DebatteWir, die Netz-Kinder

Die junge Generation stört sich an traditionellen Geschäftsmodellen und Obrigkeitsdenken. "Das Wichtigste ist Freiheit", schreibt der polnische Dichter Piotr Czerski. von Piotr Czerski

Es gibt wohl keinen anderen Begriff, der im medialen Diskurs ähnlich überstrapaziert worden ist wie der Begriff "Generation". Ich habe einmal versucht, die "Generationen" zu zählen, die in den vergangenen zehn Jahren ausgerufen worden sind, seit diesem berühmten Artikel über die sogenannte "Generation Nichts". Ich glaube, es waren stolze zwölf. Eines hatten sie alle gemeinsam: Sie existierten nur auf dem Papier. In der Realität gab es diesen einzigartigen, greifbaren, unvergesslichen Impuls nicht, diese gemeinsame Erfahrung, durch die wir uns bleibend von allen vorangegangenen Generationen unterscheiden würden. Wir haben danach Ausschau gehalten, doch stattdessen kam der grundlegende Wandel unbemerkt, zusammen mit den Kabeln, mit denen das Kabelfernsehen das Land umspannte, der Verdrängung des Festnetzes durch das Mobiltelefon und vor allem mit dem allgemeinen Zugang zum Internet. Erst heute verstehen wir wirklich, wie viel sich in den vergangenen 15 Jahren verändert hat.

Wir, die Netz-Kinder, die mit dem Internet und im Internet aufgewachsen sind, wir sind eine Generation, welche die Kriterien für diesen Begriff gleichsam in einer Art Umkehrung erfüllt. Es gab in unserem Leben keinen Auslöser dafür, eher eine Metamorphose des Lebens selbst. Es ist kein gemeinsamer, begrenzter kultureller Kontext, der uns eint, sondern das Gefühl, diesen Kontext und seinen Rahmen frei definieren zu können.

Anzeige

Indem ich das so schreibe, ist mir bewusst, dass ich das Wort "wir" missbrauche. Denn unser "wir" ist veränderlich, unscharf – früher hätte man gesagt: vorläufig. Wenn ich "wir" sage, meine ich "viele von uns" oder "einige von uns". Wenn ich sage "wir sind", meine ich "es kommt vor, dass wir sind". Ich sage nur deshalb "wir", damit ich überhaupt über uns schreiben kann.

Erstens: Wir sind mit dem Internet und im Internet aufgewachsen. Darum sind wir anders. Das ist der entscheidende, aus unserer Sicht allerdings überraschende Unterschied: Wir "surfen" nicht im Internet und das Internet ist für uns kein "Ort" und kein "virtueller Raum". Für uns ist das Internet keine externe Erweiterung unserer Wirklichkeit, sondern ein Teil von ihr: eine unsichtbare, aber jederzeit präsente Schicht, die mit der körperlichen Umgebung verflochten ist.

Piotr Czerski
Piotr Czerski

Piotr Czerski, geboren 1981, ist ein polnischer Dichter, Autor, Musiker und Ex-Blogger. Mit seiner Band Towary Zastępcze ("Umtauschware") hat er zwei Alben veröffentlicht.

Czerski hat einen Abschluss in Informatik. Der Text ist zunächst auf Polnisch veröffentlicht worden, hier geht es zur polnischen Originalfassung. Eine englische Übersetzung gibt es hier. Der Artikel ist unter CC BY-SA 3.0 erschienen.

Wir benutzen das Internet nicht, wir leben darin und damit. Wenn wir euch, den Analogen, unseren "Bildungsroman" erzählen müssten, dann würden wir sagen, dass an allen wesentlichen Erfahrungen, die wir gemacht haben, das Internet als organisches Element beteiligt war. Wir haben online Freunde und Feinde gefunden, wir haben online unsere Spickzettel für Prüfungen vorbereitet, wir haben Partys und Lerntreffen online geplant, wir haben uns online verliebt und getrennt.

