Die schwedische Musikplattform Spotify ist nach mehrjähriger Anlaufzeit ab Dienstag auch in Deutschland verfügbar. Der im Oktober 2008 in Schweden gegründete Dienst bietet in bereits zwölf Ländern mehr als 16 Millionen Musiktitel im sogenannten Streaming an – also dem direkten Abspielen von Liedern im Internet.

Offene Lizenzfragen hatten den Start von Spotify in Deutschland bislang verzögert. Den Start möglich gemacht hat eine Gebührenordnung der Musikverwertungsgesellschaft Gema und des IT-Fachverbands Bitkom im Dezember vergangenen Jahres, die einheitliche lizenzrechtliche Grundlagen für Streaming-Dienste in Deutschland geschaffen haben. Zu diesen gehören unter anderem auch Angebote wie Napster , Simfy und Aupeo.

Deutschland sei der drittgrößte Musikmarkt der Welt, sagte Firmengründer Daniel Ek. "Wir denken, das ist ein perfekter Standort für Spotify." Für die Plattenfirmen sei Spotify bereits die zweitgrößte Einnahmequelle beim Geschäft mit digitaler Musik in Europa . Seit dem Start im Oktober 2008 habe Spotify der Musikindustrie rund 200 Millionen Euro an Lizenzgebühren überwiesen. Dies komme den Plattenfirmen ebenso zugute wie Komponisten und Künstlern. Der Dienst hat nach eigenen Angaben mehr als drei Millionen zahlende Nutzer.

Schnittstellen für Apps

Die Spotify-Nutzer können frei wählen, welche Musik sie hören wollen. Die Daten werden über das Internet übertragen, ohne dass wie bei Download-Diensten eine Speicherung der Musikdateien vorgesehen ist. Dies wird als Streaming bezeichnet, eine Form des Musikhörens, die zunehmend Anklang findet.

"Wir wollen das Betriebssystem für Musik werden", sagte Ek. "Die Nutzer sollen Musik in den verschiedensten Situationen und mit Spotify-Apps hören können, die sie gern verwenden." Mit Hilfe der Software-Schnittstelle (API) von Spotify können externe Entwickler eigene Anwendungen programmieren, die an das Streaming-Repertoire des Dienstes andocken. Da gibt es etwa die App TuneWiki, die zu jedem Song den Text anzeigt. Oder die App Soundrop, bei der sich Gruppen online verbinden und einen DJ bestimmen können – ähnlich wie bei dem in den USA beliebten Dienst Turntable.fm, der in Deutschland aus lizenzrechtlichen Gründen nicht mehr zu empfangen ist.

Nach Einschätzung von Branchenexperten wie dem Berliner Eric Eitel ist der Dienst der Schweden daher mehr als nur ein weiterer Anbieter von Musik aus dem Netz: "Wenn es Spotify gelingt, mit den Apps von Partnern ständig neue Nutzungsszenarien zu schaffen, könnte dies den digitalen Musikvertrieb auf ähnliche Weise umwälzen, wie das Apple mit iTunes erreicht hat."