Berlin Wowereit verspricht kostenloses Internet für alle

Berlins Regierender Bürgermeister will ein gebührenfreies WLAN an zentralen Orten innerhalb des S-Bahn-Ringes installieren lassen. Doch der Plan wirft viele Fragen auf.

Totgesagte leben länger: Wenn Klaus Wowereit an diesem Donnerstag im Abgeordnetenhaus die Richtlinien seiner Regierungspolitik von der Parlamentsmehrheit absegnen lässt, ist darunter auch ein Projekt, dem viele keine Zukunft mehr gegeben hatten. An siebter Stelle der auf rund 30 Seiten vorgestellten Vorhaben der rot-schwarzen Regierung kündigt Wowereit ein "landesweites gebührenfreies WLAN" an. WLAN (Wireless Local Area Network) ist ein öffentlich zugängliches Netz, über das man mit Laptops und Handys im Internet surfen und E-Mails abrufen kann.

"Wir wollen ein Netz an zentralen Orten innerhalb des S-Bahn-Ringes etablieren“, erklärt der für das Projekt zuständige Senatskanzleichef Björn Böhning, der im Roten Rathaus für Netzpolitik verantwortlich ist. Anders als beim gescheiterten Versuch aus der vergangenen Legislaturperiode wolle man sich aber anfangs auf die Orte konzentrieren, an denen besonders viele Touristen unterwegs seien oder wo es viele Unternehmen mit Internet-Bezug gibt. Im vergangenen Jahr habe sich Wowereit bei einem Besuch des Mobilfunkkonzerns Motorola über die technischen Möglichkeiten informiert, die Senatskanzlei plant jetzt weitere Gespräche mit anderen Konzernen. "Das Projekt ist noch in den Anfängen", sagt Böhning. Als Vorbilder nennt er Aachen sowie London, wo für die Olympischen Spiele 2012 der Netzbetreiber O2 das nach eigenen Angaben größte freie WLAN-Netz Europas einrichten will.

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Wie umfangreich das Netz in Berlin wird, hängt laut Böhning auch davon ab, inwieweit die Bezirke Interesse an dem Projekt zeigen. Bei dem gescheiterten Versuch aus der vergangenen Legislaturperiode war noch geplant gewesen, Laternenpfähle quasi als Sendemasten zu nutzen. Nun sollen andere Modelle geprüft werden. Kosten sollen für das Land nicht entstehen. "Wir prüfen, ob eine Ausschreibung nötig ist und wollen privaten Investoren das Engagement ermöglichen", sagt der Senatskanzleichef. "Gleichzeitig prüfen wir auch Kooperationen mit regionalen Initiativen." Ein Betreiber könnte dann auf eigene Kosten ein Netz von Sendern in der Stadt installieren, die Betriebskosten dafür zahlen und das Ganze über Werbung finanzieren, so eine Idee zur Umsetzung aus dem Roten Rathaus.

In der Stadt Aachen, die laut Senatskanzlei als Vorbild für das Berliner Vorhaben dient, ist man allerdings verwundert, als Vorbild genannt zu werden. Denn das angeblich stadtweite WLAN ist dort bislang nicht mehr als ein "reines Forschungsprojekt", wie aus dem Rathaus und auf der Projekt-Website zu erfahren ist. Bislang ist das seit zwei Jahren laufende Vorhaben nicht über 15 Sendestationen rund ums Aachener Rathaus hinausgekommen, die bislang auch nur für Teilnehmer des Versuchs zugänglich sind. Dabei soll zunächst getestet werden, wie sicher die Verbindungen für Nutzer sind, die über das öffentliche Netz per Funk zu ihrem heimischen Internetzugang hergestellt werden. Das setzt voraus, dass Nutzer des öffentlichen Netzes auch weiterhin einen privaten Zugang haben – wirklich gratis ist das Aachener WLAN also nicht.

Am gestrigen Mittwoch stand das Thema auch im Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses auf der Tagesordnung. Gegen Ende der bis in den späten Abend dauernden Sitzung stand der Schlussbericht der Wirtschaftsverwaltung zum bisherigen WLAN-Vorhaben an, verfasst vom damaligen Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke). Dessen Befund fällt vernichtend aus: Berlin könne privaten Betreibern eines WLAN-Netzes "kein attraktives Angebot unterbreiten, um unter Nutzung von öffentlicher Infrastruktur ein homogenes und flächendeckendes Netz im Berliner Zentrum aufzubauen".

