SchadsoftwareGoogle prüft jetzt alle Android-Apps

Eine Software analysiert nun alle Apps, die im Android Market hochgeladen werden. Googles offene Plattform hatte bisher den Ruf, unsicherer zu sein als Apples App Store. von 

Apps auf einem Samsung Galaxy Nexus

Apps auf einem Samsung Galaxy Nexus  |  © Ethan Miller/Getty Images

Googles offizieller Android Market hat jetzt einen Türsteher. Bouncer (Türsteher) heißt eine Software, die jede neue App auf Schadsoftware scannt. Der Vorgang beginnt nach Angaben von Google in dem Moment, in dem die App in den Android Market hochgeladen wird.

In einem Beitrag im Google Mobile Blog vom Donnerstag heißt es, Bouncer untersuche neue Apps auf Malware, Spyware und Trojaner sowie auf sonstiges verdächtiges Verhalten. Die neuen Apps würden dabei mit vorher analysierten Apps verglichen. Der Test laufe in Googles Cloud ab, in der eine Android-Umgebung simuliert werde.

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Auch Apps, die bereits vor längerer Zeit hochgeladen wurden, durchsucht Google nach eigenen Angaben inzwischen. Ob dabei alle 360.000 Apps analysiert werden, teilte Google nicht mit. Zudem würden neue Entwickler-Konten analysiert, um überführte Betrüger zu identifizieren, wenn sie sich mit einem neuen Account anmelden.

Von alldem sollen weder die Nutzer des Markets noch die Entwickler selbst etwas merken. Es werde keinen Genehmigungsprozess für neue Apps geben, wie es bei Apple der Fall ist, heißt es im Blog. Google will so seinen Vorteil gegenüber Apple behalten – die Offenheit für alle Entwickler und Nutzer. Gleichzeitig will der Konzern die Wahrnehmung ändern, der Android Market sei gefährlicher für den Nutzer als Apples App Store, wo jede neue App erst einen aufwendigen Prüfprozess durchläuft.

Verseuchte Apps vor allem auf alternativen Plattformen

Aus dem Blogeintrag geht hervor, dass Bouncer nicht neu, sondern bereits seit mindestens einem Jahr in Betrieb ist. Die Existenz der Software wurde einfach erst jetzt bekanntgegeben – wohl auch, um zuvor ihre Effektivität testen zu können. Zwischen der ersten und der zweiten Jahreshälfte 2011 habe man bei den Downloads einen Rückgang um 40 Prozent an potenziell verseuchten Apps beobachtet , schreibt Google-Vizepräsident Hiroshi Lockheimer – während Antivirenhersteller gleichzeitig vor einer steigenden Anzahl an Malware-Apps gewarnt hätten.

Wired.com weist daber arauf hin, dass in den meisten Fällen nicht der offizielle Android Market die Quelle für Schadsoftware ist, sondern kleinere Plattformen von Drittanbietern.

Das Analyseprogramm von Google ist deshalb also auch ein Argument für Android-Nutzer, Apps nur vom offiziellen Android Market herunterzuladen. Sind die kostenpflichtig, verdient Google mit. Die Transaktionsgebühr beträgt 30 Prozent des Verkaufspreises der App. Sollte sich doch einmal eine App in den Android Market einschleichen, die ein Schadprogramm enthält und von vielen Nutzer heruntergeladen wird, kann Google die App aus der Ferne von den Smartphones der Nutzer entfernen .

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Leserkommentare
  1. <p>
    <em>"Das Analyseprogramm von Google ist deshalb also auch ein Argument für Android-Nutzer, Apps nur vom offiziellen Android Market herunterzuladen.</em>"</p>
    <p>
    Ich plane seit Monaten die Anschaffung eines Android-Smartphones. Neben dem im Vergleich zum iPhone besseren Preis-Leistungs-Verhältnis ist ein Grund für die Android-Präferenz gerade die Tatsache, dass der Benutzer nicht so sehr bevormundet und zu&nbsp; "offiziell genehmigten" Anwendungen genötigt wird, wie bei Apple der Fall. Die in der Aussage steckende Tendenz konterkariert das jedoch geradezu. Nicht, dass ich Google nicht in der Pflicht sehe, über den eigenen App Store angebotene Software sorgfältig zu prüfen - insofern sollte der angekündigte Service eigentlich völlig selbstverständlich sein. Was mich daran stört, ist vielmehr die implizite Entwerung von allem, was nicht über den offiziellen App Store kommt, als irgendwie riskant oder halbseiden. Als mündiger Benutzer steht man nun mal in der Pflicht, beim Installieren von Software allgemeine Vorsichtsregeln zu beachten und den gesunden Menschenverstand einzuschalten. Warum sollte das bei Android anders sein als bei Desktop-Betriebssystemen?</p>

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Google | Android | Apple | Apps | Blog | Download
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