Debatte : Wir, die Netz-Kinder
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Die Gesellschaft ist ein Netzwerk, keine Hierarchie

Drittens: Wir sind es gewohnt, dass unsere Rechnungen automatisch bezahlt werden, solange unser Kontostand es erlaubt. Wir wissen, dass wir nur ein Onlineformular ausfüllen und einen Vertrag unterschreiben müssen, den uns ein Kurier liefert, wenn wir ein Konto eröffnen oder den Mobilfunkanbieter wechseln wollen. Dass sogar ein Kurztrip auf die andere Seite von Europa inklusive Stadtrundfahrt innerhalb von zwei Stunden organisiert werden kann. Deshalb sind wir, als Nutzer des Staates, zunehmend verärgert über seine archaische Benutzeroberfläche. Wir verstehen nicht, warum wir für die Steuererklärung mehrere Formulare ausfüllen müssen, von denen das zentrale mehr als einhundert Fragen beinhaltet. Wir verstehen nicht, warum wir einen festen Wohnsitz (absurd genug, so etwas überhaupt haben zu müssen) erst förmlich abmelden müssen, bevor wir uns an einem anderen anmelden können – als könnten die Behörden diese Sache nicht auch ohne unser Eingreifen regeln.

In uns steckt nichts mehr von jener aus Scheu geborenen Überzeugung unserer Eltern, dass Amtsdinge von überaus großer Bedeutung und die mit dem Staat zu regelnden Angelegenheiten heilig sind. Diesen Respekt, verwurzelt in der Distanz zwischen dem einsamen Bürger und den majestätischen Höhen, in denen die herrschende Klasse residiert, kaum sichtbar da oben in den Wolken, den haben wir nicht. Unser Verständnis von sozialen Strukturen ist anders als eures: Die Gesellschaft ist ein Netzwerk, keine Hierarchie. Wir sind es gewohnt, das Gespräch mit fast jedem suchen zu dürfen, sei er Journalist, Bürgermeister, Universitätsprofessor oder Popstar, und wir brauchen keine besonderen Qualifikationen, die mit unserem sozialen Status zusammenhängen. Der Erfolg der Interaktion hängt einzig davon ab, ob der Inhalt unserer Botschaft als wichtig und einer Antwort würdig angesehen wird. Und da wir, dank Zusammenarbeit, ständigem Streit und dem Verteidigen unserer Argumente gegen Kritik das Gefühl haben, dass unsere Meinungen einfach die besseren sind, warum sollten wir dann keinen ernsthaften Dialog mit der Regierung erwarten dürfen?

Wir fühlen keinen religiösen Respekt für die "demokratischen Institutionen" in ihrer derzeitigen Form, wir glauben nicht an ihre unumstößliche Rolle, wie es diejenigen tun, die alle "demokratischen Institutionen" als Denkmäler betrachten, die sie selbst bauen und die zugleich für sie selbst gebaut werden. Wir brauchen keine Denkmäler. Wir brauchen ein System, das unsere Erwartungen erfüllt, ein transparentes und funktionierendes System. Und wir haben gelernt, dass Veränderung möglich ist: dass jedes in der Handhabung umständliche System ersetzt werden kann und ersetzt wird durch eines, das effizienter ist, das besser an unsere Bedürfnissen angepasst ist und uns mehr Handlungsmöglichkeiten gibt.

Was uns am wichtigsten ist, ist Freiheit. Redefreiheit, freier Zugang zu Information und zu Kultur. Wir glauben, das Internet ist dank dieser Freiheit zu dem geworden, was es ist, und wir glauben, dass es unsere Pflicht ist, diese Freiheit zu verteidigen. Das schulden wir den kommenden Generationen, so wie wir es ihnen schulden, die Umwelt zu schützen.

Vielleicht haben wir noch keinen Namen dafür, vielleicht sind wir uns dessen noch nicht vollständig bewusst, aber wahrscheinlich ist das, was wir wollen, eine wahre und tatsächliche Demokratie. Eine Demokratie, wie sie sich vielleicht nicht einmal eure Journalisten erträumt haben.

Übersetzung: Patrick Beuth, Andre Rudolph

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Kommentare

217 Kommentare Seite 1 von 23 Kommentieren

Ich glaube eine...

