DebatteWir, die Netz-Kinder

Die junge Generation stört sich an traditionellen Geschäftsmodellen und Obrigkeitsdenken. "Das Wichtigste ist Freiheit", schreibt der polnische Dichter Piotr Czerski. von Piotr Czerski

Es gibt wohl keinen anderen Begriff, der im medialen Diskurs ähnlich überstrapaziert worden ist wie der Begriff "Generation". Ich habe einmal versucht, die "Generationen" zu zählen, die in den vergangenen zehn Jahren ausgerufen worden sind, seit diesem berühmten Artikel über die sogenannte "Generation Nichts". Ich glaube, es waren stolze zwölf. Eines hatten sie alle gemeinsam: Sie existierten nur auf dem Papier. In der Realität gab es diesen einzigartigen, greifbaren, unvergesslichen Impuls nicht, diese gemeinsame Erfahrung, durch die wir uns bleibend von allen vorangegangenen Generationen unterscheiden würden. Wir haben danach Ausschau gehalten, doch stattdessen kam der grundlegende Wandel unbemerkt, zusammen mit den Kabeln, mit denen das Kabelfernsehen das Land umspannte, der Verdrängung des Festnetzes durch das Mobiltelefon und vor allem mit dem allgemeinen Zugang zum Internet. Erst heute verstehen wir wirklich, wie viel sich in den vergangenen 15 Jahren verändert hat.

Wir, die Netz-Kinder, die mit dem Internet und im Internet aufgewachsen sind, wir sind eine Generation, welche die Kriterien für diesen Begriff gleichsam in einer Art Umkehrung erfüllt. Es gab in unserem Leben keinen Auslöser dafür, eher eine Metamorphose des Lebens selbst. Es ist kein gemeinsamer, begrenzter kultureller Kontext, der uns eint, sondern das Gefühl, diesen Kontext und seinen Rahmen frei definieren zu können.

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Indem ich das so schreibe, ist mir bewusst, dass ich das Wort "wir" missbrauche. Denn unser "wir" ist veränderlich, unscharf – früher hätte man gesagt: vorläufig. Wenn ich "wir" sage, meine ich "viele von uns" oder "einige von uns". Wenn ich sage "wir sind", meine ich "es kommt vor, dass wir sind". Ich sage nur deshalb "wir", damit ich überhaupt über uns schreiben kann.

Erstens: Wir sind mit dem Internet und im Internet aufgewachsen. Darum sind wir anders. Das ist der entscheidende, aus unserer Sicht allerdings überraschende Unterschied: Wir "surfen" nicht im Internet und das Internet ist für uns kein "Ort" und kein "virtueller Raum". Für uns ist das Internet keine externe Erweiterung unserer Wirklichkeit, sondern ein Teil von ihr: eine unsichtbare, aber jederzeit präsente Schicht, die mit der körperlichen Umgebung verflochten ist.

Piotr Czerski
Piotr Czerski

Piotr Czerski, geboren 1981, ist ein polnischer Dichter, Autor, Musiker und Ex-Blogger. Mit seiner Band Towary Zastępcze ("Umtauschware") hat er zwei Alben veröffentlicht.

Czerski hat einen Abschluss in Informatik. Der Text ist zunächst auf Polnisch veröffentlicht worden, hier geht es zur polnischen Originalfassung. Eine englische Übersetzung gibt es hier. Der Artikel ist unter CC BY-SA 3.0 erschienen.

Wir benutzen das Internet nicht, wir leben darin und damit. Wenn wir euch, den Analogen, unseren "Bildungsroman" erzählen müssten, dann würden wir sagen, dass an allen wesentlichen Erfahrungen, die wir gemacht haben, das Internet als organisches Element beteiligt war. Wir haben online Freunde und Feinde gefunden, wir haben online unsere Spickzettel für Prüfungen vorbereitet, wir haben Partys und Lerntreffen online geplant, wir haben uns online verliebt und getrennt.

