AnonymousMehrere LulzSec-Hacker verhaftet

LulzSec galt als so etwas wie der bewaffnete Arm der Bewegung Anonymous. Bis das FBI den Kopf der Gruppe schnappte. Er soll nun auch andere Mitglieder verraten haben. von dpa

Amerikanische Fahnder haben laut Berichten der Nachrichtenagentur AP und des Fernsehsenders Fox News drei Mitglieder der Hackerbewegung LulzSec verhaftet. Die Hacker seien in Europa und den USA festgenommen worden. Zudem sei Anklage gegen zwei weitere Personen erhoben worden, die an LulzSec-Attacken mitgewirkt haben sollen.

Die entscheidenden Hinweise kamen dem Bericht zufolge von einem Insider: Der 28-jährige New Yorker namens Hector Xavier M. mit dem Hackernamen "Sabu" wurde demnach schon vor längerer Zeit verhaftet und soll sich in mehreren Fällen des Hackings für schuldig erklärt haben. Offensichtlich um sein Strafmaß zu verringern, arbeitete er seitdem mit dem FBI zusammen.

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"Sabu" gilt als einer der Anführer von LulzSec. In Anonymous-Kreisen war er schon länger als Verräter bezeichnet worden.

Ohne Gesicht

Der Name ist Programm – die Gruppe Anonymous agiert als Bewegung ohne sichtbare Hierarchie und Gesichter. Anhänger ihrer Aktionen (Anons) verkleiden sich gern mit einer Maske von Guy Fawkes. Der hatte 1605 ein Attentat auf den englischen König versucht. Das wiederum inspirierte die Autoren der Comicserie V – wie Vendetta in den achtziger Jahren, ihren Protagonisten hinter einer Fawkes-Maske versteckt zu zeigen. Er protestierte mit seinen Aktionen gegen einen unterdrückenden und überwachenden Staat, was wiederum einige Anons als Symbol für den eigenen Kampf aufgriffen.

Ursprung der Bewegung und des Namens ist das Imageboard 4chan. Auf der Seite kann jeder unzensiert und unmoderiert Bilder und Botschaften hinterlassen und dabei auch seinen Namen angeben. Allerdings tut das kaum jemand, weswegen die meisten Texte mit dem Namen "Anonymous" gekennzeichnet sind.

Ohne Hierarchie

Anonymous existiert nicht als Organisation. Es ist viel mehr eine Idee, eine Bewegung, der sich jeder anschließen und derer sich jeder bedienen kann. Auch Koordination gibt es nicht direkt. Wichtigste Instrumente dieser Nicht-Koordination sind der Internet Relay Chat (IRC) für Diskussionen und Pastebin.com zum Veröffentlichen von Meiningen und Manifesten.

Doch muss niemand in solchen Foren und Kanälen auftauchen, um ein Anon zu sein. Es genügt, Anonymous öffentlich zu unterstützen, wie es der amerikanische Bürgerrechtler John Perry Barlow tut, oder sich an den Attacken auf Server zu beteiligen. Die Software dazu, Low Orbit Ion Cannon genannt, gibt es kostenlos im Netz.

Ohne Führer

Es gibt keinen Chef, Leiter, Anführer oder ähnliches. Im Gegenteil: Jeder, der sich als solcher in Medien oder Internet präsentiert, kann davon ausgehen, in kürzester Zeit von den Anhängern von Anonymous beschimpft zu werden oder selbst Ziel von Angriffen zu sein. Anonymous ist vielmehr eine Umsetzung der Idee des Hive Minds, der Schwarmintelligenz. In der Masse, so die Idee, lässt sich enorme Wirkung entfalten, also sollte auch nur die Masse das Ergebnis für sich beanspruchen.

Gleichzeitig legt Anonymous Wert darauf, Verantwortung für die Aktionen zu übernehmen, die durch das Netzwerk koordiniert wurden. Daher werden üblicherweise Bekennerschreiben verfasst. Jedoch hat die Bewegung keinen Einfluss auf "Einzeltäter", die ihren Namen benutzen und will den auch nicht haben.

In gewisser Hinsicht bildete die zeitweise mit Anonymous verbündete Hackergruppe LulzSec eine Ausnahme von der Führerlosigkeit. Sie hatte mit Hector Xavier Monsegur alias "Sabu" einen Gründer, Kopf und Sprecher. LulzSec hat eine Reihe von Regierungs- und Unternehmensserver angegriffen und sich dabei Zugriff auf E-Mails und Nutzerdaten verschafft. 2012 kam heraus, dass Sabu ein FBI-Informant war, der mehrere LulzSec-Mitglieder verraten hat.

