MusikStreamingdienste drängen auf den deutschen Markt

Das Berliner Unternehmen SoundCloud will die führende Online-Plattform für Musik werden – wie YouTube für Videos oder Flickr für Fotos. Doch die Konkurrenz wächst. von Susanne Metzger

Immer mehr Internet-Musikdienste werben hierzulande um die Gunst der Hörer. Nun interessieren sich auch internationale Investoren für die Online-Portale: Die Berliner Plattform SoundCloud hat kürzlich weitere Geldgeber gefunden. Die Höhe der Kapitalspritze nannte SoundCloud nicht. Laut Techcrunch soll es sich aber um eine Summe von 50 Millionen Dollar (knapp 39 Millionen Euro) handeln, das Unternehmen sei mit 200 Millionen Dollar bewertet worden.

Bei den neuen Finanziers handelt es sich um die US-Investmentfirma Kleiner Perkins Caufield & Byers (KPCB), die unter anderem auch an dem Rabattgutscheinspezialisten Groupon und dem Online-Spieleanbieter Zynga beteiligt ist, und um GGV Capital. Zu den bisherigen Investoren gehören Union Square Ventures, Index Ventures und Doughty Hanson Technology Ventures.

Anzeige

Mit dem frischen Kapital will das im Jahr 2007 gegründete Unternehmen sein weiteres Wachstum finanzieren. Bereits im vergangenen Jahr habe SoundCloud seine Nutzerzahlen erheblich gesteigert und sein Produktangebot ausgebaut, wird Firmengründer Alexander Ljung in einer Mitteilung zitiert.

Das Geschäftsmodell von SoundCloud funktioniert so: Registrierte Mitglieder können eigene Audio-Produktionen auf die Webseite hochladen. Wie in einem sozialen Netzwerk können sie ihre Aufnahmen mit allen oder nur bestimmten Hörergruppen teilen. Diese können die Werke im Online-Streaming anhören oder – je nach Einstellungen des Urhebers – auch herunterladen sowie in andere Webseiten einbinden. Zudem können die Nutzer Kommentare zu den präsentierten Werken abgeben. Geld will SoundCloud mit kostenpflichtigen Premium-Zugängen verdienen, Geschäftszahlen veröffentlicht das Unternehmen allerdings nicht.

Klar ist aber: Für Musik will SoundCloud die führende Plattform im Internet werden – wie YouTube für Videos oder Flickr für Fotos. Doch der Konkurrenzdruck ist hoch. Immer mehr Online-Musikplattformen bieten Downloads und das sogenannte Streaming an, also das direkte Abspielen von Liedern im Internet.

Hierzulande ist unter anderem der deutsche Anbieter Simfy aktiv, seit wenigen Wochen auch der französische Online-Dienst Deezer und das britische Portal Rara . Die in Europa bekannteste Musikplattform ist Spotify . Der schwedische Musikdienst versucht seit 2011 auch in den USA Fuß zu fassen. Bislang gilt dort Rhapsody als der beliebteste Musik-Streaming-Dienst.

Leserkommentare
  1. Apples "Musikcloud" arbeitet ja nun auch schon in Deutschland unter dem Namen
    iTunes Match", für 25 Euro im Jahr kann man dann "seine" Songs, d.h. die bei iTunes gekauften und weitere, sprich von gekauften CD´s eingelesene oder "sonstwie" importierte Lieder, dann überall abspielen lassen.
    Das kann Vor- und Nachteile haben: Hat man eine Klassik-Audio-CD mit höchster Rate eingelesen bekommt man von Match nur eine geringere Rate (und damit Qualität), hat man aber im Netzt, z.B. bei Youtube, eine Audiospur ausgelesen, dann bekommt man bei Match eine weitaus bessere Qualität. User können diese Tracks also regelrecht waschen...

    Für den Verbraucher, und etwas anderes ist der User ja nicht, lohnt bei allen Diensten der Vergleich, nicht nur um die Preise, sondern auch um Rechte/Technik, aber leider tun sich Journalisten auf dem Gebiet Computer & Technik ja immer noch recht schwer...

    Und die ganzen Cloud-Dienste (nicht nur für Musik) müssen natürlich auch Ihre Daten senden können, d.h. die Netzte müssen gut ausgebaut sein, da kann es im ländlichen Bereich schon mal Probleme geben.
    Zudem wird der User für die Unternehmen transparenter, was bei so manchem günstigen/kostenlosen Geschäftsmodell die Frage aufwirft, womit sonst noch Geld verdient wird.
    Und, wird gern vergessen, Internetserver verbrauchen viel Energie. Muss ich also immer zwingend meine 20.000 Songs überall dabeihaben? Internet und Energie - leider oft vernachlässigt.

    3 Leserempfehlungen
    • Mejan
    • 09. Januar 2012 11:39 Uhr

    wenn die Provider nicht bald ihre Anschlüsse vernünftig ausstatten. Was nutzt einem die Wolke wenn der Upload so erbärmlich ist. Allein die Telekom bietet einen vernünftigen Upload. Bei VDSL 25 - 5, und bei VDSL 50 - 10Mbit. Den Rest kann man vergessen.

    • Anay
    • 09. Januar 2012 15:10 Uhr

    Neben Soundcloud gibt es auch noch ReverbNation.

  2. "Mit dem frischen Kapital" bedeutet "mit diesen neuen Schulden" und ist einer der obskursten Euphemismen, die mir in jüngsten Jahren untergekommen ist.

    Abseits davon wünsche ich Soundcloud alles Gute. Ist ganz angenehm, nicht immer so ein komisches Videofenster zu meiner Musik laufen lassen zu müssen. Ich bin gespannt, ob sie es jemals schaffen werden, ohne Datenschutzsauereien Gewinne zu machen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Schlagworte Download | Facebook | Flickr | Gema | Online-Dienst | USA
Service