DebatteWir, die Netz-Kinder

Die junge Generation stört sich an traditionellen Geschäftsmodellen und Obrigkeitsdenken. "Das Wichtigste ist Freiheit", schreibt der polnische Dichter Piotr Czerski. von Piotr Czerski

Es gibt wohl keinen anderen Begriff, der im medialen Diskurs ähnlich überstrapaziert worden ist wie der Begriff "Generation". Ich habe einmal versucht, die "Generationen" zu zählen, die in den vergangenen zehn Jahren ausgerufen worden sind, seit diesem berühmten Artikel über die sogenannte "Generation Nichts". Ich glaube, es waren stolze zwölf. Eines hatten sie alle gemeinsam: Sie existierten nur auf dem Papier. In der Realität gab es diesen einzigartigen, greifbaren, unvergesslichen Impuls nicht, diese gemeinsame Erfahrung, durch die wir uns bleibend von allen vorangegangenen Generationen unterscheiden würden. Wir haben danach Ausschau gehalten, doch stattdessen kam der grundlegende Wandel unbemerkt, zusammen mit den Kabeln, mit denen das Kabelfernsehen das Land umspannte, der Verdrängung des Festnetzes durch das Mobiltelefon und vor allem mit dem allgemeinen Zugang zum Internet. Erst heute verstehen wir wirklich, wie viel sich in den vergangenen 15 Jahren verändert hat.

Wir, die Netz-Kinder, die mit dem Internet und im Internet aufgewachsen sind, wir sind eine Generation, welche die Kriterien für diesen Begriff gleichsam in einer Art Umkehrung erfüllt. Es gab in unserem Leben keinen Auslöser dafür, eher eine Metamorphose des Lebens selbst. Es ist kein gemeinsamer, begrenzter kultureller Kontext, der uns eint, sondern das Gefühl, diesen Kontext und seinen Rahmen frei definieren zu können.

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Indem ich das so schreibe, ist mir bewusst, dass ich das Wort "wir" missbrauche. Denn unser "wir" ist veränderlich, unscharf – früher hätte man gesagt: vorläufig. Wenn ich "wir" sage, meine ich "viele von uns" oder "einige von uns". Wenn ich sage "wir sind", meine ich "es kommt vor, dass wir sind". Ich sage nur deshalb "wir", damit ich überhaupt über uns schreiben kann.

Erstens: Wir sind mit dem Internet und im Internet aufgewachsen. Darum sind wir anders. Das ist der entscheidende, aus unserer Sicht allerdings überraschende Unterschied: Wir "surfen" nicht im Internet und das Internet ist für uns kein "Ort" und kein "virtueller Raum". Für uns ist das Internet keine externe Erweiterung unserer Wirklichkeit, sondern ein Teil von ihr: eine unsichtbare, aber jederzeit präsente Schicht, die mit der körperlichen Umgebung verflochten ist.

Piotr Czerski
Piotr Czerski

Piotr Czerski, geboren 1981, ist ein polnischer Dichter, Autor, Musiker und Ex-Blogger. Mit seiner Band Towary Zastępcze ("Umtauschware") hat er zwei Alben veröffentlicht.

Czerski hat einen Abschluss in Informatik. Der Text ist zunächst auf Polnisch veröffentlicht worden, hier geht es zur polnischen Originalfassung. Eine englische Übersetzung gibt es hier. Der Artikel ist unter CC BY-SA 3.0 erschienen.

Wir benutzen das Internet nicht, wir leben darin und damit. Wenn wir euch, den Analogen, unseren "Bildungsroman" erzählen müssten, dann würden wir sagen, dass an allen wesentlichen Erfahrungen, die wir gemacht haben, das Internet als organisches Element beteiligt war. Wir haben online Freunde und Feinde gefunden, wir haben online unsere Spickzettel für Prüfungen vorbereitet, wir haben Partys und Lerntreffen online geplant, wir haben uns online verliebt und getrennt.

