FilehosterFBI macht Speicherdienst Megaupload dicht

US-Behörden haben einen der größten Filehoster geschlossen und einige Betreiber festgenommen – unter ihnen der Deutsche Kim Schmitz. Hacker greifen nun Behördenseiten an. von afp und dpa

In ihrem Kampf gegen die Verletzung von Urheberrechten haben US-Behörden eines der weltgrößten Online-Speicherportale geschlossen. Der deutsche Internetunternehmer Kim Schmitz , auch bekannt als Kim Dotcom, und drei weitere Verdächtige – zwei von ihnen ebenfalls aus Deutschland – wurden in Neuseeland festgenommen.

Megaupload und die zu Schmitzs Imperium gehörige Site Megavideo sind derzeit offline. Ein Bundesgericht ordnete die Beschlagnahmung der Domains sowie weiterer 16 Adressen an. Die Polizei vollstreckte 20 Durchsuchungsbefehle in den USA und acht weiteren Staaten. Auch im neuseeländischen Coateville nördlich von Auckland durchsuchten 70 Beamte ein Anwesen. Dort wohnt der 37-jährige Schmitz.

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Das US-Justizministerium und das FBI werfen insgesamt sieben Personen vor, sich mit den zu ihnen gehörenden Unternehmen Megaupload Limited und Vestor Limited sowie dem Portal Megaupload.com und weiteren Sites der organisierten Kriminalität schuldig gemacht zu haben. Dies sei "eine der größten kriminellen Urheberrechtsanklagen, die in den USA je erhoben worden ist". Außerdem wird den sieben Verdächtigen Geldwäsche vorgeworfen . An den Ermittlungen seien auch das Bundeskriminalamt und die deutschen Justizbehörden beteiligt gewesen, hieß es. Drei Verdächtige seien auf der Flucht, darunter ein weiterer Deutscher.

150 Millionen Nutzer

Die US-Behörden werfen der Gruppe vor, sie trage über Megaupload.com und ähnliche Seiten die Verantwortung "für massive weltweite Internetpiraterie von verschiedensten urheberrechtlich geschützten Werken". Mit illegalen Angeboten sollen sie mehr als 175 Millionen Dollar eingenommen haben. Den Schaden für die Rechteinhaber bezifferte das Justizministerium auf über 500 Millionen Dollar.

Internetnutzer konnten auf Megaupload Dateien kostenlos hoch- und herunterladen. Netznutzer hätten Megaupload nach eigener Darstellung etwa 50 Millionen Mal täglich aufgerufen. Es habe mehr als 150 Millionen registrierte Benutzer gezählt.

Leserkommentare
  1. "Die Polizei [FBI?] vollstreckte 20 Durchsuchungsbefehle in den USA und acht weiteren Staaten."

    Wie kommt es, daß die US-Amerikanische Bundespolizei immer häufiger Menschen in anderen Ländern festnehmen kann (man denke etwa an die nach Guantanamo entführten aus Europa)? Welches sind die juristischen Grundlagen? In welchem Land wird der Prozeß gemacht?

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    • Chali
    • 20. Januar 2012 8:00 Uhr

    Braucht "man" die?

    "Wer die Macht hat, hat das Recht."

    Wer im eigenen Land Menschen ohne Gerichtsverfahren unbegrenzt inhaftieren kann, Menschen in anderen Ländern verschleppt und foltert, bzw. US-Bürger im Ausland zur gezielten Tötung freigibt, der lässt sich auch sonst nicht mehr einschränken.

    • SuR_LK
    • 20. Januar 2012 8:01 Uhr

    von 2012 geht sowas auch ohne Prozess, wobei das hier bei Kimble sicher nicht gegriffen hat, wenn man sieht das das fbi seit 2006 seine emails mitliest hängen die da schon etwas länger dran; frage ist höchstens wieso die so spät zugreifen. Oder man lauscht eben doch pauschal alle ab das die den emailverkehr von 2006 haben.