Wieso das jetzt unter der neuen Regierung anders sein soll, ist eine der Fragen, die Wowereit heute im Abgeordnetenhaus zu beantworten haben dürfte.

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Pleite

    Und ich dachte immer Berlin sei nahezu Pleite?! Ein Hoch auf den Länderfinanzausgleich!

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    Lesen Sie doch bitte erst einmal den Artikel, bevor sie wieder unsinnige Diskussionen à la Länderfinanzausgleich anstoßen.

    Aus dem Artikel: Kosten sollen für das Land nicht entstehen. [...] und das Ganze über Werbung finanzieren.

    Das heißt übersetzt: Das Land Berlin möchte nur Vermittler sein und nichts finanziell beisteuern.

    Lesen Sie doch bitte erst einmal den Artikel, bevor sie wieder unsinnige Diskussionen à la Länderfinanzausgleich anstoßen.

    Aus dem Artikel: Kosten sollen für das Land nicht entstehen. [...] und das Ganze über Werbung finanzieren.

    Das heißt übersetzt: Das Land Berlin möchte nur Vermittler sein und nichts finanziell beisteuern.

  2. Ich bin Student und ich liebe Berlin. Berlin wählt mit den Piraten, den Sozialdemokraten und den Linken diejenigen Parteien, die den BürgerInnnen ein kostenfreies Leben, so weit es möglich ist ermöglichen. Die Piraten fordern die kostenlose benutzung der Ubahn, jetzt auch noch freies WLAN, meine Stadt gefällt mir immer mehr und zunehmend frage ich mich warum man in meinem Heimatland Bayern Spiesser und Konservative wählt.

    Eine Leser-Empfehlung
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    Aber das werden Sie irgendwann auch verstehen.
    "Kostenfrei" ist nichts, wenn Sie nicht dafür bezahlen, tut es ein anderer. Und jetzt überlegen Sie mal scharf, WER Ihr "kostenfreies Leben" denn finanziert...

    Aber das werden Sie irgendwann auch verstehen.
    "Kostenfrei" ist nichts, wenn Sie nicht dafür bezahlen, tut es ein anderer. Und jetzt überlegen Sie mal scharf, WER Ihr "kostenfreies Leben" denn finanziert...

  3. ist echt was anderes als kostenloses Internet für alle.

    Ansonsten: Im Geschenke versprechen sind die Parteien immer mal gut.

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    Ansonsten: Im Geschenke versprechen sind die Parteien immer mal gut.

    Die Wahlen waren aber im letzten Herbst und stehen erst 2016 wieder an. Dahinter muss also eine andere Motivation stecken.

    Ansonsten: Im Geschenke versprechen sind die Parteien immer mal gut.

    Die Wahlen waren aber im letzten Herbst und stehen erst 2016 wieder an. Dahinter muss also eine andere Motivation stecken.

  4. Aber das werden Sie irgendwann auch verstehen.
    "Kostenfrei" ist nichts, wenn Sie nicht dafür bezahlen, tut es ein anderer. Und jetzt überlegen Sie mal scharf, WER Ihr "kostenfreies Leben" denn finanziert...

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    "Kostenfrei" ist nichts, wenn Sie nicht dafür bezahlen, tut es ein anderer. Und jetzt überlegen Sie mal scharf, WER Ihr "kostenfreies Leben" denn finanziert...

    Und was ist Ihr Punkt? Natürlich ist im engeren Sinne nichts kostenfrei. Das heißt nicht, dass manche Dinge nicht trotzdem von der Allgemeinheit bezahlt werden sollten.

    "Kostenfrei" ist nichts, wenn Sie nicht dafür bezahlen, tut es ein anderer. Und jetzt überlegen Sie mal scharf, WER Ihr "kostenfreies Leben" denn finanziert...

    Und was ist Ihr Punkt? Natürlich ist im engeren Sinne nichts kostenfrei. Das heißt nicht, dass manche Dinge nicht trotzdem von der Allgemeinheit bezahlt werden sollten.