Das Internet ist für uns keine Technologie, deren Beherrschung wir erlernen mussten und die wir irgendwie verinnerlicht haben. Das Netz ist ein fortlaufender Prozess, der sich vor unseren Augen beständig verändert, mit uns und durch uns. Technologien entstehen und verschwinden in unserem Umfeld, Websites werden gebaut, sie erblühen und vergehen, aber das Netz bleibt bestehen, denn wir sind das Netz – wir, die wir darüber in einer Art kommunizieren, die uns ganz natürlich erscheint, intensiver und effizienter als je zuvor in der Geschichte der Menschheit.

Wir sind im Internet aufgewachsen, deshalb denken wir anders. Die Fähigkeit, Informationen zu finden, ist für uns so selbstverständlich wie für euch die Fähigkeit, einen Bahnhof oder ein Postamt in einer unbekannten Stadt zu finden. Wenn wir etwas wissen wollen – die ersten Symptome von Windpocken, die Gründe für den Untergang der Estonia oder warum unsere Wasserrechnung so verdächtig hoch erscheint – ergreifen wir Maßnahmen mit der Sicherheit eines Autofahrers, der über ein Navigationsgerät verfügt.

Wir wissen, dass wir die benötigten Informationen an vielen Stellen finden werden, wir wissen, wie wir an diese Stellen gelangen und wir können ihre Glaubwürdigkeit beurteilen. Wir haben gelernt zu akzeptieren, dass wir statt einer Antwort viele verschiedene Antworten finden, und aus diesen abstrahieren wir die wahrscheinlichste Version und ignorieren die unglaubwürdigen. Wir selektieren, wir filtern, wir erinnern – und wir sind bereit, Gelerntes auszutauschen gegen etwas Neues, Besseres, wenn wir darauf stoßen.

Für uns ist das Netz eine Art externe Festplatte. Wir müssen uns keine unnötigen Details merken: Daten, Summen, Formeln, Paragrafen, Straßennamen, genaue Definitionen. Uns reicht eine Zusammenfassung, der Kern, den wir brauchen, um die Information zu verarbeiten und mit anderen Informationen zu verknüpfen. Sollten wir Details benötigen, schlagen wir sie innerhalb von Sekunden nach.

Wir müssen auch keine Experten in allem sein, denn wir wissen, wie wir Menschen finden, die sich auf das spezialisiert haben, was wir nicht wissen, und denen wir vertrauen können. Menschen, die ihre Expertise nicht für Geld mit uns teilen, sondern wegen unserer gemeinsamen Überzeugung, dass Informationen ständig in Bewegung sind und frei sein wollen, dass wir alle vom Informationsaustausch profitieren. Und zwar jeden Tag: im Studium, bei der Arbeit, beim Lösen alltäglicher Probleme und wenn wir unseren Interessen nachgehen. Wir wissen, wie Wettbewerb funktioniert und wir mögen ihn. Aber unser Wettbewerb, unser Wunsch, anders zu sein, basiert auf Wissen, auf der Fähigkeit, Informationen zu interpretieren und zu verarbeiten – nicht darauf, sie zu monopolisieren.

Zweitens: Die Teilnahme am kulturellen Leben ist für uns keine Beschäftigung für den Feiertag. Die globale Kultur ist der Sockel unserer Identität, wichtiger für unser Selbstverständnis als Traditionen, die Geschichten unserer Ahnen, sozialer Status, die Herkunft oder sogar unsere Sprache. Aus dem Ozean der kulturellen Ereignisse fischen wir jene, die am besten zu uns passen, wir treten mit ihnen in Kontakt, wir bewerten sie und wir speichern unsere Bewertungen auf Websites, die genau zu diesem Zweck eingerichtet wurden und die uns außerdem andere Musikalben, Filme oder Spiele vorschlagen, die uns gefallen könnten.

Einige dieser Filme, Serien oder Videos schauen wir uns gemeinsam mit Kollegen an, oder aber mit Freunden aus aller Welt, unser Urteil über andere wird oft nur von einer kleinen Gruppe von Menschen geteilt, denen wir vielleicht niemals persönlich gegenüberstehen werden. Das ist der Grund für unser Gefühl, dass Kultur gleichzeitig global und individuell wird. Das ist der Grund, warum wir freien Zugang dazu brauchen.