Das Internet ist für uns keine Technologie, deren Beherrschung wir erlernen mussten und die wir irgendwie verinnerlicht haben. Das Netz ist ein fortlaufender Prozess, der sich vor unseren Augen beständig verändert, mit uns und durch uns. Technologien entstehen und verschwinden in unserem Umfeld, Websites werden gebaut, sie erblühen und vergehen, aber das Netz bleibt bestehen, denn wir sind das Netz – wir, die wir darüber in einer Art kommunizieren, die uns ganz natürlich erscheint, intensiver und effizienter als je zuvor in der Geschichte der Menschheit.

Wir sind im Internet aufgewachsen, deshalb denken wir anders. Die Fähigkeit, Informationen zu finden, ist für uns so selbstverständlich wie für euch die Fähigkeit, einen Bahnhof oder ein Postamt in einer unbekannten Stadt zu finden. Wenn wir etwas wissen wollen – die ersten Symptome von Windpocken, die Gründe für den Untergang der Estonia oder warum unsere Wasserrechnung so verdächtig hoch erscheint – ergreifen wir Maßnahmen mit der Sicherheit eines Autofahrers, der über ein Navigationsgerät verfügt.

Wir wissen, dass wir die benötigten Informationen an vielen Stellen finden werden, wir wissen, wie wir an diese Stellen gelangen und wir können ihre Glaubwürdigkeit beurteilen. Wir haben gelernt zu akzeptieren, dass wir statt einer Antwort viele verschiedene Antworten finden, und aus diesen abstrahieren wir die wahrscheinlichste Version und ignorieren die unglaubwürdigen. Wir selektieren, wir filtern, wir erinnern – und wir sind bereit, Gelerntes auszutauschen gegen etwas Neues, Besseres, wenn wir darauf stoßen.

Für uns ist das Netz eine Art externe Festplatte. Wir müssen uns keine unnötigen Details merken: Daten, Summen, Formeln, Paragrafen, Straßennamen, genaue Definitionen. Uns reicht eine Zusammenfassung, der Kern, den wir brauchen, um die Information zu verarbeiten und mit anderen Informationen zu verknüpfen. Sollten wir Details benötigen, schlagen wir sie innerhalb von Sekunden nach.

Wir müssen auch keine Experten in allem sein, denn wir wissen, wie wir Menschen finden, die sich auf das spezialisiert haben, was wir nicht wissen, und denen wir vertrauen können. Menschen, die ihre Expertise nicht für Geld mit uns teilen, sondern wegen unserer gemeinsamen Überzeugung, dass Informationen ständig in Bewegung sind und frei sein wollen, dass wir alle vom Informationsaustausch profitieren. Und zwar jeden Tag: im Studium, bei der Arbeit, beim Lösen alltäglicher Probleme und wenn wir unseren Interessen nachgehen. Wir wissen, wie Wettbewerb funktioniert und wir mögen ihn. Aber unser Wettbewerb, unser Wunsch, anders zu sein, basiert auf Wissen, auf der Fähigkeit, Informationen zu interpretieren und zu verarbeiten – nicht darauf, sie zu monopolisieren.

Zweitens: Die Teilnahme am kulturellen Leben ist für uns keine Beschäftigung für den Feiertag. Die globale Kultur ist der Sockel unserer Identität, wichtiger für unser Selbstverständnis als Traditionen, die Geschichten unserer Ahnen, sozialer Status, die Herkunft oder sogar unsere Sprache. Aus dem Ozean der kulturellen Ereignisse fischen wir jene, die am besten zu uns passen, wir treten mit ihnen in Kontakt, wir bewerten sie und wir speichern unsere Bewertungen auf Websites, die genau zu diesem Zweck eingerichtet wurden und die uns außerdem andere Musikalben, Filme oder Spiele vorschlagen, die uns gefallen könnten.

Einige dieser Filme, Serien oder Videos schauen wir uns gemeinsam mit Kollegen an, oder aber mit Freunden aus aller Welt, unser Urteil über andere wird oft nur von einer kleinen Gruppe von Menschen geteilt, denen wir vielleicht niemals persönlich gegenüberstehen werden. Das ist der Grund für unser Gefühl, dass Kultur gleichzeitig global und individuell wird. Das ist der Grund, warum wir freien Zugang dazu brauchen.