  5. Lesen Sie doch bitte erst einmal den Artikel, bevor sie wieder unsinnige Diskussionen à la Länderfinanzausgleich anstoßen.

    Aus dem Artikel: Kosten sollen für das Land nicht entstehen. [...] und das Ganze über Werbung finanzieren.

    Das heißt übersetzt: Das Land Berlin möchte nur Vermittler sein und nichts finanziell beisteuern.

    Antwort auf "Pleite"
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    Und Sie meinen ein solches Projekt könne kostenneutral für die Staatkasse durchgeführt werden? Wer trägt die Anfangsinvestitionen? Wer trägt die Kosten im Falle, dass keine Partner zur Finanzierung gefunden werden?

    Wissen Sie in meinen Augen sollten unsere Staatsdiener einmal das sparen lernen. Sparen heißt nämlich nicht, man baut keine sinnlosen 2 Millionen-Euro-Fussgängerbrücken, sondern sparen fängt im kleinen an. Das fängt mit trivialen Dingen an wie Druckpapier oder Strom in der Verwaltung sparen oder unnötige Projekte, die über keine sichere Finanzierung durch private Hand verfügen. Schon alleine, wenn sich auf Verwaltungsseite 2-3 Personen einige Wochen mit dem Projekt beschäftigen und es dann im Sand verlauft sind einige Tausend Euro Kosten entstanden. Kleinlich? Ich weiß. Aber in Zeiten von Billionen Staatsschulden, sollte man endlich diese Kleinlichkeit anfangen anzuwenden, wie sie jeder (die meisten) kleinen Unternehmer auch anwenden müssen.

    Und Sie meinen ein solches Projekt könne kostenneutral für die Staatkasse durchgeführt werden? Wer trägt die Anfangsinvestitionen? Wer trägt die Kosten im Falle, dass keine Partner zur Finanzierung gefunden werden?

    Wissen Sie in meinen Augen sollten unsere Staatsdiener einmal das sparen lernen. Sparen heißt nämlich nicht, man baut keine sinnlosen 2 Millionen-Euro-Fussgängerbrücken, sondern sparen fängt im kleinen an. Das fängt mit trivialen Dingen an wie Druckpapier oder Strom in der Verwaltung sparen oder unnötige Projekte, die über keine sichere Finanzierung durch private Hand verfügen. Schon alleine, wenn sich auf Verwaltungsseite 2-3 Personen einige Wochen mit dem Projekt beschäftigen und es dann im Sand verlauft sind einige Tausend Euro Kosten entstanden. Kleinlich? Ich weiß. Aber in Zeiten von Billionen Staatsschulden, sollte man endlich diese Kleinlichkeit anfangen anzuwenden, wie sie jeder (die meisten) kleinen Unternehmer auch anwenden müssen.

  6. Besser die ÖPNV-Preise halbieren.
    Muss nicht kostenlos sein, aber die Hälfte wäre ok.

    Eine Leser-Empfehlung
  7. Ansonsten: Im Geschenke versprechen sind die Parteien immer mal gut.

    Die Wahlen waren aber im letzten Herbst und stehen erst 2016 wieder an. Dahinter muss also eine andere Motivation stecken.

  8. wie lange man in Neu-Kölln und ähnlichen Gegenden ungestört öffentlich surfen kann, ohne daß der Laptop oder das Handy das Interesse gewisser Bevölkerungsschichten weckt.

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    Denn ob Sie es glauben oder nicht, Neukölln ist eigentlich recht harmlos. Ich hatte auf jeden Fall hier noch nie ein Problem. Weder beim Benutzen meines Smartphones, noch meines Laptops in der Öffentlichkeit. Und auch sonst: Hier ist nicht mehr los, als in anderen Bezirken Berlins oder Städten Deutschlands. Sie sollten nicht alles glauben, was Ihnen die Presse glauben machen will.

    Denn ob Sie es glauben oder nicht, Neukölln ist eigentlich recht harmlos. Ich hatte auf jeden Fall hier noch nie ein Problem. Weder beim Benutzen meines Smartphones, noch meines Laptops in der Öffentlichkeit. Und auch sonst: Hier ist nicht mehr los, als in anderen Bezirken Berlins oder Städten Deutschlands. Sie sollten nicht alles glauben, was Ihnen die Presse glauben machen will.

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