Das Internet ist für uns keine Technologie, deren Beherrschung wir erlernen mussten und die wir irgendwie verinnerlicht haben. Das Netz ist ein fortlaufender Prozess, der sich vor unseren Augen beständig verändert, mit uns und durch uns. Technologien entstehen und verschwinden in unserem Umfeld, Websites werden gebaut, sie erblühen und vergehen, aber das Netz bleibt bestehen, denn wir sind das Netz – wir, die wir darüber in einer Art kommunizieren, die uns ganz natürlich erscheint, intensiver und effizienter als je zuvor in der Geschichte der Menschheit.

Wir sind im Internet aufgewachsen, deshalb denken wir anders. Die Fähigkeit, Informationen zu finden, ist für uns so selbstverständlich wie für euch die Fähigkeit, einen Bahnhof oder ein Postamt in einer unbekannten Stadt zu finden. Wenn wir etwas wissen wollen – die ersten Symptome von Windpocken, die Gründe für den Untergang der Estonia oder warum unsere Wasserrechnung so verdächtig hoch erscheint – ergreifen wir Maßnahmen mit der Sicherheit eines Autofahrers, der über ein Navigationsgerät verfügt.

Wir wissen, dass wir die benötigten Informationen an vielen Stellen finden werden, wir wissen, wie wir an diese Stellen gelangen und wir können ihre Glaubwürdigkeit beurteilen. Wir haben gelernt zu akzeptieren, dass wir statt einer Antwort viele verschiedene Antworten finden, und aus diesen abstrahieren wir die wahrscheinlichste Version und ignorieren die unglaubwürdigen. Wir selektieren, wir filtern, wir erinnern – und wir sind bereit, Gelerntes auszutauschen gegen etwas Neues, Besseres, wenn wir darauf stoßen.

Für uns ist das Netz eine Art externe Festplatte. Wir müssen uns keine unnötigen Details merken: Daten, Summen, Formeln, Paragrafen, Straßennamen, genaue Definitionen. Uns reicht eine Zusammenfassung, der Kern, den wir brauchen, um die Information zu verarbeiten und mit anderen Informationen zu verknüpfen. Sollten wir Details benötigen, schlagen wir sie innerhalb von Sekunden nach.

Wir müssen auch keine Experten in allem sein, denn wir wissen, wie wir Menschen finden, die sich auf das spezialisiert haben, was wir nicht wissen, und denen wir vertrauen können. Menschen, die ihre Expertise nicht für Geld mit uns teilen, sondern wegen unserer gemeinsamen Überzeugung, dass Informationen ständig in Bewegung sind und frei sein wollen, dass wir alle vom Informationsaustausch profitieren. Und zwar jeden Tag: im Studium, bei der Arbeit, beim Lösen alltäglicher Probleme und wenn wir unseren Interessen nachgehen. Wir wissen, wie Wettbewerb funktioniert und wir mögen ihn. Aber unser Wettbewerb, unser Wunsch, anders zu sein, basiert auf Wissen, auf der Fähigkeit, Informationen zu interpretieren und zu verarbeiten – nicht darauf, sie zu monopolisieren.

Zweitens: Die Teilnahme am kulturellen Leben ist für uns keine Beschäftigung für den Feiertag. Die globale Kultur ist der Sockel unserer Identität, wichtiger für unser Selbstverständnis als Traditionen, die Geschichten unserer Ahnen, sozialer Status, die Herkunft oder sogar unsere Sprache. Aus dem Ozean der kulturellen Ereignisse fischen wir jene, die am besten zu uns passen, wir treten mit ihnen in Kontakt, wir bewerten sie und wir speichern unsere Bewertungen auf Websites, die genau zu diesem Zweck eingerichtet wurden und die uns außerdem andere Musikalben, Filme oder Spiele vorschlagen, die uns gefallen könnten.