Es bedeutet nicht, dass wir Zugang zu allen kulturellen Gütern verlangen, ohne dafür zahlen zu müssen – obwohl wir das, was wir selbst schaffen, meistens einfach nur in Umlauf bringen. Wir verstehen, dass Kreativität – trotz der zunehmenden Verbreitung von Technologien, mit denen jeder Mensch Film- oder Musikdateien in einer Qualität erstellen kann, die früher Profis vorbehalten war – immer noch Anstrengungen und Investitionen erfordert. Wir sind bereit zu zahlen, aber die gigantischen Aufschläge der Zwischenhändler erscheinen uns ganz einfach als unangemessen. Warum sollten wir für die Verbreitung von Informationen zahlen, die schnell und perfekt kopiert werden können, ohne den Wert des Originals auch nur um ein Jota zu verringern? Wenn wir nur die reine Information bekommen, verlangen wir einen angemessenen Preis. Wir sind bereit, mehr zu zahlen, aber dann erwarten wir auch mehr: eine interessante Verpackung, ein Gadget, höhere Qualität, die Option, es hier und jetzt anzuschauen, ohne warten zu müssen, bis die Datei heruntergeladen ist. Wir können durchaus Dankbarkeit zeigen und wir wollen den Künstler belohnen (seit Geld nicht mehr aus Papier besteht, sondern aus einer Reihe von Zahlen auf einem Bildschirm, ist das Bezahlen zu einem eher symbolischen Akt geworden, von dem eigentlich beide Seiten profitieren sollen), aber die Verkaufsziele irgendwelcher Konzerne interessieren uns kein bisschen. Es ist nicht unsere Schuld, dass ihr Geschäft in seiner traditionellen Form nicht mehr sinnvoll ist und dass sie, anstatt die Herausforderung zu akzeptieren und zu versuchen, uns mit etwas zu erreichen, das uns mehr bietet als wir umsonst haben können, entschieden haben, ihre veralteten Lösungen zu verteidigen.

Noch etwas: Wir wollen nicht für unsere Erinnerungen bezahlen. Die Filme, die uns an unsere Kindheit erinnern, die Musik, die uns vor zehn Jahren begleitet hat: In einem externen Netzgedächtnis sind sie einfach nur Erinnerungen. Sie hervorzurufen, sie auszutauschen, sie weiterzuentwickeln, das ist für uns so normal wie für euch die Erinnerung an Casablanca. Wir finden im Netz die Filme, die wir als Kinder gesehen haben und wir zeigen sie unseren Kindern, genauso wie ihr uns die Geschichte von Rotkäppchen oder Goldlöckchen erzählt habt. Könnt ihr euch vorstellen, dass euch jemand deswegen anklagt, gegen ein Gesetz verstoßen zu haben? Wir auch nicht.

Drittens: Wir sind es gewohnt, dass unsere Rechnungen automatisch bezahlt werden, solange unser Kontostand es erlaubt. Wir wissen, dass wir nur ein Onlineformular ausfüllen und einen Vertrag unterschreiben müssen, den uns ein Kurier liefert, wenn wir ein Konto eröffnen oder den Mobilfunkanbieter wechseln wollen. Dass sogar ein Kurztrip auf die andere Seite von Europa inklusive Stadtrundfahrt innerhalb von zwei Stunden organisiert werden kann. Deshalb sind wir, als Nutzer des Staates, zunehmend verärgert über seine archaische Benutzeroberfläche. Wir verstehen nicht, warum wir für die Steuererklärung mehrere Formulare ausfüllen müssen, von denen das zentrale mehr als einhundert Fragen beinhaltet. Wir verstehen nicht, warum wir einen festen Wohnsitz (absurd genug, so etwas überhaupt haben zu müssen) erst förmlich abmelden müssen, bevor wir uns an einem anderen anmelden können – als könnten die Behörden diese Sache nicht auch ohne unser Eingreifen regeln.