Ohne Ziel

Anonymous versteht sich als Bewegung, die für Netzfreiheit und gegen Zensur kämpft. Darüber hinaus aber gibt es keine klar formulierten Ziele. Aktionen können sich gegen Sekten ebenso richten (die älteste bekannte ist eine gegen Scientology) wie gegen rechtsradikale Foren, Kreditkartenkonzerne oder Manager von Unterhaltungskonzernen.

Auch ist es im Kern eigentlich keine politische Bewegung. Ursprünglich ging es um Streiche – im Namen unliebsamer Personen beispielsweise Unmengen Pizza zu bestellen. Der Spaß stand im Vordergrund, oder im Jargon des Netzes: the lulz. Gemeint sind Lacher, vor allem im Sinne von Schadenfreude.

Für die Teilnehmer allerdings können die Aktionen im Zweifel durchaus riskant sein, da einige Länder wie die USA, Großbritannien und die Niederlande begonnen haben, Attacken von Anonymous strafrechtlich zu verfolgen.

"Das ist verheerend für die Organisation", zitierte Fox einen an den Ermittlungen beteiligten FBI-Beamten. "Wir haben den Kopf von LulzSec abgeschlagen."

Die Anklage lautet demnach auf Verschwörung ( conspiracy ) . Betroffen sind zwei Briten, zwei Iren und ein Amerikaner. Der in Chicago festgenommene Amerikaner gilt den Ermittlern als Kopf des Angriffs auf das Unternehmen Stratfor.

Die Gruppe, die sich selbst LulzSec nannte, verschaffte sich im Mai 2011 Zugang zu Web-Servern von Unternehmen und Behörden. Ende Juni erklärte die vermutlich von der digitalen Protestbewegung Anonymous abgespaltene Gruppe ihre Auflösung.

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Leserkommentare
  1. Leute, die Machenschaften auf zugegeben zweifelhafte Art ans Licht bringen, sind natürlich kriminell aus Sicht der Entlarvten.

    Eines Tages, wenn es diesen "Kriminellen" nichts mehr nützen wird, werden kluge Köpfe für ihre Rehabilitation sorgen, aber das ist derzeit und noch lange nicht in Sicht.

    Ist es nicht erstaunlich, wie fast gelangweilt die "Mächte" dieser Erde auf Angriffe gegen die Menschlichkeit reagieren, auf Sklaverei, Zwangsprostitution, Mafioses usw. und wie nervös sie plötzlich werden, wenn es um die eigene Jacke, die eigene Hose geht? Um Stratfor? Oder auch bloß Sony? Oder Geheimdepeschen? Im letzteren Fall ging "Todesstrafe" mindestens theoretisch durch die Verlautbarungen.

    Da scheint es mir nicht mehr um "Recht" zu gehen, es ist ein Krieg, ein solcher kennt kein Recht, Haag und Genf hin oder her. Furchtbar daran ist für mich, dass ich beseelte Hacker-Eliten irgendwann in ganz und gar nicht cyber-Kampfmontur und mit durchaus real funktionierendem Schießgerät vor meinem unruhigen Auge sehe.

    Nervös. Sagte ich ja schon.

    2 Leserempfehlungen
    • pakZ
    • 06. März 2012 19:54 Uhr

    es - gibt - keine - organisation - anonymus - !

    allmählich wird's nervig.

    6 Leserempfehlungen
  2. 19. warum

    Wow. Diese Menschen, die sich für andere einsätzen werden als Verbrecher behandelt aber Hr. Wulff bekommt noch einen Zapfenstreich und 200.000 Euro Jährlich!
    Das Zeigt doch nur eines!

    7 Leserempfehlungen
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    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur an der Diskussion, wenn Sie einen konstruktiven Beitrag zum Thema des Artikels leisten möchten. Danke. Die Redaktion/vn

    • Riktam
    • 06. März 2012 22:12 Uhr

    … die Altpräsidenten zeigen Würde und kommen nicht zum Zapfenstreich.

  3. Wenn man sich seine eingene kleine Gruppe mit eigenem Namen gründet, ist man nicht mehr Teil des Kollektivs, sondern maximal Sympathisant der Bewegung.