    • joG
    • 20. Januar 2012 10:05 Uhr

    ....internationale Haftbefehle und Amtsunterstützung funktionieren? Dann sollten Sie etwas googlen. Deutschland hat weitgehend ähnliche Verträge hierzu wie die USA. Das System funktioniert relativ gut. Jedenfalls ist eine Verschwörungstheorie kaum notwendig um Verhaftungen und Durchsuchungen zu erklären, wenn der anti-amerikanische Reflex auch zuckt bei Manchen.

    • Chaled
    • 20. Januar 2012 10:18 Uhr

    Das FBI Vollstreckte lediglich in den USA. In Deutschland das BKA und in Neuseeland die dortige Polizeibehörde (bei diesem Fall). In der Regel liefern die US Behörden die Auslieferungsanfragen sofort mit, so dass je nach Fall der Beschuldigte direkt vom FBI abgeholt werden kann (wenn die Voraussetzungen stimmen).

    Laut internen Gerüchten sind die ausgegebenen Informationen an die Presse nur Wunschvorstellungen des FBI. Lediglich die Anschuldigung des Verstoßes gegen Urheberrechte ist mit den FBI Unterlagen bisher wohl gerichts- und auslieferungsverwertbar.
    Die organisierte Kriminalität wird ein fleißiger Staatsanwalt schon zusammenbasteln (und die Anwälte wie üblich in der Luft zerreisen), wurde aber wohl nicht als Verhaftungsrundlage vorgelegt.
    Für die Geldwäsche wird Zitat: "... dringend nach Indizien gesucht ...". Ich denke das FBI hat da noch nichts verwertbares.

    Warum jetzt ?
    Das FBI hat auf das "go" der internen Ermittler gewartet, die zuerst genug Beweismaterial zusammentragen mussten. Dann auf das "go" der Rechteverwerter und zum Schluss auf das "go" aus der Politik. Das ging in diesem Fall auch und kann mehrere Jahre dauern.
    Eine anderer Frage ist interessanter. Herr Schmitz hat sicherlich gewusst dass gegen ihn ermittelt wird. Warum hat er keine Gegenmaßnahmen ergriffen ?

    • Anay
    • 20. Januar 2012 13:54 Uhr

    Ganz einfach: aus demselben Grund, aus dem schon das FBI für mich und andere in den USA gegen Personen vorgegangen ist, die unsere Urheberrechte verletzt hatten. Es geht auch andersrum. Das ist schlicht und ergreifend internationale Kooperation bei der Strafverfolgung. Der einzige Unterschied scheint zu sein, dass es in den USA vom Zeitpunkt der Beweisvorlage bis zum Zugriff schneller geht als in anderen Ländern.

  2. Die größte Demokratie der Welt:Sperren, zensieren, ÜBERWACHEN: Under the National Operations Center (NOC)’s Media Monitoring Initiative that emerged from the Department of Homeland Security in November, Washington has written permission to collect and retain personal information from journalists, news anchors, reporters or anyone who uses “traditional and/or social media in real time to keep their audience situationally aware and informed.”
    http://news.yahoo.com/hom...

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    > Die größte Demokratie der Welt ... <

    Die USA mögen zwar rein formell die Bezeichnung Demokratie tragen, aber dazu gehören auch freie Meinungsäußerung (Demonstrationsrecht) und verlässlich keine Überwachung. In Deutschland ist letzteres auch langsam fraglich. Aber das FBI und die Geheimdienste können straffrei machen was sie immer sie wollen und das Ausland (auch Deutschland) schweigt dazu.

  3. Man kann natürlich den Host-Betreibern nicht die Verantwortung für die Inhalte der User übertragen aber es muss auch nicht sein, dass so wie bei Megaupload die Inhalte leicht über google gefunden werden können, so dass die illegale Verbreitung von urheberrechtlich geschützen Inhalten begünstigt wird.

