Cebit 2012: Die Drohnen kommen
Drohnen, wie sie bislang nur die Armee zur Aufklärung nutzte, werden nun von TV-Sendern und Polizei eingesetzt. Zeit für eine Debatte über diese Überwachungstechnik.
© AirRotorMedia

Werbefoto einer Drohne der Firma AirRotorMedia.
Frank Potthast sieht ein bisschen stolz aus, als sein Quadrocopter abhebt. Am Dienstagmorgen sorgt die Flugshow bei der Cebit für Aufsehen in Halle 13. Die Köpfe der umstehenden Messebesucher gehen nach oben, einige rufen "Oh!" und "Guck mal, da", viele zücken ihre Smartphones, um die Drohne namens AR 100 B zu fotografieren. Wer nicht von Anfang an am Stand war, weiß allerdings nicht, dass dieses Gerät ihn seinerseits filmt.
Drohnen sind nichts Neues auf der Cebit. Im vergangenen Jahr etwa zeigte das Fraunhofer Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB, wie sich die Geräte im Katastrophenschutz einsetzen lassen. Ungewohnt ist der Anblick aber offenbar noch immer, selbst für das technikaffine Publikum der Cebit.
Was Frank Potthast, Vertriebsleiter der Firma AirRotorMedia aus Holzminden in diesem Jahr zeigt, gab es bei Publikumsmessen so allerdings noch nicht zu sehen. Die Minihelikopter seiner Firma sind High-End-Modelle, wie sie bis vor wenigen Monaten nur das Militär einsetzte. Die Bundeswehr etwa. Die nutzt Drohnen der Mutterfirma AirRobot zur Aufklärung in Afghanistan.
Es ist kein Zufall, dass Fluggeräte dieser Klasse nun auch für den Einsatz im zivilen Leben angepasst werden. Die Technik hat sich als nützlich erwiesen. Was dazu taugt, militärische Gegner zu observieren, kann eben auch bei Demonstrationen gegen Atommülltransporte nutzen. Ende Dezember hatte der Bundestag daher eine Änderung des Luftverkehrsgesetzes ohne Diskussion in die Ausschüsse gegeben. Tritt es in Kraft, werden Drohnen den anderen elf Klassen von Luftfahrzeugen gleichgestellt.

Damit könnten die Fluggeräte voraussichtlich noch in diesem Jahr für verschiedene Aufgaben eingesetzt werden. Zum Teil geschieht das schon: Die Feuerwehr kann die mit verschiedenen Kameras und Gassensoren ausgestatteten Quadrocopter über einen Brandherd steuern, um Gefahrenquellen für die Einsatzkräfte auszumachen. Bilder und Ergebnisse der Sensormessung werden in Echtzeit übertragen, die Entfernung zum Brandherd kann 1.000 Meter betragen, in manchen Fällen auch 2.000. Bis zu 60 Minuten bleibt das stärkste Modell in der Luft.
In mehreren Bundesländern hat auch die Polizei schon Drohnen verwendet, um Fußballfans oder eben Demonstranten aus der Luft zu beobachten. Der Vorteil aus Sicht der Polizei ist der gleiche wie aus Sicht der Bundeswehr: Sie kann schnell einen Überblick über komplexe Situationen bekommen. Der Nachteil aus Sicht der beobachteten Bürger: Die Geräte sind klein und leise und können leicht unbemerkt bleiben, wenn sie in größerer Höhe fliegen. Perfekte Überwachungsgeräte also.
Auch AirRotorMedia verkauft seine Produkte an Polizeibehörden. LKA und Sondereinsatzkommandos gehören zur Kundschaft, sagt Potthast. Die fliegenden Kameras können zur Aufklärung und Überwachung problemlos auch innerhalb von Gebäuden eingesetzt werden, im Freien sind sie ab einer Flughöhe von 15 Metern nicht mehr zu hören.







