FilehosterMegaupload zahlte Belohnung für illegale Angebote

Das Netz reagiert bestürzt auf die Schließung des Filehosters Megaupload. Die US-Behörden beziehen sich auf internationales Recht – und das Geschäftsmodell der Betreiber. von 

"M-E-G-A – it's a Hit!", sang der deutsche Internet-Unternehmer Kim Schmitz in einem kuriosen Werbevideo des Speicherdienstes Megaupload noch im Dezember. Trotz Unterstützung vieler Künstler reagierte die Unterhaltungsindustrie gewohnt humorlos: Die Plattenfirma Universal Music ließ das Video kurzerhand von YouTube löschen – aufgrund angeblich ungeklärter Rechte. Megaupload zeigte sich kämpferisch und wollte im Gegenzug Universal verklagen. Die Posse verebbte schließlich, das Video ist längst wieder verfügbar.

Knapp vier Wochen später geht die Auseinandersetzung in die nächste, ungleich folgenschwerere Runde. Die neuseeländische Polizei nahm Schmitz, der seit einigen Jahren auch unter dem Namen Kim Dotcom bekannt ist, sowie drei weitere mutmaßliche Verantwortliche fest . Vorausgegangen war eine Anklage des US-Justizministeriums und des FBIs , die insgesamt sieben Personen vorwerfen, sich der organisierten Kriminalität strafbar gemacht zu haben. Neben massiver Urheberrechtsverletzungen mit einem Schaden von geschätzten 500 Millionen US-Dollar sollen die Verantwortlichen auch Geldwäsche betrieben haben.

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Die Aktion kam überraschend. Zwar sind Filehoster wie Megaupload der Unterhaltungsindustrie seit jeher ein Dorn im Auge, Verhaftungen und koordinierte internationale Aktionen gegen Filehoster hat es in der Vergangenheit aber nicht gegeben. Dass nun ein deutsch-finnischer Staatsbürger wie Schmitz in Neuseeland auf Druck der US-Behörden verhaftet wurde, stößt im Netz auf eine Mischung aus Entsetzen und Erstaunen .

  Sharehoster bewegen sich in der juristischen Grauzone

"Tatsächlich ist die Staatsangehörigkeit des Angeklagten in diesem Fall irrelevant solange es ein Rechtshilfeabkommen zwischen zwei Staaten gibt", sagt der Strafrechtler Dr. Christian Pelz. Ein solches Abkommen ermöglicht, dass Länder auch außerhalb der Landesgrenzen ihre Strafverfolgung durchsetzen können. Entscheidend ist dabei, dass sich der Angeklagte auch tatsächlich im Land des Anklagestellers strafbar gemacht hat. Im Fall von Megaupload sei das, so lässt sich die Anklage des FBI lesen, dadurch gegeben, dass die auf Megaupload gehosteten Dateien sowohl US-amerikanischen Unternehmen schaden als auch in den USA zugänglich gemacht wurden. Zudem betrieb das Unternehmen offenbar mehr als 500 Server in Virginia, dessen Bezirksgericht die Klage einreichte.

Entscheidend für die Strafverfolgung ist die Frage, ob die Plattformbetreiber tatsächlich für die Urheberrechtsverletzung ihrer Nutzer haften müssen. "In Deutschland unterliegen die Anbieter gewissen Prüfungspflichten", sagt der IT-Rechtsexperte Dr. Daniel Rücker. So müssen sie bestimmte Filter einsetzen, um mutmaßlich illegale Inhalte auf ihren Servern zu erkennen. Zudem müssen sie auf Verlangen der Rechteinhaber Inhalte löschen (das sogenannte "Take-Down-Verfahren"). Gleichzeitig ist es aber so, dass eine vollständige Überwachung der Inhalte von Betreiberseite nicht möglich ist. Da die Dienste auch legal genutzt werden, befinden sich die Anbieter in einer juristischen Grauzone, die bis dato auch von den US-Behörden akzeptiert wurde.

Diese Grauzone überschritt Megaupload der Anklage des US-Justizministeriums zufolge in zweierlei Hinsicht. Zum einen sperre der Dienst entgegen eigener Angaben nicht die Konten von Nutzern, die geschützte Inhalte verbreiten. Auch auf Lösch-Anträge reagiere man inkonsequent: So würde auf Anfrage zwar der betroffene Link deaktiviert, nicht aber der Inhalt dahinter gelöscht. Mit anderen Links, teilweise Tausenden, könne man weiterhin darauf zugreifen.