In uns steckt nichts mehr von jener aus Scheu geborenen Überzeugung unserer Eltern, dass Amtsdinge von überaus großer Bedeutung und die mit dem Staat zu regelnden Angelegenheiten heilig sind. Diesen Respekt, verwurzelt in der Distanz zwischen dem einsamen Bürger und den majestätischen Höhen, in denen die herrschende Klasse residiert, kaum sichtbar da oben in den Wolken, den haben wir nicht. Unser Verständnis von sozialen Strukturen ist anders als eures: Die Gesellschaft ist ein Netzwerk, keine Hierarchie. Wir sind es gewohnt, das Gespräch mit fast jedem suchen zu dürfen, sei er Journalist, Bürgermeister, Universitätsprofessor oder Popstar, und wir brauchen keine besonderen Qualifikationen, die mit unserem sozialen Status zusammenhängen. Der Erfolg der Interaktion hängt einzig davon ab, ob der Inhalt unserer Botschaft als wichtig und einer Antwort würdig angesehen wird. Und da wir, dank Zusammenarbeit, ständigem Streit und dem Verteidigen unserer Argumente gegen Kritik das Gefühl haben, dass unsere Meinungen einfach die besseren sind, warum sollten wir dann keinen ernsthaften Dialog mit der Regierung erwarten dürfen?

Wir fühlen keinen religiösen Respekt für die "demokratischen Institutionen" in ihrer derzeitigen Form, wir glauben nicht an ihre unumstößliche Rolle, wie es diejenigen tun, die alle "demokratischen Institutionen" als Denkmäler betrachten, die sie selbst bauen und die zugleich für sie selbst gebaut werden. Wir brauchen keine Denkmäler. Wir brauchen ein System, das unsere Erwartungen erfüllt, ein transparentes und funktionierendes System. Und wir haben gelernt, dass Veränderung möglich ist: dass jedes in der Handhabung umständliche System ersetzt werden kann und ersetzt wird durch eines, das effizienter ist, das besser an unsere Bedürfnissen angepasst ist und uns mehr Handlungsmöglichkeiten gibt.

Was uns am wichtigsten ist, ist Freiheit. Redefreiheit, freier Zugang zu Information und zu Kultur. Wir glauben, das Internet ist dank dieser Freiheit zu dem geworden, was es ist, und wir glauben, dass es unsere Pflicht ist, diese Freiheit zu verteidigen. Das schulden wir den kommenden Generationen, so wie wir es ihnen schulden, die Umwelt zu schützen.

Vielleicht haben wir noch keinen Namen dafür, vielleicht sind wir uns dessen noch nicht vollständig bewusst, aber wahrscheinlich ist das, was wir wollen, eine wahre und tatsächliche Demokratie. Eine Demokratie, wie sie sich vielleicht nicht einmal eure Journalisten erträumt haben.

Übersetzung: Patrick Beuth, Andre Rudolph

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Leserkommentare
    • o_reino
    • 23. Februar 2012 20:44 Uhr

    finde auch die übersetzung gelungen, das orginal ist etwas präziser, aber auch etwas "abgehobener" formuliert. der polnische Titel ist allerdings klangvoller ;-)

    Antwort auf "zustimmung"
    • wawerka
    • 23. Februar 2012 20:44 Uhr

    ...die Jungen und die Alten.

    Der Glaube, für all diese Selbstverständlichkeit im Umgang mit dem Netz müsse man zwingend ein "Digital Native" sein, hat schon was leicht überhebliches.

    Lieber Herr Czerski, all das, was Sie und Ihre "Generation(en)" so im Netz können, das kann ich auch. Und ich bin 11 Jahre älter als Sie. Da kuckense, was?

    Und wenns ganz dumm läuft, setze ich auch den Rechner von meinem 20-jährigen Bruder neu auf. Das kann der nämlich nicht. Und er weiß halt auch nicht, wo er nachschauen soll, wenn "das Internet" nicht geht.

