UnterwasserkartenGoogle Earth versenkt Atlantis noch ein bisschen tiefer

Linien am Meeresgrund lösten 2009 Spekulationen aus: Google Earth zeige, wo Atlantis versank. Nun sind die Karten aktualisiert und der vermeintliche Fundort schwindet. von 

Diese Linien auf dem Meeresboden nordwestlich der Kanarischen Inseln wurden vor drei Jahren von einigen Menschen für Spuren von Atlantis gehalten.

Diese Linien auf dem Meeresboden nordwestlich der Kanarischen Inseln wurden vor drei Jahren von einigen Menschen für Spuren von Atlantis gehalten.  |  © Google Earth

"Wurde Atlantis vor der Küste Afrikas entdeckt?", fragte der Telegraph . "Zu groß und zu regelmäßig, um natürlichen Ursprungs zu ein", hieß es im Boulevardblatt The Sun . Fast genau drei Jahre ist dieser große Moment für alle Verschwörungstheoretiker her. Der Luftfahrttechniker Bernie Bamford hatte über Google Ocean, die Erweiterung von Google Earth, eine rechteckige, von geraden Linien durchzogene Markierung auf dem Meeresgrund gefunden, einige hundert Kilometer nordwestlich der Kanarischen Inseln.

Drei Tage später klärte Google in einem Blogeintrag die Frage auf, woher die vermeintlich geheimnisvollen Strukturen stammen: Es sind Schiffsspuren. Sie entstehen, wenn die Meerestiefe von einem Schiff aus mit Sonar gemessen wird. Dabei wird immer nur der Teil des Meeresbodens kartiert, der sich unter dem Schiff befindet. Die geheimnisvollen Linien zeigen also nur, wie sich das Schiff bewegt hat, das diesen Teil des Ozeans vermessen hat. Hinzu kommen offenbar Messfehler, die eine um ein Prozent von der Umgebung abweichende Meerestiefe ergaben. Daher fielen die gitterartigen Linien besonders markant aus. Die amerikanische Ozeanographiebehörde (NOAA) ergänzte, Google habe einfach die Messergebnisse mehrerer Schiffe übereinander gelegt. Dadurch seien die Muster in Google Earth entstanden.

Anzeige

Abgesehen davon sprechen die Zahlen gegen eine versunkene Stadt: Das auffällige Rechteck umfasst eine Fläche von mehr als 20.000 Quadratkilometern, das entspricht der Größe des Bundeslandes Hessen . Für eine ganze Insel ist das nicht viel, für eine einzige Stadt aber schon.


Vermeintlicher Standort von Atlantis auf einer größeren Karte anzeigen

Echte Verschwörungstheoretiker lassen sich durch Aussagen von Wissenschaftlern natürlich nicht bremsen. So wurde weiter gemutmaßt, Google wolle etwas vertuschen . Schließlich hatten "Atlantis-Experten" laut Telegraph gesagt, dass die Stelle einer der möglichen Orte sei, die Plato gemeint habe, als er den Untergang von Atlantis beschrieb. Auch Spuren von Außerirdischen wurden als Erklärungsversuch in Betracht gezogen.

2012 wird es noch ein Update geben

Nun hat Google sein Kartenmaterial aktualisiert und dabei auch die Schiffsspuren überarbeitet und korrigiert. Mit Daten vom Scripps-Institut für Ozeanographie und anderen Einrichtungen aus den vergangenen drei Jahren haben Studenten Tausende von Fehlern in der ersten Version der Ozean-Erweiterung von Google Earth identifiziert und korrigiert.

Im Laufe des Jahres soll Google Ocean noch einmal aktualisiert werden, diesmal mit Daten des Satelliten Cryosat-2 . Die Darstellung des Meeresbodens soll dann noch einmal doppelt so präzise sein wie heute.

Die Spuren nahe der Kanarischen Inseln sind bei genauem Hinsehen übrigens immer noch zu erkennen, wenn auch deutlich abgeschwächt. Die Koordinaten, mit denen die Stelle bei Google Earth und Google Maps zu finden ist, lauten 31 15'15.53N 24 15'30.53W.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Hessen wäre immerhin die 49-größte Insel der Erde und die achtgrößte Europas. Finde ich nicht so ganz winzig.

  2. Haben die Verschwörungstheoretiker auch einen Grund genannt, weshalb Google oder sonst irgendjemand Interesse daran haben sollte, den "Fund von Atlantis" zu vertuschen?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Um Grund geht's da nicht.

    Aber ein guter Esoteriker oder Verschwörungstheoretiker muss ja immer eine Erklärung generieren, warum die Falsifizierung seiner Theorie nicht stichhaltig ist. Und da sind behauptete Beweise die "die Anderen" beseitig haben ein beliebtes Argument.

    Wer jede Theorie die jemand aufstellt der sich Wissenschaftler nennt als wissenschaftliche Theorie begreift, hat auch die Grundlegende Denkweise der Wissenschaftstheorie nicht verstanden. Das ist bei manchen Wissenschaftlern so, aber natürlich vor allem bei der übergroßen Gruppe der "interessierten Laien".

    Google, Apple und Monsanto haben da ihr geheimes Hauptquartier. Der Rest der Fläche lässt sich prima mit Konstrukten und Institutionen aller Art füllen, der zur Erklärung von Verschwörungstheorien nötig ist (Bielefeld ist übrigens keine Stadt, sondern nur ein Tor zu dieser Stelle).

