Diese Linien auf dem Meeresboden nordwestlich der Kanarischen Inseln wurden vor drei Jahren von einigen Menschen für Spuren von Atlantis gehalten. © Google Earth

"Wurde Atlantis vor der Küste Afrikas entdeckt?", fragte der Telegraph . "Zu groß und zu regelmäßig, um natürlichen Ursprungs zu ein", hieß es im Boulevardblatt The Sun . Fast genau drei Jahre ist dieser große Moment für alle Verschwörungstheoretiker her. Der Luftfahrttechniker Bernie Bamford hatte über Google Ocean, die Erweiterung von Google Earth, eine rechteckige, von geraden Linien durchzogene Markierung auf dem Meeresgrund gefunden, einige hundert Kilometer nordwestlich der Kanarischen Inseln.

Drei Tage später klärte Google in einem Blogeintrag die Frage auf, woher die vermeintlich geheimnisvollen Strukturen stammen: Es sind Schiffsspuren. Sie entstehen, wenn die Meerestiefe von einem Schiff aus mit Sonar gemessen wird. Dabei wird immer nur der Teil des Meeresbodens kartiert, der sich unter dem Schiff befindet. Die geheimnisvollen Linien zeigen also nur, wie sich das Schiff bewegt hat, das diesen Teil des Ozeans vermessen hat. Hinzu kommen offenbar Messfehler, die eine um ein Prozent von der Umgebung abweichende Meerestiefe ergaben. Daher fielen die gitterartigen Linien besonders markant aus. Die amerikanische Ozeanographiebehörde (NOAA) ergänzte, Google habe einfach die Messergebnisse mehrerer Schiffe übereinander gelegt. Dadurch seien die Muster in Google Earth entstanden.

Abgesehen davon sprechen die Zahlen gegen eine versunkene Stadt: Das auffällige Rechteck umfasst eine Fläche von mehr als 20.000 Quadratkilometern, das entspricht der Größe des Bundeslandes Hessen . Für eine ganze Insel ist das nicht viel, für eine einzige Stadt aber schon.

Echte Verschwörungstheoretiker lassen sich durch Aussagen von Wissenschaftlern natürlich nicht bremsen. So wurde weiter gemutmaßt, Google wolle etwas vertuschen . Schließlich hatten "Atlantis-Experten" laut Telegraph gesagt, dass die Stelle einer der möglichen Orte sei, die Plato gemeint habe, als er den Untergang von Atlantis beschrieb. Auch Spuren von Außerirdischen wurden als Erklärungsversuch in Betracht gezogen.

2012 wird es noch ein Update geben

Nun hat Google sein Kartenmaterial aktualisiert und dabei auch die Schiffsspuren überarbeitet und korrigiert. Mit Daten vom Scripps-Institut für Ozeanographie und anderen Einrichtungen aus den vergangenen drei Jahren haben Studenten Tausende von Fehlern in der ersten Version der Ozean-Erweiterung von Google Earth identifiziert und korrigiert.

Im Laufe des Jahres soll Google Ocean noch einmal aktualisiert werden, diesmal mit Daten des Satelliten Cryosat-2 . Die Darstellung des Meeresbodens soll dann noch einmal doppelt so präzise sein wie heute.

Die Spuren nahe der Kanarischen Inseln sind bei genauem Hinsehen übrigens immer noch zu erkennen, wenn auch deutlich abgeschwächt. Die Koordinaten, mit denen die Stelle bei Google Earth und Google Maps zu finden ist, lauten 31 15'15.53N 24 15'30.53W.