BundestagInternet-Enquetekommission fordert Laptops für alle Schüler

Die Enquete-Kommission zum Internet will, dass der Staat jeden Schüler mit einem Laptop oder Tablet-PC ausstattet. Nur so könne sich Online- Kompetenz entwickeln. von dpa

Ein Schüler einer fünften Klasse versucht eine Mathematik-Aufgabe am Computer zu lösen.

Ein Schüler einer fünften Klasse versucht eine Mathematik-Aufgabe am Computer zu lösen.

Jeder Schüler in Deutschland sollte mit staatlicher Unterstützung einen eigenen Laptop oder Tablet-PC bekommen. Länder und Kommunen müssten dieses Ziel gemeinsam verfolgen, sagte der Vorsitzende der Internet-Enquetekommission des Bundestages, Thomas Jarzombek ( CDU ).

"Wenn erst jeder Schüler seinen (Lern-)Computer mit in den Unterricht bringt, werden alle Beteiligten dazu gezwungen sein, sich mit dem Internet auseinanderzusetzen", heißt es in dem vorgelegten Zwischenbericht zur Medienkompetenz. Ziel aller Bemühungen um die Förderung von Medienkompetenz sei es, den Einzelnen zu befähigen und darin zu stärken, insbesondere die interaktiven Medien "selbstbestimmt, kompetent und souverän zu nutzen".

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Die Kommission war vor fast zwei Jahren vom Bundestag eingesetzt worden. Ihre Arbeit war ursprünglich auf zwei Jahre angelegt. Das Gremium besteht aus jeweils 17 Abgeordneten und Sachverständigen. Als 18. Sachverständiger werden auch Beiträge von interessierten Bürgern gehört, die sich über eine Online-Plattform einbringen können.

Abgeordnete fordern feste Verankerung der Kommission

Bei der Zwischenbilanz im Bundestag regten Abgeordnete von CDU und SPD an, der Netzpolitik auf Dauer einen festen Platz im Bundestag zu geben, etwa in Form eines ständigen Ausschusses. "Ziel der weiteren Arbeit muss es sein, die Netzpolitik im Parlament zu verankern und auch langfristig einen Ort für die dringend notwendigen netzpolitischen Debatten zu schaffen", sagte Lars Klingbeil (SPD).

Thema war auch die Regulierung im Netz. Es müsse gefragt werden, "wie wir die Internet-Regulierung der Zukunft gestalten wollen", sagte Jarzombek, der eine freiwillige Selbstkontrolle für Blogs und andere von Nutzern erstellte Inhalte im Netz anregte. Auch Gerold Reichenbach (SPD) fragte: "Funktioniert das dann alles nur durch Selbstorganisation? Zumindest ein großer Teil in der Enquete hat da seine Zweifel." Hingegen meinte Jens Koeppen (CDU): "Selbstregulierung sollte den Vorrang vor staatlicher Regulierung haben."

Sebastian Blumenthal ( FDP ) wandte sich gegen Tendenzen, das Netz entweder zu glorifizieren oder zu dämonisieren. Entscheidend bleibe das individuelle menschliche Handeln. Für die Grünen bezeichnete der Abgeordnete Konstantin von Notz die Zwischenberichte der Internet-Enquete als Kompass für die weiteren netzpolitischen Beratungen im Bundestag. "Ich erwarte aber auch, dass die Bundesregierung dann beginnen wird, diese Handlungsempfehlungen umzusetzen." Eher enttäuscht zeigte sich Halina Wawzyniak (Linke), die der Kommission "fehlenden Mut und parteipolitisches Kalkül" vorwarf.

Nach zum Teil heftigen Kontroversen hatte die Enquetekommission Internet und digitale Gesellschaft bisher Zwischenberichte zu den Themen Urheberrecht, Netzneutralität und Datenschutz veröffentlicht. Noch nicht verabschiedet wurden Berichte zu vier weiteren Themen, darunter Demokratie und Staat sowie Wirtschaft, Arbeit und Green IT , also umweltschonende Nutzung von Informationstechnologie. 

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Leserkommentare
  1. Die heutigen Erwachsenen leisten auch gute Arbeit und können mit PCs umgehen. Das können sie obwohl sie auf Schulen gegangen sind, die heute wohl als pädagogisch unglaublich schlecht und völlig unterfinanziert gelten würden...