    Also immer mal locker durch die Hose atmen, guter Mann. Sooo ein Ultrahammer, sich über Facebook zu organisieren, ist es nun auch wieder nicht oder im Netz nachzuschauen, wenn einem der "missing link" fehlt, der das Rudimentärwissen im Hirnkastel korrekt verdrahtet, ist es nun auch wieder nicht.

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    • o_reino
    • 23. Februar 2012 20:53 Uhr

    Sie legen aber dieselbe Überheblichkeit an den Tag, wenn sie der folgenden Generation unterstellen vieles nicht zu können, was Sie können.
    Woher wissen Sie das denn? Weil Ihr Bruder keinen Computer neu aufsetzen kann. Stichprobenumfang = 1, super Statistik! :-)

    • lovely
    • 23. Februar 2012 22:34 Uhr

    Vielleicht lesen Sie den Artikel noch mal in Ruhe durch...

    • JimNetz
    • 24. Februar 2012 5:50 Uhr

    Früher war es schön, Arzt oder Schreiner zu sein. Auf jeder Party... aber heut ist es nervig, wenn man was 'mit Computer' zu tun hat...

    Meiner Erfahrung nach tendiert das Verhältnis etwa nach 1:10 zwischen denen, die IT beherrschen und denen, die nur im Social Network eine große Klappe haben.

    Das allerdings dann, alt wie jung :)

    ...dass Sie den Artikel entweder nicht gelesen oder aber ihn nicht verstanden haben.

    Es geht dem Autor nicht im Geringsten um technisches Wissen. Der Artikel handelt vielmehr von Kultur, Lebensgefühl, Identität, Kommunikation sowie einer bestimmten Sozialisation und einer damit verbundenen Weltsicht.

    Und wenn Sie die Technik noch so gut beherrschen: Sie werden nie die Erfahrung haben, wie es ist, mit den Möglichkeiten des Internets aufgewachsen und sozialisiert worden zu sein. Diese kann auch ich nicht nachholen, weil ich dafür ein paar Jahre zu alt bin. Aber mit Hilfe eines so grandiosen Artikels ist es mir nun wesentlich besser möglich, Denken und Handeln der Generation Internet zu verstehen und nachzuvollziehen.

  1. "Wir finden im Netz die Filme, die wir als Kinder gesehen haben und wir zeigen sie unseren Kindern, genauso wie ihr uns die Geschichte von Rotkäppchen oder Goldlöckchen erzählt habt. Könnt ihr euch vorstellen, dass euch jemand deswegen anklagt, gegen ein Gesetz verstoßen zu haben? Wir auch nicht."

    Können Sie sich vorstellen, warum Filme wie der von Ihnen angeführte Casablanca damals überhaupt gedreht wurden? Weil die Leute ins Kino gehen mussten, um sie zu sehen! Sie werden es jetzt nicht wahrhaben wollen, aber Filme werden auch heute noch zuallererst fürs Kino gedreht. Sie sollten mal Ihren Laptop runterfahren und heute ausnahmsweise keinen Film gratis von irgendeiner Tauschbörse runterziehen. Stattdessen laden Sie Ihre Freunde ein (gemeint sie die, aus der realen Welt, die wirklich existieren), gehen mit ihnen in die Stadt und stellen sich in einem Kino in die Schlange. Und wenn Sie Ihre Karte bezahlt haben und gemütlich mit einer Tüte Popcorn und einem Erfrischungsgetränk im Dunkel eines Kinosaales sitzen, werden sie die Unterschiede zu Ihrer virtuellen Scheinwelt bemerken: Das Flüstern von den Nachbarsesseln, das Rascheln aus einer hinteren Reihe, das Getuschel aus den vorderen Rängen. Vielleicht sitzt irgendwo ein verliebtes Paar und knutscht, während der Frauenversteher Boogie vorn auf der Leinwand mit pathetischen Worten seine Flamme in den Wind schießt. Ich bezahle gerne dafür. [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/ls