Es bedeutet nicht, dass wir Zugang zu allen kulturellen Gütern verlangen, ohne dafür zahlen zu müssen – obwohl wir das, was wir selbst schaffen, meistens einfach nur in Umlauf bringen. Wir verstehen, dass Kreativität – trotz der zunehmenden Verbreitung von Technologien, mit denen jeder Mensch Film- oder Musikdateien in einer Qualität erstellen kann, die früher Profis vorbehalten war – immer noch Anstrengungen und Investitionen erfordert. Wir sind bereit zu zahlen, aber die gigantischen Aufschläge der Zwischenhändler erscheinen uns ganz einfach als unangemessen. Warum sollten wir für die Verbreitung von Informationen zahlen, die schnell und perfekt kopiert werden können, ohne den Wert des Originals auch nur um ein Jota zu verringern? Wenn wir nur die reine Information bekommen, verlangen wir einen angemessenen Preis. Wir sind bereit, mehr zu zahlen, aber dann erwarten wir auch mehr: eine interessante Verpackung, ein Gadget, höhere Qualität, die Option, es hier und jetzt anzuschauen, ohne warten zu müssen, bis die Datei heruntergeladen ist. Wir können durchaus Dankbarkeit zeigen und wir wollen den Künstler belohnen (seit Geld nicht mehr aus Papier besteht, sondern aus einer Reihe von Zahlen auf einem Bildschirm, ist das Bezahlen zu einem eher symbolischen Akt geworden, von dem eigentlich beide Seiten profitieren sollen), aber die Verkaufsziele irgendwelcher Konzerne interessieren uns kein bisschen. Es ist nicht unsere Schuld, dass ihr Geschäft in seiner traditionellen Form nicht mehr sinnvoll ist und dass sie, anstatt die Herausforderung zu akzeptieren und zu versuchen, uns mit etwas zu erreichen, das uns mehr bietet als wir umsonst haben können, entschieden haben, ihre veralteten Lösungen zu verteidigen.

Noch etwas: Wir wollen nicht für unsere Erinnerungen bezahlen. Die Filme, die uns an unsere Kindheit erinnern, die Musik, die uns vor zehn Jahren begleitet hat: In einem externen Netzgedächtnis sind sie einfach nur Erinnerungen. Sie hervorzurufen, sie auszutauschen, sie weiterzuentwickeln, das ist für uns so normal wie für euch die Erinnerung an Casablanca. Wir finden im Netz die Filme, die wir als Kinder gesehen haben und wir zeigen sie unseren Kindern, genauso wie ihr uns die Geschichte von Rotkäppchen oder Goldlöckchen erzählt habt. Könnt ihr euch vorstellen, dass euch jemand deswegen anklagt, gegen ein Gesetz verstoßen zu haben? Wir auch nicht.

Drittens: Wir sind es gewohnt, dass unsere Rechnungen automatisch bezahlt werden, solange unser Kontostand es erlaubt. Wir wissen, dass wir nur ein Onlineformular ausfüllen und einen Vertrag unterschreiben müssen, den uns ein Kurier liefert, wenn wir ein Konto eröffnen oder den Mobilfunkanbieter wechseln wollen. Dass sogar ein Kurztrip auf die andere Seite von Europa inklusive Stadtrundfahrt innerhalb von zwei Stunden organisiert werden kann. Deshalb sind wir, als Nutzer des Staates, zunehmend verärgert über seine archaische Benutzeroberfläche. Wir verstehen nicht, warum wir für die Steuererklärung mehrere Formulare ausfüllen müssen, von denen das zentrale mehr als einhundert Fragen beinhaltet. Wir verstehen nicht, warum wir einen festen Wohnsitz (absurd genug, so etwas überhaupt haben zu müssen) erst förmlich abmelden müssen, bevor wir uns an einem anderen anmelden können – als könnten die Behörden diese Sache nicht auch ohne unser Eingreifen regeln.