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    Sie denn darauf? Und was meinen Sie genau mit erwachsen? Die meisten Menschen über 35 in meinem Umfeld sind ziemlich ungebildet im Umgang mit Computern. Ich halte das Ganze üfr eine äußerst gute Idee, vor allem, da die Medienkompetenz in gewissem Ausmaß mit einer Medienethik zusammen gebracht werden kann. Lernt eine Klasse zusammen den umgang mit Internet und PC, gibt es ein Gemeinschaftsgefühl, es wird deutlich, dass am anderen Ende der Leitung ein Mensch sitzt. Vielleicht lässt sich so ein wenig der im Netz üblichen und durch die Anonymität des Internets begünstigten Skrupellosigkeit entgegen wirken.

    Wenn ich diese "Erwachsenen" von denen Sie sprechen am PC beobachte, fühle ich mich oft an meine Zivi-Tätigkeit als BHT-Fahrer erinnert.

    Das liegt wahrscheinlich daran dass solche Leute nie komplexe Computerspiele bedienen. Sie sind es einfach nicht gewohnt mit Hotkeys zu verschmelzen und die Maus mit 4000 DPI Mikrometergenau auszurichten.

    Alleine die Möglichkeit mit Windows 7 zwei Fenster auf einem 16:9 Full HD Bildschirm durch kurzes Ziehen nebeneinander auszurichten hat meinen Arbeitsalltag erheblich beschleunigt. In Büros sind aber immer noch diese alten, eckigen 19-Zoll Monitore Standard. Und das lahme XP.

    • Gerry10
    • 20. Januar 2012 12:53 Uhr

    Das meine ich nicht sarkastisch!
    Bildung ist etwas wofür ich "gerne" Steuern zahle.
    Die Kosten würden mich dennoch interessieren...

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    Wie an diversen Pilotprojekten erkennbar, werden die Rechner privat angeschafft werden müssen. Dabei werden von Vertragsfirmen Rechner angeboten werden, andere werden im Unterricht nicht akzeptiert werden. Wer es sich nicht leisten kann wird zwangsverschuldet mit einer Ratenzahlungslösung.

  2. Die KOsten hierfür wären wahrscheinlich astronomisch, abgesehen davon, dass wahrscheinlich ein paar der Laptops sofort in irgendwelchen grauen Wegen verschwinden würden - wenn ein Schüler schon einen Laptop besitzt, geht der neue halt "verloren".

    Aber vielleicht kann man die Kosten ja umgehen - Apple wollte doch das Schulbuch revolutionieren. Da hätte man dann 2 Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Internetaffine junge Menschen, die schon von jung auf an das schöne Marken-und Konsumdenken und das Worshipping von Großkonzernen herangeführt werden.

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    "Internetaffine junge Menschen, die schon von jung auf an das schöne Marken-und Konsumdenken und das Worshipping von Großkonzernen herangeführt werden."
    Genau das. Werden sie nämlcih nicht heran geführt, wird ihnen keine Gelegenheit gegeben darüber in einem auf Bildung und Aufklärung (im besten Fall) ausgerichteten Umgebung über die von ihnen beschriebenen Phänomene zu reden und reflektieren, werden sie sie später einfach annehmen.

    Das versteh ich jetzt aber nicht. Alle die Leute in meinem Bekanntenkreis die keinerlei Ahnung von Computern haben, habe Computer. Sich eine gewisse IT-Kompetenz anzueignen hängt deshalb nicht vom Zugang zu Computern, sondern eher von der Neigung des Einzelnen ab. Fakt ist das das IT-Bildungsniveau zum Teil niederschmetternd gering ist, obwohl die Menschen den ganzen Tag am Computer arbeiten. Zugeben: Ich lese auch den ganzen Tag und weiß wenig über Lyrik...
    Was hier propagandiert wird ist doch schlicht eine verschleierte Subvention für Microsoft oder Apple. Würde zusätzlich gefordert das auf den Rechner Linux laufen muss, dann wäre das Interesse plötzlich verschwindet gering.

  3. Sie denn darauf? Und was meinen Sie genau mit erwachsen? Die meisten Menschen über 35 in meinem Umfeld sind ziemlich ungebildet im Umgang mit Computern. Ich halte das Ganze üfr eine äußerst gute Idee, vor allem, da die Medienkompetenz in gewissem Ausmaß mit einer Medienethik zusammen gebracht werden kann. Lernt eine Klasse zusammen den umgang mit Internet und PC, gibt es ein Gemeinschaftsgefühl, es wird deutlich, dass am anderen Ende der Leitung ein Mensch sitzt. Vielleicht lässt sich so ein wenig der im Netz üblichen und durch die Anonymität des Internets begünstigten Skrupellosigkeit entgegen wirken.