Leserkommentare
  1. ...http://ploum.net/post/im-a-pirate

    Sehr empfehlenswerter Artikel der mir persönlich aus der Seele spricht. Es wird Zeit, daß sich die Plattenfirmen und Filmanbieter den Kundenwünschen des Jahres 2012 endlich stellen. Mit guten Angeboten, nicht mit Drohkulissen.

    Antwort auf "......"
  2. Sicher gehen nur 1% von denjenigen, die sich gratis ein paar Filmchen runtergladen haben dann auch noch anschliessend ins Kino. Es werden diejenigen sein, die es nicht mehr erwarten konnten und eh ins Kino gegangen wären. Insofern haben die Plattenfirmen sicher recht.
    Allerdings muss man auch einwenden, dass hier massiv kultureller Austausch unterbunden werden würde, welcher extrem positive Nebeneffekte hat. Es gibt Regionen auf der Welt, und zwar überwiegend, in denen niemand jemals ins Kino gehen kann, wo man nun aber preisgünstig an Inhalte rankommt. Dies zu unterbinden würde bedeuten, dass die Schlüsseltechnologie Internet nur eingeschränkt ihre Wirkungskraft, welche aus der ortsungebundenheit resultiert, entfalten könnte, damit einigen wenigen das Geschäft nicht verhagelt würde. Will die Menschheit das langfristig? Ist es unter diesem Gesichtspunkt nicht aussichtslos, was die Plattenindustrie vorhat? Wäre es nicht sinnvoller, die Produktionsformen an die Schlüsseltechnologie der Zukunft anzupassen, als anders herum?

  3. Sie haben Recht:

    "Eine GfK-Studie soll zeigen: Nutzer von illegalen Filmseiten geben mehr Geld für Kino und DVDs aus als der Durchschnittsnutzer. Womöglich. Denn sie wurde nie publiziert."

    http://www.zeit.de/digita...

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "......"
  4. Das passt zu den halbseidenen Geschichten, für die Kim Schmitz schon in der Vergangenheit bekannt war. Da geht es nur darum, ohne eigene Leistung Geld zu machen und andere Leute, die etwas leisten, um ihren verdienten Gewinn zu bringen.

    Ich weiß, dass die Rechteverwerter auch grenzwertig sind, aber das hat eine andere Dimension. Wenn Belohnungen an Leute gezahlt werden, die bewußt gegen geltende Gesetze verstoßen, dann zeigt das, dass man auf Big Business aus ist: Diese Belohnungen kann man ja nur zahlen, wenn man mächtig Geld damit macht, dass andere sich strafbar machen.

    Sorry, aber Kim Schmitz ist einfach nur auf Geld aus, er war es schon immer und die beschlagnahmten Autos sprechen für sich. Das ist kein Robin Hood, das ist einfach nur ein Krimineller.

    Jeder, der sich jetzt anläßlich dieser Meldung antiamerikanischer Reflexe bedient, sollte sich mal überlegen, ob es ihm in den Kram passen würde, wenn er irgendeinen Hit gelandet hätte (Film oder Musik, ist egal) und der wäre auf megaupload frei verfügbar und derjenige, der das da eingestellt hat, hat auch noch eine Belohnung bekommen.

    Nur man selbst hat nicht das bekommen, was einem zustände, was häufig gar nicht so viel ist, die Vermarkter müssen ja auch vn was leben und bedienen sich gut.

    Das hat mit Freiheit im Netz rein gar nichts zu tun, das ist die altbekannte "Money for nothing and the chicks for free" Verfahrensweise von Kim Schmitz.

    Ich sehe mich außerstande, Mitleid mit ihm zu haben.

    3 Leserempfehlungen
  5. ... Ganz ehrlich, solangsam gehen mir die Amis auf den Keks.

    Gerade Megaupload. So ziemlich die einzige nicht schmierige und schleimige Content website da draußen.

    Ich frage mich ehrlich ob die Amis auch die Verantwortlichen im Flughafen verhaften wenn in einem Schließfach ein Koffer mit Drogen gefunden wird. Immerhin machen die ja auch Geld mit dem Vermieten des Schließfachs.