Einige dieser Filme, Serien oder Videos schauen wir uns gemeinsam mit Kollegen an, oder aber mit Freunden aus aller Welt, unser Urteil über andere wird oft nur von einer kleinen Gruppe von Menschen geteilt, denen wir vielleicht niemals persönlich gegenüberstehen werden. Das ist der Grund für unser Gefühl, dass Kultur gleichzeitig global und individuell wird. Das ist der Grund, warum wir freien Zugang dazu brauchen.

Es bedeutet nicht, dass wir Zugang zu allen kulturellen Gütern verlangen, ohne dafür zahlen zu müssen – obwohl wir das, was wir selbst schaffen, meistens einfach nur in Umlauf bringen. Wir verstehen, dass Kreativität – trotz der zunehmenden Verbreitung von Technologien, mit denen jeder Mensch Film- oder Musikdateien in einer Qualität erstellen kann, die früher Profis vorbehalten war – immer noch Anstrengungen und Investitionen erfordert. Wir sind bereit zu zahlen, aber die gigantischen Aufschläge der Zwischenhändler erscheinen uns ganz einfach als unangemessen. Warum sollten wir für die Verbreitung von Informationen zahlen, die schnell und perfekt kopiert werden können, ohne den Wert des Originals auch nur um ein Jota zu verringern? Wenn wir nur die reine Information bekommen, verlangen wir einen angemessenen Preis. Wir sind bereit, mehr zu zahlen, aber dann erwarten wir auch mehr: eine interessante Verpackung, ein Gadget, höhere Qualität, die Option, es hier und jetzt anzuschauen, ohne warten zu müssen, bis die Datei heruntergeladen ist. Wir können durchaus Dankbarkeit zeigen und wir wollen den Künstler belohnen (seit Geld nicht mehr aus Papier besteht, sondern aus einer Reihe von Zahlen auf einem Bildschirm, ist das Bezahlen zu einem eher symbolischen Akt geworden, von dem eigentlich beide Seiten profitieren sollen), aber die Verkaufsziele irgendwelcher Konzerne interessieren uns kein bisschen. Es ist nicht unsere Schuld, dass ihr Geschäft in seiner traditionellen Form nicht mehr sinnvoll ist und dass sie, anstatt die Herausforderung zu akzeptieren und zu versuchen, uns mit etwas zu erreichen, das uns mehr bietet als wir umsonst haben können, entschieden haben, ihre veralteten Lösungen zu verteidigen.

Noch etwas: Wir wollen nicht für unsere Erinnerungen bezahlen. Die Filme, die uns an unsere Kindheit erinnern, die Musik, die uns vor zehn Jahren begleitet hat: In einem externen Netzgedächtnis sind sie einfach nur Erinnerungen. Sie hervorzurufen, sie auszutauschen, sie weiterzuentwickeln, das ist für uns so normal wie für euch die Erinnerung an Casablanca. Wir finden im Netz die Filme, die wir als Kinder gesehen haben und wir zeigen sie unseren Kindern, genauso wie ihr uns die Geschichte von Rotkäppchen oder Goldlöckchen erzählt habt. Könnt ihr euch vorstellen, dass euch jemand deswegen anklagt, gegen ein Gesetz verstoßen zu haben? Wir auch nicht.

Drittens: Wir sind es gewohnt, dass unsere Rechnungen automatisch bezahlt werden, solange unser Kontostand es erlaubt. Wir wissen, dass wir nur ein Onlineformular ausfüllen und einen Vertrag unterschreiben müssen, den uns ein Kurier liefert, wenn wir ein Konto eröffnen oder den Mobilfunkanbieter wechseln wollen. Dass sogar ein Kurztrip auf die andere Seite von Europa inklusive Stadtrundfahrt innerhalb von zwei Stunden organisiert werden kann. Deshalb sind wir, als Nutzer des Staates, zunehmend verärgert über seine archaische Benutzeroberfläche. Wir verstehen nicht, warum wir für die Steuererklärung mehrere Formulare ausfüllen müssen, von denen das zentrale mehr als einhundert Fragen beinhaltet. Wir verstehen nicht, warum wir einen festen Wohnsitz (absurd genug, so etwas überhaupt haben zu müssen) erst förmlich abmelden müssen, bevor wir uns an einem anderen anmelden können – als könnten die Behörden diese Sache nicht auch ohne unser Eingreifen regeln.