    Eine Leserempfehlung
  4. Ich möchte die Zeit und andere Medien zur Verhältnismäßigkeit ermahnen. E ist eine ungeheuerliche Gleichstellung von Kriegsaktionen und Hackeraktionen wenn verbal in Bezug auf solche Computer-Manipulationen von "Angriff" oder "Bewaffnet" gesprochen wird. Unter einem Bewaffneten Angriff auf die CIA (jüngst Anon zugeschrieben) sollte man doch gemeinhin etwas anderes verstehen als Computerangriffe. Da muss man in den Schlagzeilen gehörig aufräumen. Auch wenn dieser Duktus "Branchen"-üblich ist, sollte man die Verhältnismäßigkeit waren. Auch Hackergruppen als Terroristen zu begreifen, wie es manche Staaten und Zeitungen tun, ist zu viel! Echte Terroristen zerbomben Städte und Menschen! Sind eine echte Gefahr. Welche direkte Gefahr von solchen Hackern genau ausgegangen ist, ist mir schleierhaft, aber sicher sind dadurch nicht im Vergleich zu echten Terrorattacken Menschen zu Schaden gekommen.

    6 Leserempfehlungen
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    • snm81
    • 06. März 2012 21:41 Uhr

    die medien bedienen sich hier lediglich der diktion der regierungen. (was schonmal arg bedenklich ist) diese, vor allem die amerikanische, setzen cyberangriffe und physische angriffe mittlerweile auf eine stufe. das ist auch der grund warum eigentliche harmlose computerfuzzies mittlerweile den rang eines public enemy nr1 einnehmen können. der grund dafür ist meines erachtens die amüsante und sympathische tatsache dass im internet die globale machtarithmetik nicht gilt. da kann ein popliger nerd eine weltmacht drangsalieren und die verfechter der "autorität" wirken auf einmal aus bloßer hilflosigkeit ganz schön grantig. daran kann man aber auch sehen welches emanzipatorische potential in diesem schnuckligen anarchonetz steckt.

    in diesem sinne
    weiter gehts :-)

  5. "LulzSec galt als so etwas wie der bewaffnete Arm der Bewegung Anonymous."

    Diese Aussage ist schlicht und ergreifend falsch. LulzSec und Anonymous sind zwei verschiedene Paar Schuhe.

    Es mag sein, dass Anons und LulzSec manchmal Seite an Seite gearbeitet haben, aber dennoch ist hier zu unterscheiden. LulzSec haben immer unter ihrem eigenen Banner operiert und wurden von vielen Anons eher verarchtet.

    2 Leserempfehlungen
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    Wollte nur noch dazu sagen:

    LulzSec als Arm von Anonymous zu bezeichnen, ist so, als würde man die Linken als Arm der Grünen bezeichnen nur weil beide Parteien mal auf einer Demo gegen Nazis anwesend waren. Vielleicht waren ja sogar mal ein paar Linke vorher Grüne, aber würde deswegen irgendjemand solche Bezeichnungen verwenden?

    Der entscheidene Unterschied ist doch, dass LulzSec es ganz klar im eigenen Interesse getan hat for the lulz, for the fame, und dass ein regelrechter Personenkult von diesen Leuten geschürt wurde, was jetzt so ganz und gar nicht Anonymous mäßig ist.

  6. 23. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur an der Diskussion, wenn Sie einen konstruktiven Beitrag zum Thema des Artikels leisten möchten. Danke. Die Redaktion/vn

    Antwort auf "warum"
    • snm81
    • 06. März 2012 21:41 Uhr

    die medien bedienen sich hier lediglich der diktion der regierungen. (was schonmal arg bedenklich ist) diese, vor allem die amerikanische, setzen cyberangriffe und physische angriffe mittlerweile auf eine stufe. das ist auch der grund warum eigentliche harmlose computerfuzzies mittlerweile den rang eines public enemy nr1 einnehmen können. der grund dafür ist meines erachtens die amüsante und sympathische tatsache dass im internet die globale machtarithmetik nicht gilt. da kann ein popliger nerd eine weltmacht drangsalieren und die verfechter der "autorität" wirken auf einmal aus bloßer hilflosigkeit ganz schön grantig. daran kann man aber auch sehen welches emanzipatorische potential in diesem schnuckligen anarchonetz steckt.

    in diesem sinne
    weiter gehts :-)

    4 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte FBI | Fox | Ermittlung | Hacker | Nachrichtenagentur | Anonymous
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