... der wesentlichen Erfahrungen die älteren Menschen fehlt sind die vielen Stunden im Multiplayer. Das Distanzlose Spielen mit- und gegeneinander.

Während Papa ganz stolz von seiner Geschäftsreise nach Fernost erzählt und über seine ersten Kontakte mit den Einheimischen berichtet gähnt Junior nur müde. "Ja, und?" Er interagiert jeden Abend gleichzeitig mit Jugendlichen aus aller Welt...

...und erledigt in hochkomplexen Computerspielen Team-Aufgaben mit denen sein Vater völlig überfordert wäre.

Der Artikel ist lehrreich, da die Sichtweise für mich neu ist

Auf Ihren Kommenmtar nur soviel:

mir bleibt Vater trotzdem lieber, da er erst einmal eine Geschäftsreise gemacht hat um Sohnemann das online gaming zu ermöglichen und gleichzeitig seine soziale Kompetenz erhöht hat, was man vom gaming Sohn sicher nicht sagen kann, da die Kommunikation bei derartigen Spielen doch relativ eingeschränkt ist.

Wenn online gaming der einzige Vorteil der virtuellen Welt wäre, würde ich dafür demonstrieren, dass sie wieder abgeschafft wird. Aber glücklicherweise ist es nicht so:-)

Vorsicht, bestenfalls kann Junior....

... programieren. Wir haben hier in D einen kompletten Innovationszyklus verpasst. Unser Beispieljugendlicher wäre nicht der Erste der mit einem Tablet- oder Smartphone-App für 79 Cent mehr Geld verdient als sein Vater je gesehen hat.

Und die Betonung in meinem Beitrag lag auf "Distanzlos". Entfernungen spielen keinen Rolle mehr. Die Leute fahren aus Gewohnheit auf die Arbeit, nicht mehr aus technischer Notwendigkeit... und halten Elektronik für teuer nachdem Sie 20000 Euro für ein Auto ausgegeben haben...

Dieses Distanzlose Arbeiten lernt man im Multiplayer.

das meinte ich mit der sozialen Kompetenz:-)

C´mon, Junior soll sogar mehr verdienen als ich, aber er soll Vater nicht vergessen.

Ich erkläre meinen Enkeln immer, dass es heute keinen Rap, R´n´B oder andere Musikrichtungen geben würde, wenn es einen Minnesänger, Mozart oder Beethoven nicht gegeben hätte.

Nicht zu vergessen, dass Opa auch mit seinem Fernweh dafür gesorgt hat, dass das Internet zum Leben erwacht ist.

Und nicht zu vergessen, dass Werte nicht nur am Rechner geschaffen werden oder aus Gewohnheit. Der Strom kommt nicht aus der Steckdose, das Auto hat nicht der Internethändler hergestellt und der Rechner wurde nicht im Internet zusammengebaut:-) Deshalb gibt es noch Leute, die auch "Wir" sind, die zur Arbeit fahren und nicht nur aus Gewohnheit.

Menschen Erfunden

Es gab noch nie in der Geschichte der Menschheit sowas wie "Geistliches Eigentum". Deswegen dürft ihr selbstverständlich schreiben ohne Geld für Buschstaben zu bezahlen. Ihr dürft rechnen, ohne Geld für Formeln und Zahlen zu bezahlen.
Es kann auch sowas wie "Geistliches Eigentum" nicht geben. Es sei denn man behält es für sich. Weil jeder menschliche Gedanke, beruht auf sein vorher gelerntes Wissen. Und für all dieses Wissen bezahlt ihr keinen Beitrag, jedes mal wenn er darauf zugreift. Geistliches Eigentum kann nur geschützt werden, wenn es keiner mitbekommt. Sonst dürfte es auch keine Berichterstattung mehr geben... Weil jeder Diktator müsste erstmal Kohle verlangen, dafür dass die Presse sein Werk filmt und veröffentlicht. Die Presse ist nicht der erfinder der Nachrichten. Sie verbreiten nur das "Geistliche Eigentum" Anderer.
Aber es gab mal sowas wie eine Spende oder Eintritt um gewisse Neuigkeiten zu sehen oder zu belohnen. Niemals sowas wie Urheberrecht.
Das ganze richtet sich gegen die Natur des Menschen. Der Mensch hat es nur soweit gebracht, weil er eben nicht für jeden Gedanken eines Anderen Geld bezahlen musste. Würde er das Ändern, würde er auch Alles was Menschlich ist begraben. Alles was den Menschen zu dem gemacht hat was er heute ist. Ein Abschreiber von anderen, ein Kopierer der Natur und seiner Umgebeung. Ein Gedankendieb. So hat er den ersten Schritt in den Weltraum gemacht.
V'Ger die Ansammlung allen Wissens. Grundidee der Menschheit

Re: Deswegen...

