Die EU will intensiver gegen milliardenschweren Betrug im Internet vorgehen. Ein europäisches Zentrum zur Bekämpfung der Cyber-Kriminalität soll Bürger und Unternehmen künftig bei der Abwehr von Straftaten im Netz unterstützen. "Wir dürfen nicht zulassen, dass Cyber-Kriminelle unser digitales Leben zerrütten", sagte EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström .

Das Zentrum solle bei der Polizei-Behörde Europol in Den Haag angesiedelt werden und als europäische Schaltstelle im Kampf gegen die Cyber-Kriminalität dienen. Die Internet-Experten sollten vor allem gegen die organisierte Kriminalität vorgehen und Straftaten wie Onlinebetrug mit gestohlenen Kreditkarten oder Kontodaten verhindern, die teils hohe Erträge abwerfen.

Auch die Abwehr von Cyber-Angriffen auf wichtige Infrastrukturen oder Informationssysteme in der EU wird zu den Aufgaben der Experten in Den Haag zählen. Zudem sollen sie gegen Kinder-Pornografie im Internet vorgehen und soziale Netze vor digitalem Missbrauch schützen. Das alles mit zunächst 30 Mitarbeitern.

"Millionen Europäer nutzen das Internet für ihre Kontoführung, für Online-Einkäufe, für ihre Urlaubsplanung oder den Kontakt zu Familienmitgliedern oder Freunden", erklärte Malmström. Im gleichen Maße, wie sich das tägliche Leben online abspiele, verlegten jedoch auch Kriminelle ihre Aktivitäten ins Internet.

Jährlicher Schaden von 300 Milliarden Euro

Weltweit werden im Internethandel nach EU-Angaben jährlich etwa sechs Billionen Euro umgesetzt. Jeden Tag würden schätzungsweise eine Million Menschen Opfer von Cyber-Straftaten. Die EU beziffert den jährlichen Schaden durch die Kriminalität im Internet mit knapp 300 Milliarden Euro.

Anfang 2011 besaßen fast drei Viertel aller EU-Haushalte einen Internet-Anschluss. Bereits 2010 nutzten über ein Drittel aller Europäer das Onlinebanking. Auf dem schwarzen Markt würden Kreditkartendaten für gerade mal einen Euro pro Satz gehandelt, eine gefälschte Kreditkarte koste 140 Euro, Kontodaten gebe es für 60 Euro zu kaufen.

Zentrale Aufgabe des europäischen Cyber-Zentrums wird es daher sein, die Ermittler, Richter und Staatsanwälte in den Mitgliedsstaaten zu unterstützen. Rund 3,6 Millionen Euro soll die neue Abteilung jährlich kosten. Im Januar 2013 soll die neue Einheit ihren Dienst aufnehmen, zuvor muss die Führungsebene der europäischen Polizeibehörde dem Vorschlag allerdings noch zustimmen.