In uns steckt nichts mehr von jener aus Scheu geborenen Überzeugung unserer Eltern, dass Amtsdinge von überaus großer Bedeutung und die mit dem Staat zu regelnden Angelegenheiten heilig sind. Diesen Respekt, verwurzelt in der Distanz zwischen dem einsamen Bürger und den majestätischen Höhen, in denen die herrschende Klasse residiert, kaum sichtbar da oben in den Wolken, den haben wir nicht. Unser Verständnis von sozialen Strukturen ist anders als eures: Die Gesellschaft ist ein Netzwerk, keine Hierarchie. Wir sind es gewohnt, das Gespräch mit fast jedem suchen zu dürfen, sei er Journalist, Bürgermeister, Universitätsprofessor oder Popstar, und wir brauchen keine besonderen Qualifikationen, die mit unserem sozialen Status zusammenhängen. Der Erfolg der Interaktion hängt einzig davon ab, ob der Inhalt unserer Botschaft als wichtig und einer Antwort würdig angesehen wird. Und da wir, dank Zusammenarbeit, ständigem Streit und dem Verteidigen unserer Argumente gegen Kritik das Gefühl haben, dass unsere Meinungen einfach die besseren sind, warum sollten wir dann keinen ernsthaften Dialog mit der Regierung erwarten dürfen?

Wir fühlen keinen religiösen Respekt für die "demokratischen Institutionen" in ihrer derzeitigen Form, wir glauben nicht an ihre unumstößliche Rolle, wie es diejenigen tun, die alle "demokratischen Institutionen" als Denkmäler betrachten, die sie selbst bauen und die zugleich für sie selbst gebaut werden. Wir brauchen keine Denkmäler. Wir brauchen ein System, das unsere Erwartungen erfüllt, ein transparentes und funktionierendes System. Und wir haben gelernt, dass Veränderung möglich ist: dass jedes in der Handhabung umständliche System ersetzt werden kann und ersetzt wird durch eines, das effizienter ist, das besser an unsere Bedürfnissen angepasst ist und uns mehr Handlungsmöglichkeiten gibt.

Was uns am wichtigsten ist, ist Freiheit. Redefreiheit, freier Zugang zu Information und zu Kultur. Wir glauben, das Internet ist dank dieser Freiheit zu dem geworden, was es ist, und wir glauben, dass es unsere Pflicht ist, diese Freiheit zu verteidigen. Das schulden wir den kommenden Generationen, so wie wir es ihnen schulden, die Umwelt zu schützen.

Vielleicht haben wir noch keinen Namen dafür, vielleicht sind wir uns dessen noch nicht vollständig bewusst, aber wahrscheinlich ist das, was wir wollen, eine wahre und tatsächliche Demokratie. Eine Demokratie, wie sie sich vielleicht nicht einmal eure Journalisten erträumt haben.

Übersetzung: Patrick Beuth, Andre Rudolph

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • armatus
    • 23. Februar 2012 21:34 Uhr

    Sie werden es jetzt nicht wahrhaben wollen, aber wir, diese gratis schmarotzer, http://www.heise.de/tp/bl... gehen überdurchschnittlich oft ins kino. Wir schätzen Kultur genauso wie Sie, nur wurde uns ermöglicht einen Reichtum an Kultur zu entdecken, der jegliches Vorstellungsvermögen sprengt...Und wie schon beschrieben, hat diese industrie ein reines Service-Problem. Ich habe mir gestern ein Spiel VORbestellt und ich weiß jetzt schon, das ich bevor das Spiel hier eintrifft eine schnelle downloadversion haben werden, wo freundliche cracker freiwillig sich die arbeit gemacht haben die onlineüberwachung auszuschalten. Wir wollen musik,filme und Spiele, und wir bezahlen dafür. Was wir nicht machen ist den Zwischendealern 80% der einnahmen hinzulegen, dafür hat uns das internet zu gut erzogen!