Deswegen ist es ja auch völlig sinnlos wenn Kinder spielen, Das brauchen Sie ja später auch überhaupt nicht um zum Beispiel geradeaus Laufen zu können...

Der Punkt ist vielleicht, dass Kinder nie das Geradeauslaufen lernen, weil sie nur das Mausschubsen üben. Ich distanziere mich zwar von der Aussage, dass Computerspiele sinnlos seien und keinen Nutzen erfüllen, aber das Thema würde dennoch stets kritisch betrachten. Man kann schwer leugnen, dass es Menschen gibt, die einfach zu viel Zeit in Spielewelten verbringen. Die Gesellschaft hat leider noch nicht genau definiert, was diesbezüglich "zu viel" ist. Wir begnügen uns jetzt nur mit subjektiven Beurteilungen. Da müssen noch ein paar Jahrzehnte vergehen bis wir die Folgen von Spielesucht gesellschaftlich erfahren und Maßstäbe dafür aufstellen, wann genug mit Spielen sein sollte.

Ohne Zweifel können Computerspiele die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit verbessern. Das Ausmaß der Verbessung ist aber auch begrenzt. Irgendwann muss man sich fragen, ob es nicht sinnvoller wäre, sich auf einem anderen Gebiet zu verbessern, zum Beispiel beim Allgemeinwissen oder Beinarbeit. Es ist in meinen Augen nützlich Computerspiele zu spielen, aber es ist nicht nützlich vier Stunden pro Tag über viele Jahre hinweg Computerspiele zu spielen. Vor allen können soziale Kompetenzen darunter leiden. Insbesondere Kinder nehmen Computerspiele mehr als Alternativrealität anstatt als Spiel wahr.

Und wer hat Das denn...

... verursacht dass Kinder mehr Mausschubsen als Fussball spielen?

Ich treffe überwiegend Erwachsene die von der angeblichen Romantik des Landlebens ergriffen sind (Bauern auf ihren High-Tech Traktoren schütteln den Kopf über die damit einhergehende Technik-Skepsis, die wären mit einer solchen Einstellung schon längst pleite).

Diese Eltern stellen dann hübsche, gemütliche Häuser im Nichts auf. Ein ideales Rentnerleben das Kinder und insbesondere Jugendliche zu Tode langweilt.

Und damit wäre die Falle perfekt: Es gibt keinen Grund das Haus zu verlassen - wozu Grashalme zählen? - und es ist so gemütlich auf dem Sofa in dem schönen Haus, dass es ohnehin schwerfällt rauszugehen. Und dann setzt man sich eben vor den PC. Fertig ist das Malheur.

Wer Kinder vom PC fernhalten möchte mietet sich eine kleine enge Wohnung in Stadtnähe, da wo die Action ist. Dann ziehen die Kleinen auch irgendwann aus anstatt mit Mitte Zwanzig immer noch Mama die Wäsche waschen zu lassen.

Klischee ?!!!!

"...verursacht dass Kinder mehr Mausschubsen als Fussball spielen?"

Das ist doch Quatsch. Die Kinder sind vielleicht Dicker als früher das liegt aber nicht an weniger Sport sondern ungesünderem Essen und Zuckersucht. In den 70igern haben die Kinder bestimmt nicht jeden Tag Cola gesoffen und mcDonalds gegessen.

Es gab früher nicht annährend so viele Kinder in sportvereinen und so viele Minderjähtige Fußballprofis oder andere Sportler, Vettel Hämbüchen etc.

Ihr Beitrag ist ein Klischee und spiegelt das WEltbild eines RTL-Guckers wieder. Als nächstes behaupten sie noch das Kinder heute auch dümmer sind oder wie?

Re: Und wer hat Das denn...