In uns steckt nichts mehr von jener aus Scheu geborenen Überzeugung unserer Eltern, dass Amtsdinge von überaus großer Bedeutung und die mit dem Staat zu regelnden Angelegenheiten heilig sind. Diesen Respekt, verwurzelt in der Distanz zwischen dem einsamen Bürger und den majestätischen Höhen, in denen die herrschende Klasse residiert, kaum sichtbar da oben in den Wolken, den haben wir nicht. Unser Verständnis von sozialen Strukturen ist anders als eures: Die Gesellschaft ist ein Netzwerk, keine Hierarchie. Wir sind es gewohnt, das Gespräch mit fast jedem suchen zu dürfen, sei er Journalist, Bürgermeister, Universitätsprofessor oder Popstar, und wir brauchen keine besonderen Qualifikationen, die mit unserem sozialen Status zusammenhängen. Der Erfolg der Interaktion hängt einzig davon ab, ob der Inhalt unserer Botschaft als wichtig und einer Antwort würdig angesehen wird. Und da wir, dank Zusammenarbeit, ständigem Streit und dem Verteidigen unserer Argumente gegen Kritik das Gefühl haben, dass unsere Meinungen einfach die besseren sind, warum sollten wir dann keinen ernsthaften Dialog mit der Regierung erwarten dürfen?

Wir fühlen keinen religiösen Respekt für die "demokratischen Institutionen" in ihrer derzeitigen Form, wir glauben nicht an ihre unumstößliche Rolle, wie es diejenigen tun, die alle "demokratischen Institutionen" als Denkmäler betrachten, die sie selbst bauen und die zugleich für sie selbst gebaut werden. Wir brauchen keine Denkmäler. Wir brauchen ein System, das unsere Erwartungen erfüllt, ein transparentes und funktionierendes System. Und wir haben gelernt, dass Veränderung möglich ist: dass jedes in der Handhabung umständliche System ersetzt werden kann und ersetzt wird durch eines, das effizienter ist, das besser an unsere Bedürfnissen angepasst ist und uns mehr Handlungsmöglichkeiten gibt.

Was uns am wichtigsten ist, ist Freiheit. Redefreiheit, freier Zugang zu Information und zu Kultur. Wir glauben, das Internet ist dank dieser Freiheit zu dem geworden, was es ist, und wir glauben, dass es unsere Pflicht ist, diese Freiheit zu verteidigen. Das schulden wir den kommenden Generationen, so wie wir es ihnen schulden, die Umwelt zu schützen.

Vielleicht haben wir noch keinen Namen dafür, vielleicht sind wir uns dessen noch nicht vollständig bewusst, aber wahrscheinlich ist das, was wir wollen, eine wahre und tatsächliche Demokratie. Eine Demokratie, wie sie sich vielleicht nicht einmal eure Journalisten erträumt haben.

Übersetzung: Patrick Beuth, Andre Rudolph

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Leserkommentare
  1. Die perfekte Antwort auf die aktuelle ACTA Debatte!
    Besser könnte man es kaum schreiben

  2. "Es mag für meine Generation unverständlich sein, was ich getan habe."
    für mich und einige andere, die ich kenne gar nicht. :-) Bin nur geringfügig jünger und unterbreche für diese Antwort gerne mal BF3. Wie heißt noch dieser schöne alte Spruch jeder älter werdenden Generation? "Jeder ist nur so alt, wie er sich fühlt." ;-)
    Ich habe in meinen langjährigen Netzspielen sehr viele interessante und zugegebenermaßen noch viel mehr uninteressante Leute kennengelernt, aber da ist es ja tatsächlich wie im richtigen Leben!
    Das virtuelle Leben ist für mich eine wichtige Ergänzung und ohne mich als süchtig auten zu wollen, würde mir ohne dies doch ein großes Stück Lebensqualität abhanden kommen.

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    Zitat:"Das virtuelle Leben ist für mich eine wichtige Ergänzung und ohne mich als süchtig auten zu wollen, würde mir ohne dies doch ein großes Stück Lebensqualität abhanden kommen."