  1. Erinnerungen. Alte Filme = Filme die eben nicht mehr im Kino laufen und bei denen es seltsam erscheint, dass sie immer noch so teuer sind. Oder würden Sie für die DvD oder den Download eines technisch veralteten Films, den Sie gesehen haben als sie elf Jahre alt waren, noch genausoviel bezahlen wie damals als sie stolz das Video in den Händen hielten? Ich finde jede Arbeit soll entlohnt werden und natürlich soll man bezahlen wenn man ins Kino geht oder sich einen Film herunterlädt, aber Geldmacherei mit uralten Produkten die nur noch einen emotionalen oder kulturgeschichtlichen Wert haben ist doch Schade, nicht wahr?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • ofos
    • 23. Februar 2012 21:55 Uhr

    Deine Argumentation ist also: Da ich mit dem traditionellen Vermarktungsmodell für cineastische Produkte nicht einverstanden bin, habe ich das Recht, diese zu stehlen. Analog: Da der Supermarkt 80 % auf seinen Einkaufspreis aufschlägt, die ich nicht zu zahlen bereit bin, darf ich die Schokolade stehlen. Das ist wohl der wesentliche Unterschied: Meine Generation hat noch gelernt, daß man auf das, was man nicht kaufen kann oder will, eben verzichtet.

    Am hübschesten finde ich: "nur noch einen emotionalen oder kulturgeschichtlichen Wert" haben. Welchen denn sonst? Und wieso nur? Gerade darum sollte jemanden, der dies schafft, ein Obolus gezollt werden. Auch die "Vertriebe", also die Marketingleute und Logistiker, leisten ihren Beitrag.

    Was allerdings überflüssig ist wie ein Blutegel am A...Arm, das sind die Rechteaufkäufer, die sich ein Quasimonopol sichern, den Künstler beschei..den halten und mit ihrer Rechtsabteilung noch mehr raushauen. Ein Buch darf nach 80 Jahren frei nachgedruckt werden, da zahlt man dann die Aufmachung und das Lektorat. Digital wäre dann der Server für den Download verständlich.

    • Unimaas
    • 23. Februar 2012 21:37 Uhr

    Alle die 15-20€ fuer einen schoenen Kinoabend mit Popkorn und Cola ausgeben und sagen illegal Filme laden ist so schlecht, sollten mal an der unteren Grenze der Gehaltsliste stehen (sei es wegen Jugend oder schlechten Wirtschaftlichen Zeiten).

    Ich kann mir das schlichtweg nicht leisten. Auch ein 400€ Fernseher ist zu teuer. Laptop ist allerdings unbedingt notwengig fuer Studium und Beruf (Ich bringe meinen eigenen Laptop jeden Morgen mit zum Job...)

    ALso wenn ich zwischen zu teuer/unbezahlbar und illegal waehlen muss, dann gibt es eigentlich nur eine Option.

    Die Tatsache da sso viele illegal runterladen sollte der Industrie eigentlich ein Zeichen sein das viel viel viel mehr Leute INTERESSE and den Filmen/Serien/Musik haben...aber der "Marktpreis" nicht zahlen wollen/koennen.

    Loesung? Preise senken und mehr Leute zahlen auch wieder....denn die meisten sind bereit zu zahlen, aber nur einen angemessenen Preis. Spiegelt der Markt nicht den Wert der Leistung wieder, dann umgehen Menschen diesen Preis (abzocke).

