In den Petitionen schreibt ein Versicherungsmakler von Fachsoftware, die er nicht updaten könne. Die Leiterin des Edeka-Markts klagt, sie könne in ihrem Laden nicht, wie in anderen Filialen, Chipkarten für Rabattpunkte einführen. Die Landärztin befürchtet einen Zusammenbruch ihrer Rechner, wenn die elektronische Gesundheitskarte kommt und Patientendaten von auswärtigen Servern heruntergeladen werden müssen.

Das Landesministerium hat den Antrag der Gemeinde trotzdem abgelehnt. Nähere Gründe wurden nicht genannt. "Wir haben unser Problem nicht lösen können", sagt die Bürgermeisterin resigniert. Auch Alternativen zum DSL-Anschluss sind kaum praktikabel. So kommt die Mobilfunktechnik LTE  ( Long Term Evolution ) , von der Bundesnetzagentur als Lückenbüßer in unterversorgten Regionen angepriesen, ebenfalls nicht in Frage. Lunow-Stolzenhagen liegt zu nahe an der Grenze. Ein Mast würde bilaterale Verträge verletzen – weil Funkfrequenzen in Polen gestört würden. Internet über Kabel ist genauso wenig eine Option: Es gibt keine tragfähigen Leitungen.

Die Metzgerei, die im Umland mehrere Filialen betreibt, geht mittlerweile über einen Satellitenanschluss ins Netz. Damit kann der Metzgermeister immerhin schneller als über ISDN die Steuererklärung ans Finanzamt schicken, die Verbindung ist aber störanfällig. Für sein Provisorium zahlt Künkel monatlich 40 Euro – etwa doppelt so viel wie Großstädter für eine DSL-Flatrate.

Die wenigen jungen Menschen in Lunow-Stolzenhagen reagieren eher gleichgültig auf die Misere. Vielen ist das wichtigste Verständigungsmittel der Welt fremd. Eine 22-jährige Verkäuferin ohne Netzanschluss erzählt fröhlich, sie habe noch nicht einmal eine E-Mail-Adresse und überhaupt würde sie das Internet nur davon abhalten, sich um ihr Pferd zu kümmern. Da ist ein anderer 22-Jähriger, der sich vor Jahren einmal einen Mail-Account eingerichtet hat, die Adresse aber längst nicht mehr kennt und anfügt, all der Internetkram lohne sich sowieso nicht.

Letzte Hoffnung: die Funktechnik Canopy

Der Rentner Dietmar Herbrich dagegen findet, dass alle gleichermaßen am Netz teilhaben sollten. "Internet gehört zur Grundversorgung wie Wasser und Strom", sagt er. Zu DDR-Zeiten hat Herbrich als Informatiker gearbeitet, nach der Wende war er Geschäftsführer einer Bildungseinrichtung. Dass so jemand nicht vom Internet ausgeschlossen sein will, liegt auf der Hand. Also hat ihm sein jüngster Sohn ein Geschenk gemacht: Er installierte eine UMTS-Antenne auf seinem Dach. Die Verbindung ist im Vergleich zu einer DSL-Leitung immer noch langsam. Sie reicht aber, um Urlaubsfotos zu verschicken oder Reisen zu buchen.

Für Bernhard Stenzel, den Holzfabrikanten, wäre ein solcher Anschluss eine spürbare Beschleunigung. Aber seine Firma liegt verloren am Ortsrand, umringt von dichtem Forst. In dieser Abgeschiedenheit können Antennen keine UMTS-Wellen mehr empfangen. Warum er nicht wenigstens eine Satellitenschüssel aufstellt, um kein Hinterwäldler mehr zu sein? "Keine echte Lösung" sei das. "Es geht ums Prinzip." Wenn überall sonst in die Internetnutzer ans Breitbandnetz angeschlossen sind, wollen auch die Einwohner von Lunow-Stolzenhagen einen solchen Zugang.

Ihre letzte Hoffnung: die Funktechnik Canopy der Firma Motorola . Bei diesem System könnte ein in der Region aufgebauter Mast Funksignale ausstreuen, mit denen sich DSL-ähnliche Übertragungsraten erreichen ließen. Der Kommunikationsdienstleister Complus hat Lunow-Stolzenhagen und zwei Nachbargemeinden ein Angebot gemacht: Für etwa 150.000 Euro könne Complus einen solchen Mast errichten, der dann alle Gemeinden versorgen würde. Eine Summe, die nur mit Fördergeld aus Landestöpfen zu stemmen wäre. Die Einwohner von Lunow-Stolzenhagen zweifeln daran, dass sich das Land Brandenburg derart spendabel zeigt.