    So sehe ich das auch, denn ich hätte nie meine kleinbürgerliche Umgebung verlassen, wenn ich nicht durch das Internet auf die Welt aufmerksam geworden wäre und nicht durch "virtuelle" und inzwischen auch "reale" Freunde darauf hin gewiesen worden wäre wie übel mein Leben damals war :-)

    *Anmerkung* Es wird allerhöchste Zeit für Diablo3 ;-)

    • Unimaas
    • 23. Februar 2012 22:23 Uhr

    @62

    Nein, alles ist anders und keiner sollte dafuer bezahlen. Oder es sollte eine "flatrate" eingefuehrt werden....

    TV kostet kaum etwas im Vergleich zu den Preisen wleche fuer Online-Filme und Serien verlang werden...

    Zahlen Sie mal 5€ per Film im TV, und dann koennen wir gerne mal weiterdiskutieren. Ihr "Feierabend" wuerde dann ganz schnell ganz anders aussehen...

    Die juengere Generation ist schlichtweg auf ein Medium umgestiegen, welches momentan aufgrund fehlender Regulation/Subventionen/Neuheit Finanziell extrem ausgebeutet wird. Ich hoff (und bin ueberzeugt davon) das der Markt sich in den kommenden Jahren einspielen wird (speatestens wenn "unsere" Generation im Vorstand der jeweiligen Konzerne sitzt).

    Es gibt eine vielzahl guter "fairer" Marketingideen fuers Internet....nur scheint mir Lobbyismus eine einfachere und finanziell bessere loesung fuer die Konzerne zu sein.

    Schade.

  3. geht es eher nicht darum älteren die Fähigkeit abzusprechen das Internet zu benutzen, sondern vielmehr darum, dass viele ältere Leute sich an 'eine Zeit vor dem Internet' erinnern können und desshalb mit einer anderen Mentalität daran gehen und zwischen Leben mit und ohne Internet differenzeieren können. Das alles soll gar nicht wertend gemeint sein. Mein Opa benutzt das Internet und ich möchte sagen, dass er genau weiß wie das geht. Aber wenn wir am Tisch sitzen und man mal schnell was nachgucken will holt er das Lexikon von 1975. Das ist genau wie Armabanduhr tragen. Wenn jemand fragt wie spät es ist gucken die meisten jüngeren aufs Handy und viele ältere auf ihren Arm. Letztendlich wissen alle wie spät es ist.

    Antwort auf "Rücksitzgeneration"
  4. ...oder?

    Wir sind bereit zu zahlen, nur nicht den Preis, den uns irgendwelche Konzerne vorschreiben, weil sie in alten Strukturen denken und einfach deren Modelle auf das Internet übertragen!
    Sie wollen uns am besten eine mp3 verkaufen (wobei trifft es nicht so, weil die mp3 mit DRM ist und sobald sie nicht mehr da sind, ist die Datei auch nichts mehr wert), dazu noch die CD, dazu noch die Schaltplatte usw.

    Wie ich schon vorhin schrieb, ich habe einen iTunes Match Account und zahle dort jährlich etwas ein, was ich absolut in Ordnung finde (25 Euro im Jahr für 25.000 Songs) das Zeug gehört mir auch so lange ich dafür zahle, danach nicht mehr! So wie ich an diese Dateien herankomme interessiert mich ehrlich gesagt nicht, ich zahle eine Miete dafür und ich muss nicht mehr jeden Mist besitzen mir reicht, wenn ich es zu einem akzeptablen Preis miete!

    Ich hatte in den Zeiten von Napster über 100GB mp3's auf der Platte, waren auch viele gute Sachen dabei, da bin ich halt statt für die CD Geld rauszuwerfen zu den Konzerten hin und habe auch ein paar Fanartikeln gekauft, die CD an sich war mir aber net so wichtig, dass ich sie gekauft hätte. Ich hätte dann vll kein Geld für das Konzert usw. gehabt. Für mich ist es eben nicht mehr wichtig etwas zu besitzen und meine Räume und mein Leben voll zu müllen!
    Es reicht wenn ich es einfach mal, wenn ich die Lust habe anhören kann. Vor iTunes Match habe ich sogar fast 2 Jahre gar nicht mehr auf der Platte gehabt.