    99Cent per Song auf itunes? Ich bitte Sie... Bei einem 3-minuten Song sind das 20SOngs/Stunde... also 100Songs (100€) fuer eine 5Stunden Gartenparty mit Grillen und Tanz.
    Ziemlich teuerer Abend.... Und dazu kommt das Gewissen dass ein Kuenstler Million ueber Millionen mit einem Einzigen Song macht der innerhalb ein paar Stunden geschrieben und innerhalb ein paar Tage aufgenommen wurde...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Vöbeo
    • 23. Februar 2012 22:01 Uhr

    Sie können die Lieder mehrmals hören, nicht nur an einem Abend.

    Fernseher gibt es deutlich günstiger als für 400 Euro.

    Wer kein Geld hat, kann eben nicht ins Kino gehen oder muss auf Popcorn verzichten. So einfach ist das. Unglaublich diese Mentalität.

    • armatus
    • 23. Februar 2012 21:38 Uhr
    36. Nr. 33

    http://www.heise.de/tp/bl... lesen sie sich bitte die antworten hier mal durch. Es klingt schon fasst überheblich wie "ihre Generation" über uns redet...
    und das ganze ohne smiley, puhh ;)

    Antwort auf "Dankeschön!"
    • Nibbla
    • 23. Februar 2012 21:41 Uhr

    Jeder wird sich warsch mit Freude an gewisse Dinge aus der Jugend zurückerinnern. Das nennt sich Nostalgie. Und nicht alles Moderne muss automatisch gut sein.

    Aber paar Dinge die ich heute besser empfinde als früher (wann auch immer man früher ansetzt) und muss jetzt nicht mit Internet zu tun haben:

    Mehr Rechte für Homosexuelle (Ein Alan Turing durfte sich noch entscheiden ob er Hormone schluckt oder in den Knast geht).
    Man kann Vegetarier sein ohne als absoluter weltfremder Vollidiot zu gelten.
    Die Rechte von Frau und Mann gleichen sich an.
    Auch gewisse grüne Ideen gelten nicht mehr als absolut Dumm.
    Rasse wird immer unwichtiger.
    Religion ist unwichtig. (Bin ein Freund der Aufklärung)
    Und das Internet ist eine wunderbare Alternative zum TV-Programm, welches ich unerträglich finde.

    Antwort auf "Ist es heute besser?"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Tja, dann sollten Sie auch zur Kenntnis nehmen, dass die Zeit der Aufklärung nur durch die Religion überleben kann, da die Vernunft allein keine Weltkontingenz und damit keinen tieferen Sinn erschaffen kann.

  2. ... in fast allen Punkten zu, mit Ausnahme eines einzigen, aber entscheidenden:

    "die filme, für die ich allerdings keine 15€ ausgeben möchte, schaue ich mir im netz an und kaufe sie mir, wenn sie gut sind, später auf dvd. das ist, finde ich mein gutes recht und absolut vernünftig!"

    Das ist vernünftig, aber ein Grunddenkfehler: Es ist nicht Ihr gutes Recht. Sie müssten, wenn alles mit Rechten Dingen zugeht, selbstverständlich auch Geld bezahlen müssen für einen Film, der Ihnen nicht gefällt, wenn Sie ihn sehen wollen. Dass Sie sich dann darüber ärgern, hat damit nichts zu tun.

    Ich hatte kürzlich eine Diskussion mit einer Kollegin, die sich mal wieder darüber aufgeregt hat, dass sie sich im Netz ein bestimmtes Lied nicht anhören kann. Sie sagte, wortwörtlich: "Ich will es doch nicht HABEN, ich will es doch nur HÖREN."

    Es war mir nicht möglich, ihr verständlich zu machen, dass das in diesem Fall identisch miteinander ist.
    Einen Inhalt NUTZEN zu wollen, heißt, ihn VORHER zu kaufen. Und nicht nur dann im Nachinein, wenn er einem gefällt und man ihn eventuell noch einmal nutzen will.

    Antwort auf "sie sind..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie schreiben: "Einen Inhalt NUTZEN zu wollen, heißt, ihn VORHER zu kaufen."

    Genau das ist das überholte Geschäftsmodell der Inhalte-Verwerter-Industrie!