    • lukeisi
    • 20. Januar 2012 13:03 Uhr

    soviel Souveränität werden die lieben Kleinen bekommen, da freu ich mich schon drauf! Mit einem Bildschirm in Augenhöhe lernt sich alles doch gleich viel leichter, Tippen ist lustiger als Schreiben und überhaupt, dieser ganze altmodische Schmarrn wie Tafel, Papier und Stift: weg damit, auf zu neuen Ufern.
    Unwillkürlich fragt man sich, von wem diese Veranstaltung gesponsert wird: Apple? Microsoft?

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    ...super schreiben, nicht tippen, schreiben kann. die Kombination aus Noteshelf und Evernote ist unschlagbar. Papier hat da keine Chance.

    http://www.fluidtouch.biz...

    http://www.evernote.com/

  4. "Internetaffine junge Menschen, die schon von jung auf an das schöne Marken-und Konsumdenken und das Worshipping von Großkonzernen herangeführt werden."
    Genau das. Werden sie nämlcih nicht heran geführt, wird ihnen keine Gelegenheit gegeben darüber in einem auf Bildung und Aufklärung (im besten Fall) ausgerichteten Umgebung über die von ihnen beschriebenen Phänomene zu reden und reflektieren, werden sie sie später einfach annehmen.

    Antwort auf "Kommentar"
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    Apple wird ja schon seine Gründe haben, warum das IPad-Schulbuch kommen soll. Da kann man noch so viel drüber reflektieren - die Schüler sollen mit Apple aufwachsen, sie sollen von Anfang an an die gängigen Apple-Mechanismen, Stores und Produkte herangeführt werden und gewöhnt werden. Wer ein iPad von der Schule kriegt, macht damit auch zuhause rum. Und außerdem werden Schüler sowie Schulen somit abhängig von Apples Verkaufs-und Vertriebsmethoden gemacht. Hier wird versucht, eine Pfadabhängigkeit in jungen Jahren zu erreichen. Ich habe nichts gegen digitale Aufklärung, aber nicht unter solchen Bedingungen.

    Stimmt schon, sollte es sich tatsächlich um ein durch eine Marke finanziertes/betriebenes Projekt handeln, hat das mit Aufklärung herzlich wenig zu tun. Ich bin in Sachen Medienkompetenz etc. gerne etwas voreilig mit meinen Schlüssen, aber es liegt auch daran, dass mit hier oft der nötige Realismus fehlt und bei ihnen schimmert das auch ein wenig durch: "Wer ein iPad von der Schule kriegt, macht damit auch zuhause rum." - davor gibt es nämlich so oder so kein zurück. Es wird nicht weniger werden, sondern früher und mehr.

  5. 7. Unsinn

    Ah, es ist mal wieder Zeit eine neue pädagogische Sau durch´s Dorf zu treiben....

    Was hat der Besitz von Waren mit der Ausbildung von Kompetenz zu tun ? Nichts !

    Die Schüler brauchen Zugang unter Anleitung. Das ist das exakte Gegenteil, von dem was dieses "Kommission" vorschlägt, denn diese will Zugang ohne Anleitung.

    Ähnlich wie beim Euro, ist es erst da, wird auf magische Weise seine Existenz für´s nötige Umdenken sorgen.

    Umgekehrt wird ein Schuh draus. Viele Kinder & Jugendliche est recht haben bereits Zugang zum Computer/ Internet. Der Umgang damit ist zu erlernen. Dafür reicht ein gemeinsam genutzter Computerraum aus.

    Ach ja: Bitte nicht zuviel Zeit darauf verschwenden. PC/ Internet sind nur Werkzeuge und kein Sinn an und für sich. Vergesst darüber nicht Schreiben, Rechnen und vor allem Denken zu lernen !

  6. Apple wird ja schon seine Gründe haben, warum das IPad-Schulbuch kommen soll. Da kann man noch so viel drüber reflektieren - die Schüler sollen mit Apple aufwachsen, sie sollen von Anfang an an die gängigen Apple-Mechanismen, Stores und Produkte herangeführt werden und gewöhnt werden. Wer ein iPad von der Schule kriegt, macht damit auch zuhause rum. Und außerdem werden Schüler sowie Schulen somit abhängig von Apples Verkaufs-und Vertriebsmethoden gemacht. Hier wird versucht, eine Pfadabhängigkeit in jungen Jahren zu erreichen. Ich habe nichts gegen digitale Aufklärung, aber nicht unter solchen Bedingungen.

    Antwort auf "Wieso der Sarkasmus?"

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