Der Protest gegen eine schärfere Internet-Regulierung in den USA hat Folgen: Der demokratische Mehrheitsführer im US-Senat , Harry Reid , hat die für kommenden Dienstag geplante Vorabstimmung über den PIPA-Entwurf (Protect IP Act) verschoben. In Anspielung auf die Proteste und den Internet-Streik am Mittwoch teilte Reid per Twitter mit : "Im Lichte der jüngsten Ereignisse habe ich beschlossen, die Abstimmung am Dienstag über den Protect IP Act zu verschieben."

Allerdings ist Reid nicht grundsätzlich gegen die Gesetzesinitiativen PIPA und SOPA (Stop Online Piracy Act), die im Kampf gegen Raubkopien drastische Maßnahmen wie Netzsperren vorsehen. Er verwies auf Schäden in Milliardenhöhe und die Folgen für den Arbeitsmarkt durch Urheberrechtsverletzungen im Internet. Viele Amerikaner erwarteten zu Recht, dass ihre Arbeit fair entlohnt werde. Daher hoffe er, dass in den kommenden Wochen ein Kompromiss erreicht werden könne.

Reid riet deshalb den Autoren des Gesetzes zu noch größeren Anstrengungen, "eine Balance zwischen dem Schutz von US-Urheberrechten und der Gewährleistung der Offenheit und Innovationskraft des Internets" zu finden.

EU-Kommissarin twittert ihre Kritik

Angesichts des Widerstandes gegen PIPA und SOPA war kaum damit zu rechnen gewesen, dass die Vorlage im Senat die nötigen 60 Stimmen erhalten hätte. Mehrere Senatoren von Republikanern und Demokraten hatten ihre Unterstützung für die Gesetze bereits infrage gestellt .

Auch die für Netzpolitik zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes kritisierte die beiden US-Gesetze. "Ich bin froh, dass sich eine Kehrtwende ankündigt bei SOPA: Wir brauchen keine schlechte Gesetzgebung, wir sollten besser die Vorteile eines offenen Internets bewahren", teilte sie bei Twitter mit . "Auch Geschwindigkeitsüberschreitung ist illegal: Aber man installiert keine Holperschwellen auf der Autobahn", schrieb sie in Anspielung auf die geplanten Regelungen.