Und wer hat Das denn verursacht dass Kinder mehr Mausschubsen als Fussball spielen?

Natürlich die Eltern. Die gehen zu oft den Weg des geringsten Widerstandes. Kind ist ruhig und glücklich? Prima! Außerdem fällt es vielen Eltern schwer, einem 16-jährigen, der in der Blüte seiner Pubertät steckt, Paroli bieten zu können.

Wer Kinder vom PC fernhalten möchte mietet sich eine kleine enge Wohnung in Stadtnähe, da wo die Action ist. Dann ziehen die Kleinen auch irgendwann aus anstatt mit Mitte Zwanzig immer noch Mama die Wäsche waschen zu lassen.

Das kann auch nach hinten losgehen. Ich bin in einer Millionenstadt aufgewachsen und kenne dieses Szenario gut. Kinder ziehen mit ihrer Clique um die Häuser, sind tagelang weg und wenn dann doch mal wieder frische Wäsche oder ein warmes Mahl nötig oder das Geld ausgegangen ist, dann zieht es die Kinder wieder nach Hause in die enge Wohnung, haben aber kein Verlangen danach auszuziehen und wirklich unabhängig zu werden.

Sie wissen aber schon....

... dass man mit Computern viel Geld verdienen kann, auch als Teenager - wenn man programmieren kann. Apps, etc....

Und ich befürchte Papa schrammt in einer globalisierten Wirtschaft jeden Tag knapp an dem vorbei was man Krieg nennt. Er wäre nicht der Erste Geschäftspartner den man auf Auslandsreise verschwinden lassen würde.

Im übrigen muss Multiplayer nicht automatisch "Krieg" bedeuten.

Lieber Star-Trek-Fan

Ihrer Jugend ist es möglicherweise zuzuschreiben, dass Sie so wenig Informationen über die Entwicklung des Copyrights, also die Entdeckung der Idee des geistigen (nicht geistlichen!) Eigentums haben.
Das Gegenteil von dem, was Sie schreiben, ist nämlich wahr: Zwar ist richtig, dass immer und überall kulturelle Errungenschaften auf dem aufbauen, was schon vorhergehende Generationen geschaffen haben. Allerdings ist die Blüte der Kultur tatsächlich entweder mit dem Mäzenatentum an den früheren Höfen oder aber mit dem Schutz des geistigen Eigentums im 19. Jahrhundert verbunden. Irgendwie muss eben auch ein Künstler Geld verdienen, wenn er nicht nebenbei jobben oder sich von sonstwem aushalten lassen will. Gleiches gilt auch für alle anderen Erfinder.
Der große Nachteil des Mäzenatentums? Es entstand in erster Linie Auftragskunst. Dass das nicht unbedingt die Kunst voranbringt und obendrein undemokratisch ist, ist eigentlich einleuchtend. Der Übergang vom ausgehaltenen zum freien Künstler gestaltete sich nicht nur für die Kreativen schwierig, sondern auch für deren Verleger: Wie heute waren damals Raubkopien gang und gäbe. Resultat: Der Verleger, der dem Autor das Manuskript abgekauft hatte, ging mit der Erstveröffentlichung alle Risiken ein. Wurde es ein Erfolg, hängten sich gleich Raubkopierer an seinen Erfolg an und gruben ihm das Wasser ab. Wurde es ein Misserfolg, konnte er die Investition abschreiben. Solche Verhältnisse befördern die Entwicklung nicht, sondern hemmen sie.

In weiten Teilen sehr gut

"Indem ich das so schreibe, ist mir bewusst, dass ich das Wort "wir" missbrauche. Denn unser "wir" ist veränderlich, unscharf, früher hätte man gesagt: vorläufig. Wenn ich "wir" sage, meine ich "viele von uns" oder "einige von uns". Wenn ich sage "wir sind", meine ich "es kommt vor, dass wir sind". Ich sage nur deshalb "wir", damit ich überhaupt über uns schreiben kann."

Schön gesagt. Endlich mal eine intellektuelle Differenzierung. Mir geht das "wir"-Gelaber jedesmal so auf den Keks.

