ProtestWikipedia sperrt sich am Mittwoch selbst

In der englischsprachigen Wikipedia wird 24 Stunden lang nur eine Protestnote zu sehen sein. Die richtet sich gegen zwei US-Gesetzentwürfe, die Netzsperren beinhalten. von AFP und dpa

Das englischsprachige Angebot von Wikipedia geht am Mittwoch für einen Tag vom Netz. Statt der Artikel wird auf der Website des Online-Lexikons nur eine Protestnote stehen, die sich gegen zwei US-Gesetzesinitiativen richtet. Die beiden Gesetzestexte richten sich gegen Internetpiraterie. "Bei einer Verabschiedung hätten beide Gesetze verheerende Folgen für das freie und offene Web", teilte die Wikimedia Foundation mit, die das freie Wissensprojekt betreibt. 



Die Abschaltung des Angebots beginnt am Mittwoch um 6.00 Uhr (MEZ). Wikipedia-Gründer Jimmy Wales schrieb im Kurzmitteilungsdienst Twitter, Schüler und Studenten sollten ihre Hausaufgaben früh erledigen, weil "Wikipedia am Mittwoch gegen ein schlechtes Gesetz protestiert". Die deutschsprachige Wikipedia wird weiter zugänglich sein, aber ein Protestbanner in Solidarität mit der Aktion in den USA anzeigen.

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Auch zahlreiche andere Internet-Angebote protestieren am Mittwoch mit Abschaltungen oder Bannern gegen die Gesetzesinitiativen mit den Bezeichnungen SOPA (im Repräsentantenhaus) und PIPA (im Senat). Die Gesetzestexte sehen eine schärfere Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen vor.

 Der Gesetzentwurf für SOPA ( Stop Online Piracy Act ) wurde, nachdem sich zahlreiche Websites und Institutionen, auch das Weiße Haus , gegen die Netzsperren ausgesprochen haben, jedoch vorerst auf Eis gelegt .

Besonders umstritten war eine Bestimmung bei SOPA , die von Internet-Providern verlangt, nach einer gerichtlichen Anordnung den Zugang zu ausländischen Webseiten zu sperren, die Raubkopien anbieten. Dies wird von den Gegnern als Zensur und unzulässiger Eingriff in die technische Infrastruktur des Netzes abgelehnt.

Über die zweite Gesetzesinitiative PIPA ( Protect IP Act ) wird der Senat, die zweite Kongresskammer, am 24. Januar abstimmen. Das Gesetz soll ebenfalls Maßnahmen gegen Web-Anbieter im Ausland ermöglichen, die das geistige Eigentum ( intellectual property , IP) verletzen. Eingebracht wurde PIPA vom demokratischen Senator Patrick Leahy in Vermont.

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Leserkommentare
  1. Sowas kann doch keiner ernst meinen.

    Antwort auf "Na ja - Jahrgang 89?"
    • Mejan
    • 18. Januar 2012 10:38 Uhr

    nicht ganz so TOP, das dass nur ein Trick ist, und PR. Deaktivieren Sie einfach JavaScript in ihrem Browser, und schon ist nichts von dieser Lüge zu sehen. Wikipedia ist einfach nur peinlich.

    Antwort auf "Jawoll!"
  2. »Das englischsprachige Angebot von Wikipedia geht am Mittwoch für einen Tag vom Netz.«
    So ganz vom Netz ist die englischsprachige Wikipedia dann auch nicht – das wäre auch viel zu aufwändig.
    Wer unbedingt auf Wikipedia-en will oder muss, der schaltet JavaScript im Browser aus und dann geht es wieder.
    Grundsätzlich ist die Aktion der vorübergehenden Abschaltung zu begrüßen! Es kann nicht sein, dass Konzerne das Wissen der Welt zensieren, weil sie die Entwicklung des Internets jahrelang verpennt haben (besonders die Musikindustrie).
    Diese Zensur ist inakzeptabel. Käme heute jemand auf die Idee in der sogenannten »freien Welt«, in jede Bibliothek eine Schaar von Kontrolleuren zu stellen, die jeden Buchausleiher kontrollierten und dieverse Archivbestände einfach wegschlössen?
    Ein freies und unkontrolliertes Netz ist sehr wichtig für die Demokratie und die Kreativität.
    Wären die Urheberrechtsbedenken in den 1920er Jahren auf dem heutigen Stand, gäbe es z. B. die weltbekannte Schrift »Futura« nicht. Sie ist stark inspiriert worden von der »Erbar-Grotesk« — oder anders: Paul Renner diente die Erbar-Grotesk als Vorlage für seine Futura.

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Schlagworte Wikipedia | Eigentum | Jimmy Wales | Repräsentantenhaus | Solidarität | Twitter
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