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    Nö, ihrer seltsamen Logik nach müsste google ebenfalls vom Netz genommen und die Betreiber verhaftet werden, weil man auf "geschützte" Angebote welche "illegal angeboten" werden, verlinkt o_O

    Irgendwann können wir das Netz dann gleich ganz zu machen.....

    • tom310
    • 20. Januar 2012 8:59 Uhr

    Wenn ein FileSharer für die Copyrightverletzungen seiner Nutzer verantwortlich ist, dann ist Smith & Wessen (oder auch Heckler & Koch) für jeden erschossenen Mitbürger verantwortlich. Was läuft eigentlich falsch?

    ...Sie bespw mal bei google den Namen eines Albums plus megaupload ein und schon kommen Sie direkt zum Download.
    Prinzipiell ist google dann auch "Mittäter".

    • joG
    • 20. Januar 2012 10:16 Uhr

    ....die Regulieren strukturieren will. Offensichtlich haben die Eigentümer der Copyrights berechtigtes Interesse ihre Inhalte zu schützen und geschützt zu sehen. Wenn jemand bewusst ermöglicht, dass dieser Schutz umgangen wird, entstehen den Eigentümern Schäden. Wenn man Copyrights heben will, muss der Sektor geordnet werden.

    Deutschland hat viele YouTube Seiten gesperrt. Wie genau, weiß ich nicht, aber sie sind aus Deutschland nicht erreichbar. Eine Plattform hat ihre Dienste hier eingestellt, weil die von hieraus notwendigen Regulierungskosten so hoch waren, dass der Betrieb nicht wirtschaftlich war. Vermutlich werden aus Deutschland auch implizit Gewalt angedroht, wenn man die regeln bricht.

    Dann denke man an die Stadt, die einen Flohmarkt abhält. Dort werden oft gestohlene Sachen angeboten. Das weiß jeder. Muss man der Stadt verbieten, die Plattform zu schließen, zu gewährleisten, dass kein Hehlergut verkauft wird und jeden Stand prüfen?

    • Chali
    • 20. Januar 2012 8:00 Uhr

    Braucht "man" die?

    "Wer die Macht hat, hat das Recht."

    Antwort auf "Juristische Fragen"
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    aber zumindest ist es Sitte, sich eine formaljuristische Scheinrechtfertigung auszudenken.

  4. Wer im eigenen Land Menschen ohne Gerichtsverfahren unbegrenzt inhaftieren kann, Menschen in anderen Ländern verschleppt und foltert, bzw. US-Bürger im Ausland zur gezielten Tötung freigibt, der lässt sich auch sonst nicht mehr einschränken.

    Antwort auf "Juristische Fragen"
    • SuR_LK
    • 20. Januar 2012 8:01 Uhr

    von 2012 geht sowas auch ohne Prozess, wobei das hier bei Kimble sicher nicht gegriffen hat, wenn man sieht das das fbi seit 2006 seine emails mitliest hängen die da schon etwas länger dran; frage ist höchstens wieso die so spät zugreifen. Oder man lauscht eben doch pauschal alle ab das die den emailverkehr von 2006 haben.

    Antwort auf "Juristische Fragen"
  5. aber zumindest ist es Sitte, sich eine formaljuristische Scheinrechtfertigung auszudenken.

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    • Chali
    • 20. Januar 2012 8:23 Uhr

    Was soll denn formaljuristisch scheinrechtfertigt werden?

    Erhellend wirkt da ein Satz aus diesem Artikel:

    http://www.freitag.de/pol...
    "Schließlich würden die Gesetze [SOPA und PIA] nur funktionieren, wenn Sie rund um die Uhr überwacht werden.*

    Das muss man natürlich vom Kopf auf die Füsse stellen:
    Damit Sie rund um die Uhr überwacht werden können, braucht man irgendwelche Gesetze, - also Ihre "formaljuristische Scheinrechtfertigung" - und Kinderprornographie ist ja ganz schön, aber Coptright ist besser, und Medienunternehmen haben auch mehr Geld.

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