    Und was ist mit Hotels? Wird als Nächsten die Hilton Familie festgenommen weil ein Waffendeal oder eine Vergewaltigung in ihren Zimmern stattfand?

    Bin ich der einzige der glaubt die Menschen sollten aufgeklärter sein? Ist es wirklich so idealistisch und naiv von mir zu glauben das wir langsam eigentlich das dunkle Zeitalter der Ignoranz hinter uns lassen?

    Im Grunde erinnert mich das an einen Artikel über Killerspiele in der Badischen Zeitung. Dort stand drin das Killerspiele wie offene Benzinfässer seien. Und ich fragte mich: "Wieso muss man das Streichholz verbieten und kann nicht einfach die Benzinfässer leeren oder verschließen?"

    Im Grunde ist es das selbe hier. Wieso muss man eine Firma schließen die, meines erachtens nach, eine Dienstleistung stellen, nur weil ein paar Leute Schindluder damit treiben?

    Und das wirklich traurige daran ist es ist als ob man versucht die Hydra durch Köpfen zu erlegen. Megaupload ist nun dicht... dafür machen morgen 2 neue auf.

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    ... Ich meinte wie Streichhölzer seien die an offene Benzinfässer heran gebracht werden (war damals im Zuge einer der Amokläufe). Die Benzinfässer in diesem Fall waren die 'labilen' Gemüter.

  6. ... Ich meinte wie Streichhölzer seien die an offene Benzinfässer heran gebracht werden (war damals im Zuge einer der Amokläufe). Die Benzinfässer in diesem Fall waren die 'labilen' Gemüter.

    Antwort auf "Maeh...."
    • pakZ
    • 20. Januar 2012 18:52 Uhr

    Halte ich, mit Verlaub gesagt, für Unsinn.

    Viel wahrscheinlicher ist es wohl, wenn man davon ausgeht, daß viele der Nutzer solcher Dienste ohnehin ein höheres Interesse an Unterhaltungsmedien haben und daher schon von Prinzip aus zu den treueren Kunden der "Contentmafia" gehören.
    Aber auch das wird hinfällig werden, wenn die kommende(n) Generation(en) derartig im Internet verwurzelt aufwachsen und der Unterschied zwischen digitalem und physischem Besitz zunehmend verschwindet - einhergehend mit der fortwährenden Bagatellisierung solcher Delikte.

    Man braucht sich bloß die schrumpfende Kinolandschaft in Deutschland anzugucken, um diese Mär Lügen zu strafen.

    So oder so bleibt es dabei: Unrecht ist Unrecht - egal wie sinnvoll eine derartige Rechtslage sein mag und egal wie bemüht man sich um eine Legitimation für das Begangene gibt.

    Konsequent weiter gedacht, ist im Übrigen eines der möglichen Szenarien, daß wir demnächst nur noch B-Ware verkauft bekommen; nämlich wenn der Umsatz mit aufwendigen und kostenintensiven Medien zusammenbricht und es schlichtweg nicht mehr rentabel ist bspw. 100 Millionen Dollar in die Entwicklung des neuesten Ego-Shooters zu stecken.

    Interessant finde ich jedenfalls die "neuesten" Ansätze der Industrie, wie bspw. Simfy oder Grooveshark, die eine echte Alternative zu dem 20-Euro-pro-Album-Wahn bilden.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "......"
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    Ach wissen Sie, es gibt auch Menschen, die halten es für Unsinn, dass die Erde keine Scheibe sei.... so what.

    Lesen hingegen soll einen bildenden Charakter haben.

    http://www.heise.de/tp/bl...

    Allerdings würden sich fundemantale Anhänger der Scheibenwelt-Theorie auch jeglichen gegenteiligen Beweisen verschließen, schließlich kann nicht sein, was nicht sein darf.....

  7. der Kim Possible hier is ja nich Mr. NiceGuy.

    Für mich hat die Sache einen sehr faden Beigeschmack.

    Aber ich denke dass die Community wie eine Hydra ist, es wachsen 2 Köpfe nach.

    Was dagegen hilft ist ein besseres Angebot, aber das kriegen die Konzerne nicht aufn Schirm. Pech gehabt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Kim Schmitz | Download | Strafverfolgung | Neuseeland | USA
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