    Früher mußte man zähneknirschend die Katze im Sack kaufen, heute eben nicht mehr! Sie haben doch auch ein Rückgaberecht ohne Angabe von Gründen für materielle Sachen, die Sie im Internet (bzw. Fernabsatz) erwerben (wollen). Warum nicht erst recht für immaterielle Güter, bei denen auch dem Vertreiber deutlich geringere Kosten entstehen, als bei materiellen Gütern?

    Und warum muß der "Inhalt" immer wieder neu erworben werden, nur weil die CD auch auf dem MP3-Player gehört werden will? Private Kopie ist ja seit den ganzen Kopierschutzmechanismen und entspr. Gesetzen auch nicht mehr erlaubt. Nur die Pauschalabgabe auf jeden Rohling etc. muß munter weiter bezahlt werden!

    Um auf Ihr Beispiel mit der Musik einzugehen: Wie gehen Sie beim Musikkauf vor? Denken Sie sich "Hey, der Name von der Band gefällt mir, ich kauf mir mal das Album und schau ob mir ihre Musik auch gefällt"? Sicher nicht. Sie hören ein Lied im Radio oder sonstwo, es gefällt Ihnen und Sie kaufen daraufhin die Single oder, wenn Sie etwas "risikofreudiger" sind, das Album von dem das Lied stammt. Bei Letzterem haben wir nun das Problem mit der Katze im Sack. Hierzu ein anderes Beispiel: Der Autokauf. Niemand kauft ein Auto ohne eine Probefahrt gemacht zu haben und in diesem Fall ist das auch ganz normal. Vermutlich wegen des hohen Preises den ein Auto hat. Man will schließlich wissen, wie es sich fährt, nicht nur wie es aussieht, ersteres ist ja wichtiger. Hierbei heißt es auch nicht "Sie sind mal einen Polo gefahren? Dann wissen Sie ja wie sich ein VW fährt, den Touran dürfen Sie deshalb nicht vor dem Kauf probefahren". Bei Musik soll ich das jetzt aber plötzlich machen? Ein Album kaufen ohne 12 der 13 Songs gehört zu haben, nur weil der 13. ab und zu im Radio läuft? Das sehe ich nicht ein. Im Musikgeschäft kann man CDs auch komplett anhören und sich dann entscheiden, warum also nicht im Internet?

  3. Da ich von den Anfängen des Internet mit dabei war, zu Zeiten, in denen nur wichtige Information ausgetauscht wurde, kann ich eigentlich nur feststellen, dass hier immer mehr ein Austausch von komplett überflüssiger Information im Netz stattfindet. Wer das für sein Leben für essentiell hält, der tut mir leid...

    Der Mensch hat sich immer nur im direkten persönlichen Austauch mit anderen sein wirkliches Selbst entwickelt und das wird auch immer so bleiben. Die Mystik des Neuen, die die Mystik der religiösen Symbolik abgelöst hat, kann nur überleben, wenn sie immer etwas Neues und wieder etwas Neues bringt, bis als einzige Freiheit übrigbleibt, zwei Sekunden früher als die Anderen die zukünftige Neuheit erfahren zu haben. Die Aufgabe der Unabhängigkeit, wenn man sich komplett auf die digitale Welt einlässt hat nur zur Folge, dass sich die Abhängigkeiten erhöhen, was zu einem immer höheren Moralismus führt, da man sich ja auf den Rest verlassen können muss. Das ist keine Freiheit, das ist nur der Schein einer Freiheit.

    Und jeder, der denkt, dass sich die Demokratie erst recht entfaltet, wenn jeder mitreden darf, hat sich schon immer geirrt. Diese Diskussion gab's schon zu Platons Zeiten, dann zu Zeiten von Max Weber und jetzt wieder. Und immer mehr merkt man, dass das, was man früher "Dummheit" genannt hat, die Diskussion an sich zieht, da der Mensch emotional ist... Und am Schluss regieren dann nur noch die Correctness-Wächter (siehe Hermann Lübbe)

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service