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    • cgoth
    • 23. Februar 2012 20:57 Uhr

    Sie sprechen mir aus der Seele!
    Ich gehöre zu der vom Autor beschriebenen Altersgruppe (32). In seinem sich wiederholendem "wir" erkenn ich mich jedoch nicht.
    Ich gehöre zu den Vielen (nicht Allen) die noch Emotionen ausdrücken können und denen man Emotionen noch ansieht ohne :) :D lol ^^ :'( oder unzählige Weitere "emoticons" gebrauchen zu müssen.
    Deswegen trifft es Ihre Kinobesuchbeschreibung auf den Punkt.

    ... ... nein nein, ich werde nur wieder zensiert.
    nur ne kurze anmerkung zu ihrem erguss:
    früher gab es genau solche schundfilme wie heute. ich behaupte sogar, dass das verhältnis zwischen guten und schlechten filmen gleich geblieben ist. übrigens kann man auch beides: filme online schauen UND ins kino gehen! ich persönlich besitze über !!300!! legal erworbene DVDs und ich bin ein leidenschaftlicher kinogänger. die filme, für die ich allerdings keine 15€ ausgeben möchte, schaue ich mir im netz an und kaufe sie mir, wenn sie gut sind, später auf dvd. das ist, finde ich mein gutes recht und absolut vernünftig!

    • Nibbla
    • 23. Februar 2012 21:11 Uhr

    die schlechte Qualität (rede nicht vom Cinema in München), die teuren Preise, die Leute die einen von hinten in den Sitz treten ohne es zu merken. 2€ für ne Cola, die in der Herstellung, da gezapft 10Cent kostet (Geh normalerweise gern ins Kino, aber es ist nicht immer alles Gold ^^)

    Und war nicht Casablanca ein Film der während des 2. WK gedreht wurde und Propaganda tendenzen enthält? Eine tolle kulturreiche Zeit. Am besten sind die Walt Disney Cartoons aus dieser Zeit :-)

    Ausserdem kann man sich auch zuhause einen gemütlichen Filmabend machen. Die Netzgesellschaft ist nicht vereinsamt. Man interagiert meistens mit Menschen, die man auch so kennt.

    ... ich schaue mir Filme gerne im Kino an. Nachdem ich auf dem Laptop getestet habe ob Sie auch was taugen. Wenn der Film im Kino gut war kaufe ich mir auch noch die Bluray. Wer hätte Das gedacht... Laptopgucker können auch Konsumenten sein? ich höre aus der Ferne Weltbilder zerbrechen......

    • armatus
    • 23. Februar 2012 21:34 Uhr

    Sie werden es jetzt nicht wahrhaben wollen, aber wir, diese gratis schmarotzer, http://www.heise.de/tp/bl... gehen überdurchschnittlich oft ins kino. Wir schätzen Kultur genauso wie Sie, nur wurde uns ermöglicht einen Reichtum an Kultur zu entdecken, der jegliches Vorstellungsvermögen sprengt...Und wie schon beschrieben, hat diese industrie ein reines Service-Problem. Ich habe mir gestern ein Spiel VORbestellt und ich weiß jetzt schon, das ich bevor das Spiel hier eintrifft eine schnelle downloadversion haben werden, wo freundliche cracker freiwillig sich die arbeit gemacht haben die onlineüberwachung auszuschalten. Wir wollen musik,filme und Spiele, und wir bezahlen dafür. Was wir nicht machen ist den Zwischendealern 80% der einnahmen hinzulegen, dafür hat uns das internet zu gut erzogen!

    Erinnerungen. Alte Filme = Filme die eben nicht mehr im Kino laufen und bei denen es seltsam erscheint, dass sie immer noch so teuer sind. Oder würden Sie für die DvD oder den Download eines technisch veralteten Films, den Sie gesehen haben als sie elf Jahre alt waren, noch genausoviel bezahlen wie damals als sie stolz das Video in den Händen hielten? Ich finde jede Arbeit soll entlohnt werden und natürlich soll man bezahlen wenn man ins Kino geht oder sich einen Film herunterlädt, aber Geldmacherei mit uralten Produkten die nur noch einen emotionalen oder kulturgeschichtlichen Wert haben ist doch Schade, nicht wahr?

