BörsengangYahoo droht Facebook mit Patentklagen

Kurz vor Facebooks Börsengang erklärt Yahoo, das Netzwerk nutze bis zu 20 Patente von Yahoo und müsse dafür zahlen. Dasselbe hatte Yahoo 2004 auch von Google verlangt. von 

Yahoos bekannte Werbetafel in San Francisco, aufgestellt im Jahr 1999, wurde im Dezember 2011 abgebaut.

Yahoos bekannte Werbetafel in San Francisco, aufgestellt im Jahr 1999, wurde im Dezember 2011 abgebaut.  |  © Justin Sullivan/Getty Images

Yahoo droht offenbar mit einem Patentkrieg gegen Facebook , wie er bereits im Smartphone- und Tablet-Bereich etwa zwischen Apple , Samsung und Motorola geführt wird. Facebook müsse mit Yahoo Lizenzvereinbarungen für 10 bis 20 Patente aus den Bereichen Online-Werbung, Personalisierung und anderen grundlegenden Funktionen eines sozialen Netzwerks abschließen. Andernfalls werde Yahoo rechtliche Schritte einleiten.

Die New York Times und die Financial Times zitieren aus der E-Mail eines Yahoo-Sprechers, in der es heißt: "Yahoo hat eine Verantwortung gegenüber seinen Anteilseignern, Angestellten und anderen Interessenvertretern, sein geistiges Eigentum zu schützen. Wir müssen darauf bestehen, dass Facebook ein Lizenzabkommen mit uns abschließt, andernfalls sehen wir uns genötigt, einseitig voranzugehen, um unsere Rechte zu schützen." Yahoo und Facebook sind Konkurrenten im Geschäft mit Online-Anzeigen.

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Die fraglichen Patente sollen laut New York Times zu den ältesten gehören, die Yahoo überhaupt zugesprochen bekommen hatte. Es seien auch Patente darunter, die Yahoo durch den Kauf der Firma Overture Services erworben hatte. Die Werbespezialisten hatten in der Vergangenheit Unternehmen wie Google wegen Patenten verklagt.

Andere Internet-Unternehmen hätten im Gegensatz zu Facebook schon entsprechende Lizenzvereinbarungen mit Yahoo getroffen, heißt es in der E-Mail des Yahoo-Sprechers.

Patrick Beuth
Patrick Beuth

Patrick Beuth ist Redakteur im Ressort Digital bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Bemerkenswert ist der Zeitpunkt von Yahoos Vorstoß, zumal das Unternehmen bislang eng mit Facebook kooperiert hat. So können sich Facebook-Nutzer mit ihren Log-in-Daten auch bei Yahoos E-Mail-Service sowie bei Flickr anmelden. Yahoo profitiert zudem von Facebooks Open-Graph-Protokoll , über das Yahoo viele Leser für seine News Reader App gewinnt . Außerdem will Yahoo seine eigene Suchmaschine aufgeben und Microsofts Bing nutzenMicrosoft wiederum ist Anteilseigner von Facebook und dürfte über Yahoos Angriff auf Facebook nicht erfreut sein.

Kurz vor dem Börsengang kann Facebook keine Patentklagen gebrauchen. Möglicherweise hat Yahoo deshalb bis jetzt mit dem Schritt gewartet, um Facebook unter Druck zu setzen und möglichst schnell eine Vereinbarung zu treffen. Im Börsenprospekt ab Seite 19 werden Patentklagen als eines der 35 Risiken genannt, die Facebook treffen und den Aktienkurs negativ beeinflussen könnten: "Wir befinden ins derzeit in gerichtlichen Prozessen, in denen es um Patente geht, und wir erwarten, dass wir auch in Zukunft Teil solcher und anderer Prozesse um geistiges Eigentum sein werden, die teuer und zeitraubend sind. Wenn gegen uns entschieden wird, könnten diese Prozesse einen signifikanten Einfluss auf unser Geschäft, unsere finanzielle Lage und Ergebnisse haben."

Leserkommentare
  1. Es scheint als ob klagen lukrativer ist als selber innovativ zu sein.

    • kinnas
    • 28. Februar 2012 15:52 Uhr

    "Patente

    Es scheint als ob klagen lukrativer ist als selber innovativ zu sein."

    Generell ist es so, daß andere sich OHNE innovativ zu sein bereichern, in dem sie abgucken.

    Deshalb lohnt es sich nicht innovativ zu sein, wenn man keinen eigenen Nutzen daraus hat.

    Problematisch wird es nur dann, wenn man selbst einfachste Dinge wie "runde Ecken bei Smartphones", wo man nicht wirklich innnovativ sein muss patentieren kann.

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