"Wir fühlen keinen religiösen Respekt für die "demokratischen Institutionen" in ihrer derzeitigen Form, wir glauben nicht an ihre unumstößliche Rolle, wie es diejenigen tun, die alle "demokratischen Institutionen" als Denkmäler betrachten, die sie selbst bauen und die zugleich für sie selbst gebaut werden. Wir brauchen keine Denkmäler. Wir brauchen ein System, das unsere Erwartungen erfüllt, ein transparentes und funktionierendes System. Und wir haben gelernt, dass Veränderung möglich ist: dass jedes in der Handhabung umständliche System ersetzt werden kann und ersetzt wird, durch eines, das effizienter ist, das besser an unsere Bedürfnissen angepasst ist und uns mehr Handlungsmöglichkeiten gibt."

Hat den Sinn der Demokratie nicht verstanden. Wer eine Änderung herbeiführen möchte, der engagiere sich und partizipiere in der Politik und beschaffe durch Überzeugungsarbeit Mehrheiten, um das System zu ändern. Die Demokratie is nur so statisch wie die sie bestimmenden Nutzer - genau wie im Netz.

Nein...

"Hat den Sinn der Demokratie nicht verstanden. Wer eine Änderung herbeiführen möchte, der engagiere sich und partizipiere in der Politik und beschaffe durch Überzeugungsarbeit Mehrheiten, um das System zu ändern."

Das tun die Piraten ja.

"Die Demokratie is nur so statisch wie die sie bestimmenden Nutzer - genau wie im Netz."

Nein, das jetzige System überhaupt demokratisch zu nennen, ist gewagt. Man braucht viel Geld, Zeit und Motivation, dazu viele gute Freunde und gute Presse, um was zu verändern.

Das ist in etwa so, als würde man gezwungen zu Fuß die Alpen zu überqueren, während längst ein Tunnel mit Schnellstraße direkt unten durch führt.

Es ist anachronistisch, es ist depremierend und eigentlich sollten Verbesserungen im Sinne demokratischer Politiker sein. Leider sind die mit anderen Sachen beschäftigt und mehr an ihrer eigenen Macht interessiert, als daran das System zu verbessern. Zwangsbeglückung ist immer noch das Hauptmotiv in die Politik zu gehen.

Stimmt, aber da besteht kein Unterschied

"Nein, das jetzige System überhaupt demokratisch zu nennen, ist gewagt. Man braucht viel Geld, Zeit und Motivation, dazu viele gute Freunde und gute Presse, um was zu verändern."

Nein, das sind keine formalen Anforderungen. Die demokratische Legitimation ergibt sich ausschließlich aus Wahlen.

Und jedes System wird darüber hinaus erfordern, dass Zeit hinein investiert wird, jedes System wird erfordern, dass Geld investiert wird (ein DSL-Anschluss kostet auch Geld). Freunde (besser: Gleichgesinnte) braucht man im Netz genauso, um etwas zu bewegen. Und "gute Presse" - was soll das sein? Zwar ist sachliche Kritik von Schmähkritik zu unterscheiden, aber auch hier gilt für das Netz das gleiche, was für die Demokratie gilt: Es gibt immer Leute, die einen Sachverhalt anderes werten und das findet sich dann auch in einem Presseecho wieder.

"Das ist in etwa so, als würde man gezwungen zu Fuß die Alpen zu überqueren, während längst ein Tunnel mit Schnellstraße direkt unten durch führt."

Unser demokratisches System ist auf den Ausgleich der Interessen hin ausgelegt und reagiert daher entsprechend behäbig. Es gibt z.B. eine parlamentarische Opposition, die die Regierung nicht einfach ignorieren kann. Im Netz kann man die Seite verlassen und sich aussuchen, was man hören und sehen will. Andere Meinungen sind einfach wegklickbar und das geht schnell. Aber es ist keine Arbeitsweise für einen Staat. Würde das Netz auch den Interessensausgleich erzwingen, wäre es auch nicht mehr "schnell".

traditionelle Geschäftsmodelle

Ich habe jetzt nicht den ganzen Artikel gelesen, aber niemand stört sich an traditionellen Geschäftsmodellen per se. Die "Netz-Kinder" stören sich an Unternehmen, die sich mit aller Macht an Geschäftsmodelle klammern, die von der Technik überholt wurden. Niemand hat ein Anrecht darauf, dass ein Geschäftsmodell ewig am Leben gehalten wird.