    • femi
    • 24. Februar 2012 8:16 Uhr

    ..."Weil die Leute ins Kino gehen mussten, um sie zu sehen! Sie werden es jetzt nicht wahrhaben wollen, aber Filme werden auch heute noch zuallererst fürs Kino gedreht."...

    1. Heute gibt es schone sehr viele Produktionen die nur für das Fernsehen drehen. Ob man sich dieses nun auf dem TV-Gerät oder auf dem PC-Bildschirm ansieht sollte nicht rellevant sein.
    2. Früher wurde auch auf der Hand gewaschen, 20 km zu Fuß zur Arbeit gegangen etc. - Doch wir haben HEUTE!
    3.Wie schon in dem Artikel erwähnt: Wir sind bereit zu zahlen! Jedoch nicht mehrfach für ein und die gleiche Sache!
    Erst bezahle ich den Film, wenn ich ihn im Kino sehen mag, wenn ich ihn noch einmal sehen möchte muss ich die DVD kaufen, und zu guter Letzt auch GEZ wenn ich ihn im TV sehe möchte.
    Stellen sie sich vor, sie Kaufen sich einen Dosenöffner und müssen diesen jedes mal aufs Neue kaufen, wenn sie ihn zum öffnen einer Dose verwenden möchten.
    "... Stattdessen laden Sie Ihre Freunde ein (gemeint sie die, aus der realen Welt, die wirklich existieren), gehen mit ihnen in die Stadt und stellen sich in einem Kino in die Schlange."...

    Das Internet existiert wirklich und ist so Real wie Ihr Telefon/Handy oder die Post! Und die Menschen mit denen man "Verknüpft" ist sind auch Alle real, so wie Sie und Ich. Es ist eine soziale Erweiterung kein Ersatz! Wurde die Post auch so "verteufelt", oder das Telefon bzw Fax? Ich frage nur, da man ja auch dort "real" mit den Menschen in Kontakt treten könnte....

    • Vöbeo
    • 23. Februar 2012 20:45 Uhr

    Bestimmten linksradikale Gruppen haben auch keinen Respekt vor den Institutionen.

    Wie wiederhol nochmal aus einem Griechenlandstrang:
    "In den Jahren seit dem Ende der Obristendiktatur wurde von der Linken eine Art revolutionäre Kultur gepflegt, eine Kultur der Gesetzlosigkeit, die sich in der Gesellschaft weit verbreitet hat. Das beginnt schon damit, dass man sich nicht an die Verkehrsregeln hält und glaubt, einfach Steuern hinterziehen zu dürfen." - Soon in Germany.

    Wer keinen Respekt vorm Staat bzw. Autoritäten überhaupt hat, wird schneller Straftaten begehen.
    Zuletzt hab ich auf youtube ein Video gesehen, wo sich Schüler beschwert haben, dass an ihrer Schule bzw. Klasse keine Demokratie herrsche. Wobei wie bei dem Autor damit weitestgehend absolute Egalität gemeint ist.

    Das mit den internationalen Austausch, bei dem es keine Grenzen und Traditionen mehr gibt, trifft nur auf eine gebildetete, digitale Avantgarde zu. Ich und die Mehrheit der jungen Generation spielt und unterhält sich im Internet vor allem mit ihrem eigenem Freundeskreis.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • akomado
    • 23. Februar 2012 23:11 Uhr

    "Wer keinen Respekt vorm Staat bzw. Autoritäten überhaupt hat, wird schneller Straftaten begehen."

    Wer keinen Respekt vor den anderen Menschen bzw. der Natur überhaupt hat, wird schneller Straftaten begehen.

    Menschen, welche das erkannt haben und ihre Vernunft zu gebrauchen wissen, brauchen weder Chef, noch Staat, noch Gott.