    ;-)

  3. 3. Stadt?

    "Für eine ganze Insel ist das nicht viel, für eine einzige Stadt aber schon."

    Das ist engstirnig argumentiert, wenn/weil man nur eine Theorie beachtet.
    Tatsache ist das für viele Atlantis eben keine bzw. nicht nur eine Stadt sondern tatsächlich eine Insel darstellt. Für manche sogar ein ganzer Kontinent.

  4. Nachtrag: Ich sage damit nicht, dass ich diesen "Fund" für echt halte. Wie kann man es auch wissen. Man muss eben genauer untersuchen was dort ist. Es gibt unglaublich viele Unterwasserfunde, die auf alte bis SEHR alte "versunkene" Kulturen und Städte hindeuten. Viele Artefakte über Wasser tun dies auch. Daran gibt es keinen Zweifel, auch wenn der Schreiber des Artikels hier das so darstellen möchte.

    Merkwürdig auch, dass Atlantis-Forscher oder andere Forscher + Wissenschaftler (ja, Wissenschaftler!) die sich mit 'versunkenen' Kulturen beschäftigen und deren Schlussfolgerungen dem vorhandenen (falschen!) Paradigma der Menschheitsgeschichte und -entwicklung widersprechen oder dieses zumindest entspr. abändern, gleich mit "Verschwörungstheoretikern" gleichgesetzt werden. Merkwürdige Weltsicht.

    Und dann gibt auf der anderen Seite angeblich die "guten" Wissenschaftler, die es ja besser wissen, dabei stellen sie nur den orthodoxen und sehr behäbigen Mainstream der Wissenschaft dar, und diese Orthodoxie hat sich oft geirrt, wie wir aus der Geschichte wissen.

    Man sieht hieran leider auch, wieviel Raum noch ist für Open-Mindedness in den Mainstream-Medien. Alles wird der "heiligen" Mainstream-Wissenschaft ge"glaubt" ohne zu hinterfragen oder andere durchaus valide Hypothesen überhaupt ernst zu nehmen. Letzteres hat eben nicht mit Verschwörungstheorie, sondern mehr mit ECHTER Wissenschaft zu tun, nicht mit dem korrumpierten bürokratischen Gebilde mit dem wir heute es zu tun haben.

  5. interessieren laut ZEIT auch schon der inflationär wachsenden Gruppe der "Verschwörungstheoretiker" zuzurechnen?

    Vllt sollte ein Redakteuer der ZEIT mal einen Artikel darüber verfassen, der definitiert, wer heutzutage alles "Verschwörungstheoretiker" laut Breitenmedienmeinung ist.
    Ich hätte bestimmt gut zu lachen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • nik--
    • 07. Februar 2012 20:57 Uhr

    denn Artikel so lesen, wie es einem ins Gedankenbild passt, ist schon einmal ein guter Anfang :)
    In jedem Fall aber, anderen zu unterstellen, etwas vertuschen zu wollen. Wie oben im Zusammenhang mit dem Begriff VT geschrieben steht.

  6. "Abgesehen davon sprechen die Zahlen gegen eine versunkene Stadt: Das auffällige Rechteck umfasst eine Fläche von mehr als 20.000 Quadratkilometern, das entspricht der Größe des Bundeslandes Hessen. Für eine ganze Insel ist das nicht viel, für eine einzige Stadt aber schon."

    Selbst bei Wikipedia steht schon, dass Atlantis nicht zwingend eine Stadt war, insofern der Mythos auf historischen Begebenheiten beruht, sondern ein Inselreich.
    Das hätte man beim Verfassen dieses "Gegenarguments" durchaus mal recherchiert haben können.

    PS: Mir ist der Atlantis-Mythos herzlich egal. Den Artikel jedoch, finde ich katastrophal.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    @Exterminans und Open-Mind:
    Es geht hier doch um die Frage, ob die vermeintlich entdeckte rechteckige Struktur von Menschen geschaffen sein kann.
    Bei ein paar wenigen Quadratkilometern könnte man vielleicht noch eine Stadt vermuten.
    Aber bei einer Fläche, die der von Hessen entspricht ist es eben mehr als unwahrscheinlich, dass die "Atlantis-Bewohner" ihr Inselreich hübsch rechtwinklig geschnitzt haben.

  7. Um Grund geht's da nicht.

    Aber ein guter Esoteriker oder Verschwörungstheoretiker muss ja immer eine Erklärung generieren, warum die Falsifizierung seiner Theorie nicht stichhaltig ist. Und da sind behauptete Beweise die "die Anderen" beseitig haben ein beliebtes Argument.

    Wer jede Theorie die jemand aufstellt der sich Wissenschaftler nennt als wissenschaftliche Theorie begreift, hat auch die Grundlegende Denkweise der Wissenschaftstheorie nicht verstanden. Das ist bei manchen Wissenschaftlern so, aber natürlich vor allem bei der übergroßen Gruppe der "interessierten Laien".

    Antwort auf "ohne Titel"
  8. Mich hat nur noch keiner entdeckt - und das ist gut so, wenn ich mir überlege, was dann alles auf mich zukäme.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Google | Atlantis | Schiff | Hessen
Service