    Antwort auf "Rücksitzgeneration"
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    Lieder/CDs, Filme und Spiele die ich bereits schon mal erworben habe lade ich mit gutem gewissen runter, denn ich habe sie schon mal bezahlt.

    Wie viele Beispiele gibt es, wo Musiker von Produzenten abgezoggt wurden...eben diese Produzenten profitieren immer noch, selbst nach deren Tod davon. Es gibt genügend Beispiele. Die Meisten Musiker die ich höre habe ich schon auf Festivals gesehen, demnach auch bezahlt.

  5. zeigt sich, wie hoch der Wert der Arbeit eingeschätzt werden muss. Die Preise sind sehr hoch und der kostenlose Zugang für wissenschaftlich tätige Menschen ist nur möglich, weil der Steuerzahler die Kosten aus den Verträgen aufbringt. Wer als Privatnutzer solche Dokumente bezieht, kennt die Preise und weiß, was das kostet.

    Dass sich Menschen in anderen Bereichen glauben, kostenlos bedienen zu können, hat vor allem mit den derzeitigen technischen Möglichkeiten zu tun und weniger mit dem Wert oder dem Aufwand, den man erbringen muss eine Idee zu produzieren.

    Wir stehen noch am Anfang im Bereich von Verwertungsmodellen und Nachvollziehbarkeit der Zugriffe und dass sich die alles-kostenlos-weil-es-so-einfach-ist-Idee durchsetzt, halte ich für einen Wunsch, der aber kaum in Erfüllung gehen dürfte.

    Schauen wir in fünf Jahren noch mal hin... ich vermute, dass sich das Netz dann aufgespalten hat, in die Zahlerregionen, die gut ausgestattet sind und die kostenlosen, in denen man weniger Möglichkeiten hat, denn jeder der produziert möchte irgendwann die Zeit, den Aufwand, den gelieferten Ideenreichtum honoriert bekommen, um von etwas (gut) zu leben, wie man immer wieder an Menschen mit Ideen im Netz sehen kann.

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    • okmijn
    • 23. Februar 2012 22:47 Uhr

    Es ist aber auch ein Bereich, der sich gut als Beispiel für ökonomische Entgleisungen eignet. Haben Sie sich einmal die Ergebnisse der wenigen verbliebenen Verlage in den Disziplinen, in denen noch wesentlich in Papier publiziert wird, angeschaut?

    Das extrem aufwändige Erstellen und Pflegen einiger Standardwerke, z.B. im medizinischen Bereich, rechtfertigt hohe Kosten (aber auch hier wäre es eine Diskussion wert, diese Arbeit aus Steuern als Werkvertrag zu finanzieren, so dass das Produkt [das sowieso heute auch immer irgendwann als PDF/PS/EPS existiert] für die gesamte Bevölkerung nutzbar wäre). In anderen Bereichen zwingt der impact factor allerdings zu völlig absurden Lösungen, bei denen die Autoren im wesentlichen belichtungsfertige LaTeX-Dokumente liefern, die kostenlos reviewed werden, und anschließen für 200 Euro pro Ausgabe (z.B. a 100 Seiten) vertrieben werden.

    Besonders extreme Beispiele gibt es z.B. auch im Bereich der Schulbuchverlage.

    Wie ich in früheren Kommentaren schon gesagt habe geht es hier/mir/bestimmt vielen anderen hier nicht darum das neueste Buch, den neuesten Film, das neueste Spiel oder die neueste Musik kostenlos zu bekommen.
    Was viele der Aktivisten wollen ist, dass die Verwendung von Produkten nachdem sie ihren Neuheitswert überschritten hat und - nennen wir ihn einen - 'emotionalen Wert' hat vereinfacht wird. Zum Beispiel ein Lied, dass Sie 1980 im Urlaub gehört haben. Letztens haben sie die alten Dias auf CD brennen lassen und wollen jetzt für die Freunde die damals mit dabei waren eine Fotopäsentation machen und sie auf Facebook posten. Da wäre es doch schön wenn sie im Hintergrund den Sommerhit von 1980 spielen könnten, auch wenn er noch so schrecklich ist, ohne dafür entweder unverhältnismäßig viel Geld hinlegen oder etwas illegales tun zu müssen.
    Künstler sollen nicht ihres Einkommens beraubt werden. KÜNSTLER nicht Großkonzerne! 30 Jahre nach denen ein Film herausgekommen ist muss er nicht mehr so viel kosten wie damals. Und oft tun sie es leider doch. Wenn man sich dann ansieht wieviel der Künstler an Tantiemen für sein Werk bekommt, sieht man, dass das minimal ist und sowieso die großen Firmen das größte Stück Torte haben.