    Ich verfolge gespannt, wohin die gesteigerte Technologie führt. Und achte auf die jeweiligen Interessen, die sich mit ihr verbinden.

    • keibe
    • 23. Februar 2012 20:46 Uhr

    ist die Anzahl des Wortes "Wir" zu zählen. Wie sehr Ihr "Wir" seid, lässt sich unschwer am gemeinsamen "V for Vendetta Maske, von Halloween Gore Store, Preis: EUR 12,38, Alle Preisangaben inkl. MwSt." erkennen (siehe Bild zum Artikel).

    Was ich bei Eurem "Wir" vermisse, ist die Bekenntnis zum einzigartigen "Ich".

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    • O.G
    • 23. Februar 2012 23:10 Uhr

    Wie sich das "Wir" definiert, erchließt sich bei einer halbwegs interessierten Lektüre des Textes.

    Ohne "Ich" gäbe es gar kein "Wir". Gerade in dieser Diskussion beteiligen sich Menschen, die an sich grundverschieden sind, die jedoch eine Gemeinsamkeit haben, die ihnen wichtig ist, das Internet nämlich, das Wegbegleiter und tägliche Oberfläche zu Kommunikation und Diskurs mit anderen ist, so wie in diesem Falle.

    Das Internet hat einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, uns anzuregen über den Tellerrand zu blicken, zu sehen und wissen zu können, dass da andere sind, die in ihrer Persönlichkeit vielleicht von einem ganz anderen Schlag sind, in ihren Hobbys, in ihrer Passion, denen aber manche Dinge genauso wichtig sind, wie uns selbst.

    Nur wenn es ein "Wir" gibt, zu dem man manchmal gehört, manchmal auch nicht, definiert sich ein "Ich". Ich bin mir sicher auch Sie und ich haben das ein oder andere "Wir", das heißt nicht, dass wir nicht trotzdem verschiedenster Facon sein können.

    Ohne "Wir" gibt es nunmal keine Demonstrationen, ohne "Wir" gibt es keine Veränderung.

    • o_reino
    • 23. Februar 2012 20:53 Uhr

    Sie legen aber dieselbe Überheblichkeit an den Tag, wenn sie der folgenden Generation unterstellen vieles nicht zu können, was Sie können.
    Woher wissen Sie das denn? Weil Ihr Bruder keinen Computer neu aufsetzen kann. Stichprobenumfang = 1, super Statistik! :-)

    Antwort auf "Ach ja....."
  2. wirklich gut geschrieben ;)

  3. Auf Ihren Kommenmtar nur soviel:

    mir bleibt Vater trotzdem lieber, da er erst einmal eine Geschäftsreise gemacht hat um Sohnemann das online gaming zu ermöglichen und gleichzeitig seine soziale Kompetenz erhöht hat, was man vom gaming Sohn sicher nicht sagen kann, da die Kommunikation bei derartigen Spielen doch relativ eingeschränkt ist.

    Wenn online gaming der einzige Vorteil der virtuellen Welt wäre, würde ich dafür demonstrieren, dass sie wieder abgeschafft wird. Aber glücklicherweise ist es nicht so:-)

    Antwort auf "Ich glaube eine..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... programieren. Wir haben hier in D einen kompletten Innovationszyklus verpasst. Unser Beispieljugendlicher wäre nicht der Erste der mit einem Tablet- oder Smartphone-App für 79 Cent mehr Geld verdient als sein Vater je gesehen hat.

    Und die Betonung in meinem Beitrag lag auf "Distanzlos". Entfernungen spielen keinen Rolle mehr. Die Leute fahren aus Gewohnheit auf die Arbeit, nicht mehr aus technischer Notwendigkeit... und halten Elektronik für teuer nachdem Sie 20000 Euro für ein Auto ausgegeben haben...

    Dieses Distanzlose Arbeiten lernt man im Multiplayer.

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  • Schlagworte Film | Denkmal | Generation | Information | Internet | Kabelfernsehen
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