Erfindungen, die sich ihren Weg bahnen, haben offenbar immer etwas Bedrohliches an sich, so auch die Jedermann-Drohnen ...
Positives würde ich zunächst z. B. darin sehen, dass Naturfilmer eher geräuschlos über Tierherden hinweg filmen können, ohne z.B. Elefanten oder Antilopen durch die Geräusche von Helikoptern oder Ballons zu verschrecken. Auch dürfte sich die Überwachung der zur Zeit von Wilderern gefährdeten Nashörnern dadurch besser gestalten; die Wilderer allerdings könnten wiederum dadurch ihre Opfer ebenso erst aufspüren ...
Bedenken habe ich insofern, als die neuen, kleinen Luftfahrzeuge vielleicht die Bahn größerer Luftfahrzeuge wie die von Rettungshubschraubern oder Passagierflugzeugen in Flughafennähe in gefährlicher Weise kreuzen könnten. Hier bedarf es wohl strenger und kontrollierbarer Regelungen.
Ob die Drohnen wohl absturzsicher sind? Ich meine, auf der Autobahn möchte ich so etwas nicht auf die Frontscheibe gestürzt bekommen, in der Stadt ebensowenig auf den Kopf nach Kollision mit einem Hindernis.
Überwachung, naja, wir werden ohnehin zur Genüge überwacht, da macht das auch nichts mehr ... Mehr befürchte ich, dass die Dinger in Zukunft vielleicht auch schießen oder einen Sprengsatz anonym irgendwo fallen lassen können.
Fazit: Regelungen zum Gebrauch der Drohnen sollten m. E. äußerst restriktiv formuliert und ihre Einhaltung stark kontrolliert werden; verhindern wird man diese Technik nicht mehr können, ist sie einmal so handlich auf dem Markt.
... dass ich heute jung bin (nicht in ein paar Jahren) und mir diese Dinge erstmal nur ein mulmiges Gefühl verschaffen.
Umso mehr die Zeit voranschreitet, umso mehr Dinge werden erfunden, die meine Paranoia steigern und so doch einen gewissen Einfluss auf mein unbeschwertes Leben haben (ich meine, man stelle sich mal vor, jeder könne eines Tages solche Dinger in Top Qualität für 20 € kaufen).
Auch so Dinge wie ... E-Books, Roboter, automatisierte Häuser, Autos mit hackbarer Computersoftware, druckbare Organe (und Menschen???), künstlich erzeugtes Fleisch, ... ich will das alles gar nicht haben ...
"Transparenz sollte in beide Richtungen gehen."
Tranzparent sollte nur der Staat vor dem Bürger sein, nicht aber der Bürger vor dem Staat!
Allerdings wäre in beide Richtungen schon mal ein Fortschritt gegenüber dem was wir jetzt haben, da ist es nämlich gerade verkehrt herum...
Dieses "Spielzeug" hat ein ungeheueres Entwicklungs-, Anwendungs- und Sucht-Potenzial. Es wäre besser nicht erfunden worden.
... wird die Stelle des Vorgesetzten frei, aber die Party ist versaut. Böse Leute mit Drohnen zu töten ist meines wissens völlig Legal oder liege ich da falsch?
...dass ich nicht ein Leben im Überwachungsstaat vor mir habe! Merken Sie denn nicht, wohin die Reise geht? Der Unterschied zwischen Tierherden und Menschenherden ist minimal. George Orwells Welt ist schon präsent!
Viel Spaß den Überwachten der nahen Zukunft!
Was genau verursacht das beklemmende Gefühl beim Anblick dieser Drohnen? Man weiß nicht, was diese Geräte im Stande sind zu tun oder im nächsten Augenblick tun werden. Es sind unbemannte Flubojekte – und darum auch in gewisser Weise unbekannte Flugobjekte. Theoretisch kann man mit diesen Drohnen jeden individuellen Menschen von der Luft aus überwachen oder außer Gefecht setzen. Das ist eine technische Möglichkeit, die damit erst geschaffen wird. Die Frage ist: müssen sich die Menschen daran gewöhnen?
Das ist eine zutiefst idiotische Frage, weil die Antwort definitionsgemäß nein lautet. Sie müssen es nicht, wenn sie es nicht wollen. Das gilt für jede neue Technologie. Der Fortschritt, den die Drohnen mit sich bringen, ist verzichtbar. Es gibt so unglaublich viele andere Gebiete, in denen die Technik Fortschritte erzielen kann, die nicht die Privatsphäre oder die Freiheit der Menschen gefährden. Technischer Fortschritt kann niemals ein Rückschritt sein – nur die Anwendung des technischen Fortschrittes, wenn diese zu einem Rückschritt für die Menschen führt.
dass die regierungen solche erfindungen immer mißbrauchen will.
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