrehen könnte - und das zur Not auch sicher tun würde.

  5. Ja, daran habe ich auch gedacht.

    Ich bin auch kein Experte, aber so wie ich das Projekt verstehe, liegt der Sinn doch darin, ein Netzwerk zu schaffen, was nicht unter der Kontrolle von Staaten steht und daher im Ernstfall nicht einfach abgeschaltet werden kann, sodass eine Kommunikation auch gegen den Willen dieser Staaten möglich bleibt.
    Wenn aber das System auf GPS angewiesen ist, dann gibt es mit den USA immer noch einen Staat der, wenn er den will, einfach den Saft abdrehen könnte - und das zur Not auch sicher tun würde.

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    Antwort auf "bin zwar kein Nerd"
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    • TDU
    • 03.01.2012 um 14:44 Uhr

    Vermutlich sind, wie üblich, die Menschen in den USA und anderen Ländern realistischer (deswegen sind ja vermutlich deutsche Hacker nicht zuerst auf so eine Idee gekommen). Abschiessen ist sicher leichter als abschalten.

    • TDU
    • 03.01.2012 um 14:44 Uhr

    Vermutlich sind, wie üblich, die Menschen in den USA und anderen Ländern realistischer (deswegen sind ja vermutlich deutsche Hacker nicht zuerst auf so eine Idee gekommen). Abschiessen ist sicher leichter als abschalten.

    • Puqio
    • 02.01.2012 um 21:21 Uhr

    Bei dem Thema Wikileaks haben wir ja gesehen, wie schnell die USA garantierte Grundrechte aussetzen und private Firmen wie Visa usw. erpressen.
    Das ist leider kein Deut besser als in einer Diktatur wie in Nordkorea.

    Deshalb sehe ich GPS auch als großes Risiko und Hindernis auf dem Weg zum freien Internet.
    Man muss es ohne GPS schaffen.
    Und man muss immer daran denken, wie man als oberstes Ziel die Freiheit aller Nutzer und Mitarbeiter realisieren kann.

  6. Erst gewundert warum der Artikel so schlecht geschrieben ist, dann die Erleuchtung: "Erschienen bei golem.de". Nunja.

    Zum Inhalt: der Sinn der Übung ist mir nicht ganz klar - Staaten können Funksignale stören, Satelliten abschiessen und Benutzer der Technik triangulieren.

    Wozu das ganze? In demokratischen Staaten kann ich z.B. Tor verwenden um anonym zu kommunizieren, in bösen Staaten wird meine Aktivität dadurch vielleicht erst bemerkt.

    Wenn die Satelliten geostationär sind habe ich zudem eine ordentliche Latenz, wenn nicht muss ich die Schüssel nachführen.

    Btw., Neugier und Spass an der Freude wären übrigens auch gute Gründe so ein Projekt durchzuführen...

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