    Die Preise haben rein gar nichts mit Wertschätzung zu tun. Ich kann Ihnen aus erster Hand versichern, dass es lediglich einen einzigen Grund gibt, warum von Wissenschaftlern überhaupt in kommerziellen Fachzeitschriften publiziert wird, nämlich um wahrgenommen zu werden, was für eine unbefristete Anstellung essentiell ist.

    Der Beitrag der Plattformen, Springer, Elsevier, etc. zum Publikationsprozess ist fast null: Die Wissenschaftler verfassen das Manuskript druckfertig, dann leitet ein praktisch ehrenamtlicher Editor (i.d.R. ein renommierter Wissenschaftler) das Manuskript an Experten im jeweiligen Gebiet weiter, die die Arbeit - natürlich unentgeltlich - begutachten. Die Finanzierung dieser Personen wird von Dritten - meistens dem Staat - getragen. Anschließend verkauft der jeweilige Verlag diese Zeitschrift in einem Packet an Uni-Bibliotheken o.ä. zu absoluten Mondpreisen. Eine Untersuchung der Deutschen Bank bestätigt, dass der Beitrag der Journale marginal ist, sonst wären auch nicht 40% Gewinn zu erwirtschaften.

    Das es auch anders geht zeigt das National Institute of Health (USA). Jeder Wissenschaftler, der vom NIH Geld erhält, muss in einem open access Journal (die es auch mit peer review gibt) veröffentlichen. So wird ein Standard erzwungen der für alle Wissenschaftler gleich ist und dem Staat enorme Einsparungen ermöglicht, welche dann z.B. direkt der Forschung zu Gute kommen, anstatt in die Taschen der Journale zu wandern.

    Erschienen am 30.08.2011 Im Guardian:

    http://www.monbiot.com/20...

    Gruß, jj.

  6. Ich habe täglich Internetradio gehört und das war völlig in Ordnung und ausreichend!
    Wofür dann noch Geld für CD's & Co. ausgeben? Dann doch lieber was für die Konzerte, Festivals usw.

    Wenn ein Unternehmen eines Tages etwas wie iTunes Match für die Filme macht, dann werde ich es auch nutzen und ab und zu dann ins Kino gehen, das reicht mir persönlich völlig aus.

  7. Am hübschesten finde ich: "nur noch einen emotionalen oder kulturgeschichtlichen Wert" haben. Welchen denn sonst? Und wieso nur? Gerade darum sollte jemanden, der dies schafft, ein Obolus gezollt werden. Auch die "Vertriebe", also die Marketingleute und Logistiker, leisten ihren Beitrag.

    Was allerdings überflüssig ist wie ein Blutegel am A...Arm, das sind die Rechteaufkäufer, die sich ein Quasimonopol sichern, den Künstler beschei..den halten und mit ihrer Rechtsabteilung noch mehr raushauen. Ein Buch darf nach 80 Jahren frei nachgedruckt werden, da zahlt man dann die Aufmachung und das Lektorat. Digital wäre dann der Server für den Download verständlich.

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    Ich will emotionalen und kulturgeschichtlichen Wert gar nicht kleinreden.
    Natürlich soll der Schaffende für seine Arbeit entlohnt werden, aber währe es dann nicht wirklich eine Überlegung wert die 'Blutegel' zu umgehen und ältere Werke frei verfügbar zu machen? Ich bin dafür auch bereit für ein neues Werk mehr zu bezahlen, beziehungsweise wenn ich weiß, dass ein größerer Anteil als jetzt dem Künstler zukommt.

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